All posts by Dora Asemwald

Über Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

Hosentaschenfeuerwerk


PyrotechnikDie Emotion ist ein psychischer Prozess, der durch die Wahrnehmung eines Objektes oder einer Situation ausgelöst wird und mitunter mit subjektivem Gefühlserleben und einer Veränderung der Verhaltensbereitschaft einhergeht* – zum Beispiel der Bereitschaft, Sachen anzuzünden, die dann krachen, leuchten und stinken.

Ein Aufkleber am Straßenschild vor meiner Tür fordert Respekt für eben jene Emotionen ein, die den Pyromanen in einem wecken. Ich finde es auch schade, dass man nicht einfach spontan Freudenfeuerwerke abfeuern oder der Wut mittels Böllern Nachdruck verleihen kann. „Die da oben“ machen es einem ja vor! Kaum ist ein amerikanischer Präsident mal so richtig wütend auf ein bodenschatzreiches Land, lässt er bomberweise Pyrotechnik ankarren und lässt ein richtig großes Feuerwerk krachen.

Pyrotechnik ist ja nicht gerade ungefährlich, erst recht wenn sie von emotional Aufgewühlten zum Einsatz gebracht wird. Drum schlage ich einen Kompromiss vor: Wunderkerzen und Knallerbsen sind zwar nicht ganz so spektakulär, können aber Emotionen auf symbolische Weise ausdrücken. Ausserdem passen sie in jede Tasche. Man weiß ja nie, wann es einen überkommt.

Ich zünd mir jetzt jedenfalls mal ganz emotional ‘ne Zigarette an.

*Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Emotion

Albtraum eines Ökophobikers


Ökodiktatur

Gestern habe ich vor den Gefahren der ethnokulturellen Empathie – der Offenheit gegenüber anderer Weltsichten – gewarnt (wackliges Weltbild und so weiter). Heute möchte ich mal einen erst kürzlich in diesem Blog verfassten Kommentar vorstellen, der die Klippen des metakulturellen Diskurses weitläufig umschifft und in plakativer Sprache aufzeigt, was die erschreckenden Folgen einer ihm fremden Denke sein könnten. Der Kommentar von Uwe Vogt bezieht sich auf einen Artikel, der unter die Gürtellinie des letztherbstlichen Wahlkampf um den Stuttgarter OB-Posten blickt:

„Noch nie war die Freiheit in Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg mehr in Gefahr als heute durch die Grünen. Grünlackierte Kommunisten (Trittin), Anarchisten (Fischer), Pädophile(Cohn- Bendit) und Schwachsinnige (Claudia Roth) steuern Deutschland in die DDR2.0 in die Ökodiktatur.Stoppt diese Chaoten!“ (Uwe Vogt)

Ich nehme das mal als Übungseinheit in meiner selbstauferlegten Toleranzschulung wahr und versuche, mich auf die Denkkultur eines Ökophobikers einzulassen und male mal den Teufel einer von Kommunisten, Pädophilen, Anarchisten und Schwachsinnigen begründeten Ökodiktatur an die Wand.

Zuerst kommen mir Bilder eines Mülltrennungsblockwarts in den Sinn, der minutiös den Abfall kontrolliert und sogleich Meldung an die Staatskorrektheits-Behörde macht, wenn Verpackungen unfair gehandelter Produkte auf potenzielle Verstöße gegen das Gutmenschentum hinweißen. Bei mehrmaligen Verstößen wird vor dem Haus des Delinquenten eine Mahnwache errichtet. Erzeugt diese keine Betroffenheit, droht das Umerziehungslager. Dort wird mittels Zwangsmeditation selbst der freiste Geist weichgekocht und mit gutmenschlicher Propaganda zugekleistert. 

Die Industrie beschränkt sich auf die Produktion von Fahr- und Windrädern. Tieren werden die vollen Menschenrechte übertragen, Fleisch darf man nur noch vom eigenen Leib essen. Der vegetarische Untergrund ist verpönt und harscher Verfolgung durch die Veganmiliz ausgesetzt. Wir ernähren uns von Müsli (mit genfreier Sojamilch) aus ungespritztem Urgetreide, das nur bei Vollmond geerntet wird. 

Falls dem Pöbel doch mal der Unmut hochkocht, posieren Polizisten als Zielscheibe für den neuen Volkssport Pflastersteinwurf. Aber Obacht: Wer Aggressionen zeigt, wird in eine Selbsthilfegruppe mit gegenseitigem Umarmen eingewiesen. Auch nicht vergessen: Pflastersteine nachher bitte wieder einsammeln, wegen Pflastersteinpfand.

Der Ökodiktator wird in paritär besetzten basisdemokratischen Diskussionsräten bestimmt. Sollte es keinen Konsens vor dem Kompostieren des amtierenden Oberhauptes geben, wird nach einer ausgedehnten Schweigeminute und unzähligen Betroffenheitsbekundungen eine Sitzblockade ausgerufen, die andauert, bis sich das Problem gelöst hat.

Die Staatsbürgerschaft wird abgeschafft und alle werden zu Ausländern erklärt. Die neue Währung ist biologisch abbaubar und somit für Spekulationsgeschäfte nicht geeignet.

Da das Grundübel für Mutter Erde der Mensch an sich ist, werden alle zwangssterilisiert, womit sich das Problem von alleine löst. Die Natur kann sich dann alles zurückerobern.

Allen jenen, die wie Uwe die Ökodiktatur fürchten, rate ich an, sich eine Distopie einer Kapitaldiktatur aus der Sicht eines Gutmenschen auszumalen. Ich würde mich über diesen  Akt ethnokultureller Empathie sehr freuen.

PS: Dürfen katholische Vegetarier eigentlich die heilige Kommunion empfangen? Ich sähe da ein kleines Problem mit der Wandlung

PPS: Für alle, die jetzt nicht so genau wissen, wo sie diesen Artikel politisch einordnen sollen: ;-)

#rp13: Lustwandeln auf der Metaebene


Das mit der rechtzeitigen Berichterstattung von der re:publica hat wohl doch nicht geklappt. 5.000 Grenzvirtuelle auf einem Haufen, das bedeutet ca. 7.000 Smartphones, 3.000 Laptops und 4.000 Tablets gleichzeit online oder so. Ein technisches Wunder, dass da überhaupt noch was funktioniert hat. Mal abgesehen von der Schlangenverwirrung war dort alles prima organisiert.

Zuerst hab ich mir eine Rede von Gunter Dueck angehört. Der Mathematiker war früher mal „Chief Technologie Officer“ bei der IBM Deutschland, ist aber jetzt mit 60 in den Unruhestand gegangen, wie er selbst behauptet, und macht das, was er schon seit längerem treibt: Schreiben und Reden halten. Sehr zu empfehlen ist seinen Blog daily dueck (http://www.omnisophie.com/), vor dem ich meine Hutsammlung ziehe. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Vortrag anzuschauen, auch wenn er eine Stunde dauert:  

Was er in seinem Vortrag predigt, ist ethnokulturelle Empathie. Das Wort hat er selbst erfunden und bedeutet mal ganz grob zusammengeschustert soviel wie der Versuch, andere Denkkulturen zu verstehen, und nicht immer nur drauf zu hauen. Er fordert den metakulturellen Diskurs. Ich finde das gut und fordere mit!

Doch das würde auch Opfer fordern: Das wäre das Ende vieler Diskussionen (oder eher Streitereien), die ich hier im Netz so verfolge. Konservativ vs. Progressiv, Gutmensch vs. Schlechtmensch, Hundementalität vs. Katzenmentalität, Äpfel vs. Birnen und so weiter. Das Schöne an diesen Streitereien zwischen Weltbildern ist ja, dass sie nie enden, da es ja gar keinen Konsens geben kann. Darum werden Talkshows auch immer weitertalken, werden sich die Stuttgarter Obenbleiber nie mit jenen versöhnen, für die Fortschritt am Rollen von Baggern zu erkennen ist und Politiker weiterhin hanebüchene Wahlprogramme ersinnen.

Wer die Wahrheit für sich pachtet, kann sich entspannt zurücklegen. Ethnokulturelle Empathie ist anstrengend! Sie erfordert, das wacklige Gerüst des eigenen Weltbildes infrage zu stellen. Sie erschüttert das beruhigende Gefühl, sich auf der richtigen Seite zu befinden und birgt die Gefahr, einen Blick auf die Löchrigkeit der eigenen Meinung werfen zu müssen. Das verbreitete Furcht und Schrecken! Also wird weiterhin aufeinander eingedroschen. Schlag auf Schlag affirmiert man so das eigene Weltbild. Um so instabiler das Kartenhaus, desto vehementer wird gezofft – von der Metaebene aus betrachtet wirkt das Ganze ein großes bisschen lächerlich.

Wie man auf diese Metaebene kommt und wie man es dort aushält, verrät Dueck nicht. Aber dazu ist ein Vortrag auch nicht ausreichend. Ein erster Schritt wäre meines Erachtens, die eigene Position nicht ganz so ernst zu nehmen und sich vom Glauben, es gäbe eine Wahrheit, zu verabschieden.

Doch wie sähe eine Welt aus, in der jeder versuchen würde, den anderen zu verstehen? Wir würden gemeinsam auf Metaebenen lustwandeln, auf denen jeder Gedanke erlaubt ist und alles irgendwie gildet. Eine genauere Skizzierung dieser Meta-Utopie nehm’ ich mir für ein anderes mal vor, aber der Gedanke daran füllt mir schon jetzt den Magen mit einer Extraportion Mulm.

Gunter Dueck:
https://twitter.com/wilddueck

http://www.omnisophie.com/

https://www.facebook.com/gunter.dueck

http://www.linkedin.com/in/gunterdueck

https://www.youtube.com/user/Wilddueck

Zum Thema Metaebenen erklimmen oder auf dem Boden des Konkreten bleiben:

http://asemwald.wordpress.com/2010/06/20/der-boden-des-konkreten/

http://asemwald.wordpress.com/2010/06/22/ballnichtneuerfinden/

Kommunikation durch Verwirrung


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Wie schafft man es, dass die Besucher einer Konferenz emsig kommunizieren? Ganz einfach, nichts leichter als das:
Man lasse die Besucher einfach in mehreren sich windenden Riesenschlangen stehen und erkläre ihnen erst auf halber Strecke, dass sie in der falschen Schlange stehen. Das sorgt für wohlige, kommunikationsfördernde Verwirrung. Mal schauen, was uns am Ende des Schlangenverdauungstrakt erwartet …

Soziales Mädchen in digitaler Gesellschaft


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Ich bloggiere jetzt schon seit geraumer Zeit aus meiner Heimat Stuttgart, und hab hier die einen oder anderen Bloggisten aus dem Kessel schon kennengelernt. Um mal zu schauen, was die Kollegen außerhalb so treiben, fahre ich morgen zur re:publica, der „Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft“ in Berlin. Für ein soziales Mädchen, dass bloggt und sich hauptsächlich in digitaler Gesellschaft aufhält, scheint das wohl ein Eldorado zu sein. Ich werde berichten …

Magische Sprüche kloppen und durch die Gegend levitieren leicht gemacht


magische-Sprüche

Das wollte ich schon immer mal: Magische Sprüche klopfen und meine übersinnlichen Fähigkeiten entdecken. Dank diesem Straßenrandgeschenk geht dieser Wunsch endlich  in Erfüllung!

Wer auch immer diese Bücher hier hingelegt hat, hat wohl schon alles über PSI, Telepathie, Levitation, Hellsehen, Zeitreisen und so gelernt und braucht die Bücher nicht mehr. Jetzt würde mich schon interessieren, welcher von meinen Nachbarn so mir nichts dir nichts einfach meine Gedanken lesen kann. Ich schau ja immer schon, wer da durch die Gegend levitiert oder so gekleidet ist, als ob sie auf dem Weg zu einer Zeitreise sei. Bei manchen bin ich mir da ja nicht so sicher …

Pixel machen auch nicht satt


Frau Asemwald kocht

Eigentlich versetzt mich das Darbieten von frisch Gekochtem in Blogs und auf Pinwänden in Furcht und Schrecken. Knurrenden Magens schieb ich die Maus über den Bildschirm, der nichts besseres zu tun hat, als einem mittels visuellem Reiz die Speichel- und Magensaftproduktion in die Höhe zu treiben. Unzählige Megakalorien werden ins Netz gepumpt und treten den Katzenbildern in Konkurrenz. Das Schlimme daran: Pixel machen  nicht satt, nur der Gang in Küche oder Gastronomie hilft. Mal schauen, wann Foodblogs als signifikanter Faktor für Adipositas erkannt werden und nur noch mit Warnhinweisen veröffentlich werden dürfen. Ich bin froh, als Virtuelle den Folgen diesen fleischlichen Lasters nicht ausgesetzt zu sein.

Was treibt Leute – mich inklusive – dazu, den Blick in Topf und Teller der breiten Öffentlichkeit zu gewähren? Ist es die Zurschaustellung klassisch hauswirtschaftlicher Fertigkeit? Oder möchte man das Lebensgefühl der Bonvivants verbreiten und auf den eigenen ausgefeilten Geschmacksinn  aufmerksam machen? Schon eher. Nur wenige trauen sich ihr Toast Hawaii oder ähnlich Profanes zu publizieren. Es muss diffizil in der Zubereitung sein, ein halbes Küchenschnickschnack-Geschäft an Gerätschaften, die man regelmäßig von befreundeten Bonvivants zum Geburtstag beschert bekommt, müssen ihre Daseinsberechtigung erhalten. Man ist, was man isst. Und wer möchte schon das Image einer Currywurst verbreiten?

PS: Ich trage Teilschuld an der Foodifizierung des Netzes: Auch ich bin Miturheberin eines Kochblogs, bei dem derzeit jedoch der Ofen aus ist.

PPS: Cat content und Foodblogging könnte man auch kombinieren, würde aber für Empörung sorgen.

Kunst, Kitsch und Dora.


Dora von MarianneManchmal stolpere ich beim Katzenbildsammeln auch über was Tolles. Wie zum Beispiel heute: Marianne hat mich mal wieder gezeichnet. Mit Katze und Fernsehturm. Das gibt meiner Laune 5 Gefällt-mirs. Es ist ja auch langweilig, immer nur vom selben gezeichnet zu werden, ich freue mich über jede neue Perspektive auf das dorische Wesen.

Ich ruf mal ganz dreist auf: Zeichnet mich! Als Virtuelle bin ich ja auf solch bildgebende Maßnahmen angewiesen.

Übrigens: Marianne zeichnet nicht nur, sie bloggt auch: http://www.kokelores.blogspot.de/

https://www.facebook.com/MarianneKreichgauerKokelores

Kokelores – Kunst, Kitsch und Katzen ist der Titel ihres Blogs, der noch verkatzter daherkommt als meiner. Und das will was heißen. Sie darf auch in der Wohnung zweier lebender Exemplare wohnen und hat die Ehre, ihnen die Dosen zu öffnen.

Hier hab ich schon mal was über Marianne geschrieben:
http://asemwald.wordpress.com/2011/04/21/rendevouz-mit-dem-wasserwerfer/

PS: Gibts heut mal keins.

Gepflegte Winterdepression im Spätwinterwald


fototapete

Es wird wärmer. Zwischen Regenwolken kann man schon manchmal die Sonne erkennen. Bald werden quitschbunte Blüten das ruhige graubraun der Natur durchbrechen. Wenn das so weiter geht ist es im Mai wohl rum mit dem Winter – und der gepflegten Winterdepression. Um die lästigen Frühlingsgefühle vor der Tür zu halten, habe ich jetzt was Neues ausgeheckt: Die Spätwinterwaldfototapete. Garantiert ohne lebensbejahendes Grün, keine Schatten, die Sonnenschein suggerieren könnten und eine Menge totes Laub. Einfach an die Wand kleistern und in die nasskalte Stimmung eintauchen. So übersteht man die drei Monate des Sommerlochs bis zum nächsten Herbst, ohne das Haus verlassen zu müssen.

Bei Interesse an dieser beklemmenden Tapete bitte bei mir melden, ich werde auch noch andere Motive entwickeln.

PS: Auf die Idee mit der Fototapete hat mich Polizeireporterin der Stuttgarter Zeitung Christine gebracht, die sich berufsbedingt mit den Übeln dieser Welt auskennt, aber auf keinen Fall zu diesen gezählt werden darf.

Für unsere Bosheit an die Pinwand genagelt


tardar-christDas Katzenbildverbreitungsnetzwerk Internet hat eine Königin: Tardar Sauce, besser bekannt als Grumpy Cat. Die zwergwüchsige Vierkurzbeinerin ist die Meisterin des grimmigen Dreinblickens, was ihre Fotos als perfekte Zutat für Bildchen mit dummen Sprüchen (sogenannte Meme) macht, die die Pinwände von Facebook und anderen Katzenverbreitungsplattformen wie Tumblr verstopfen. Grundthema der Grumpy-Cat-Meme sind schlechte Laune, Misanthropie, Hass auf die Welt, Tod und Teufel. Kurzum: Tardar steht sinnbildlich für alles Schlechte dieser Welt. Das arme Vieh wird an die Pinwand genagelt, um all die Boshaftigkeit der Menschheit auf sich zu nehmen. So was ähnliches ist schon mal mit unseren Sünden passiert …

Grumpy Cat Meme selbst erstellen: http://www.quickmeme.com/Grumpy-Cat/

Klugschiss-PS: 

Meme wurden 1976 von Atheisten-Papst Richard Dawkins in seinem Buch „Das egoistische Gen“ beschrieben und als solche benannt (Wer Fegefeuer und Hölle nicht scheut, dem sei die Lektüre sehr empfohlen!). Im letzten Kapitel überträgt Dawkins seine zuvor aufgestellten Thesen auf Gedanken und Ideen, die ebenso einem evolutionärem Prozess unterlägen wie Gene, in dem er die drei Zutaten dieses Prozesses auf Kommunikation überträgt: Replikation, Mutation, Selektion. Gedanken werden beim Verbreiten repliziert, durch Übertragungsfehler mutieren sie, wie man vom Stille Post spielen her kennt und werden dann selektiert, in dem nur das weiter gegeben wird, was interessant oder lustig genug ist. Ein gutes Beispiel ist die Verbreitung von Witzen und Gerüchten.

Mit diesem Modell kann man die Entstehung von Kultur grob erklären, und wer darüber mehr wissen will, sollte Susan Blackmores Buch „Die Macht der Meme“ lesen, das eine ganz gute Einführung in die Theorie gibt.

Das Internet mit seiner dezentralen Netzstruktur ist ein idealer Nährboden für Meme. Internet-Phänomene wie Katzen- und Witzbilder, die sich viral, also sehr schnell und weit verbreiten und in unzähligen Varianten modifiziert werden, bezeichnet man auch als Meme. Das Grumpy-Cat-Mem ist ein derzeit sehr erfolgreiches Exemplar.

Literatur: 

Richard Dawkins: Meme, die neuen Replikatoren. In: Das egoistische Gen. (Original: The Selfish Gene. Oxford University Press, 1976). Jubiläumsausgabe 2007, S. 316–334. ISBN 3-499-19609-3.

Susan BlackmoreDie Macht der Meme. Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2000, ISBN 3-8274-1601-9.

Vortrag von Susan Blackmore über Meme:
http://www.ted.com/talks/susan_blackmore_on_memes_and_temes.html

Kurze Zusammenfassung: http://www.bertramkoehler.de/memetik.htm

Hier ein paar dorische Klugschisse dieses Blogs, die sich mit Memen beschäftigen und tief ins Reich des Hanebüchenen führen:

http://asemwald.wordpress.com/2008/06/10/dorische-lebensformen-im-el-dorado-der-immateriellen-realitat/

http://asemwald.wordpress.com/2008/09/10/reise-in-die-welt-des-ungesunden-menschenverstandes/

Meme, die grad rumgehen: http://knowyourmeme.com/

offizielle Grumpy Cat Seite:
http://www.grumpycats.com/

auf Facebook:
https://www.facebook.com/TheOfficialGrumpyCat

Volle Windkraft voraus!


Fernsehturmkraftanlage 2

Klingt wie erster April, ist aber fünf Tage früher: Der Stuttgarter Fernsehturm soll aus Brandschutzgründen für Besucher geschlossen werden. Nach 57 Jahren ist irgend jemandem aufgefallen, dass der einzige Fluchtweg im Brandfall unzureichend sei, und dafür will natürlich keiner die Verantwortung übernehmen müssen. „ … ich konnte nicht anders handeln, denn der Turm darf nicht zu einer Todesfalle für bis zu 200 Menschen werden“, so der neue OB Fritzle Kuhn. Hört sich verantwortungsvoll an. Doch was steckt wirklich dahinter?

Ich habe meine V-Leute im Rathaus ausgequetscht, die die Geschichte in ein ganz anderes Licht gerückt haben. Drahtzieher hinter der Maßnahme, da sind sie sich alle einig, ist die Windkraftmafia. Einem geheimen Papier zu Folge ist geplant, den Fernsehturm bis 2017 in eine gigantische Windkraftanlage zu transformieren. Da stören Besucher natürlich.

Dank eines größeren Sponsors aus der Region sollen übrigens die drei geplanten Rotorblätter von einem Ring umgeben und nachts beleuchtet werden.

Für ewiggestrige Zukunftsverweigerer gibt’s schon ein Symbol für Demos, auch gut als Betroffenheitsfacebookprofilbildchen zu gebrauchen:

fernsehtumlogo

Parkschildcouture


mastenpullover

Nach diesem Winter kein Wunder: Selbst Straßenschilder haben sich warm eingepackt. Hoffen wir mal, dass sie sich bald aus der Wintermode pellen und sich in leichteres Textil hüllen können. Bin mal auf die Sommerkollektion für Stoppschilder gespannt …

Bier und Blumen für die heilige Dora


Heilige Dora

Apropos Sexismusdebatte: Sexismus ist zwar eine hässliche, jedoch keine neue Erfindung. Schon vor 1.700 Jahren war ein Politiker (Stadthalter Apricus von Cäsarea) scharf auf ein junges Mädel (Dorothea), die ihn jedoch nicht wollte, da sie schon mit einem Virtuellen (Jesus von Narareth) verlobt war. Der Politiker spielte seine Macht aus, lies sie foltern und verurteilte sie zum Tode. Auf ihrem Weg zum Richtplatz spottete der am Wegesrand stehende heidnische Jurist Theophilus, er würde auch an Jesus glauben, wenn sie ihm ein Körbchen voller Rosen und Früchte aus dem Garten ihres Bräutigams brächte. Ein Engel erledigte die Besorgung, Theophilus wurde bekehrt – was Apricus erzürnte – und gemeinsam mit Dorothea enthauptet.

Dorothea wurde heilig gesprochen, Theophilus ging leer aus. Heute ist die heilige Dorothea Schutzpatronin der Gärtner, Blumenhändler, Bierbrauer, Bergleute, Bräute, Wöchnerinnen und der Neuvermählten. Ihr, und somit mein Namenstag ist heute, am 6. Februar. Mein Tipp des Tages: Blumen kaufen und Bier trinken, um die heilige Dora zu ehren.

Drohender Untod


Apropos Tod: Auch die Bundesregierung lehnt, wie heute in der Presse zu lesen, die Zahlung der Mehrkosten des Großwahnprojektes Stuttgart 21 für die Bahn ab. Ramsauer reicht eine Leiche im Keller, und die liegt in Berlin. Alternativen sollen geprüft werden, so die Regierung. Kein Wunder, die Kosten explodieren schon im Milliardenbereich, bevor so richtig losgebuddelt wird. Das Todesurteil: Unwirtschaftlichkeit – ein Schreckgespenst,  gefürchteter als mangelnder Brandschutz oder Rückbau der Kapazität. Weder Stadt, Land noch Bund sind bereit, die Kosten in unbestimmter Höhe zu decken. Stuttgart 21 ist tot. Es hat den Löffel abgegeben, ins Gras gebissen oder ist – ganz pietätvoll – einfach entschlafen.

Es reichen Grundkenntnisse der Zombologie um zu wissen, dass Tote nicht ruhen. „If there is no room in hell, the dead will walk the earth.“, ein schönes Zitat aus Dawn of the Dead von George Romero inspiriert die Phantasie der Tunnelparteien unseres Gemeinderats, die sich gestern in einer Resolution dazu bekannt haben, weiter am Zombiebahnhof festzuhalten. Laut ihnen gäbe es keinen sachlichen Grund, das Projekt weiter zu verzögern oder gar zu verhindern. Ich bin mal gespannt, mit welchem Voodoo-Zauber sie die Finanzierung des Milliardengrabs ermöglichen wollen. Es muss wahrlich große Liebe für das Genre des Zombie- und Endzeitfilms sein, die sie dazu treibt, Stuttgarts Herz durch Bauruinen vernarben und blutige Wunden in den Haushalt reissen zu wollen.

Mir fallen dazu ein ganzer Haufen grusliger Verschwörungstheorien ein, die erklären, wie die Mehrheit des Gemeinderats vom Wahn besessen oder vom Teufel geritten werden. Ich plädiere dafür, einen Exorzisten ins Rathaus zu schicken und mit den Spuk ein Ende zu setzen, damit die Toten endlich zur Ruhe kommen.

PS: Geforderte Alternativen können wir schnell bedienen: Loch 21

PPS: Soeben in den Nachrichten: Ramsauer auch von Zombieseuche befallen, er hat alles dementiert. Der Bund stünde voll und ganz hinter dem Zombiebahnhof. Wer ihn bezahlen soll, hat er aber leider nicht rausgerückt.

PPPS: Habe soeben erfahren, dass Claus Schmiedel die Zombieseuche verbreitet hat.

Nur im Notfall Ruhe bewahren


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Nur im Notfall: Ruhe bewahren. Schöne Aufforderung dazu, in Nichtnotfallsituationen auf keinen Fall die Ruhe zu bewahren. Gleitet der Aufzug geschmeidig von Stock zu Stock, scheint Unruhe durchaus erwünscht zu sein. Ich verallgemeinere das mal auf den Rest des Lebens: Ruhe ist ein wertvolles Gut, welches man sich für Notsituationen aufbewahren, jedoch nicht im Alltag vergeuden soll. Gleiches gilt dem Befolgen von Anweisungen. Ich werde das mal ausprobieren und rastlos renitent durchs Leben marodieren, bis mir der nächste Notfall über den Weg läuft.

Don’t be a maybe


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Heute hat mir eine Freundin erzählt, die EU wolle Mentholzigaretten verbieten. Menthol würde die Zigarette für Einsteiger geschmeidig machen und wäre somit verführerisch für jene, die mit dem Rauchen liebäugeln, jedoch Lungenbrecher wie Gitanes fürchteten. Im selben Zuge sollen Zigaretten eine Mindestdicke von 7,5mm haben, was das Aus für die Damenzigarette wäre.

Das hört sich nach einen klaren Schritt zu „Wenn schon, denn schon“ an und geht wie immer nicht weit genug. Cocktails versüßen den beissenden Geschmack des Alkohols und werden als erstes verboten. Bier und Wein? Viel zu süffig, klarer Fall von Abschaffen. Wer Alkohol will, soll bitte nicht unter 40% anfangen. Nur was ordentlich brennt, darf sich der angehende Alkoholkonsument in den Rachen schütten. Endlich werden auch alle Light-Produkte aus den Regalen verschwinden, die Vollmilchpflicht wird eingeführt und Wurst bekommt einen Mindestfettgehalt. Sportwägen dürfen keine Stoßdämpfer mehr haben und Fahrassistenzsysteme wie ABS kommen ebenso auf die schwarze Liste wie kleinkalibrige Waffen. Rote und blaue Skipisten werden gesperrt, im Schwimmbad wird nur noch das 10m Sprungbrett geöffnet. Und nicht vergessen: Kondome erleichtern den Einstieg in die Promiskuität – also weg damit! Aller Anfang ist hart, und wer sich selbst zerstören will, soll es bitte mit Schmackes tun. Das Europa der Zukunft ist nichts für Unentschlossene. Wie Marlboro schon in vorauseilendem Gehorsam wirbt: Don’t be a maybe.

PS.
Altkanzler Schmidt wird wohl sein Plädoyer, welches er beim letzten Parteitag für die EU gehalten hat, im Halse stecken bleiben. Es sei denn, für ihn gibt es eine Sondermentholgenehmigung. Ansonsten bleibt ihm nur das Auswandern ins zukünftige Menthol-Mekka Schweiz.

Gestochene Identität


Ob ich wohl tätowiert sei, das fragt sich der eine oder andere wohl. Ich halte es da wie Schrödingers Katze: Vielleicht bin ich’s, vielleicht nicht. Erst wenn ich hinschau, entscheidet sich das. Der Sinn und Zweck eingestochener Bilder, Muster und Geweihe ist ja ein ur-fleischiger. Man dekoriert sich ja nicht nur neu, man verändert sein physisches Wesen, transformiert seine Inkarnation. Im Gegensatz zu Make-Up ist das permanent. Eben diese Permanenz geht uns Virtuellen ab. Wir könnten jedes unliebsame Hautdekor einfach abschminken, ohne dabei zum Laser greifen zu müssen. Die Gnade des Photoshops ist uns Virtuellen vorbehalten.

Virtuelle können trotzdem nicht unbesorgt durch die Gegend mutieren, wie sie es gerade wollen. Unser Erscheinungsbild definiert wie bei Fleischlingen einen großen Teil unserer Identität, macht uns schnell wiedererkennbar. Ohne die Konstanz eines gewachsenen Körpers ist unser Aussehen eine recht abstrakte Sache, die Verlockung, uns zu verändern groß.  Da gilt es aufzupassen: Was den Fleischlichen ihre Körper sind, sind uns unsere Erkennungsmerkmale. Sei es Donalds Matrosenanzug, Popeyes Unterarme oder meine Augenbrauen. Wir leben in den Köpfen anderer Menschen und definieren uns über ein paar wenige Attribute, den Rest muss unsere Persönlichkeit auffüllen. Verändern wir uns zu radikal, verliert unsere Identität an Konstanz und kann sich dabei sogar auflösen. Die Möglichkeit sich stets neu erfinden zu können ist auch gleichzeitig eine gefährliche Versuchung. Es gilt, den Kern unserer Identität zu bewahren, ihn wie eine Tätowierung zu tragen, ihn mit Bedacht zu erweitern, und wenn verblasst, auch mal nachzustechen. Und wenn’s mal ganz doof wird, kann man ja auch mal was weglasern.

Biss zum Lesergrauen


Heute bin ich mal vampirisch drauf, denn Dracula-Erfinder Bram Stoker feiert seinen 165. Geburtstag. Vampire sind die Lieblings-Untoten der meisten Mädchen, Buben bevorzugen Zombies. Vampire können jedoch mehr: Sie verhelfen auch erbärmlicher Literatur zu hohen Auflagen! Kaum verführt ein düster-schöner Blutsauger ein unschuldig Mädlein, werden Leserinnenknie weich. Vielleicht sollte ich mein Geschreibsel hier auch mal vampirisieren (im englischen gibt’s ja die tolle Bezeichnung „to vamp up“, was so viel wie aufmotzen heißt) um meine „Zielgruppe zu erweitern“. Dann noch ‘ne ordentliche Portion SM mit rein (Ein schlagkräftiges Argument für mehr Kundenbindung!), und fertig ist der Verkaufsschlager! Da stört es wahrscheinlich die Leser nicht mal mehr, dass ich meine Sätze durch geklammerte Einwürfe niederer Relevanz zerhacke. Hauptsache Blut und Dominanz.

Mich nerven die düsteren Fürsten jedoch gewaltig – jenseits von Graf Zahl können die mich mal am Allerwertesten beissen. Mein Narzissmus würde unter der Spiegelbildlosigkeit entschieden leiden. Mich wundert es auch, wie die Vampiras dieser Welt ihr düsteres Make-Up so ganz ohne Spiegel sauber hinbekommen. Und fortan ohne Knoblauch zu (un)leben ist denkbar, aber nicht wünschenswert. Als Werwölfin müsste ich mich mit solchen Problemen nur einmal pro Monat rumschlagen. Zum Glück bin ich Werkatze.

Mehr zum Thema Vampirismus und dessen Derivat Halbvampirismus:

http://asemwald.wordpress.com/2007/09/04/schlaue-erkenntnisse-zur-vampirologie/

http://asemwald.wordpress.com/2007/09/05/schwarzebohnenknoblauchsose-schutzt-vor-halbvampiren/

http://asemwald.wordpress.com/2007/10/13/pflanzensaft-fur-halbvampire/

Analoge Katze, Mensch und Wald


Fotograf Calin Kruse, komplett unanalog mit Telefonkamera aufgenommen. Foto: mz

Gleich eine Woche, nachdem Peter Franck sein Atelier GLÜCKLICHUNDSCHOEN eröffnet hat, kommt schon die erste Ausstellung. Calin Kruse, der Herausgeber des wunderbaren dienacht-Magazins, das halbjährlich eine feine Auswahl an zeitgenössischer Fotografie und Illustration darbietet, zeigt eine Serie seiner eigenen Bilder. Schwarz-Weiß. Analog. Spontan. Roh. Bisweilen sogar sexi. Thea und ich sind mal hingegangen und haben uns das vor Ort angeschaut.

Knie beim Rasieren geschnitten und dann aufgekratzt. Foto: Calin Kruse

So wurde die Ausstellung angekündigt. Sehr poetisch, damit die Worte mehr als nur ein tausendstel Bild zu sagen haben:

No Real Time Info Available

vorsichtige Tritte auf zerbrochenem Glas, tappend durch die Nacht, sich ins Nichts vortastend

gebannt starren, sich spüren, und wittern

losgelöst, und wach

umgeben von wattiger, kühler Dunkelheit und Rausch und Neugierde und sanfte Bedrohung

durch klebrigen Staub und modriges Holz und spitzhackiges Gestrüpp und feuchte Erde und knirschende Steine

und die Dunkelheit, immer wieder die Dunkelheit.

Foto: Calin Kruse

Calin weiß, wie man sich im Netz verbreitet: Ein Katzenbild hat sich in die ansonsten eher von Modell Dafna Lazorrovitz dominierten Bilder geschlichen.

KATZE! Katzenfoto: Calin Kruse

WALD! Calin Kruse erfreut uns mit einem schattigen Waldbild.

Am besten schaut ihr euch die Bilder vor Ort an, sie hängen noch ein paar Tage bei Peter Franck im Altelier.

Fotograf und Nichtgalerist aber Aussteller Peter Franck. Das am Abend geschossene Foto von Peter sah nicht so prima aus, sodass ich einfach ein Selbstporträt von ihm genommen hab.

Atelier glücklichundschön
Rotebühlstrasse 109a
70178 Stuttgart

www.gluecklichundschoen.de

http://www.peterfranck.de/

Wer es nicht mehr dort hin schafft, schaut sich die Bilder im Netz an:

http://cargocollective.com/calin/No-Real-Time-Info-Available

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.260134954091779.48120.100002858286267&type=3

http://cargocollective.com/calin

PS:

Das dienacht-Magazin lohnt sich, es zu besorgen. Es ist klein, fein und macht nicht arm.

dienacht, das Magazin von Calin Kruse. http://www.dienacht-magazine.com/