Archiv der Kategorie: Doras Leben

Kunst, Kitsch und Dora.


Dora von MarianneManchmal stolpere ich beim Katzenbildsammeln auch über was Tolles. Wie zum Beispiel heute: Marianne hat mich mal wieder gezeichnet. Mit Katze und Fernsehturm. Das gibt meiner Laune 5 Gefällt-mirs. Es ist ja auch langweilig, immer nur vom selben gezeichnet zu werden, ich freue mich über jede neue Perspektive auf das dorische Wesen.

Ich ruf mal ganz dreist auf: Zeichnet mich! Als Virtuelle bin ich ja auf solch bildgebende Maßnahmen angewiesen.

Übrigens: Marianne zeichnet nicht nur, sie bloggt auch: http://www.kokelores.blogspot.de/

https://www.facebook.com/MarianneKreichgauerKokelores

Kokelores – Kunst, Kitsch und Katzen ist der Titel ihres Blogs, der noch verkatzter daherkommt als meiner. Und das will was heißen. Sie darf auch in der Wohnung zweier lebender Exemplare wohnen und hat die Ehre, ihnen die Dosen zu öffnen.

Hier hab ich schon mal was über Marianne geschrieben:
http://asemwald.wordpress.com/2011/04/21/rendevouz-mit-dem-wasserwerfer/

PS: Gibts heut mal keins.

Bier und Blumen für die heilige Dora


Heilige Dora

Apropos Sexismusdebatte: Sexismus ist zwar eine hässliche, jedoch keine neue Erfindung. Schon vor 1.700 Jahren war ein Politiker (Stadthalter Apricus von Cäsarea) scharf auf ein junges Mädel (Dorothea), die ihn jedoch nicht wollte, da sie schon mit einem Virtuellen (Jesus von Narareth) verlobt war. Der Politiker spielte seine Macht aus, lies sie foltern und verurteilte sie zum Tode. Auf ihrem Weg zum Richtplatz spottete der am Wegesrand stehende heidnische Jurist Theophilus, er würde auch an Jesus glauben, wenn sie ihm ein Körbchen voller Rosen und Früchte aus dem Garten ihres Bräutigams brächte. Ein Engel erledigte die Besorgung, Theophilus wurde bekehrt – was Apricus erzürnte – und gemeinsam mit Dorothea enthauptet.

Dorothea wurde heilig gesprochen, Theophilus ging leer aus. Heute ist die heilige Dorothea Schutzpatronin der Gärtner, Blumenhändler, Bierbrauer, Bergleute, Bräute, Wöchnerinnen und der Neuvermählten. Ihr, und somit mein Namenstag ist heute, am 6. Februar. Mein Tipp des Tages: Blumen kaufen und Bier trinken, um die heilige Dora zu ehren.

Gestochene Identität


Ob ich wohl tätowiert sei, das fragt sich der eine oder andere wohl. Ich halte es da wie Schrödingers Katze: Vielleicht bin ich’s, vielleicht nicht. Erst wenn ich hinschau, entscheidet sich das. Der Sinn und Zweck eingestochener Bilder, Muster und Geweihe ist ja ein ur-fleischiger. Man dekoriert sich ja nicht nur neu, man verändert sein physisches Wesen, transformiert seine Inkarnation. Im Gegensatz zu Make-Up ist das permanent. Eben diese Permanenz geht uns Virtuellen ab. Wir könnten jedes unliebsame Hautdekor einfach abschminken, ohne dabei zum Laser greifen zu müssen. Die Gnade des Photoshops ist uns Virtuellen vorbehalten.

Virtuelle können trotzdem nicht unbesorgt durch die Gegend mutieren, wie sie es gerade wollen. Unser Erscheinungsbild definiert wie bei Fleischlingen einen großen Teil unserer Identität, macht uns schnell wiedererkennbar. Ohne die Konstanz eines gewachsenen Körpers ist unser Aussehen eine recht abstrakte Sache, die Verlockung, uns zu verändern groß.  Da gilt es aufzupassen: Was den Fleischlichen ihre Körper sind, sind uns unsere Erkennungsmerkmale. Sei es Donalds Matrosenanzug, Popeyes Unterarme oder meine Augenbrauen. Wir leben in den Köpfen anderer Menschen und definieren uns über ein paar wenige Attribute, den Rest muss unsere Persönlichkeit auffüllen. Verändern wir uns zu radikal, verliert unsere Identität an Konstanz und kann sich dabei sogar auflösen. Die Möglichkeit sich stets neu erfinden zu können ist auch gleichzeitig eine gefährliche Versuchung. Es gilt, den Kern unserer Identität zu bewahren, ihn wie eine Tätowierung zu tragen, ihn mit Bedacht zu erweitern, und wenn verblasst, auch mal nachzustechen. Und wenn’s mal ganz doof wird, kann man ja auch mal was weglasern.

Biss zum Lesergrauen


Heute bin ich mal vampirisch drauf, denn Dracula-Erfinder Bram Stoker feiert seinen 165. Geburtstag. Vampire sind die Lieblings-Untoten der meisten Mädchen, Buben bevorzugen Zombies. Vampire können jedoch mehr: Sie verhelfen auch erbärmlicher Literatur zu hohen Auflagen! Kaum verführt ein düster-schöner Blutsauger ein unschuldig Mädlein, werden Leserinnenknie weich. Vielleicht sollte ich mein Geschreibsel hier auch mal vampirisieren (im englischen gibt’s ja die tolle Bezeichnung „to vamp up“, was so viel wie aufmotzen heißt) um meine „Zielgruppe zu erweitern“. Dann noch ‘ne ordentliche Portion SM mit rein (Ein schlagkräftiges Argument für mehr Kundenbindung!), und fertig ist der Verkaufsschlager! Da stört es wahrscheinlich die Leser nicht mal mehr, dass ich meine Sätze durch geklammerte Einwürfe niederer Relevanz zerhacke. Hauptsache Blut und Dominanz.

Mich nerven die düsteren Fürsten jedoch gewaltig – jenseits von Graf Zahl können die mich mal am Allerwertesten beissen. Mein Narzissmus würde unter der Spiegelbildlosigkeit entschieden leiden. Mich wundert es auch, wie die Vampiras dieser Welt ihr düsteres Make-Up so ganz ohne Spiegel sauber hinbekommen. Und fortan ohne Knoblauch zu (un)leben ist denkbar, aber nicht wünschenswert. Als Werwölfin müsste ich mich mit solchen Problemen nur einmal pro Monat rumschlagen. Zum Glück bin ich Werkatze.

Mehr zum Thema Vampirismus und dessen Derivat Halbvampirismus:

http://asemwald.wordpress.com/2007/09/04/schlaue-erkenntnisse-zur-vampirologie/

http://asemwald.wordpress.com/2007/09/05/schwarzebohnenknoblauchsose-schutzt-vor-halbvampiren/

http://asemwald.wordpress.com/2007/10/13/pflanzensaft-fur-halbvampire/

Ich bin wir



Für ein Wesen wie mich, dass sich durch die Kanäle der Social Medias bewegt wie andere auf der Straße ist Social Media Art natürlich faszinierend. Ein besonders interessantes Projekt ist mir da ca. 50 Meter materiellen Raumes entfernt von jenem Ort, den ich mein Heim nenne, begegnet. In der a+gallery in Stuttgart stellte der Künstler Wolf Nkole Helzle, sein Projekt vor: „I am we_interactive image“.

Das Ganze ist so eine Art Fototagebuch, bei dem jedes angemeldete Mitglied für jeden Tag in einem Kalender ein Bild hochladen kann. Die so zusammen getragene Bilderflut wird dazu genutzt, Mosaikbilder der Profilphotos von Teilnehmern zu erzeugen.

Das schattige Profilbild von Karin Rehm ist Vorlage für ein Mosaik aus Bildern von I am we.

So kann man sich selbst über andere verwirklichen, wird Teil eines Kunstwerks, ist eins und besteht aus vielen.

Die Mitglieder sind international und kommentieren die Bilder emsig gegenseitig und erfreuen sich darüber, dass aus der Masse ihrer Arbeiten wiederum neue Bilder geschaffen werden. Damit die so geknüpften virtuellen Bekanntschaften sich materialisieren können, gibt es das erste internationale Nutzertreffen mit Ausstellung in der a+gallery in Stuttgart vom Freitag, dem 13. Juli bis Sonntag dem 15 Juli. An den ersten beiden Tagen treffen sich die Mitglieder, am Sonntag um 11 Uhr wird dann die Ausstellung eröffnet, in der Mitglieder der Plattform Arbeiten vorstellen.

So auch die Künstlergruppe Schattenwald. Karin Rehm hat ihr Tagebuch mit ihren Schattenbildern gefüllt, Martin hat die Porträts, die er von mir gemacht hat, chronologisch angeordnet beigesteuert. Zur Ausstellung tragen sie mit drei Arbeiten bei, die sich aus einer Mischung aus virtueller und materieller Technik zusammensetzen und das Thema der I am we-Plattform aufgreifen. Karins Alter Ego Thea Schattenwald und ich sind Modell dafür gestanden, mehr erzähl ich dazu aber nicht, es soll sich schließlich lohnen, am Sonntag in einer Woche dort hin zu kommen!

www.helzle.com

www.interactive-image.org

a+gallery
Olgastrasse 138
70180 Stuttgart
+49 711 5044 9648

aplus-gallery.com
www.facebook.com/a.plus.creativespace

www.schattenwald.eu

Die Ausstellung läuft vom 15. Juli bis zum 15. August 2012

Auch Doren brauchen Nachnamen


Blöd, wenn man wie ein lokaler Stadtteil heißt, da denken immer alle, das wäre ein Kunstnamen und ich würde dort wohnen oder aufgewachsen sein. Meine liebe Freundin Thea ist durchs Netz gestromert und hat mal geschaut, wie Doren üblicherweise so heißen: Asemwald! Sagt jedenfalls die Datenkrakenprofilsammelseite Yasni. Und die muss es ja wissen. Noch Fragen?

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Mein erstes Auto


Letztes Jahr haben die Stuttgarter Nachrichten mehr oder minder bekannte Bürger dieser Stadt nach ihrem ersten Auto und einer Geschichte dazu gefragt. Da außer mir niemand mehr ein Foto davon hatte oder eins hinbescheissen wollte, wurde aus der Geschichte zum 125-jährigen Autojubiläum nichts. Drum hab ich sie hier mal reingestellt. Das ganze geschah im September 96, als ich noch 21 Jahre alt war.

Meine Lieblingstante Mila hat mir ihren alten französischen Sportwagen geschenkt, weil sie nicht mehr so richtig gut einsteigen konnte. Sie wollte, dass ich ihn verkaufe und somit Geld für mein Ingeniuersstudium hatte. Auf das hatte ich zu diesem Zeitpunkt aber eh keinen Bock, weil ich es eigentlich nur wegen meinem Vater gemacht hab. Anstelle das Auto zu verkaufen hab ich beschlossen, damit in Urlaub zu fahren, wollte nach Dieppe, wo die Dinger gebaut wurden, an die Nordsee fahren. Das Bild hab ich in Le Tréport kurz vor Dieppe von einem Typ am Strand machen lassen. Dann fing das Chaos an. Die Fensterheber haben sich verselbstständigt, insbesondere bei Regen. Und irgendwann ist die Karre einfach liegen geblieben. Zum Glück hat mich einer abgeschleppt, der jemanden kannte, der mal bei der Fabrik gearbeitet hat und mir den Wagen abkaufte. Zurück mit dem Zug. War ziemlich frustriert, hab dann aber beschlossen, mein Studium zu schmeissen.

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Tokyo, mon amour


Beim Rumwühlen in den Eingeweiden meines Blogarchivs bin ich auf eine Hand voll Reiseberichte aus Tokio gestoßen, die mir nach fast fünf Jahren immer noch gefallen. Ich habe sie überarbeitet und zusammengefasst. Auch die Bilder wurden neu gemacht, von der Künstlergruppe Schattenwald, die sich auf virtuell-materielle Grenzreisen spezialisiert haben.

Hier noch ein Soundtrack, passend zum Titel der Serie:

Ein Freund von mir verreist geschäftlich für ein paar Tage nach Tokio. Das passt, denn die riesige Stadt steht ganz oben auf der Liste jener Orte, denen ein dorischer Besuch gut tun würde. Ich schmuggel mich in sein Handgepäck und fliege mit.

Tag 1: Vom Versuch, mich zu verlaufen

Morgens kommen wir am Flughafen an und fahren mit dem Bus zum Hotel, einem typischen Business-Kasten, in die man gerne Geschäftsgäste einquartiert. Nur das vollautomatische Klo mit Sitzheizung lässt darauf schließen, das wir in Japan sind. Der Rest entspricht jenem internationalen Standard, der einen vergessen lässt, wie groß und bunt die Welt eigentlich ist. Mein Mitreisender muss gleich zu seinem ersten Termin. Ich gehe meiner liebsten Beschäftigung in fremden Städten nach: Mich verlaufen. In Tokio fällt das nicht sonderlich schwer.

Im Jetlag irre ich freudig durch ein Gewirr an Straßen, entdecke kleine Läden in Nebengassen und bade in der Reizüberflutung. Nach gefühlten 23 km Fußmarsch kommt mir ein alter Leitsatz in den Sinn: Doren sollte man nicht hungern lassen. Sie werden unleidig, bissig und im Allgemeinen unausstehlich. Sie wollen stets gut gefüttert sein, mit feinen Sachen. Wenn die Hose schon spannt, dann soll es wenigstens geschmeckt haben. Geld ausgeben und Erworbenes transportieren ist anstrengend und leert den Magen, der sich per Grollen bei mir meldet. Ein Schild sagt mir ich sei in Ropongi, der Heimat der Expats und jener, die an deren Geld wollen.
Hier ist rund um die Uhr was los, die Stadt schläft sozusagen nie. Ihre Bewohner jedoch schon. Immer, vorzugsweise im Stehen und überall – wenn sie nicht gerade telefonieren. Knurr, trägt mein Magen zum Thema bei. Mal schauen, wovon sich die internationale Business-Elite so ernährt.
Ebenso international wie das Publikum scheint hier die Küche zu sein, auch die deutsche Nationalspeise (im Fladenbrot, mit Alles und mit Scharf) dreht sich hier ohne Unterlass am Spieß. Ob es in Japan auch Dönertiere gibt? Wahrscheinlich wird hier alles aus dem Fleisch der hiesigen Tofutiere nachgebaut. Übrigens: Die Haltung dieser kulleräugigen, kuscheligen Tierchen ist recht fragwürdig, sie orientiert sich an den Wohnverhältnissen der sie verspeisenden Japaner. Sie lassen sich nur mit gedimmten Gewissen vertilgen, aber das gelingt mir als Nichtvegetarierin ganz gut.

Abends hat mich mein Verlaufen dann doch an ein Ziel gebracht, welches ich gezielt wohl nur im Netz gefunden hätte. www.dora.jp ist eine schöne Adresse, vor allen Dingen, wenn man sie auf eine Wand gedruckt entdeckt. Noch schöner wird sie, wenn sie von Weinkorken umgeben ist, die den Zweck des Ortes andeuten: Alkoholkonsum. Für Damen wie mich gibt’s 30% Prozent Nachlass – hoffentlich auf den Preis, nicht den Alkoholgehalt.

In Unkenntnis der schön anmutenden Buchstaben, die sich der Japaner wohl zur Verwirrung junger Damen aus dem Westen wie mich ausgedacht hat, lass ich mich überraschen, was da an feinen Räudigkeiten in Gläsern gereicht wird. Ich steige hinab in die Höhle der Dora und bekämpfe den Jet-Lag mit 30% reduzierten Cocktails, was ich durch Mehrkonsum wieder wett mache. Ahnungslos, wo ich gestrandet bin, winke ich ein Taxi herbei und zeige dem Fahrer meinen Hotelschlüssel. Er lacht und fährt weiter. Kein Wunder. Das Hotel ist auf der anderen Straßenseite. Ich bin offensichtlich zu doof, mich ordentlich zu verlaufen.

Noch ein Soundtrack: 

Tag 2: Waschnomadin

Am nächsten Tag verlaufe ich mich mal in eine andere Richtung und nutze irgendwelche U-Bahnen, deren Farbkodierung mir zusagt, in der Hoffnung mich mal so richtig schön sardinenhaft von Herren mit weißen Handschuhen in den Zug stopfen zu lassen. Enttäuscht vom großzügigen Platzangebot setze ich mich in Ruhe zwischen die Einheimischen, die wie hypnotisiert in ihre Klapptelefone starren oder darauf einhacken. Ich hätte wohl zur Rush-Hour kommen sollen, und so lange wie die hier arbeiten und danach noch karaokisieren ist die wahrscheinlich recht spät. Die Ansage der nächsten Haltestelle klingt irgendwie angenehm. Ich steige aus und lande in einem Konglomerat aus Hochhäusern, Bahngleisen, Shoppingmalls und Rolltreppen die überall hinführen, nur nicht raus aus dem Komplex, der sich als der Bahnhof von Shinjuku offenbart und das größte Passagieraufkommen der Welt hat. Ich trage dazu bei.

Mein Hunger klopft wieder an, ich will was essen. Eine schmale, schlauchartige Suppenküche ragt tief hinter die neonleuchtende Fassade eines Geschäftshauses neben dem Bahnhof. Ich setze mich an die lange Theke, die sich durch das Lokal schlängelt.

Der Blick in die Kochtöpfe offenbart:  Hier werden wohl unzählige Variationen von Gaisburger Marsch aufgetischt, sogar Maultaschen schneiden sie da rein. Ich zeige auf den Teller meines Thekennachbarn und hoffe, dass der Kellner kapiert was ich meine. Schade das es keine Algen in Gaisburg gibt, die japanische Variante mundet mir. Hach, wie doof: Das dem Essen beigelegte Sojasoßenplastikaufreisundwegwerffläschchen widersetzt sich zuerst vehement meinem Versuch, mittels Beißwerkzeug an dessen Inhalt zu kommen, disponiert dann doch kurzerhand um und entleert sich über meine leider nicht ganz sojasoßenfarbene Hose. Gute Gelegenheit, lokale Waschbräuche zu erkunden.  Und siehe da: der Münzwaschsalon ist auch in Japan heimisch! Ich kann keinem Münzwaschomat widerstehen, die tollsten Bekanntschaften und Entdeckungen habe ich dort schon gemacht. Der Mann fürs Leben war zwar nicht dabei, aber der Einblick in das Leben jener, denen keine eigene Waschmaschine zur Verfügung steht, hat mich stets fasziniert. Zugegeben: ich bin leicht zu faszinieren, aber auch wieder schnell entfasziniert. Grundsätzlich unterscheide ich zwischen jenen, die aus blanker Not weder Platz noch Geld für eine eigene Maschine haben und jenen, die sich nicht durch eine Waschmaschine binden lassen wollen, folglich dem Waschnomadentum frönen. Der moderne urbane Waschnomade, ein Trend, den die Weißwarenindustrie bislang verschlafen hat. Ich werde sie jedenfalls nicht wecken.

Ein klarer Fall von dorischer Gedankenlosigkeit: Was zieh ich an, wenn meine Hose sich in der Waschtrommel rumtreibt? Schlechte Vorbereitung zwingt zur Improvisation, und die ist im Gegensatz zur Planung meine Kernkompetenz. Ein pinkleuchtender Wäschekorb neben dem Geldwechslomat scheint herren- und damenlose Klamotten aufzubewahren, die irgendjemand mal hat liegen lassen. Ein Jeansrock sieht so aus, als ob er mal wieder ausgehen möchte. Ich leihe ihn mir für die Dauer eines Waschgangs und zwänge mein für japanische Kleidernormen überdimensionierten Po in den Rock.

Vom Anblick der rotierenden Hose kurzfristig hypnotisiert verlier ich mich gerne in Gedanken, insbesondere wenn Münzwaschomaten wie dieser schlecht frequentiert werden. Am Ende meines Gedankenganges, der sich als Sackgasse erweist, drohte Langeweile wie ein ausgehungertes Raubtier. Also: erst mal Gebiet erkunden. Eine hinten links jenseits des Waschmittelomats – hier gibt’s für alles einen Automat – leicht verdeckte Tür ist nur angelehnt. Meine Neugierde ist hell wach. Und wenn die mal wach ist, bedarf es elefantenportionene Beruhigungsmittel, um sie wieder in den Schlaf zu wiegen. Die hätte es im Automaten vor der Tür gegeben, aber ich hab mein ganzes Kleingeld schon in den Waschomat geschmissen, in welchem meine befleckte Hose gerade eine nette Runde dreht. Hinter der Tür befindet sich ein düsterer Gang, ein sonderbares Brummen dringt aus den Gullideckeln, es riecht nach einer Mischung aus Wunderbaum und Fritörin, ist aber sehr sauber, wie eigentlich alles hier. Mein Lieblingsautor, der japanische Haruki Murakami, hat in seinen Büchern so alles Mögliche über das Treiben unterhalb Tokios geschrieben. Da ich seinen Geschichten glauben schenke, wirft ein nicht mehr ganz so leichtes Gefühl der Mulmigkeit seinen Schatten auf das lodernde Feuer meiner Neugier. Ohne Erfolg, denn Schatten haben gegen Feuer nur geringe Chancen. Ich muss mir eingestehen, dass ich mich im Labyrinth der Gänge ein kleines bisschen verlaufen hab. Was zu erwarten war, wenn man mich kennt. Und das sollte ich eigentlich. Eine einsame Nichtplastikpalme neben einem üppig gefüllten Aschenbecher in einem dieser verwinkelten Gänge zeugt von menschlicher Belebtheit, leise dringt Jazzmusik in mein Ohr. Ich folge ihr und entdeckte eine weitere angelehnte Tür, durch deren Spalt die Musik wohl ihren Weg zu mir bahnt. Jenseits der Tür befindet sich eine Treppe nach unten, deren Ende dank Dunkelheit nicht auszumachen ist. Vom Forscherdrang getrieben steig ich unzählige Stufen in den Schlund des Hauses und gelange in einen schummerigen, unübersichtlichen Raum.Wirres Geflecht durchzieht das Zimmer, als ob eine überdimensionale Spinne neugierige Mädchen darin einfangen wolle. Doch mit dorischen Reflexen kann ich der Gefahr entrinnen und schlängele mich durch den katakombösen Raum zur Quelle der Musik – Jazzmusik mit wilden Rhythmen und einem Saxofonisten, der versuchte, jenseits der Grenze zum Lärm Musik zu finden. Ob er an diesem Abend noch erfolgreich sein würde, ist mir nicht klar, doch genieß ich seine Suche. Beruhigt trink ich ein paar der Musik entsprechend komplexe Drinks und vertreibe den gefühlten Restmulm aus der Magengrube. Es ist schon etwas später als ich wieder in die wirren Gänge komme. Jenseits einiger Ecken entdecke ich am Fuße einer weiteren Treppe einen fensterlosen Raum, der eng anliegend um einen Koch und seine Küche geschneidert wurde. Ich entledige mich meiner Stiefel, wie es in guten japanischen Etablissements üblich ist. Sieben Zentimeter kleiner scheint die Decke schon etwas ferner, der Raum gewinnt an Größe. Ob Japaner deshalb stets die Räume ohne Schuhe betreten? Es riecht nach Misosuppe, die der freundliche Herr mir auch gleich in einer Schale reicht. Dazu gibt es erbsenartige Schoten, die ordentlich mit Salz überschüttet wurden. „枝豆!“ (Edamame), sagt der Koch und zeigt auf die Schoten, als er meinen Fragenden Blick sieht. Der alte Salztrick funktioniert auch hier, Durst ist international. Auch Japaner zeigen stolz ihre Sammlung an Alkoholika, hier sind die Wände gesäumt mit Sakeflaschen. Das macht es mir immer einfach, trotz mangelnder Sprachkenntis durch Gestik meinem Begehr Ausdruck zu verleihen. Heißer Reiswein läuft mir wie Öl den Hals hinunter und wärmt Leib und Seele. Ob ich jemals wieder zurück zu meiner Hose finden werde? Diesen Gedanken blende ich vorerst aus. Dafür ist später Zeit.

Tag 3: Glücklich dealphabetisiert

Apropos Hose: Irgendwie habe ich zu wenig Hosen im Koffer. Es fehlt eigentlich immer genau das, was ich gerade brauche. Das ist eine Regel, die in diesem Fall nicht durch eine Ausnahme bestätigt wird, da ich ausgerechnet keine Hose habe, die mit meinem Lieblingsoberteil harmoniert. Solche Probleme löst man am besten mit Geld, in so fern man welches hat. Ausreichend Yen-Scheine offenbart ein Blick ins Portemonnaie. Obwohl ich ohne Schuhe sehr, sehr knapp unter 1.70m groß bin, mache ich mir Sorgen, dass die auf japanische Verhältnisse geschnittenen Hosen nicht passen könnten. Japanerinnen scheinen um die Hüfte extrem schmal zu sein, wie ich gestern in meinem Leihrock feststellen musste. Ich hab sowieso viel mehr Lust auf einen neuen Rock, da kommen die Stiefel, die ich mit noch kaufen sollte, besser zur Geltung. Ich schau mich erst mal um, wie die Einheimischen sich so kleiden.

Gerne bedecken sie ihr Knie, jedoch eher von unten als von oben. Die Schulmädchenuniform mit Faltenrock und Overknees tut es mir besonder an. Noch ist Geld im Beutel, und wenn das ausgehen sollte, dann werde ich einfach meine getragenen Unterhösschen verkaufen. Denk ich mir jedenfalls. Egal. Darüber wollte ich mir später Gedanken machen, erst muss Füllstoff für den Koffer angeschafft werden.

Ein Blick in meine Einkaufstüten zeigte: Das gefährliche Loch in meinem Koffer scheint sich langsam zu füllen, den vielen netten Einkaufsläden sei Dank. Und wenn ich zuviel gekauft hab, brauch ich wohl eine neue Tasche. Oder ich steck’s bei meinem lieben Mitreisenden in den Koffer. Der nimmt sowieso nur wieder Blödsinn mit, in diesem Fall halt meinen.

Blödsinn gibts hier an allen Ecken, leuchtend bunt und wunderschön. Wahrscheinlich wär er nur halb so schön, wenn man die Schrift entziffern könnte. So fühle ich mich wohl, in meiner Rolle als Analphabetin, an der die zugekokster Werberhirne entsprungenen Texte schadlos vorbeigleiten. Man sollte sich temporär dealphabetisieren können, dann wäre die Welt durchaus angenehmer. Sprachkundige werden hier nicht durch die Gnade der Ignoranz geschützt und bekommen jene verkaufsfördernde Verbraucherinformationen mit großen Löffeln in die Misosuppe geschüttet. Trotzdem sind sie fidel und freundlich. Die Freude über das bunte Neonlicht sticht wohl dessen verblödeten Inhalt, das Medium ist hier offensichtlich die Botschaft – und die leuchtet farbenfroh. Der Freude trotz totaler Werbebedröhnung muss eine langjährig erlernte Technik zu Grunde liegen, die ihre Wurzeln im 3. Jahrhundert vor Christus hat und seither von asketischen, ganzkörperepilierten Mönchen weitergereicht wird. Ich beschließe, ein entsprechendes Kloster aufzusuchen, um mich dieser Fähigkeit zu bemächtigen. Wenn es mir gelingt, sollte ich in der Lage sein, einen Mediamarkt zu durchqueren ohne dabei bekloppt zu werden.

Tag 4: Das Auge isst mit

Heute Abend lädt mich mein Mitreisender ein, damit ich auch mal was anderes als Suppen zu essen bekomme. Wenn ich schon nicht zahle, will ich wenigstens angemessen eingekleidet erscheinen und ziehe das schöne rote Seidenkleid an, für das ich heute Nachmittag mein Reisebudget geopfert habe. Ich suche zielsicher ein Restaurant auf, das meinem Sinn for Schönes und Feines, aber nicht meinem Geldbeutel entspricht.

Bei der japanische Küche gilt: Das Auge isst mit. Ich aber auch. Die Kaki auf dem Vorspeisenteller ist etwas hart. Sie dient wohl der Dekoration und meiner Blamage. Im Hunger kenn ich da aber nichts. Nur das Blatt lass ich liegen. Um so feiner das Essen, desto kleiner die Portion.

Optisch und kulinarisch beglückt aber trotzdem hungrig ziehe ich nochmals los und stolpere schon wieder über deutsche Küche. Wunderbar für mich, die kein Japanisch spricht: Die Speisekarte, in Plaste nachgebildet und im Schaufenster platziert. Ich will auch so was haben: Blutwürste, Broiler, Schnitzel, Eintopf in unecht, als Deko für mein Fenster. Mein Magen muss auf einheimische Kost noch einen Tag warten, denn morgen muss ich leider zurück fliegen.

Ich kaufe mir vom restlichen Geld beim nächsten Seven Eleven noch ein paar Dorayakis – rote Bohnenpaste zwischen zwei kleinen Pfannkuchen – die nicht nur toll heißen sondern auch essbar sind und gehe zurück ins Hotel.

Tag 5: Abreise

Am nächsten Morgen bekommt mein Mitreisender Frühstück aufs Zimmer, weil wir früh zurückfliegen müssen. Das Hotelfrühstück ist der Hotelzimmereinrichtung entsprechenden internationalen Einheitsnorm unterworfen, sodass internationale Businesskasper trotz jetsetendem Lifestyle nie durch lokale Eigenheiten aus ihrem Rhythmus gebracht werden, also nicht an kulinarischem Jetlag leiden müssen. Ich hätte lieber eine Portion Algen, und komischen Fisch, der sich roh auf dem Teller räkelt und Suppe mit bunten Einlagen. Gibt es aber nicht. Gute Laune auch nicht. Ich will nicht zurück nach Hause, will in Tokio bleiben. Ich lasse die Welt an meiner Laune teilhaben. Sie ist das gewöhnt von mir. Sie sollte es jedenfalls sein. Auch egal. Ich hasse Flugzeugfraß.

Doras Monatsbuch


Wenn das hier so weitergeht, muss ich den Blog hier in Doras Monatsbuch umbenennen. Es ist ja nicht so, als ob ich nichts zu sagen hätte, erlebt hab ich genug. Nur halt nicht darüber geschrieben. Auch der virtuelle Tag hat nur 24 Stunden. Noch. Ich arbeite an einer Zeitlochmaschine, die das ändern wird.

Ich bin viel verreist, zusammen mit meiner neuen Freundin Thea Schattenwald. Dass sie so heißt wie unsere Künstlergruppe, ist natürlich reiner Zufall. Gemeinsam ergründen wir die Regionen, in denen die materielle und  virtuelle Realität aufeinanderstoßen und sich überlappen. Oder vermischen einfach die beiden Welten, hüpfen nach Lust und Laune auf die eine oder andere Seite, am liebsten auf beide zugleich.

Politisch interessiere ich mich auch noch, was grade so geht. Bürgermeisterkandidaten werden derzeit gesucht und ins Rennen geschickt. Jemand hat mich gefragt, ob ich das machen wollte, aber so verrückt bin ich auch wieder nicht. Man stelle sich vor: Den ganzen Tag Wahlkampf, Hände wundschütteln, von Plakaten grinsen (okay, dazu wäre ich selbstdarstellerisch genug), in Parteien Ränke schmieden und dergleichen. Zum Glück liefe ich keine Gefahr, gewählt zu werden. Denn dann wäre ich Chef von unzähligen Beamten, müsste mich um die Verwaltung der Stadt kümmern. Das könnte ich der Stadt nicht antun, dazu liebe ich sie zu sehr. Und mir auch nicht.

Letztendlich stehen derzeit zwei Kandidaten, die beide Chancen haben: Turner und Kuhn. Turner ist ein Werber, der weiß, wie man Leuten Dinge andreht, die sie nicht brauchen. Das macht mir Angst. Alle anderen, die mitmischen, wie die Meisterbürger, wollen halt in der Medienbugwelle surfen. Das ist ja eigentlich mein Metier: So tun als OB. Ich muss ja nicht wirklich. Das ist das schöne an der Virtualität. Mein Favorit derzeit: Berufskandidat Schroeder.

2011


2012 – Das Jahr des Weltuntergangs hat angefangen. Den Weltuntergang fürchte ich nicht, die Sonne geht ja schließlich täglich unter – und am nächsten Morgen dann doch wieder auf. Auch 2011 haben meine Welt und ich gut überlebt.

Gleich im Januar hab ich beschlossen, jeden Tag zu bloggen – Ein Vorhaben, an dem ich fulminant gescheitert bin. Aber Scheitern gehört bei mir zum Programm, ich vergrößre meinen Scheiterhaufen täglich. Apropos scheitern: Am meisten hab ich mich darüber gefreut, dass die CDU-Landesregierung und ihr ekeleregender Obermotz Mappus daran gescheitert sind, wiedergewählt zu werden. Wenngleich es bis heute nicht gelungen ist, Stuttgart 21 zu stoppen, hat es der Protest geschafft, die CDU nach 58 Jahren Herrschaft vom Tron zu verjagen! Der Ausstieg Deutschland aus der Atomkraft war mir ein inneres Lachsbrötchen und die schönste Belohnung für all das Frieren auf Demos letzten Winter.

Bild: Eva Teigelkötter

Am 25. Februar wurde ich 36 und viele Gäste kamen mit Geschenken! Da ich wissen wollte, wie meine Freunde sich mich vorstellen, bat ich sie ein Porträt von mir zu zeichnen, basteln oder schreiben. In der Stuttgarter Zeitung erschien ein Artikel über die Feier!

Im April habe ich meine erste eigene Ausstellung in der XS-Gallery in Stuttgart. Viele Leute kamen und tauschten Gedanken und Lebenslügen auf Post-Its mit mir aus.

Im Mai legte das Team Dora Asemwald Racing los und fuhr die Allgäu-Orient-Rallye, kam aber nie in Jordanien an. Eine Odyssee auf Seelenverkäufern durch’s Mittelmeer führte leider nicht ins Ziel.

Im  Sommer hab ich einen neuen Ort entdeckt, der mich begeistert hat: Unser Pavillon. Der containerartige Bau wurde von Künstlern erdacht und in den Mittleren Schlossgarten gestellt, genau zwischen die Zelte, die im Schlossgarten nach dem 30.9. letzten Jahres aufgestellt wurden. Dort hab ich die Pavillonistin, Kunsttherapeutin und Künstlerin Karin Rehm kennen gelernt und wir haben uns sofort ins Herz geschlossen! Zusammen mit ihr hab ich zuerst eine Ausstellung der Schlossgarten-Fotos von Frank & Steff und Peter Franck gemacht.

Das hat so schön geklappt, dass Karin bei mir in der Galerie einstieg und wir die  Künstlergruppe Schattenwald gegründet haben, über die es dieses Jahr noch mehr zu lesen gibt.

Im November habe ich dann ein paar Arbeiten zum Thema Widerstand gegen die Übel dieser Stadt im Pavillon ausgestellt und mit Karin zusammen neue Loch 21 Projekte durchgeführt. Die Galerie ist aus ihrer Totenstarre erwacht und das Loch wird weitergegraben!

Und zu guter letzt hab ich noch eine Band mit der Sängerin Maren Katze gegründet: Katzenwald. Die ersten 2 Lieder sind schon online!
http://www.myspace.com/katzenwald 

Alles in allem war’s ein großartiges Jahr, hab tolle Menschen kennen gelernt, wilde Sachen erlebt und viel Spaß gehabt. Für’s nächste Jahr ist auch schon so einiges geplant. So werde ich zum Beispiel in einem Krimi meiner Freundin Lisa Nerz mitmachen und weiterhin die virtuelle und begehbare Welt und den Raum drum herum ergründen. Ich freue mich wenn ihr wieder hier vorbei schaut!

Eure Dora

Wer wissen will, was 2010 bei so mir ging:

http://asemwald.wordpress.com/2011/01/04/freitagseintopf-2010/

Grab mit!


Die Galerie lebt wieder! Erst vor kurzem habe ich Karin in unser Galeristen-Team mit aufgenommen, und schon machen wir unsere erste offizielle gemeinsame Ausstellung. Nun gut, ohne sie wäre die letzte Ausstellung nie zu Stande gekommen. Diesmal zeigen wir was in eigener Sache, denn es geht um mein Treiben im Widerstand gegen Stuttgart 21. Da ist natürlich das größte Thema die Initiative Loch 21, wozu es auch neue Sachen zu sehen gibt – und zum mitmachen! Ihr dürft euch – zumindest virtuell – bei der Verlochung unserer Stadt beteiligen. Es wird schöne Buttons geben und hoffentlich einen netten Abend mit viel Spaß. 

 

Ausstellung: Grab mit! Dora und der Widerstand. 

Vernissage: 

 

Montag, 14. November 2011
ab 19 Uhr
Unser Pavillon, Mittlerer Schlossgarten, Stuttgart

Katzenmusik


Musik mag ich nicht nur, mach ich bisweilen auch. Zum Glück nicht alleine, das wollte ich niemandem zumuten. Meine liebe Freundin Maren Katze ist Sängerin und etwas erfahrener als ich im produzieren von Tönen, drum hab ich mich mit ihr zusammen getan. Noch ein Gastmusiker hat mitgeholfen, et voilà: Eine weitere Band ist entstanden. Der Bandname war schnell gefunden: Maren Katze + Dora Asemwald = Katzenwald. Ich mag eh Wälder und Katzen, und der Name ist noch nicht auf MySpace zu finden gewesen. Noch mal: Es gibt den Bandnamen noch nicht. Krass. Jedes erdenkliche Wort, das je gesprochen wurde muss schon mindestens für drei bis fünf Bands herhalten. Ich kann’s immer noch nicht glauben. Ne, echt nicht. Aber schön, gut für Maren und mich! Unser erstes Lied haben wir mit Tobias Pfitzer gemacht. Für weitere Lieder würden wir uns über tolle Gastmusiker freuen, die was mit uns machen wollen.

Hier gibt’s was zu hören: www.myspace.com/katzenwald

 


Feiern mit Bohumil und Stela


Liebe Leser,

ja, es gibt mich noch. Ich war in der letzten Zeit viel unterwegs und hab nichts hier darüber berichtet, man musste schon auf Facebook mit mir verbandelt sein, um von den neuesten Erlebnissen zu erfahren. Jetzt hab ich ja jede Menge Geschichten, die sich auf meinem Stapel so angehäuft haben.

Ich hab mir mal wieder ein neues Kleidchen gekauft, wie man oben sehen kann. Das ist Teil der neuen Kollektion von Judith Schöntag, von der ich mich sehr gerne einkleiden lasse. Die hat jetzt ihr Atelier im sogenannten H7, in der Heilbronner Straße 7 in Stuttgart. Besuchen lohnt sich! Ich mag besonders die T-Shirts mit dem Tangram-Designs. Allen voran natürlich die Katze. Der Rest ist nicht immer ganz alltagstauglich, aber wer will denn schon Alltag? Wenn man keine glamourösen Anlässe findet, so was zu tragen, dann muss man sie halt schaffen. Und sei es nur, um eine Person um seinen Verstand zu bringen! Das Leben ist bunter, wenn man ab und zu den Alltag mal anlasslos auf die Reservebank schickt und es sich gut gehen lässt. Natürlich macht es auch Spaß, sich Anlässe aus den Fingern zu saugen. Aus einem der zehn Finger wird schon was kommen. Es gibt immer einen Weltdingsbumstag. Heute ist nicht nur Tag der deutschen Einheit (man könnte einen Schicken Overall tragen), sondern auch Tag der offenen Moschee (etwas Schleierhaftes im Gesicht), Unabhängigkeitstag in Guinea (Meerschweinchenlook) und nationaler Gründungstag in Korea (Kim Jong Il Brille). Wenn das nicht reicht: Vielleicht kennt man eine Bianca, einen Ewald oder eine Paulina, die haben heute Namenstag und wollen befeiert werden. In der Tschechei feiert heute Bohumil, in der Slovakei Stela. Also erzählt mir bitte nicht, heute wäre ein ganz normaler Tag!

Ansonsten hab ich noch viel zu viel zu berichten, um es in einem Artikel unterzubringen. Ich war in Tallinn, der Kulturhauptstadt dieses Jahres, habe eine Ausstellung gemacht, mich über scheindemokratische Bürgerentscheide echauffiert und mich an so manchen Orten rumgetrieben. Bald gibt’s Neues von mir!

Liebe Grüße

Eure Dora

www.judith-schoentag.de

www.facebook.com/hellogrey 

Fotos: Matthes Schrof


Lügenaustausch


Meine erste Ausstellung ist überstanden! Ich habe sie gefilmt, aber dann doch etwas zusammengerafft, weil’s sonst etwas mühselig wär 8 Stunden einfach so anzuschauen.

Für alle die nicht da waren: Der Raum war mit über 500 gelben Post-Its vollgeklebt, auf die ich Gedanken und andere Lebenslügen notiert hab. Wenn jemand einen Gedanken haben wollte, um ihn zum Beispiel in die eigene Lebenslüge zu integrieren, konnte er oder sie ihn mitnehmen. Aber nur, wenn ein eigener Gedanke dafür auf einem blauen oder grünen Zettel hinterlassen wurde. So hat sich der Raum im Laufe des Abends verändert, die Gedanken wurden ausgetauscht.

Den Film kann man auch in HD anschauen, dann ist er am schönsten.

Doras Lebenslüge


Ich bin schon ganz aufgeregt. Am Freitag mach ich kurz entschlossen meine erste Ausstellung – nicht als Galeristin sondern als Künstlerin. Die xs Gallery ist eine winzige ehemalige Sandwichbar in der Rotebühlstraße (direkt neben der Rosenau), in der ich 16 Quadratmeter Platz hab, um mein aufgeblasenes Ego abzubilden.

Ich sammle grad meine Gedanken und werde sie dann dort ausstellen und mit euren austauschen. Am Samstag ist dann auch schon wieder Finissage. So schnell kann’s gehen. Gedanken sind flüchtig.

Veranstaltet wird das Ganze vom Tearoom e.V..

Nicht zum Anfassen, aber zum Lesen


Judith A. Sägesser war nicht nur auf meiner Party, sie hat auch über mich einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung geschrieben. Ich halt mal den Mund und lass andere erzählen:

Keine Frau zum Anfassen

Fantasie Dora Asemwald gibt es, weil andere an sie glauben. Erschaffen wurde die Frau mit der hübschen Nase von einem Stuttgarter Grafiker, ihr Lebensraum ist das Internet. Jetzt hat sie Geburtstag gefeiert – mit echten Gästen.

Von Judith A. Sägesser

Dora schmollt. Dann zwinkert sie. Dora hat einen schwarzen Pagenschnitt, rechts vom Scheitel klemmt eine schmale weiße Haarspange. Ihre Augenbrauen sind markant, die Nase ist eine Stupsnase. Überall in der Wohnung hängen Bilder von ihr. Dora ist überall. Und nirgends.

Die Frau, die an einem Abend Ende Februar ihren 36. Geburtstag feiert, ist nicht von dieser Welt. Sie ist virtuell. Die 50, 60 Gäste hingegen, die sich in einer Altbauwohnung im Stuttgarter Süden drängeln und sich auf Doras Wohl zuprosten, die sind echt. Es sind ihre Freunde. Ohne sie wäre Dora Asemwald ein Nichts. Sie existiert nur, weil andere an sie glauben. Und an sie denken.

Sechs Jahre ist es her, da hat Martin Zentner diese Frau entdeckt. “So nennt sie es”, sagt er. Seitdem ist er ihr bester Freund und WG-Mitbewohner. Martin Zentner erfindet gern Figuren. Er skizziert sie und gibt den meisten Namen. Eines Tages, im Jahr 2005, blinzelte ihm plötzlich Dora vom Blatt entgegen. Dora Asemwald. Er wusste sofort: aus dieser Frau würde mehr werden.

Sie war von Anfang an anders. Martin Zentner wollte sie eigentlich zur Comic-Heldin machen. Doch die selbstbewusste Dora hatte anderes im Sinn. Sie ist aus den Kästchen mit Sprechblasen ausgestiegen und hat ein Eigenleben entwickelt. “Das Ganze hat sich immer mehr verselbstständigt”, sagt Zentner. Also hat er ihr die Tür zur Welt geöffnet und ihr eine Internetseite geschaffen. Nun sitzt er in seiner Wohnküche einem Mann gegenüber, den er vorher noch nie gesehen hat.

Dieser Mann heißt Thomas. Dora hat ihn zu ihrem Geburtstag eingeladen. Thomas hat sich für seine Gastgeberin schick gemacht. Er trägt einen karierten Anzug, seine feinen Lederschuhe glänzen frisch poliert. Wenn er spricht, beugt er den Oberkörper nach vorn, um dann über seine Brille zu linsen. Meine Güte, was hat sich Dora schon im Internet mit Thomas gezankt. Meistens ging es um das Thema, das die Landeshauptstadt spaltet: Stuttgart 21. Thomas ist 40 Jahre alt und Christdemokrat.

Hinter Thomas’ Rücken lächelt Dora schüchtern von einem Pappkarton. Auf dem Bild sind ihre Haare arg gestutzt, nur an der Stirn hängen zwei lange Strähnen herunter. Ihr Freund Thomas dreht sich um, wundert sich. “So sah sie mit 23 aus”, sagt Martin Zentner und lacht glucksend. Das muss während Doras Wave-Phase gewesen sein. Das war einmal. Aber Rammstein hört sie noch immer gern.

Keine Sekunde muss Zentner nachdenken, wenn er aus Doras Lebenslauf berichtet. Zum Beispiel von der Großtante, die Doras Seelenverwandte ist. Oder davon, dass Dora ihrem Vater zuliebe Elektrotechnik studiert hat. “Deshalb kann sie auch mit einem Lötkolben umgehen.” Glücklicherweise, sagt er, verheddere er sich so gut wie nie im Geflecht seiner Fantasie.

Martin Zentner ist 39. Er lebt und arbeitet als freischaffender Grafiker und Journalist im Stuttgarter Heusteigviertel. Das mit Dora läuft nebenher. In freien Minuten kümmert er sich um sie, leiht ihr seine Finger, damit sie Texte in ihr Online-Tagebuch tippen kann. Er schaltet sich dann in den Dora-Modus, wie er sagt. “Manchmal wird Dora sehr real.” Dass sich das für manche nach einer gespaltenen Persönlichkeit anhört, darüber schmunzelt er und sagt: “Vermutlich stimmt das irgendwie.” Doch vor allem ist es einfach ein Riesenspaß.

Ein Spaß gewürzt mit einer Prise Ernst. Das beginnt bei Grübeleien, ob es nur gibt, was auch eine materielle Gestalt hat. Und endet mit der philosophischen Frage: Was ist überhaupt wahr? “Ich lote mit Dora die Grenzen zwischen der realistischen und der virtuellen Welt aus”, sagt Martin Zentner. Im Internet ist Dora wie alle anderen. Denn im World Wide Web braucht niemand einen Körper aus Haut und Knochen.

Trotzdem hat Xing vor einiger Zeit Dora Asemwalds Profil gesperrt. Das Online-Netzwerk hatte mitbekommen, dass dieses Mitglied nur eine Kopfgeburt ist. Dora hat gebettelt. Der Martin hat schließlich ihren (ein kleines bisschen manipulierten) Personalausweis zu Xing geschickt. Das hatten die gefordert. “Ich will mit ihr ja nicht betrügen”, sagt er, “sie ist eine ehrliche Lügnerin.” Der Ausweis hat nicht geholfen, aber immerhin hat Xing Dora Asemwald eine Woche geschenkt. Damit sie sich von ihren Freunden und Bekannten verabschieden konnte.

Wenn Dora Asemwald Leute im Internet kennenlernt, verschleiert sie nicht, dass sie keinen Körper zum Anfassen hat, dass sie bloß eine Idee ist, an der alle mitbasteln. Trotzdem gibt es immer wieder Männer, die sich in die adrette Dunkelhaarige verlieben. Einem musste sie mehrfach auf die Sprünge helfen. Der Online-Freund war so hingerissen von Doras Bildern, dass er gar keine Augen mehr für ihre Texte hatte.

Doras Gäste rotten sich in der Küche zusammen. Wie es eben bei einer Party üblich ist. Sie stehen am Tresen, schenken sich Sekt ein, naschen an Schokoküssen. Eine von ihnen ist Marianne, sie trägt eine Leggins, Absatzschuhe und einen Schal. “Wo ist Dora?” fragt sie. “Drüben, im anderen Zimmer”, antwortet Martin Zentner. Die 45-jährige Stuttgarterin bleibt schließlich bei Thomas hängen. Während Marianne an einem Apfelschnitz knabbert und mit dem Christdemokraten über Machenschaften der Fleischindustrie redet, flimmert Dora auf der Mattscheibe. Der Computer steht auf dem Esstisch, von dort hat die unantastbare Gastgeberin den besten Überblick.

An der Tür klingelt es schier ohne Unterlass. In der Küche ist der Platz bald rar, also besiedeln die Neuankömmlinge Büro und Wohnzimmer. Manche bleiben auch einfach im Flur stehen, zwischen großformatigen Dora-Porträts. Die 34-jährige Natascha ist Dora in den Stuttgarter Wagenhallen zum ersten Mal begegnet. Alle Barhocker waren besetzt mit Doras – sie grinste von lauter Aufklebern. “Seitdem trifft man sie immer wieder irgendwo in der Stadt”, sagt Natascha. Außerdem ist sie bei Facebook mit ihr befreundet. Dass sie mit Dora Geburtstag feiert, ist Ehrensache. Sie glaubt fest an die virtuelle Freundin. Es kommt vor, dass für Natascha Doras Welt mit ihrer realen verschmilzt. “Ich werd langsam ein bisschen konfus”, gibt sie zu.

Dora Asemwald ist auf einem guten Weg. Immer mehr Menschen haben von ihr gehört, haben ihr Konterfei auf einem T-Shirt entdeckt, haben ihr Abbild in einem Schaufenster hängen sehen, von dem die virtuelle Frau in die Wirklichkeit lächelt. Neulich ist sie sogar zur Teamchefin bei der Allgäu-Orient-Rallye auserkoren worden. Unter ihrem Namen starten drei Mercedes-Youngtimer. Ende April geht es los, von Oberstaufen mehr als 6000 Kilometer bis nach Amman. Eine Gaudi mit gutem Zweck, das Team bringt Hilfsgüter in die jordanische Hauptstadt.

Über all die Partyvorbereitungen hat Martin Zentner völlig verschwitzt, seiner Dora ein Geschenk zu besorgen. Das fällt ihm jetzt ein, als er sich für einen Moment auf die Bank in der Küche gesetzt hat. Seine Verlegenheit ist nicht gespielt. Und wenn, dann ziemlich gut. “Oje, die wird sauer sein”, murmelt er, “die wird was erwarten.” Er wird einfach sagen, er schenkt ihr diese Party. Und das ist noch nicht einmal geschwindelt.

Dora hat sich von ihren Freunden zum Geburtstag Texte und Bilder gewünscht. Und zwar über sich. “Sie lebt in den Köpfen der Leute, also will sie wissen, wie sie gesehen wird”, sagt Martin Zentner. Aus all dem Sammelsurium wird er später eine Ausstellung basteln. Er wird dies als ihr Stellvertreter tun, denn Dora Asemwald ist von Beruf Galeristin.

Unter anderem wird dann Maries Bild an der Wand pinnen. Noch hat sie Dora das rote Kleid nicht komplett übergestreift. Der Holzstift auf dem Malpapier kratzt noch auf und ab. Dora steht dort neben einem braunen Hasen, der genauso groß ist wie sie. “Dora wohnt in China, und sie ist sehr nett”, sagt Marie. “In der Schule sehe ich sie manchmal, und in meinem Kopf seh ich sie auch.” Marie ist sieben Jahre alt und Doras jüngste Freundin.

Meistens ist Dora gut gelaunt. Manchmal macht sie sich Sorgen. “Sie hat Angst, dass ich beschließe, sie nicht mehr weiterzuführen”, sagt Martin Zentner. Dass er mit ihr Schluss macht. Dass er den Zeichenblock zuklappt und sie zu Bleistiftstrichen erstarrt. Sie muss sich aber nicht sorgen. “Sie ist doch ein Teil von mir”, sagt Zentner. Mit seinem Sektglas prostet er in die Luft. “Auf Dora.”

Dora finden Sie unter

www.dora-asemwald.de

Kleiner Fehler drin: Rammstein ist Thomas Lieblingsband, ich hörte und höre eher Joy Division.

Digitales aus dem Wendland


Dieses Porträt kommt von Heide Blum. Sie lebt in Lüchow im Wendland, dessen Landschaft und Tierwelt ich dank ihres Blogs „Puzzle“ mittlerweile schon ganz gut kenne. Sie beweist, dass Landschaft auch ohne das sie in Falten geworfen ist schön sein kann. Ansonsten erstellt sie digitale, psychedelische Bilder wie man hier gut sehen kann.

2puzzle4.wordpress.com