Unter Frauen

Dass ich als Virtuelle nicht so einfach wo aufkreuzen kann, sollte jenen, die mich kennen, schon klar sein. Ich brauch dazu immer fleischliche Helfer, die es verstehen, den materiellen Raum mit ihrer Präsenz  zu füllen, die mich zeichnen, die für mich die Maus schieben und andere eher greifbare Dinge erledigen, die meinen Gedanken Form geben können. Meine letzte Beteiligung an einer Ausstellung war mal wieder so ein Fall: Im Frauenkulturzentrum Sarah im Stuttgarter Westen gab’s die Ausstellung „Kompromisslos oben bleiben“, die sich dem kreativen Widerstand gegen das Großprojekt Stuttgart 21 widmete. Passt!, dachte ich mir, hab ich doch einen nicht geringen Teil meiner Kreativität für das Stänkern gegen den lokalen Größenwahn eingesetzt, Lochinitiativen gegründet und wie die Wilde gebloggt. Normalerweise ist das mit den Ausstellungen ja kein Problem, ich sag einfach meinem Zeichner er solle meine Arbeit ausdrucken, rahmen und aufhängen und am besten noch die Rede halten. Hier jedoch gab’s ein kleines Problem: Ins Frauenkulturzentrum dürfen, wie der Name schon sagt, nur Frauen rein – ein Kriterium, an dem er scheitert. Aber wer sagt eigentlich, dass mein Zeichner immer alles für mich tun muss? Es ist sowieso höchste Zeit, dass ich mich von ihm mal emanzipiere. Da kam’s mir sehr zu pass, dass meine liebe Künstlerkollegin Karin Rehm dort auch ausstellt. Nicht nur, dass einige Arbeiten von uns gemeinsam erstellt wurden, sie ist auch erfahren in der Virtuelleninkarnation, da sie die materielle Vertreterin meiner Freundin Thea Schattenwald ist. Da ich gebeten wurde, eine Eröffnungsrede für die Ausstellung zu schreiben, habe ich dies auch getan und Karin mitgegeben. Der Abend hatte eine wunderschöne Stimmung, doch schaut euch die Bilder am besten selbst an. Ein paar der Bilder sind auch von der Finissage.

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Die Rede, die Karin für mich gehalten hat:

Liebe Gäste, Es waren gute Argumente, die mich motivierten, politisch zu werden – und zwar jene guten Argumente für Stuttgart 21, die angeblich überwiegen sollten. „Es stimmt, dass ein Teil des Schlossgartens über Jahre hinweg Baustelle sein wird. Es stimmt aber auch, dass in einer Großstadt Baustellen für den Erneuerungswillen ihrer Bürger stehen.“ Das war im Juni 2010. Wer erinnert sich noch an die Kampagne? Mir liegt sie zu schwer im Magen um sie verdaut zu haben. Zuvor verfolgte ich das Widerstandstreiben mit Sympathie, beschränkte mein Engagement jedoch auf die Initiative Loch 21. Bislang dachte ich ja, meine fachliche Unkenntnis wäre ein schlechte Basis dafür, mein Maul zum Thema aufzureißen. Aber mit dieser Verdummungs-Kampagne wurde mir klar, dass Sachlichkeit in der Bahnhofsdiskussion dünn gesät war. Meine Hemmung, mich einzumischen, schwand. Ich fing an, mich in meinem Blog für das Thema zu engagieren. Der Zuspruch vieler Leserinnen und Leser bekräftigte mich. Der Widerstand kam im Sommer 2010 so richtig in Fahrt und brachte mehr Leute auf die Straße als die derzeitige Fussball-WM. Ich war begeistert vom kreativen Reichtum des Widerstands – man bedenkte den Bauzaun – und trug meinen Teil dazu bei. Am 30.9. änderte sich die Stimmung, wurde verbitterter und ernster. Mappus wollte Bilder schaffen als er die Polizei dazu veranlasste, mit aller Härte gegen Demonstranten vorzugehen. Er wollte den Widerstand provozieren, um ihn als militant darzustellen. Er scheiterte an unserer bedingungslosen Friedlichkeit. Wir schafften es ein Gegenbild zu erzeugen, welches dem Ministerpräsident letztendlich das Genick brach. Spätestens da wurde klar, dass es im Streit um den Tiefbahnhof nicht um Leistungsfähigkeit oder Kosten ging, sondern um Bilder.

Im Herbst folgte die sogenannte Schlichtung und sollte Sachlichkeit vortäuschen.  Dort schlugen sich die großen Köpfe der Befürworter und Gegner – übrigens alles Männer außer Gönner und Dahlbender – die Argumente um die Ohren und lenkten von grundsätzlichen Fragen ab. Wie zum Beispiel der Frage danach, wer das eigentlich alles bezahlen soll oder ob ein milliardenteurer Bahnhofsneubau – K21 oder S21 – überhaupt notwendig sei. Die Kreativität des Widerstands zeigte sich ein weiteres Mal vor der Landtagswahl, in der es galt, das wahre Gesicht von Mappus zu zeigen. Das ist uns gelungen, die CDU musste nach 58 Jahren Herrschaft den Posten räumen, die Grünen Protagonisten des Widerstands standen plötzlich in der Regierungsverantwortung. Sie waren nun gezwungen, eine landesweite Volksabstimmung durchzuführen, die so ausgelegt war, dass die Projektgegner kaum eine Chance hatten, sich durchzusetzen. Auch hier sollte wie bei der Schlichtung Demokratie vorgetäuscht werden, und dieses mal ist es ihnen gelungen. Und wieder versuchte der Widerstand, mit all seiner Kreativität die Argumente gegen das Großprojekt unters Volk zu bringen und fuhr dabei mit Bussen durch das Land. Dem steuersubventionierten Wahlkampf der Befürworter stand eine Truppe Ehrenamtlicher mit viel Kreativität und wenig Geld entgegen. Die Befürworter ließen sich erst gar nicht auf die Sachebene ein und führten einen emotionalen Wahlkampf, der es schaffte, viele Bürger gegen den Ausstieg aus der Finanzierung des Projektes zu stimmen. Also letztendlich für Stuttgart 21. Und das wird jetzt, wie es scheint, auch gebaut. Hat der Widerstand versagt?

Wir haben es nicht nur geschafft, die CDU-Herrschaft zu beenden. Wir haben auch für ein neues Bewusstsein vieler Bürger gesorgt. Viele apolitische Bürger wie ich wurden aufgeweckt, haben sich vernetzt, wurden kreativ und haben sich engagiert. Auch wenn wir keine Chance gegen das Kapital hatten, das hinter Stuttgart 21 steht, haben wir eine gehörige Menge soziales Kapital aufgebaut, dass man uns nicht nehmen kann. Es sind die Freundschaften, die wir geschlossen haben, die Erlebnisse, die uns verbinden, es ist das gemeinsam gewachsene Bewusstsein, dass wir eine Stimme haben und gehört werden wollen. Der Widerstand hat unsere Kreativität geweckt und es uns ermöglicht, sie zu nutzen. Ein Abend wie dieser hier ist für mich Grund genug zu sagen: Der Widerstand hat nicht versagt.

Fotos: Karin Rehm,
Titelillustration: Martin Zentner,
Vorlage für Titelillustration: Julia Doebele,
Hintergrund Titelillustration: Karin Rehm

Nanostrukturnagellack

Neue Fotos von Frank und Steff über eine wunderschöne Zukunft. Den Text hab ich geschrieben:

The bliss of nanostructure nail varnish

For some it ‘s menacing, but the Dautrys have decided to embrace the bliss of progress. „If you can’t stop it, utilize it!“, as Marie II likes to say. Raoul looks toward a radiant future, where sorrows of the past will long be forgotten. Meanwhile Marie I simply adores the delicate reflections on her nanostructure nail varnish.

Models: Jelena, Marie & Andrew
Haare/Make-Up: Rahel Täubert
Styling: Fidan Baran

Grab mit!

Die Galerie lebt wieder! Erst vor kurzem habe ich Karin in unser Galeristen-Team mit aufgenommen, und schon machen wir unsere erste offizielle gemeinsame Ausstellung. Nun gut, ohne sie wäre die letzte Ausstellung nie zu Stande gekommen. Diesmal zeigen wir was in eigener Sache, denn es geht um mein Treiben im Widerstand gegen Stuttgart 21. Da ist natürlich das größte Thema die Initiative Loch 21, wozu es auch neue Sachen zu sehen gibt – und zum mitmachen! Ihr dürft euch – zumindest virtuell – bei der Verlochung unserer Stadt beteiligen. Es wird schöne Buttons geben und hoffentlich einen netten Abend mit viel Spaß. 

 

Ausstellung: Grab mit! Dora und der Widerstand. 

Vernissage: 

 

Montag, 14. November 2011
ab 19 Uhr
Unser Pavillon, Mittlerer Schlossgarten, Stuttgart

Verlassen der Materialität

Vorgestern war ich mal wieder in der xsGallery, bei deren Eröffnung ich damals eine Ausstellung machte. Diesmal wurde ein Fotograf angekündigt, der etwas vom Verlassen der Materialität in seiner Ankündigung (siehe unten) schrieb. Da ich selbst dort immer noch nicht angekommen bin, interessiert mich das Thema natürlich. Also: Nichts wie hin. Die Bude und die davor liegende Straße sind zum Bersten voll, drinnen spielt schon eine kleine Band (eine Bigband hätte da wohl kaum Platz drin), die sich Wohoo! nennt, aber nicht so klingt.

Wohoo! machen Musik.

Schnell ein Bier holen und raus aus dem Gedränge, Bilderschauen muss warten bis sich das Ganze etwas leert. Draussen treffe ich den Künstler: Matthias Kaiser, ein junger Fotograf, der hier seine erste Ausstellung macht.

Matthias Kaiser, hier ganz materiell.

Er zeigt mir seine Bilder, in denen er Menschen in ihrem Alltag fotografiert hat. Fast ihrem Alltag, den sie hängen schwerelos über dem Boden. Befremdlich und faszinierend, das Verlassen der Materialität halt. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Bilder heute oder morgen vor Ort anschauen (Heute von 19:00 bis 23:00, morgen von 14:00 bis 18:00). An der Wand wirken sie noch einiges schöner als auf dem Schirm. Für jene, denen der Sprung in die Materialität der Ausstellung verwehrt bleibt, habe ich die Exponate hier in digitaler Form.

Gleich das erste Bild, dass ich sehe kommt mir bekannt vor. Schauspieler Lukas wohnt im selben Haus wie ich, jetzt darf er über der Bühne schweben.

Ein alter Ofen der ehemaligen Sandwichbar zeigt ein Bild eines Ortes, an welchem Sandwichzutaten feilgeboten werden.

Erleuchtet am Badesee: Licht und Schatten wollen nicht ganz zusammenkommen.

Matthias in eigenen Worten:

Alltag.
Gleiche Muster, Rhythmen, Abläufe.
Rituale oder doch nur Arbeitstrott?
Freizeitspaß oder Beschäftigung?
Der Mensch als Gewohnheitstier kommt immer wieder zu den gleichen Plätzen zurück, macht die gleichen Sachen, muss sie tun.
Manchmal aber ist er nicht bei der Sache und verlässt diese Welt.

Tankar (schwedisch für Gedanken) visualisiert das Verlassen der Materialität.

 

https://www.facebook.com/tearoom.xsGallery

http://www.xsgallery.com/

http://www.matthiaskaiser.biz/ 

Entdeckung der Langsamkeit

Wir Stuttgarter können alles außer Hochdeutsch, zum Beispiel Porsche bauen. Das kann der österreichische Künstler Hannes Langeder auch. In Sachen Emission und Leichtbau ist er uns sogar um Längen voraus. Sein Ferdinand GT3 RS wiegt keine 100 Kilo und lässt einen den Luxus der Langsamkeit erleben. Wer wie ich an einer inoffiziellen Porscheteststrecke zur Erprobung von Motorenlärm beim Berghochfahren (Immenhoferstraße) lebt, weiß dieses Fahrzeug zu schätzen!

ferdinand.johannes-l.net

Zuvor erschienen bei brezel.me

Plastische Erörterung der Bahnhofsbesitzfrage

Ich freu mich schon auf die Ausstellung am Montag in unserem Pavillon. Da war ich auch gestern kurz und habe gehofft, ich kann was beim Aufräumen helfen. Pavillonistin Karin hatte aber alles im Griff, ich stand dumm rum und hab den Künstler kennen gelernt, der die letzte Ausstellung gerade abbaute. Nicht nur, dass mich seine Arbeit eh schon beeindruckt hatte, er stellte sich auch als angenehmer Zeitgenosse raus, der hier vorgestellt gehört.

Ausgestellt hatte der Künstler Peter Schmidt ein Bahnhofsmodell, dass  im Rahmen des Bahnjahr 2010 Nürnberg er- und ausstellte. Das Thema: „Wem gehört der Bahnhof?“. Umwerfend die Detailverliebtheit die er beim plastischen Erörtern der Besitzfrage zeigt. Man kann sich im Modell verlieren und findet immer neue Anspielungen und Zitate. Ich will nicht lang rumschwafeln, schaut euch die Bilder vom Modell selbst an. Leider schreib ich zu spät darüber, denn jetzt kann man das Modell im Pavillon nicht mehr sehen. Pech gehabt.

http://www.oma-maier.de/

Zwischen den Zelten

Es wurde ja auch höchste Zeit! Das Brachliegen meiner Galerie war mir eh ein Dorn im Auge, jetzt hab wieder was am Start. Diesmal geh ich aus dem Haus, in den Stuttgarter Schlossgarten. Dort steht „Unser Pavillon“, der einst als Camera Obscura den Bahnhof abbildete, jedoch zum Veranstaltungs- und Ausstellungsort für den kreativen Widerstand gegen den angedrohten Erdbahnhof mutierte. Heute ist da immer was los, nette Freiwillige kümmern sich um Besucher, hören sich Schimpftiraden jener an, die lieber eine Baugrube als die Zelte im Park hätten. Genau der richtige Ort und die richtigen Leute, um eine schöne Ausstellung zu machen.

Ausgestellt werden Fotos von Peter Franck und Frank Bayh & Rosenberger-Ochs, die die Zeltstadt im Park dokumentiert haben.

Montag, 5. September um 19:30
Unser Pavillon, Mittlerer Schloßgarten, Stuttgart

https://www.facebook.com/frankundsteff
https://www.facebook.com/peter.franck1

https://www.facebook.com/event.php?eid=107044349400516
https://www.facebook.com/pages/Unser-Pavillon/115978998485163

Bekannt aus dem Fernseher

Heute im Angebot: 28.4. ist Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Sicher ist, wer sich schöne Sachen anschaut ist glücklich, und wer glücklich ist bleibt länger gesund. Auch bei der Arbeit. Schöne Sachen: Morgen bei Marko Schacher in der Galerie stellt Udo Schöbel aus. Udo, den ich von der Galerieeröffnung als Musiker schon kenne, hat mir heute morgen im Café ein Kärtchen in die Hand gesteckt. Die Zeichnung drauf gefällt mir gut, es ist ein Bild aus einer Serie mit Porträts von Menschen, die man vom Fernsehen kennt. Ich hätte auch gerne ein Porträt von Udo, aber da muss ich wohl noch mein Promistatus von virtuellem Stuttgarter C-Promitum auf was Höheres aufboren, sonst wird das nichts.

Auch zu sehen: François Chalet. Hingehen!

Die Ausstellung findet ist übrigens eine Kooperation mit dem 18. Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart 2011, über welches ich hier nächste Woche umfassend Bericht erstatten werde.

Hier noch Informationsgedöns zur Galerie: 

Schacher – Raum für Kunst

Inhaber: Marko Schacher 
Galerienhaus Stuttgart
Breitscheidstr. 48
70176 Stuttgart

Tel.: +49 (0) 711 656 77 068
Fax: +49 (0)  711 656 77 059
mobil: +49 (0)162 40 37 512
info[at]galerie-schacher.de

Geöffnet: Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr

Lügenaustausch

Meine erste Ausstellung ist überstanden! Ich habe sie gefilmt, aber dann doch etwas zusammengerafft, weil’s sonst etwas mühselig wär 8 Stunden einfach so anzuschauen.

Für alle die nicht da waren: Der Raum war mit über 500 gelben Post-Its vollgeklebt, auf die ich Gedanken und andere Lebenslügen notiert hab. Wenn jemand einen Gedanken haben wollte, um ihn zum Beispiel in die eigene Lebenslüge zu integrieren, konnte er oder sie ihn mitnehmen. Aber nur, wenn ein eigener Gedanke dafür auf einem blauen oder grünen Zettel hinterlassen wurde. So hat sich der Raum im Laufe des Abends verändert, die Gedanken wurden ausgetauscht.

Den Film kann man auch in HD anschauen, dann ist er am schönsten.

Psychedelisches Kraut

Ich hab grad meine Ausstellung vom letzten Wochenende wieder abgebaut. Nachdem ich einen Einblick in meine Psyche gegeben habe zeigt der nächste Ausstellende in der xsGallery psychedelische Bilder. Uwe Büchele, der Mitbegründer und Cover-Gestalter des Psychedelic-Rock Bootleg Labels „praekraut pandaemonium“, stellt nicht nur seine Arbeiten aus, er legt auch die passende Musik auf den Plattenteller. Wer will, kann vorher gerne Pilze essen, muss es aber nicht. Die Bilder wirken auch nüchtern.

Uwe Büchele | psychedelic underground
Vernissage / Finissage:
Freitag 15. April 2011, 19 Uhr
xsGallery, Rotebühlstraße 109a
www.xsgallery.com

Doras Lebenslüge

Ich bin schon ganz aufgeregt. Am Freitag mach ich kurz entschlossen meine erste Ausstellung – nicht als Galeristin sondern als Künstlerin. Die xs Gallery ist eine winzige ehemalige Sandwichbar in der Rotebühlstraße (direkt neben der Rosenau), in der ich 16 Quadratmeter Platz hab, um mein aufgeblasenes Ego abzubilden.

Ich sammle grad meine Gedanken und werde sie dann dort ausstellen und mit euren austauschen. Am Samstag ist dann auch schon wieder Finissage. So schnell kann’s gehen. Gedanken sind flüchtig.

Veranstaltet wird das Ganze vom Tearoom e.V..

Schöne Frauen und der tote Winkel des Rechtsstaats

Damit wir nicht vergessen, welch inoffizieller Staatsform unser Ländle seit dem 30.9. gefühlt angehört, erinnern uns ein paar Damen und Herren stets daran. Bei Demos gegen den unliebsamen Erdbahnhof kleiden sie sich in Memoriam an die schwarze Bande, die im Auftrag der Regierung und zum Wohle der Bahn AG im toten Winkel des Rechtsstaates unliebsame Protestler vermöbelt haben. Eine von ihnen ist Hannelore, die mir das hier gezeigte Bild zum Geburtstag angefertigt hat. Sie hat sich digital verdort und mir somit ihre greifbare Existenz dazu geliehen, mal mit dabei zu sein.

Wenn Hannelore sich mal nicht gegen die Machenschaften unseres rüpelhaften Landesvaters und seiner Tunnelfreunde einsetzt, trifft man sie auf Vernissagen in unetablierten Galerien, die einen viel schöneren Untergrund ergeben als ein verbuddelter Hauptbahnhof. Mit ihrer Kamera dokumentiert sie alles und schafft somit ein schönes Abbild der lebendigen Stuttgarter Kunstszene. Um so größer meine Freude, dass sie bei meinen Ausstellungen stets zu Gast war. Schaut die Bilder durch, vielleicht findet ihr ja mich auf einem ;-)

https://picasaweb.google.com/HanneloreKober
http://picasaweb.google.com/KarinKober
http://picasaweb.google.com/LoriaKober
http://www.youtube.com/user/HanneloreKober
http://www.google.com/profiles/HanniKober

Weil Hannelore so eine schöne Frau ist, muss ich sie hier zeigen. Das Foto habe ich aus ihrer eigenen Webgalerie gemopst.

Doppelkopffotograf

Foto: Frank und Steff, Modell: Sven Thorsten

Eigentlich hab ich mir ja gewünscht, dass jeder alleine ein Bild von mir macht. Bei Frank und Steff sei das, wie ich zuerst dachte, auf taube Ohren gestoßen. Betrachtet man jedoch die beiden als Frankundsteff, dann ist es ein künstlerisches Individuum. Wenn’s ums fotografieren geht ist dem bei den beiden so. Es gibt kein Bild, dem sie den einen oder anderen Urheber zurechnen. Wer auf den Auslöser drückt ist egal, denn ihre Arbeit ist Teamarbeit. Ich bewundere eine solche Einstellung. Bei den meisten Menschen würde das Team irgendwann über das Ego des einen oder anderen stolpern. Nicht so bei Frankundsteff, die in dieser Form schon sehr lange zusammen arbeiten. Sie sind der Doppelkopfvogel der Fotografie.

Kennen gelernt haben sie sich über Martin, ein alter Freund von Frank und Studienkollege von Steff. Zu dritt haben sie schon Ende der Neunziger mit virtuellen Menschen experimentiert. Während die beiden sich in die Fotografie gestürzt haben, hat Martin sich weiter mit virtuellen Existenzen beschäftigt und eines Tages mich entdeckt.

Heute schreibe ich viele Texte für die beiden und habe ihre Bilder auch schon mehrmals in meiner Galerie ausgestellt. Einige ihrer Arbeiten haben auch direkt dorischen Bezug, wie zum Beispiel Pandora Büchse oder das Casting für Loch21.

Sven Thorsten, das abgebildete Modell arbeitet häufig mit den beiden zusammen, zuletzt für ihre für den Sony World Photography Award 2011 nominierten Bilder.

Die Welt geht unter, die Frisur sitzt.

Stuttgart, die Welt geht unter. Die Frisur sitzt. Diesen krassen Kontrast zwischen Innen- und Außenwelt inszeniert das Fotografenduo Frank und Steff, das zusammen mit Stylistin Fidan Baran und Visagistin Rahel Täubert auch Modell als Katastrophenopfer steht. Die Arbeit ist unter den drei Finalisten der Kategorie Lifestyle beim Sony World Photography Award 2011, dem weltgrößten Fotowettbewerb. Gratulation zur zweiten Nominierung. Die erste galt den Zeltstadtbilder aus dem Stuttgarter Schlosspark, die die beiden in der Kategorie Architektur eingereicht haben.


Die Entwicklung neuer Stadtquartiere im Herzen der City

Architekturfotografie ist meistens das selbe: Ein toller Architekt tobt sich aus, baut irgendwas repräsentatives in die Landschaft, was das dreifache der geplanten Summe kostet. Der Fotograf kommt, wartet bis ihm das Licht gefällt, sucht sich ein paar günstige Blickwinkel und drückt ab. Die schicksten Bilder werden prämiert. Manchmal läuft’s auch anders: Ein Architekt tobt sich aus, plant irgendwas repräsentatives unter die Landschaft, was das vielfache der geplanten Summe kosten wird. Bürger kommen und bauen eine Zeltstadt in die zu unterbauende Landschaft, die Fotografen kommen und drücken ab.

Mit ihrer Bilderserie über die Zeltstadt im Stuttgarter Schlosspark kamen die Fotografen Frank und Steff unter die drei Finalisten in der Kategorie Architektur beim Sony World Photography Award. Dort wurden 105.000 Arbeiten aus 162 Ländern eingereicht. Als Finalist werden die Bilder dann überall auf der Welt ausgestellt.

Name der Serie ist „Die Entwicklung neuer Stadtquartiere im Herzen der City“. Er wurde von den Bauherren des unliebsamen Tiefbahnhofes gestohlen und umfunktioniert. Die Arbeit wird auch im Rahmen des Fotografennetzwerkes „Gegenlicht21“ ausgestellt, das sich künstlerisch gegen das geplante Großbauprojekt Stuttgart21 auflehnt.

Hier die Beschreibung der Serie:

With the beginning of the construction works on the new train station in Stuttgart, Germany (“Stuttgart21″), which is meant to become the biggest construction site in all of Europe, the resistance amongst the people against the project grew stronger and stronger. As a result some of the opposers built up a camp in the city’s park to avoid construction work there. The series title, which means “the development of new urban districts in the heart of the city” is a slogan of the principals of the project. By establishing the campsite this development has already begun.

Ich gratuliere den beiden ganz herzlich und wünsche Ihnen dass sie den ersten Platz bekommen. Außerdem freut es mich, dass dadurch der Widerstand gegen den Erdbahnhof in die Welt getragen wird. Die beiden wurden übrigens noch in einer zweiten Kategorie ausgewählt, doch dazu später.

Alle Finalisten des Wettbewerbs: http://www.freelens.com/foto/sony-world-photography-awards-2011-die-vorauswahl

Schmetterling strikes back

Akihiro Higuchi, 2008, Wasserfarbe auf Nachtfalter

Bei Mädels stets beliebt: Kleine Tätowierung an netter Stelle, verspieltes Motiv. Zum Beispiel Schmetterlinge auf dem Bauch. Da ballt sich die Symbolik! In der Stuttgarter Galerie 14-1 entdeckt: Schmetterling mit Mädel drauf tätowiert. Künstler Akihiro Higuchi hat den Spieß einfach mal rumgedreht. Gefällt mir.

Noch einen oder mehrere Wünsche: Anker mit Seemann drauf gemalt. Geweih mit eingravierter Proletenplunse. Mutti mit  „Sohnemann“ auf Oberarm tätowiert. Und so weiter.

Erschienen auf brezel.me

Im Westen was Neues

 

Minibeatclub: Drei Menschen, ein Instrument und Popmusik. Foto: Dora

Drei Vernissagen zum Suff von einer ist immer ein gutes Argument für das Galerienhaus Stuttgart, einer Fabriketage im Westen der Stadt in der sich drei Galerien zusammen geschlossen haben: Galerie Merkle, 14-1 Galerie und jetzt neu Schacher – Raum für Kunst. Galerist Marko Schacher kenn ich ja schon länger aus dem Internet, jetzt hab ich ihn mal vor Ort besucht. Die Bude war voll, neben Maultaschen hatte er auch schwere Schinken da – waschechte Ölschinken von Mark Thomson und Johanna Jakowlev. Ersterer stellt düstere, schwere Stadtansichten zur Schau, die die Altbauidylle unserer Innenstädte im Gotham-City-Look zeigen. Die Landschaftsbilder des Nordlandreisenden beschwören die finstere Ruhe des eisigen Polarwinters herauf, was durch Rotwein gekonntert werden musste. Jakowlevs Landschaften kommen etwas sommerlicher daher, zeigen wässrige Landschaften deren Pittoreskität durch Betonstrukturen und andere ästhetische Herausforderungen der Moderne kontrastiert werden. Trotzdem oder gerade deswegen haben die Bilder eine sonderbar faszinierende Ausstrahlung. Die im Galerieraum auftretende Band Minibeatclub hat sich überhaupt nicht ans Motto der Malerei gehalten. Ein unterhaltsamer Mann mit einer goldenen Gitarre namens Udo, die blonde singende Fee Lea und Peter („Pete the beat“), der Schrecken der Musikalienhändlerbranche, da er Bass und Schlagzeug ohne Bass und Schlagzeug spielt. Lustige minimale Popmusik haben sie serviert, neben den oben erwähnten Maultaschen.

Wunderbarer Abend, tolle Eröffnung. Ich wünsche Marko viel Erfolg zu seiner neuen Galerie und mir wünsch ich noch weitere Vernissagen die so freudig verlaufen.

Noch ein paar Bilder, die ich mal ganz frech von den jeweiligen Künstlerseiten “zitiere”. Draufklicken führt zur Quelle.

Landschaft, Wasser, Beton. Eine beliebte Kombo bei den Bilder von Johanna Jakelow. (Auffangbecken, 2010)

 

Düstere Altbauidylle: Mark Thomson serviert schwere Kost. (Unhoused, 2010)
Die Galeristen des Kunsthaus Stuttgart. Neuzugang in der Mitte (oben): Marko Schacher

Johanna Jakowlev, Mark Thompson ­– Blickwechsel
Stadtlandschaften, Landschaften, Stadtschaften (Malerei)
29.01. – 12.03.2011

Breitscheidstraße 48, 70176 Stuttgart
Tel. (0049) (0)711-263 463 66
Öffnungszeiten: Di-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr