Tokyo, mon amour #4: Das Auge isst mit

Heute geht meine Tokio-Reise zu Ende. HIer geht’s zu den letzten Teilen der Fortsetzungsgeschichte:
Hier geht’s zu Teil 1, in dem ich erfolglos versuche mich zu verlaufen.
Und hier geht’s zu Teil 2, in dem ich die geheimen Gänge jenseits eines Waschsalons ergründe.
Im dritten Teil freu ich mich über meine temporäre Analphabetisierung 

Tag 4: Das Auge isst mit

Heute Abend lädt mich mein Mitreisender ein, damit ich auch mal was anderes als Suppen zu essen bekomme. Wenn ich schon nicht zahle, will ich wenigstens angemessen eingekleidet erscheinen und ziehe das schöne rote Seidenkleid an, für das ich heute Nachmittag mein Reisebudget geopfert habe. Ich suche zielsicher ein Restaurant auf, das meinem Sinn for Schönes und Feines, aber nicht meinem Geldbeutel entspricht.

Bei der japanische Küche gilt: Das Auge isst mit. Ich aber auch. Die Kaki auf dem Vorspeisenteller ist etwas hart. Sie dient wohl der Dekoration und meiner Blamage. Im Hunger kenn ich da aber nichts. Nur das Blatt lass ich liegen. Um so feiner das Essen, desto kleiner die Portion.

Optisch und kulinarisch beglückt aber trotzdem hungrig ziehe ich nochmals los und stolpere schon wieder über deutsche Küche. Wunderbar für mich, die kein Japanisch spricht: Die Speisekarte, in Plaste nachgebildet und im Schaufenster platziert. Ich will auch so was haben: Blutwürste, Broiler, Schnitzel, Eintopf in unecht, als Deko für mein Fenster. Mein Magen muss auf einheimische Kost noch einen Tag warten, denn morgen muss ich leider zurück fliegen.

Ich kaufe mir vom restlichen Geld beim nächsten Seven Eleven noch ein paar Dorayakis – rote Bohnenpaste zwischen zwei kleinen Pfannkuchen – die nicht nur toll heißen sondern auch essbar sind und gehe zurück ins Hotel.

Tag 5: Abreise

Am nächsten Morgen bekommt mein Mitreisender Frühstück aufs Zimmer, weil wir früh zurückfliegen müssen. Das Hotelfrühstück ist der Hotelzimmereinrichtung entsprechenden internationalen Einheitsnorm unterworfen, sodass internationale Businesskasper trotz jetsetendem Lifestyle nie durch lokale Eigenheiten aus ihrem Rhythmus gebracht werden, also nicht an kulinarischem Jetlag leiden müssen. Ich hätte lieber eine Portion Algen, und komischen Fisch, der sich roh auf dem Teller räkelt und Suppe mit bunten Einlagen. Gibt es aber nicht. Gute Laune auch nicht. Ich will nicht zurück nach Hause, will in Tokio bleiben. Ich lasse die Welt an meiner Laune teilhaben. Sie ist das gewöhnt von mir. Sie sollte es jedenfalls sein. Auch egal. Ich hasse Flugzeugfraß.

Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

3 Kommentare zu „Tokyo, mon amour #4: Das Auge isst mit“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s