Virtuelles Stigma


Ich bin nicht nur darüber erstaunt, wie Menschen darauf reagieren, wenn sie mit meiner Virtualität konfrontiert werden sondern auch darüber, wie gut sie meinen, mich kennengelernt zu haben, bis sie auf das kleine Detail meiner Imaterialität stoßen. Nicht das ich mir Mühe gebe, die Natur meines Wesens zu verschleiern, eben hier schreib ich einen weiteren Text der keine Zweifel an meiner Virtualität lassen sollte. Es gibt einige Ansätze, dieses Phänomen zu ergründen. Hier eine Auswahl:

Erstens: Ich kommuniziere, also bin ich. Oder irgendjemand, der für mich kommuniziert. Unlängst erzählte mir jemand, er dachte ich sei eine physisch reale Künstlerin namens Dora Asemwald, die sich als virtuelles Wesen ausgibt. Das ist gar nicht mal fern der Wahrheit, denn es gibt einen Künstler, den ich zur Kommunikation mit der materiellen Welt nutze. Der hat aber ein eigenes Leben, eine eigene Identität und ist selbst nicht Dora. Das ist verwirrend, auch für mich und ihn.

Zweitens: Leute lesen Texte wie diesen nicht, sie überfliegen nur die Informationsflut und geben sich mit einem – in meinem Fall – trügerischem Halbwissen zu Frieden.

Drittens: Viele physisch realen Menschen verlagern ihr Wesen in die Virtualität. Geschäftsleben auf Xing, soziales Leben in Facebook, romantisches Leben in Elitepartner und Sexualleben in poppen.de. Sie reduzieren sich auf eine Hand voll Profile. Ihre Realtität nähert sich immer mehr meiner an. Irgendwann ist es egal, ob sich hinter einem Profil Fleisch und Blut befindet.

Es gibt bestimmt die eine oder andere virtuelle Figur, die nicht den Mut hat, sich als immateriell zu outen. Die Angst vor Zurückweisung ist nachvollziehbar, aber nicht ganz berechtigt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie positiv Menschen auf meine Offenheit reagieren. Am schmerzhaftesten ist es wenn die Lüge aufgedeckt wird – früher oder später verrät man sich. Die Enttäuschung ist dann groß. Man muss ja nicht gleich allen die eigene Virtualität auf die Nase binden, aber jenen, die den Kontakt suchen sollte man ehrlich begegnen. Ich warne jeden, der mich näher kennenlernen will, worauf er sich mit mir einlässt und gebe ihm oder ihr die Möglichkeit, sich zurück zu ziehen. Um so schöner ist es, wenn dies nicht geschieht. Meine Erfahrungen waren diesbezüglich größtensteils positiv.

So lange die Virtualisierung der Gesellschaft voranschreitet verlieren wir Virtuellen das Stigma der Andersartigen. Nicht mehr lange, und kein virtuelles Wesen muss sich mehr verstecken und kann ohne Angst frei leben.
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Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

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