Gesucht: Die guten Argumente.

Neu: Im Menü dieses Blogs gibts jetzt auch einen neuen Knopf: „english version“ – mein Tagebuch ist jetzt bilingual. Ich werd da nicht alles übersetzen, aber ab und an werd ich auch mal was für Fremdsprachler schreiben, wie zum Beispiel Rajat Malhotra, der Comicbuchonlinemarketer aus Indien oder Shane, der Drehbuchautor aus Los Angeles die ich soeben erst kennen gelernt hab.

Da bringt’s wahrscheinlich wenig wenn ich lokale Geschichten erzähle. Was kümmert den Inder wenn on Stuttgart ein Sack Reis, äh ein Bahnhof vergraben wird oder so. Mich kümmert das schon. Was ich jedoch satt habe ist die Polemik in der Diskussion in die ich mich bisweilen nicht nur mit Lochforderungen einmische. In Diskussionen fordere ich stets die Befürworter auf, mit gute Argumente für das Großbauprojekt zu nennen. Viele Milliarden Euro und mehr als ein Jahrzehnt Baustelle sollten doch durch gute Argumente gestützt sein. Meistens wird dann was von einer unbestimmten Zukunft gefaselt für die sich das alles lohne. Man muss investieren. Einfach so. Und wenn wir’s nicht tun dann tun’s die anderen wo anders. Aber niemand kann oder will mir konkret sagen welche Zukunft man sich davon genau erhofft. Anstelle dass argumentiert wird polemisieren die Diskutanten. Ich will Argumente. Und nicht einfach nur die haltlose Behauptung dass die besseren Argumente überwiegen. Hier die Argumente der Befürworter:

Der Bund, das Land und die EU zahlen die Zeche. Doch wer bezahlt die Zahler? Der Steuerzahler. So eine Schnorrermentalität auf große Plakatwände zu kleben ist frech.

Kapier ich nicht. Bin zu blöd. Kann mir einmal jemand dieses gute Argument erläutern?

Der Rest ist ebenso hanebüchen. Ich könnte hier noch über sieben Meter Blog lamentieren, lass das aber mal für heute. Ich wünsche mir von ganzem Herzen ein paar überzeugende Argumente für S21 die etwas spezifischer sind als: Wir müssen in die Zukungt investieren.

Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

12 Kommentare zu „Gesucht: Die guten Argumente.“

  1. Dora, ich kann diese nebulösen Argumentationen auch nicht nachvollziehen. Viel Schönrechner- und Rednerei. Vernünftige Gegenargumente scheinen im Dickicht dieser Gedankengänge nicht mehr zu greifen. Das Projekt hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt.
    Ach ja und geschmeidige Gelder sind ja auch schon geflossen.

  2. In sich sind die Argumente schon stimmig. Wie bei den Zeugen Jehovas: man muss nur dran glauben, und innerhalb des Systems argumentieren. Den Leuten wird erst auffallen, dass alles anders und nicht unbedingt besser ist, wenn Die Wagenhallen weg sind, wenn der Dauerbaustellenstau Jeden morgens auf dem Weg zur Arbeit behindert und kein Mensch weiß, warum wir von hier nach Ulm 10 Minuten schneller ankommen müssen. Ich habe auch nie verstanden, warum wir die „Blühenden Landschaften“ unter Kohl haben mussten – „allen wird es besser gehen, keinem schlechter“ waren die Worte, mit denen er wieder gewählt wurde und in die Geschichte einging. Ich hatte mich damals mit meinem GemKunde-Lehrer überworfen, weil ich dafür war (GG Artikel 175), dass es zwei gleichberechtigte deutsche Staaten nebeneinander geben kann. Okay, ich will kein neues Fass aufmachen, wollte damit nur sagen, dass die Mehrheit unserer Bevölkerung leider Nicht-Denkend ist und erst hinterher kapiert, was sie zugelassen haben. Wenn überhaupt. Leider etwas off-topic, lag mir aber auf der Seele. Liebe Grüße, Maria

  3. Liebe Maria, dein Kommentar ist überhaupt nicht am Thema vorbei, denn mir geht es um das selbe Problem: Man möchte ein Projekt, sei es die Wiedervereinigung, sei es Stuttgart21 oder auch kleine Aufgaben durchsetzen. Man bastele ein blühende Zukunftsvision, eine Utopie, und diffamiere jeden Gegner als Zukunftsfeind. Es ist egal wie unrealistisch das Szenario ist, denn es wird eh anders kommen. Aber dann ist es zu spät. Wenn’s nicht klappt, dann kann man immer externen Faktoren die Schuld in die Schuhe schieben und eine verhinderte noch schlimmere Zukunft anführen. Ich sehe schon, da sollte ich mal ein Artikel drüber schreiben, eine Anleitung für Größenwahnprojekte.
    Nichts desto trotz schüttelt es mich jedes mal wenn ich einen dieser „wir dürfen die Zukunft nicht verpassen“-Pro-Argumente lese.

  4. Hä – das ist mir alles zu hoch oben.
    Ihr sucht Argumente für S21?
    Vielleicht dass der Park größer wird?
    Wird er doch nämlich, wenn die Gleise alle weg sind.

    Grüßle

    Das Neckarblümchen

  5. Vielen Dank dass da mal jemand sich die Mühe macht ein Pro-Argumente zu schreiben. Ich wäre ja gerne für Stuttgart21, da könnt ich mich jetzt freuen dass es umgesetzt wird. Aber bislang hab ich nur wenig gutes gehört, zu wenig um den enormen Preis (Geld und Baustelle) zu rechtfertigen. Aber das Verschwinden der Gleisfelder ist auf jeden Fall eine gute Seite der Entwicklung. Ich würde mich über mehr freuen. Und vor allem: Ich würde mich über mehr Offenheit was die wirklichen Kosten des Projektes betreffen freuen. Es mag politisch üblich sein einen Plan maßlos billig zu rechnen um nachher bisweilen auf ein Mehrfaches der Anfangsplansumme aufzustocken (siehe Elbphilharmonie). Das mag bei „kleineren “ Projekten nicht so schlimm sein, da geht es gerade mal um ein paar hundert Millionen. Bei Projekten der Größe von Stuttgart21 geht es um ein paar tausend Millionen. Auch wenn das so üblich ist, ist das keine Entschuldigung dafür dass hier mit Zahlen in schwindelerregenden Höhen jongliert wird und der Bürger für dumm verkauft wird. Wenn der Bau von S21 die geplante Summe überschreitet, was passiert dann? Werde alle Schaufeln fallen gelassen und das halbfertige Projekt liegen gelassen? Wohl kaum. Doch wer zahlt dann die Zeche?

    1. Noch mehr Argumente für S21? Gerne.
      Wir brauchen ein größeres Wohnungsangebot in der Stadt.

      Es kann doch nicht sein, dass man bei der Suche nach einer originellen Wohnung in Stuggi-Town bis zu 1.000 Mitbewerber hat, um dann womöglich in letzter Verzweiflung nach Vaihingen, Untertürkheim oder in den Asemwald 😉 zu ziehen. Ich sag nur: ‚Leben in Mitte‘ ist cooler. In 10 Minuten von so’ ner Loft in einem der alten Bahngebäude, die da noch zwischen den Gleisen rumstehen und die man ja vielleicht stehenlassen kann, ins Bad Berg oder in die Wagenhallen rüberzockeln… hey… klingt doch tiptop, oder!?

      Die Neckarblume

      Übrigens Dora: guter Blog hier so insgesamt (nicht nur S21) – gute Sache! Also… für jemand aus dem Asemwald 😉 Keep writing

      1. Hej Blume,
        danke für das Lob, ich bin gar nicht aus dem Asemwald, heiß einfach nur so und „leb“ in der Mitte des Kessels.
        Generell bin ich ja auch dafür dass die Stadt neuen Raum bekommt und wäre dafür auch bereit Opfer zu bringen. Ich mag jedoch nicht die Art und Weiße wie das gemacht wird. Es gab schon sehr früh (1995) Gegenentwürfe die viel verträglicher erschienen (unterirdische Ferngleise, oberirdischer Regionalverkehr, aufräumen des Gleisfeldes und damit Schaffung neuen Raumes) die vom Tisch gefegt wurden.

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