Sand im Getriebe


Zugegeben, meine Einschätzung zur Zukunft des Protests gegen Stuttgart 21 in meinem letzten Artikel hatte den unliebsamen Pessimismus zu Gast. Er raubt vielen die Laune und Motivation. Eine ungünstige Ausgangslage dient gerne als Steilvorlage für vorauseilendes Scheitern. Getreu dem Motto der Zyniker: Hat ja eh keinen Sinn. Hilft es da sich die Lage schön zu reden? Den einen oder anderen mag das motivieren, man sieht sich ja selbst gerne auf der Gewinnerseite und denkt: Wer das Scheitern im Kopf hat wird auch scheitern.  Nicht das Scheitern, sondern die Furcht davor ist, was uns scheitern lässt. Ich muss mir eine schwierige Ausgangslage nicht schön reden um sie zu meistern. Aufgesetzter Optimismus ist sehr gefährlich. Man blendet einfach Probleme aus, die einen später dann zu Fall bringen können. Der alte Optimismustrick, sich selbst zum Erfolg zu überreden, funktioniert eh nur bei Angelegenheiten, die uns selbst betreffen. Man muss schon an die globale Kraft der Gedanken glauben um mit Optimismus die Welt zu verbessern. Ich glaube eher an Taten. Und die kann ich optimistisch darin, sie so gut wie mir möglich zu erfüllen, angehen. Wie ich damit auf meine Umwelt einwirke steht auf einem anderen Blatt.

Sand im Getriebe
Mal ganz konkret: Ich halte die Chance, dass Stuttgart 21 gestoppt werden kann für sehr gering. Auch befürchte ich, dass Mappus und seine Bande gewählt werden. Warum setze ich mich dann noch weiterhin ein? Ich könnte auch sagen: Ist doch eh egal, ich lass es bleiben. Vorauseilendes Scheitern durch Nichtversuch. Ebenso könnte man fragen warum jemand auf der Baustelle eine Sitzblockade macht. Der Blockeur weiß von vornherein, dass er weggetragen wird. Es geht darum Sand im Getriebe zu sein. Wenn uns die Regierung schon über den Tisch zieht, dann sollen sie es wenigstens nicht leicht haben. Und jeder kleine Widerstand summiert sich. Kein Getriebe läuft mehr wenn sich ein ganzer Sandkasten darin befindet.

Flinte im Korn
Unsere Chancen sind klein, aber vorhanden. Um so kritischer das Volk, desto weniger kann sich eine Regierung erlauben ohne dass es unbequem wird. Wahrscheinlich schafft man es nicht die Welt zu revolutionieren, aber im eigenen Umfeld besteht die Möglichkeit durchaus. Auch wenn die Gesamtlage pessimistisch scheint, kann ich meinen Optimismus im kleinen ansetzen und erreiche auch so etwas. Vielleicht sollten wir unsere Zielsetzungen überprüfen bevor wir die Flinte ins Korn werfen. Auch wenn wir Stuttgart 21 nicht stoppen können, sind wir immerhin in der Lage darauf einzuwirken was mit der Stadt passiert. Wir werden noch oft scheitern, aber eben so oft werden wir wieder aufstehen und weiterkämpfen. Und vielleicht bleiben wir ja trotzdem oben. Schön wär’s.

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Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

12 Kommentare zu „Sand im Getriebe“

      1. Heute hab ich diesen Artikel als Vehikel, als Aufhänger für mein ganz anderes Thema genutzt.

        Ich hoffe, das war mir erlaubt 😉

  1. hi Dora. ob S auch 21 weiter oben ist oder doch weiter unten, kann man selbst nicht wirklich einschätzen. ich lag da bei ähnlichen Geschichten in der Vergangenheit schon ziemlich daneben. aber eins habsch gelernt, wenns um viel Kohle geht, bestehen die interessierten Kreise knallhart auf Planerfüllung. is ja auch irgendwie verständlich. wer hat schon was zu verschenken. letztendlich gehts darum, wie man den besten Profit macht. und auch beim Regierungswechsel, wär ich mir nicht so sicher. Irgendwann letztes Jahr habsch mal die Künast bei der Will ( oder war das woanders???) gesehn, also die von den Grünen. da wurd sie gefragt, wie die Grünen denn entscheiden würden, wenn sie nach dem Mappus in die Regierung kämen. Sie hat sich ziemlich gewunden, und das eigentlich offen gelassen. also, ma sehn.

  2. Was die Grünen auf der Pfanne haben weiß ich auch nicht. Aber nach 58 Jahren Monokultur ist der Wechsel an sich eine feine Sache.
    Außerdem wäre es ein schlechtes Zeichen wenn einer wie Mappus ungestraft gewählt wird nachdem er das eigene Volk hat verprügeln lassen. Wenn der das Beste ist, was die CDU zu bieten hat, dann gute Nacht.
    Wenn die Grünen es nicht packen sind die so schnell weg sie die FDP. Sollen sie doch mal zeigen, was sie drauf haben. Ich bleib kritisch. Gegenüber allen.

  3. Meiner Meinung nach kommt alles darauf an, gegen die Informationsmonopole eine Gegenöffentlichkeit aufzubauen bzw. am Leben zu halten und die vielen vorhandenen Informationen, die eine katastrophale Planungskultur seitens der Bahn und aller anderen Beteiligten ans Tageslicht zu bringen. Zwei Mosaiksteine ganz aktuell:
    http://www.br-online.de/das-erste/report-muenchen/report-muenchen-video-ID1294686443692.xml
    http://www.ceddy0903.de/gw/gwrohre.html

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