Mal ehrlich gelogen …

Nein, ich bin nicht verschwunden, ich lebe noch. Ein kleiner Zeitengpass soll als Ausrede für mein Nichtpublizieren ausreichen. Manche haben ja schon gefürchtet ich wäre mit meiner zusammengeklauten Identität aufgeflogen und hätte sie zurückgeben müssen. Da ich weder Verteidigungsministerin bin, noch dieses oder ein ähnliches Amt anstrebe, geht mit das auch völlig am Arsch vorbei. Und letztendlich klauen wir uns doch eh alles zusammen und plappern ne ganze Menge nach, ohne dabei die Quellen in verbalen Fußnoten anzugeben. Wär auch lästig, ich kann auch ohne Goethe zu nennen zum Arschlecken aufrufen. Und der hat das bestimmt auch nur bei seinem unflätigen Nachbarn abgekupfert. Kopieren und Einfügen ist keine Erfindung des Computerzeitalters, es liegt in der Natur des Menschen. Was bei Vögeln im Ansatz vorhanden hat der Mensch perfektioniert: Das Imitieren. Es hat ja auch was praktisches: nicht jeder muss das Rad neu erfinden.

Dafür darf man sich selbst jeden Tag neu erfinden! Oder genauer gesagt: Abgeschautes rekombinieren und neu zusammensetzen. So wie wir unser Weltbild aus der großen Kiste der Erfahrungen und der dadurch gelernten Muster zusammenbasteln, erzeugen wir unser Außenbild und werden in die Realitätscollagen in den Köpfen anderer integriert. Natürlich wollen wir in der Selbst- wie Fremdwahrnehmung ein schönes Bild abgeben, wollen gemocht, gefürchtet oder einfach nur respektiert werden. Dazu täuschen, manipulieren und mauscheln wir, um das Selbst- und Fremdbild in die gewünschte Richtung zu bugsieren. Selbstehrlich betrachtet macht das jeder, auch du und ich. Schwierig wird es, wenn man versucht ein nicht dem Selbstbild entsprechendes Fremdbild aufzubauen. Wenn man so tut als ob, obwohl man weiß, dass es gar nicht so ist. Nur Lügen, an die man selbst glaubt, können glaubwürdig sein. Also: Erst in die eigene Tasche lügen und dann den anderen. Und nicht dabei erwischen lassen, sonst ist’s rum mit der Glaubwürdigkeit. Oder besonders reumütig darauf plädieren, dass … Ach schaut einfach in die Nachrichten wie’s die Profis machen.

Mein persönlicher Lieblingstrick: Einfach von vornherein behaupten man sei verlogen. Das erzeugt dann ein klassisches Paradoxon welches die anderen aus der Bahn wirft. Ein ehrlicher Lügner braucht das Erwischtwerden nicht zu fürchten.

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Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

3 Kommentare zu „Mal ehrlich gelogen …“

  1. Letzteres.
    Nicht bei Diplomen und ähnlichen Bescheinigungen für Bürowände und Personalberater und Ballkartenvergeber, aber zumindest bei Persönlichkeitsbeschreibungen: es gibt genug Menschen von einer gewissen intellektuellen Eitelkeit, die sich privilegiert fühlen, wenn sie meinen, die Wahrheit erraten zu haben … es macht sie froh. Wenn’s stimmt, haben sie es sich verdient. Aber wer will von sich selbst morgen noch an allem festhalten müssen, was gestern stimmte? was einen konstanten ethischen Anspruch an sich und andere im Umgang – nicht mit der Wahrheit, aber miteinander – nicht schmälert.
    Dieses am Beispiel des von Guttenberg gerade mal wieder diskutierte Phänomen von hastig und nachlässig erworbenen akademischen Titeln ist ein Produkt der Gesellschaft, die auf „Schmucktitel“ aller Art abfährt. Alles andere über das Wesen und Unwesen von Doktorarbeiten kann jeder im Internet nachlesen, was ja gerade zur Zeit sehr beliebt und vielfach ermüdend gebloggt wird, als wäre das neu.
    Alle Medizinier, die geglaubt haben, nach erfolgreicher Approbation auch ohne das Dekor eines Doktortitels auf dem Praxischild allgemein akzeptiert zu werden, wissen, daß es vor allem die Nichtakademiker sind, die mißtrauisch infrage stellen, „ob der überhaupt was kann“ und die Praxisräume sich zäher füllen als bei titeldekorierten Kollegen. Am Rande: wer jetzt am lautesten und hämischsten sich des Themas annimmt, ist im allgemeinen Nichtakademiker mit Visitenkartenetui.

  2. &laquot;Mein persönlicher Lieblingstrick: Einfach von vornherein behaupten man sei verlogen. Das erzeugt dann ein klassisches Paradoxon welches die anderen aus der Bahn wirft. Ein ehrlicher Lügner braucht das Erwischtwerden nicht zu fürchten.&raquot; (Dora Asemwald in ihrem Blog.)

    Das hast Du schön gesagt.

    Die Angst vor dem und der tatsächliche Aufprallschmerz divergieren mit zunehmender Fallhöhe dergestalt, daß die Angst exponentiell und der Schmerz asymptotisch weitersteigen. Soll heißen: An die großen Lügen sollten sich nur mutige Leute heranwagen, die in der Schlacht vor ihren Truppen herstürmen, und nicht die, die ihre Truppen stürmen lassen und sich selbst selbstgefällig auf dem FreiFeldherrnhügel grinsend amüsieren über die Dummheit der Massen …

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