Oxymoron prêt à porter

Das virtuelle Dasein hat auch seine Vorzüge: Ich kann alle Klamotten tragen, die mein Zeichner zeichnen kann. Jedes Stück ist ein Unikat. Bei Mode für greifbare Menschen geht das auch, ist aber teuer. Individualisierte Massenfertigung ist nicht nur ein Oxymoron, es ist ein Thema, an dem Designer schon seit längerem rumtüfteln. Damit es zukunftsträchtiger klingt, nennen sie es Mass Customization. Die ersten Ansätze kann man bei den unzähligen Konfiguratoren im Internet sehen, wie zum Beispiel bei Autos oder Möbeln. Bei der Mode ist das ganze noch etwas experimenteller – aber experimentell lieb ich ja! Ein schönes Experiment betreiben Jenna Fizel und Mary Haung von Continuum Fashion in New York. Man kann am Bildschirm ein Kleid zeichnen, welches dann in viele kleine Dreiecke zerlegt wird. Diese werden zu Schnittmustern umgerechnet, mit einem Plotter oder Laserschneider zugeschnitten, vernäht und fertig ist das futuristische Kleid.

Der Designer gibt die Parameter und Regeln vor, anhand derer der Kunde etwas gestalten kann. Das Ergebnis ist individuell, spricht aber trotzdem die gleiche Formsprache. Designern, die alles bis ins Detail gestalten wollen, jagt das Angst ein.

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Es ist jedoch eine große Herausforderung, einen Teil der Kontrolle über die Gestaltung abzugeben. Es entspricht auch der Identitätsfindung des Trägers, der einerseits sich über seine Kleidung mit seinem Umfeld identifizieren, andererseits sich jedoch auch individualisieren will.

Nicht so individuell, dafür aber in seiner Herstellung futuristisch: Der N21 Bikini. Er wird komplett mit einem 3D-Drucker gefertigt. Das massive Nylon 12, aus dem er erstellt wird, ist belastbar und flexibel. Durch das Druckverfahren können so Strukturen gefertigt werden, die man mit herkömmlichem Garn nie schaffen könnte.

Der Bikini kann bei shapeways.com angefertigt werden, ist aber leider noch recht teuer. Individuelle Produktion ist eine schlaue Sache. Man muss nicht mehr Mode auf Halde produzieren und alle Größen vorrätig halten, sondern kann nach Bedarf einzelne Stücke herstellen. Ich will ja nicht wissen, wie viel unverkaufte Kleidung jedes Jahr in den Müll gehen. Neben geringerem Rohstoffverbrauch ist ein weiterer Vorteil, dass Waren nicht mehr in großen Fabriken zentral gefertigt werden müssen, sondern kleine lokale „Manufakturen“ in der Lage sind, auf Abruf zu produzieren und zu liefern. Das hält Transportwege kurz, verringert Lagerkosten und bedarf keiner Kinderarbeit.

Diese Konzepte sind noch lange nicht ausgereift, aber es steckt sehr großes Potenzial darin. Und in diesem Fall sehen sie auch noch verdammt heiß aus! Und zum Glück kann ich mich einfach in die Klamotten rein malen lassen.

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(Fotograf: Ariel Efron, Modell: Bojana Draskovic, teilweise dorifiziert)

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Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

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