Direkte Absurdität

Heute gesehen: Top-Argument gegen direkte Demokratie. Nicht das ich denke, dass Kinderschändern Gnade widerfahren sollte, aber es ist schon erschreckend, wie man die zivilisatorische Errungenschaft der Abschaffung der Todesstrafe so einfach infrage stellt, wenn die Emotionen hochkochen. Wie viele zu Unrecht wegen Kinderschändung Verurteilte wären wir bereit zu töten, um dem Auge um Auge-Prinzip gerecht zu werden? So lange es kein fehlerfreies Rechtssystem gibt, ist so eine Forderung absurd. Eine Volksabstimmung zur Todesstrafe nach einem durch die Medien gejagten Schändungsfall ergäbe ein eindeutiges Ergebnis, nach der posthumen Rehabilitierung eines Unschuldigen sähe es genau anders rum aus. Auf wie viele Priester würde dann das Schafott warten? Vielleicht wäre es sinnvoller, die Verfolgung solcher Fälle zu vereinfachen, jene die solche Fälle vertuschen härter ran zu nehmen (würde der Kirche auch nicht gefallen) und besser abzuwägen bevor ein Kinderschänder wieder auf freien Fuß gesetzt wird. Das ist komplexer und lässt sich halt nicht so einfach auf eine Autoscheibe neben ein kulleräugiges Mädchen drucken. Ich bin froh, dass das Volk nicht mit so diffizilen Fragen überfordert wird und dann die Bildzeitung und RTL entscheiden, wo’s lang geht.

Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

4 Kommentare zu „Direkte Absurdität“

  1. Ja so ein Quatsch: die Todesstrafe ist über die Menschenrechte abgeschafft. Die Menschenrechte sind unverhandelbarer Teil der Verfassung – so lange eine Verfassung mit Menschenrechten gilt, so lange wird es keine Todesstrafe geben. Alles andere ist Populismus.

  2. Zum Glück. Wenn das andere Länder auch so sehen würden, wäre das ne feine Sache. Ich reg mich halt manchmal auf, wenn ich so unreflektiertes Zeug im öffentlichen Raum lesen muss. Sollte mir bessere Schauklappen anschaffen!

  3. Das Thema ist eh ne reine Tollwiese. Nehmen wir mal die zuletzt heißdiskutierte Abstimmung in der Schweiz. Es war von fremdenfeindlich und so die Rede. Aber was ist eigentlich wirklich passiert? Muslimische Gotteshäuser sollen keine Minarette bekommen. Ok, dann bauen’se halt Kirchtürme. Passt architektonisch eh besser dazu.
    Oder die Entscheidungen in HH und Bayern: keine halbgaren Kompromisse mehr! Rauchverbot überall – auch in Festzelten (in Cannstatt dagegen stinkt’s weiter), keine übereilte Schulreform – dass rot-grün beim Reformieren gerne schludert sollte auch der letzte mittlerweile mitbekommen haben.
    Nein, als Korrektiv zur Konsenssoße ist direkte Demokratie sehr sinnvoll!

  4. Als Korrektiv kann das durchaus sinnvoll sein, aber es gibt den Medien große Macht. Und die werden auch von Lobbys kontrolliert. Minderheitenschutz ist auch sein Problem der direkten Demokratie.
    Es gibt ja auch schlaue, neue Methoden wie die Liquid Democracy, die von den Piraten favorisiert wird. Ist leider nicht ganz so unkompliziert. Für Geeks und Volldigitalisierte alles kein Problem, doch für’s Volk? Schöne Vision. Werde sie in meine Utopie einbauen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s