#rp13: Lustwandeln auf der Metaebene


Das mit der rechtzeitigen Berichterstattung von der re:publica hat wohl doch nicht geklappt. 5.000 Grenzvirtuelle auf einem Haufen, das bedeutet ca. 7.000 Smartphones, 3.000 Laptops und 4.000 Tablets gleichzeit online oder so. Ein technisches Wunder, dass da überhaupt noch was funktioniert hat. Mal abgesehen von der Schlangenverwirrung war dort alles prima organisiert.

Zuerst hab ich mir eine Rede von Gunter Dueck angehört. Der Mathematiker war früher mal „Chief Technologie Officer“ bei der IBM Deutschland, ist aber jetzt mit 60 in den Unruhestand gegangen, wie er selbst behauptet, und macht das, was er schon seit längerem treibt: Schreiben und Reden halten. Sehr zu empfehlen ist seinen Blog daily dueck (http://www.omnisophie.com/), vor dem ich meine Hutsammlung ziehe. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Vortrag anzuschauen, auch wenn er eine Stunde dauert:  

Was er in seinem Vortrag predigt, ist ethnokulturelle Empathie. Das Wort hat er selbst erfunden und bedeutet mal ganz grob zusammengeschustert soviel wie der Versuch, andere Denkkulturen zu verstehen, und nicht immer nur drauf zu hauen. Er fordert den metakulturellen Diskurs. Ich finde das gut und fordere mit!

Doch das würde auch Opfer fordern: Das wäre das Ende vieler Diskussionen (oder eher Streitereien), die ich hier im Netz so verfolge. Konservativ vs. Progressiv, Gutmensch vs. Schlechtmensch, Hundementalität vs. Katzenmentalität, Äpfel vs. Birnen und so weiter. Das Schöne an diesen Streitereien zwischen Weltbildern ist ja, dass sie nie enden, da es ja gar keinen Konsens geben kann. Darum werden Talkshows auch immer weitertalken, werden sich die Stuttgarter Obenbleiber nie mit jenen versöhnen, für die Fortschritt am Rollen von Baggern zu erkennen ist und Politiker weiterhin hanebüchene Wahlprogramme ersinnen.

Wer die Wahrheit für sich pachtet, kann sich entspannt zurücklegen. Ethnokulturelle Empathie ist anstrengend! Sie erfordert, das wacklige Gerüst des eigenen Weltbildes infrage zu stellen. Sie erschüttert das beruhigende Gefühl, sich auf der richtigen Seite zu befinden und birgt die Gefahr, einen Blick auf die Löchrigkeit der eigenen Meinung werfen zu müssen. Das verbreitete Furcht und Schrecken! Also wird weiterhin aufeinander eingedroschen. Schlag auf Schlag affirmiert man so das eigene Weltbild. Um so instabiler das Kartenhaus, desto vehementer wird gezofft – von der Metaebene aus betrachtet wirkt das Ganze ein großes bisschen lächerlich.

Wie man auf diese Metaebene kommt und wie man es dort aushält, verrät Dueck nicht. Aber dazu ist ein Vortrag auch nicht ausreichend. Ein erster Schritt wäre meines Erachtens, die eigene Position nicht ganz so ernst zu nehmen und sich vom Glauben, es gäbe eine Wahrheit, zu verabschieden.

Doch wie sähe eine Welt aus, in der jeder versuchen würde, den anderen zu verstehen? Wir würden gemeinsam auf Metaebenen lustwandeln, auf denen jeder Gedanke erlaubt ist und alles irgendwie gildet. Eine genauere Skizzierung dieser Meta-Utopie nehm‘ ich mir für ein anderes mal vor, aber der Gedanke daran füllt mir schon jetzt den Magen mit einer Extraportion Mulm.

Gunter Dueck:
https://twitter.com/wilddueck

http://www.omnisophie.com/

https://www.facebook.com/gunter.dueck

http://www.linkedin.com/in/gunterdueck

https://www.youtube.com/user/Wilddueck

Zum Thema Metaebenen erklimmen oder auf dem Boden des Konkreten bleiben:

https://asemwald.wordpress.com/2010/06/20/der-boden-des-konkreten/

https://asemwald.wordpress.com/2010/06/22/ballnichtneuerfinden/

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Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

2 Kommentare zu „#rp13: Lustwandeln auf der Metaebene“

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