Akustische Auslegeware

20131108_0248„Das hat doch nichts mit Musik zu tun!“,  klagt einer der Typen, die im  Vorraum des Stuttgarter Theater Rampe Bier trinken. „Das ist mir viel zu intellektuell“, empört sich ein anderer. Ein seltsames Konglomerat an Geräuschen dringt durch eine Tür rechts zweier Zahnradbahnen, die mitten im Raum rumstehen. Das Theater teilt sich das Gebäude mit dem Depot jener Zahnradbahnen, die tagsüber den steilen Weg aus dem Stuttgarter Kessel vom Marienplatz  nach Degerloch erklimmen. Mit intellektueller Musik ist wohl die verkopfte Spielart gemeint, die meinen Hörgewohnheiten widerspricht. Ich höre im übertragenem Sinne lieber mit dem Bauch und bin ganz froh, wenn sich auf einem Konzert mein Ratio mal auf der Ersatzbank ausruhen kann. Am besten, ich mache mir mal selbst ein (Klang-)Bild von der Angelegenheit.

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Jenseits mehrerer Handvoll Leute, die auf dem Boden lümmeln oder rumstehen, scheint die Quelle der Geräusche zu sein – in der düsteren Tiefe des nicht all zu großen Raums. Dort drängt sich ein weiterer Haufen Menschen zwischen einem Hobbykeller voller Gerätschaften und tüftelt. Wie viele genau es sind, ist mir nicht klar, denn immer wenn ich versuche, sie zu zählen, entdecke ich noch jemanden, der hinter einer Kiste kauert und sich ebenfalls der Erzeugung von Geräuschen widmet. Manche von ihnen hantieren mit klassisch bekannten Instrumenten, andere drehen Knöpfchen an Geräten, die irgendwo zwischen modularem Analogsynthesizer und Kosmos Elektronik-Experimentierkasten einzuordnen sind. Ein Gerät sieht aus, als wäre es von Dr. Durand Durand auf dem 16. Planeten von Tau Ceti erschaffen worden. Es leuchtet farbenfroh. 

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Ich versuche die einzelnen Fäden des Klangteppichs zu ihrem Ursprung zu verfolgen und scheitere. Auch andere intellektuelle Herangehensweisen sind von wenig Erfolg gekrönt. Ich bin entweder zu doof oder auf dem Holzweg. Da mir die zweite Antwort besser gefällt, beschließe ich, mich in die akustische Auslegeware zu werfen und treiben zu lassen. Mit Erfolg.

Der Typ mit der intellektuellen Kritik hat diese übrigens über Bord geworfen und sich der Musik hingegeben. Wäre ja schlimm, wenn man immer alles verstehen müsste.

Noch ein paar Fakten, damit nicht alles so verschwommen wie die Fotos von Martin rüberkommt:

Die Band nennt sich Metabolismus, die zusammen mit der italienischen Vocalkünstlerin  Patrizia Oliva die im Theater Rampe am 8. November 2013 zusammen gespielt haben. Das Konzert wurde von „für Flüssigkeiten und Schwingungen“ (FFUS) (Link besuchen, da sehr spezielle Webseite!) organisiert, die jeden Freitag in der Rakete (der Bar der Rampe) den Abend bestreiten, seit ihnen wegen Bahnhofsvergrabungsarbeiten der Wagon am Nordbahnhof verschrottet wurde. 

Hier sei auch nochmals auf das tolle Theater verwiesen, dass nicht nur das Viertel nachts so schön bunt beleuchtet, sondern auch ein großartiges Programm hat, welches ich mir in der nächsten Zeit mal genauer anschauen werde.

http://www.facebook.com/events/625932094117358

http://www.facebook.com/pages/Patrizia-OlivaMadame-P/333383093344900

http://metabolismus.de/

http://theaterrampe.de/

http://www.ffus.de/

 

Fotos: Martin Zentner

Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

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