Braune Suppe

braune Suppe

Ich „entfreunde“ mich eigentlich nie bei Facebook. Ich mag Menschen mit all ihren Eigenheiten, selbst wenn ihre Weltsicht mit meiner wenig zu tun hat. Das erweitert meinen Horizont. Letzte Woche jedoch habe ich fast reflexhaft jemanden aus meinem Facebookleben verbannt, nachdem ich durch einen unschönen Beitrag einen Blick auf die Pinwand eines Facebookkontaktes aufmerksam wurde. Dort fand ich eine Litanei von fremdenfeindlichen Artikeln, stets gefolgt von affirmativen Kommentaren. Die Artikel empörten sich über eine vermeintliche „Islamisierung“ und „Überfremdung“ unserer Gesellschaft, sie schürten Angst und leiteten diese in blanken Hass über. Diese braune Suppe negativer Gefühle überschwappte mich und lies mich erst einmal sprachlos zurück.

Ich fragte mich, wie solche Menschen zu mir kommen und welche anderen Personen wir gemeinsam kennen. Nicht die Bedrohung durch Migration, sondern die durch ein Großbauprojekt war der gemeinsame Nenner, den wir teilen. Ohne groß nachzudenken beendete ich den Kontakt. Ich „entfreundete“ mich.

Im Nachhinein frage ich mich jedoch, ob ich nicht lieber den Kontakt gesucht hätte. Wenn ich selbst kommentiert hätte und auf die menschenverachtende Natur dieser Artikel hingewiesen hätte. Wenn ich versucht hätte, die Angst dieser Menschen nachzuvollziehen und ihnen gesagt hätte, dass ihre Angst von rechtsradikalen Organisationen gezielt geschürt würde, um ihre hasserfüllte Weltsicht zu verbreiten. Ich hätte in die tiefsten Abgründe der menschlichen Natur hinabsteigen müssen, auf die Gefahr hin, selbst zu verzweifeln. Habe ich den Schwanz eingezogen? Hätte es überhaupt einen Sinn gehabt? Wo ist die Grenze zwischen Engagement für eine gute Sache und Selbstschutz? Und überhaupt: Was machen wir eigentlich gegen die schleichende Rechtsradikalisierung unserer Gesellschaft? Nazis kann man nicht mehr nur an Glatzen und Springerstiefeln erkennen. Sie sind mitten unter uns und vergiften unsere Gesellschaft, in dem sie Feindbilder kreieren und Ängste verunsicherter Menschen schüren.

Viele belassen es dabei, sich darüber zu empören und sich für die Empörung gegenseitig auf die Schulter zu klopfen. Man zeigt Einigkeit darin, die Braunen Kacke zu finden, was wohl ein gutes Gefühl auslöst. Leider ist das sinnlos. Davon wird die Welt nicht weniger braun. Doch was kann man machen, wenn man über rechtsradikales Gedankengut im eigenen erweiterten Umfeld stolpert? Dagegenpöbeln hilft nichts, sondern verfestigt nur noch das angst- und hasserfüllte Weltbild der anderen. Wie können wir anderen die Angst nehmen? Wie können wir ihre Abwehr gegen rechtes Gedankengut stärken? Ich weiß es nicht. Wie geht ihr mit solchen Situationen um?

 

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Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

4 Kommentare zu „Braune Suppe“

  1. Liebe Dora,
    dies verstehe ich nur zu gut. Auch ich persönlich habe nichts gegen den Islam, habe muslimische“normale“ Freunde und respektiere jede Religion.Und empfinde die Vielfalt als Bereicherung.Jedoch beunruhigt mich der Islamismus, nicht nur in Deutschland, zunehmend. Dass die Leute, die braune Suppen mögen, dies auszunutzen verstehen, ist ja nichts Neues. Aber das Problem ignorieren ebenso nicht. Bitte schau Dir mal das Video, die Sharia betreffend, auf meiner Seite an. Wenn sich die Welt so verändern würde, wäre ich lieber tot. Meine Freiheit ist mein höchstes Gut. Und mir kommt es gerade so vor, als schauen wieder alle weg. Wie zu Beginn des dritten Reiches, nur dass die Bedrohung nun gleich doppelt ist.
    Lass uns doch gemeinsam an einem Matriarchat arbeiten.
    Denn es geht ja weder den einen, noch den anderen um etwas anderes als männliche Machtfantasien. Nicht um Religion, sondern um Unterdrückung der übelsten Art….

  2. Und zur ursprünglichen FRage mit dem Entfreunden….ich habe mit Peter Vogel freundlich versucht zu schreiben, in der Annahme, etwas bewirken zu können. Aber da besteht doch gar kein Wunsch nach Auseinandersetzung. DAs muss einem klar sein. Insofern war entfreunden nur richtig und konsequent.

  3. Doch was kann man machen, wenn man über rechtsradikales Gedankengut im eigenen erweiterten Umfeld stolpert? Dagegenpöbeln hilft nichts, sondern verfestigt nur noch das angst- und hasserfüllte Weltbild der anderen. Wie können wir anderen die Angst nehmen? Wie können wir ihre Abwehr gegen rechtes Gedankengut stärken? Ich weiß es nicht. Wie geht ihr mit solchen Situationen um?

    Stimmt, dagegenpöbeln bringt nichts. Aber die eigene, abweichende Meinung zu artikulieren ist sinnvoll, das versuche ich meistens. Ich finde es wichtig, dass man an solchen Stellen zeigt, dass nicht alle solche Meinungen teilen. Man überzeugt zwar die Leute damit nicht, weder die Brandstifter selbst noch ihre Beifallklatscher. Aber man zeigt eben, dass ihre Ansicht nicht die einzige ist. Man überlässt ihnen nicht einfach das Mikro im Saal.

    Ich denke, gerade für die Opfer solcher Hasstiraden (egal ob das jetzt Juden, Migranten, Muslime sind oder sonstwer) ist es wichtig, dass die Braunen nicht als alleinige Meinungsmacher auftreten können; dass es eben auch starke Gegenstimmen gibt. Und vielleicht erreicht man den einen oder anderen Unentschlossenen (das Konzept fahren auch viele Aufklärer-/Watchblogs in Sachen Reichsbürger u.ä., zum Beispiel Eisenfrass).

    Das klappt nicht immer, und ich kommentiere auch nicht überall, wo das vielleicht nötig wäre. Aber ich versuche es immer wieder, gerade weil sich bei bestimmten Themen erfahrungsgemäß sehr schnell lynchmobartige Gruppen bilden und die nicht ungebremst hetzen dürfen sollten.

    Es braucht, finde ich, ein gewisses Mindestmaß an wacher, interessierter und gemäßigter Öffentlichkeit, um solche überlauten Hetzereien zu konterkarieren und den Schreihälsen nicht die Straße zu überlassen.

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