Antideutsch


Ich mag Deutschland. Verglichen mit dem Rest der Welt ist es hier ziemlich schön: Friede, Freiheit, Offenheit, Umweltschutz, Wohlstand, Gerechtig-, Sicher- und Sauberkeit und ein Sack voll weiterer Tugenden. Kennt man ja. Eine besonders rare Tugend erlernte Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg: Demut. Schluss mit Deutschland, Deutschland über alles. Mir fällt kein ander Land ein, das sich ernsthafter um die Aufarbeitung des Dreckes am Stecken der eigenen Geschichte bemüht. Und das ist auch gut so. Nie wieder sollte blinder Nationalstolz zu so viel Grausamkeit und Zerstörung führen. Wir können nichts ungeschehen machen, aber wir können etwas anderes: wir können den Anfängen wehren! Uns darum kümmern, dass dies nie wieder geschieht. Verfolgte aller Welt genießen bei uns Asylrecht, und wir nehmen einiges auf uns, um dem auch gerecht zu werden. Wir setzen uns für ein geeintes Europa ein, das viele unsere Vorfahren mit dem Panzer unter sich einen wollten. Kurzum: Wir haben gelernt. Oder besser gesagt, die meisten von uns.

Demut ist ein zartes Pflänzchen, das nicht in einer Suppe aus Angst, Wut, Hass und Egoismus gedeiht. Sie bedarf innerer Größe, die nicht alle von uns haben. Von der neuen Rechten aufgehetzte „besorgte Bürger“ werfen ohne Zögern ihren Anstand über Bord. Sie verneinen all das, was unser Land so großartig macht. Von dem Deutschland, auf das sie stolz sein wollen, hatten wir genug in unserer Geschichte – sie soll sich bitte nicht wiederholen. Aus meiner Sicht ist die neue Rechte zutiefst antideutsch. Das liegt daran, dass mein Bild von Deutschland sich grundsätzlich von dem der neuen Rechten unterscheidet. Während ich mich eines freien und offenen Landes erfreue, malen sie ihren Teufel an die Wand.

Welches Bild soll Leitbild unserer Gesellschaft sein? In welchem Deutschland wollen wir leben? Die neue Rechte kämpft mit allen Mitteln um die Deutungshoheit, doch wir dürfen sie ihnen nicht überlassen. Doch wie können wir die Angst und den Hass überwinden? Das ist die große Frage, die nicht nur mich gerade umtreibt. Wenn ich was finde, melde ich mich sofort. Eines ist mir jetzt schon klar: Das einzige Mittel gegen Hass ist schlicht und ergreifend Liebe.

 


PS: Wem das zu patriotisch klingt, darf es gerne auch matriotisch nennen. Ein Mutterland ist ein schöner Gedanke. Wir brauchen mehr matriotische Europäer gegen die Aufhetzung des Abendlandes.

PPS: Nur weil man sein eigenes Land mag, muss man die anderen Länder nicht gleich doof finden.

PPPS: Mich kotzt es schon so leicht von schräg hinten an, dass die rechten Hetzbacken das Deutschlandgutfinden für sich gepachtet haben und ich  mich als humanistische Pluralistin irgendwie genötigt fühle, mich für meinen Matriotismus auch noch rechtfertigen zu müssen.

PPPPS: Natürlich weiß ich, dass in Deutschland nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch hier gibt es Korruption, soziale Ungerechtigkeit und einen Haufen anderer Probleme. Aber nur, weil es um den Rest der Welt meist schlimmer bestellt ist, heißt das noch lange nicht, dass wir uns auf unseren Lorbeeren ausruhen können (Die pieksen eh am Hintern). Es gibt viel zu tun. Und auch das ist durchaus matriotisch!

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Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

6 Kommentare zu „Antideutsch“

  1. Solange der Neo Kapitalismus ungebremst sein Unwesen treibt und die soziale Ungerechtigkeit weiter zu nimmt, sieht es schlecht aus, auch um D.
    Trump, die AFD, Front National etc. sind keine Krankheit, sie sind ein Symptom

    1. Da gebe ich dir Recht. Das schlimme ist jedoch, dass viele der rechten Protagonisten neoliberale Ideologie in ihren Programmen haben, während sie von jenen gewählt werden, die darunter am meisten leiden werden. So hatte eine Umfrage unter AfD-Wählern nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg ergeben, dass der zweitwichtigste Wahlgrund nach den Flüchtlingen die soziale Gerechtigkeit gewesen sei. Das ist ungefähr so, als ob man die Grünen wählt, weil man Atomkraft will.

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