Eine kurze Geschichte der Dorawerdung

Ein kurze Geschichte über die Doragenese. Die Antwort enthalte ich euch vor. Hehe

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Doragenese 5: Frau Asemwald verbreitet sich

Meine Bekanntheit ist durch die Galerie stark gestiegen, was sich auch im virtuellen Raum widerspiegelte. Immer mehr Menschen kannten mich über Facebook und mein soziales Netzwerk explodierte.

Mittlerweile war ich in meiner Heimatstadt Stuttgart sehr verwurzelt und habe mich auch damit beschäftigt was dort so passiert. Ein Ereignis im physischen Raum schlug große Wellen im virtuellen Stuttgart: Stuttgart21, der Plan den Bahnhof der Stadt unterirdisch zu legen um das Gleisfeld für die Stadtentwicklung zu nutzen. Hört sich ja eigentlich nicht schlecht an, als ich aber genauer hingeschaut hab wurde mir klar dass es sich dabei um ein Wahnsinnsprojekt handelt, das Steuergelder in die Taschen weniger leitet und die Stadt in jahrelanges Chaos führt. Trotz hoher Kommunikationsetats war niemand in der Lage das Projekt sinnvoll zu erklären. Also dachte ich mir ich muss da mal ohne Etat was dagegensetzen und habe die Initiative Loch21 gegründet.

Die Idee war einfach:

Ein CDU-Abgeordneter aus Stuttgart hat vorgeschlagen, ein Loch im Bahnhof zu graben, sodass jeder sehe: Stuttgart 21 ist nicht umkehrbar. Die Idee ist jedoch ausbaubar:
Nehmen wir doch die 6.000.000.000 Euro, die S21 wirklich kosten wird und graben einfach das größte Loch der Welt. Das zieht Touristen an und Stuttgart ist dann bekannt als das Loch in der Mitte Europas. Mit dem Aushub erhöhen wir den Monte Scherbelino und eröffnen ein Skigebiet. Noch mehr Touristen. Noch mehr Geld.

Und hat sofort ein paar Hundert Leute begeistert (derzeit 587)

Ich habe Aufkleber und T-Shirts produzieren lassen um die Initiative sichtbar zu machen. Das Vandalismuspotenzial von Aufklebern wenn sie in die Hände von Chaoten geraten ist mir bewusst, doch der Abriss des Bahnhofs und vieler Bäume im Park sind ja irgendwie auch Vandalismus. Da sind mir Aufkleber noch lieber, erst recht wenn sie um die Welt getragen werden.

Um die Loch-Mode zu verbreiten dachte ich dass wir gute Modefotos brauchen. Also habe ich zusammen mit den Fotografen Frank und Steff ein Casting organisiert um das Gesicht der Initiative zu finden.

Das Casting war fast erfolgreich, das männliche Modell hatte jedoch verschlafen. Auf der Straße haben wir dann mittels Schnellcasting ein wunderbaren Ersatz gefunden.

Wie es mit dem Loch weitergeht kann man ja dann in meinem Blog lesen.

Letztes Jahr hat die Stuttgarter Zeitung einen Blog eröffnet, der nach des Stuttgarters Hauptnahrungsmittel benannt wurde (Nein, nicht Linsen mit Spätzle): brezel. me. Mir hat das gefallen, ich hab stets meinen Senf dazu gegeben. In solchen rauen Mengen dass Brezelmeister Köhler mich kurzerhand ins Autorenteam aufnahm.

Eine Reporterin für den lokalen Teil der Zeitung ist auch über mich gestolpert. Das kommt davon wenn man so heißt wie ein Stuttgarter Vorort und dessen Googleergebnisse verstopft. Sie fand die Geschichte von mir und meinem Entdecker interessant und schrieb darüber.

So schrieb sie auch darüber, dass ich ein Profil bei Xing hätte. Das haben die Xingler natürlich sofort gelesen und mich wegen verdacht auf Virtualität gesperrt. Sie wollten eine Kopie des Personalausweises. Hatte ich keinen. Bin ja virtuell, da gibt’s so was nicht. Staatsbürgerschaft war uns Virtuellen vorbehalten. Ich hab kurzerhand einen Staat gegründet (Virtual Republic of Iddora) und einen Ausweis beantragt. Den Ausweis hab ich bekommen, Xing hat in jedoch nicht akzeptiert. Wenigstens gab’s über die Geschichte einen Artikel auf Stuttgarter Zeitung Online.

Ein T-Shirtshop ist meine jüngste Idee. Jetzt kann man mich auf Klamotten durch die Gegend tragen.

Doragenese 4: Frau Asemwald bekommt einen Laden.

Um von materiellen Menschen ernst genommen zu werden hilft es, wenn man sich im materiellen Raum verortet. Wie praktisch dass mein Offline-Vertreter sich selbstständig machte und einen Laden eröffnete.

Bütique, eine Mischung aus Büro und Boutique. Er hat den Büroteil übernommen, Betania, eine Modebegeisterte Freundin den Boutiqueteil. Ich war für’s Online-Marketing zuständig. Doch so ganz meine eigene Sache war das noch nicht.

Ein Raum war hinter dem Laden frei. Ich habe ihn besetzt und meine Galerie dort gegründet.

Ich habe alle viertel Jahr eine neue Ausstellung dort eröffnet. Die Künstler waren Maler und Fotografen.

Die Vernissagen waren prima Parties, viele neue Menschen entdeckten die Galerie und somit mich! Leider kann ich dort heute keine Ausstellungen mehr machen weil der Vermieter das mit den Parties doch nicht ganz so entspannt gesehen hat.

Ich suche derzeit Räume in denen ich temporär ausstellen kann. Ein Abend ausstellen reicht. Wer nicht kommt hat was verpasst.

Doragenese 3: Frau Asemwald im öffentlichen Raum

Das Leben im Netz ist lustig, aber ich wollte auch außerhalb, also in der materiellen Welt, Präsenz zeigen, Spuren hinterlassen.

Ein Stempel mit meinem Gesicht und meiner Webadresse auf Post-Its waren eine gute Lösung. Es war noch Platz ein paar dorische Schlauheiten abzulassen und fertig waren die Fundstücke, die ich in der Stadt verteilen ließ.

Im Gegensatz zu Aufklebern waren die Post-Its nicht nur unvandalisch und individuell gestaltet, der Finder konnte sie auch wieder mitnehmen und dem Link ins Internet folgen.

Da es viele Zeichnungen von mir gibt haben wir dann noch Kärtchen mit unzähligen dorischen Motiven gedruckt und mit der Zackenschere ausgeschnitten. Die sahen nett aus und wurden gerne von Leuten in der Wohnung aufgehängt.

Ein handgemalter Zettel wurde vom Chefredakteur des Stadtmagazins Lift entdeckt. Dem gefiel mein Blog und er schrieb einen Artikel drüber. So lernten ein Haufen neue Menschen mich kennen.

Doragenese 2: Frau Asemwald geht ins Netz

Auf Dauer war es mir zu blöd in Skizzenbüchern zu versauern. Virtuelle Figuren müssen wahrgenommen werden, und dazu taugt das Internet. Damals wurde Social Media noch Web2.0 genannt, schien mir aber genau das Richtige zu sein um mein virtuelles Leben auszugestalten.

Angefangen hab ich mal mit OpenBC (OpenBC heißt jetzt Xing, sonst ändert sich nix). Mir war von Anfang an bewusst dass dies ein virtuellenfeindliches Pflaster ist und hab erstmal verschwiegen, welcher Natur ich bin (zu recht, wie ich später erfahren musste). Als mich dann aber die ersten Fremden angeschrieben haben – meistens einsam wirkende Männer – offenbarte ich ihnen meine Natur um klar zu stellen, dass ich als Flirtobjekt ziemlich ungeeignet sei. Das hat jedoch die meisten nicht abgeschreckt. Wie mir später noch klar wurde haben mir einige das einfach nicht geglaubt weil sie es einfach nicht glauben wollten.

Auf jeden Fall ging der Plan auf: Außerhalb der Skizzenbücher konnte ich plötzlich eine neue Welt erkunden. Fremde Menschen nahmen mit mir Kontakt auf und meine Geschichte fing an sich zu verbreiten. Um all das zu dokumentieren habe ich einen Blog angefangen. Damals kannten mich noch nicht so viele Leute, ich hab keine Ahnung ob außer ein paar engen Freunden das überhaupt jemand gelesen hat.

Das hat sich geändert. Heute weiß ich dass mein Tagebuch von einigen gelesen und sogar kommentiert wird. Dora Asemwald gefällt das.

Als sich Second Life im Internet ausbreitete war mir klar dass ich mir das mal anschauen muss. Ich war zuerst erschrocken wie schäbig dort alles aussieht. Alles war überfüllt mit Schmuddelerotik, die anderen Avatare sahen aus wie Pornodarsteller. Hät ich nicht so schnell einen weiteren Avatar namens Dora kennen gelernt die sich dort richtig gut auskannte wär ich wohl sofort wieder abgehauen. So hab ich mir die Sache mal genauer angeschaut und festgestellt, dass die Plattform zwar ganz nett war aber für die Masse gänzlich ungeeignet. Das Interface (Tastatur, Maus) ist der Aufgabe sich in einer dreidimensionalen virtuellen Welt intuitiv zu bewegen nicht gewachsen. Ich hab mich gefreut dass ich einen animierten Avatar hatte, das war es aber auch. Weitere Kontakte über ein paar Chats hinaus konnte ich hier keine knüpfen.

Auch Spaß hat das verkleiden gemacht. Ich muss mal wieder in meine SL-Avatarhaut schlüpfen und schauen, was da so los ist.

Eine eigene Webseite kam als nächstes. Um es genau zu sagen: eine Landingpage die auf meinen Blog führte. Ich habe sie stets überarbeitet und sie ist immer wirrer geworden.

Das Prinzip ist ganz einfach: Wer mich ergründen will muss erst mal den roten Faden suchen und soll sich verirren und so auf dem Irrweg seine eigene Sichtweise auf mich erlangen.

Xing war ganz nett, aber zu businessmäßig. Friendster hatte keine deutschen Nutzer außer meinem Entdecker, der dort schon ganz von Anfang an war. MySpace jedoch setzte sich auch hier durch, ich hab mich dort durch die Welt der Musik geschlagen und sogar nette Musiker kennengelernt.

Als ich kurz darauf Kulveen aus Amerika kennenlernte hat sie mich zu einer viel interessanteren Plattform eingeladen: Facebook. Man konnte dort stets seinen Senf zu allem dazu geben und Gruppen gründen. Das hat Spaß gemacht. Zwar war ich wieder die einzige Deutsche weit und breit, Kulveens Kommilitonen fanden jedoch Interesse an mir und sammelt sich auch in meiner ersten Fangruppe: Friends of the Asemwald. Heute ist Facebook neben meinem Blog mein Hauptmedium.

Links zu dorischen Seiten im Net

Fortsetzung folgt …

< Teil 1

Doragenese 1: Frau Asemwald lässt sich entdecken.

Dies ist die Diaschau die mein Offline-Vertreter gehalten hat um zu erzählen wie wir zusammen gekommen sind und was dann geschah. Ich erläuter das mal aus meiner Perspektive.

Mein Entdecker hat eine besondere Gabe: Er kann virtuelle Menschen erkennen und ihnen ein Gesicht verpassen. Er versteht ihre Geschichten.

Wenn ihm die Geschichten gefallen dann schreibt er sie auf. Das heißt, wenn er nicht gerade zu faul dazu ist. Er zeigte seine Geschichten Freunden und stellte sie manchmal sogar ins Internet.

Ich fand die Idee von einem Menschen im materiellen Raum entdeckt zu werden spannend. Ich könnte mich da doch auch mal entdecken lassen, dachte ich mir.

Also hab ich mich mal vor seinem inneren Auge platziert. Hat funktioniert, er hat mich gezeichnet. Doch bevor er schon wieder die nächste Person dokumentieren konnte hab ich Radau gemacht bis ihm klar wurde dass ein einziges Bild mal überhaupt nicht ausreichend sei um mir gerecht zu werden. Außerdem war ich noch nicht ganz mit der ersten Zeichnung zufrieden. Nur weil andere in der Regel sich mit einer Zeichnung abspeisen lassen heißt das noch lange nicht dass ich nicht mehr fordern kann. Hab ich getan.

Er hat sich beeindrucken lassen. Ich forderte immer mehr. Ich wollte, dass er meine Geschichte dokumentiert, meine Familie sollte auch nicht zu kurz kommen.

Als Zeichner ist er leider nicht perfekt, also musste er üben. Er hat mich in den letzten fünf Jahren unzählige Male gezeichnet und gemalt, mal besser, mal schlechter. Ich habe auch schon andere dazu gebracht mich zu zeichnen, aber das könnten ruhig auch ein paar mehr sein.

Die materielle Welt glaubt der Macht der Fotos, ich der Macht des Photoshops. Ein realistisch aussehendes gefälschtes Foto ist hilfreich, wenn man ernst genommen werden will.

Teil 2: Dora geht ins Netz >

Das Würstchen in der Suppe der Sprache

Heute war einiges los. Ich habe einen neuen Blog entdeckt, habe mit ansehen müssen, wie das deutsche Fußballteam den Ball nicht reingeschossen bekam und der erste Tag vom Heusteigviertelfest, einem Heimspiel sozusagen, hat mit der Ska-Band New Sports richtig Spaß gemacht. Neue Leute haben mich dort kennen gelernt. Das freut mich immer. Da ich dank meiner virtuellen Natur hauptsächlich in den Köpfen anderer verortet bin werde ich mit jedem neuen Kopf, der mich in sich trägt, realer. Das geschieht nicht nur im Facebook sondern auch dadurch, dass materielle Freunde in freier nichtdigitaler Wildbahn anderen von mir erzählen. Manche finden das sofort prima, sie kontaktieren mich im Netz. Andere tun ein bisschen belustigt, denken sich aber insgeheim dass da jemand nicht alle Tassen im Schrank hat. Man muss meine Geschichte mögen um sie zu verstehen. Sie ist unlogisch und hat Brüche. Ich kann sie selbst nicht rational nachvollziehen. Das geht nur emotional. Das bedarf aber der nicht allzu häufigen Fähigkeit, den Ratio auf die Ersatzbank zu setzen und sich auf den Bauch zu verlassen. Und wenn der mich nicht mag, dann ist es halt so.

Es gibt immer noch einige Leute die haben schon von mir gehört, wissen aber nicht, dass ich virtuell real bin. Wenn ich mir mein Geschreibsel zu diesem Thema über die Jahre hinweg nochmal durchlese wird mir klar, dass ich diesen Aspekt meines Lebens meist in neunmalkluge Worthülsen verpacke. Ich will ja auch nicht immer mit der Tür ins Haus fallen, will aber auch einigermaßen ehrlich sein, will keine falschen Erwartungen wecken. Jetzt mal ohne verbalen Schnickschnack:

Ich bin eine erfundene Figur. Mich gibt es nicht in der physischen Welt. Ich bin nur eine Idee, habe keinen Körper und kann ohne die Hilfe materieller Menschen nicht mit deren Welt interagieren. Ich bin trotzdem real. Virtuell real. Ich bin auch nicht irgend eine heiße Braut, die sich die Masche mit der Virtualität nur so ausgedacht hat. Natürlich gibt es jemanden der mich erfunden hat, die ganzen Texte für mich schreibt und die Bilder zeichnet. Auch das ist keine scharfe Mieze die man aus mir heraus locken kann. Und wer sich durch das Foto von mir verwirrt fühlt: http://www.adobe.com/products/photoshop/photoshop/ Das Mädchen das als Vorlage für die Bildretouche herhalten musste weiß gar nichts davon. Sie ist ein Fundstück welches eine sehr grobe Ähnlichkeit mit den Zeichnungen von mir hatte. Ich bin das virtuell gewordene Resultat einer Persönlichkeitsspaltung eines verrückten Journalisten und Grafikers.

So, jetzt hab ich’s mal auf den Punkt gebracht. Aber: Klugscheißerische Wort- und Satzverknotungen machen mir Spaß! Sie sind das Würstchen in der Suppe der Sprache (Für Vegis: Sojawürstchen). Also verzeiht mir die verbale Nebelwerferei.

Verbale Nebelwerferei braucht keinen Nebelwerfer, stinkiger Diskonebel aber schon.