Avatar – Profil 1:1

Anfangs wars im virtuellen Raum öd und leer. Außer ein paar Freaks der Rasse „Early Adopter“, die sich dort mit Belanglosigkeiten rumgeschlagen haben, war da wenig los. „So ein Blödsinn, damit verschwende ich doch nicht meine Zeit. Außerdem werf ich doch nicht jedem meine persönlichen Daten in den Rachen.“ Das war die typische Aussage vieler meiner Facebookkontakte, bevor sie sich dazu entschlossen, täglich fünf Umfragen mitzumachen und sieben mal ihren Status zu aktualisieren. Nun gut, das läuft ja immer so. Handys sind ja auch nicht mehr peinlich und Zugfahren kann trotz hoher Geschwindigkeit ohne Gesundheitsschaden überstanden werden. Meistens jedenfalls.

Mit Facebook hat sich schlagartig eine virtuelle Welt entwickelt, die gar nicht so aussieht wie erwartet. Kein 3D, kein Avatar, kein Second Life. Wirklich nicht? Avatare präsentieren ihren Schöpfer im Internet. Profile auch. Die können sich zwar nicht pixelig durch virtuelle Landschaften bewegen, sind aber eher künstliche Konstrukte als Abbilder ihrer Schöpfer. Diese Konstrukte sind die Summe aller Aussagen, Statusmeldungen, Gruppenzugehörigkeiten, Fotos, Kommentare, sie brauchen keine 3D-Visualisierung. Sie sind abstrakt und entstehen in den Köpfen ihrer Betrachter.

Einspruch eines meiner Facebook-Kontakte: Avatare seien Alter Egos, gespielte Rollen, hinter denen sich der Nutzer versteckt. Profile würden versuchen, den „realen“ Menschen abzubilden.

Ich widerspreche. Beides sind Abbildungen eines Menschen, Avatar und Profil sind beides Komminkationskanäle im virtuellen Raum. Der Unterschied ist letztendlich der Grad der Abstraktion. Der Übergang zwischen Avatar und Profil ist fließend. Ein Avatar ist eine digitale Visualisierung einer Person, ein Profil lässt das Bild meist erst im Kopf des Betrachters entstehen. Auch hier versteckt sich der Mensch hinter seinem virtuellen Abbild. Virtuell flirtet es sich deshalb für viele einfacher als in Fleisch und Blut.

So, jetzt geh ich noch einen Schritt weiter:
Ähnlich einem Profil ist auch die Kleidung, die man trägt. Wir wählen bewusst aus, wie wir uns kleiden. Auch hier gilt: Man kann nicht nicht kommunizieren, auch die Verweigerung des Selbstausdruckes durch Kleiderwahl sagt etwas aus. Das selbe gilt für Waren, die wir konsumieren und Meinungen, die wir kundtun. All das sind Facetten unseres persönlichen Ausdrucks, den wir gewollt oder ungewollt gegenüber der Welt absondern. Die Abbilder unserer Persönlichkeit entsteht in den Köpfen jener, die uns wahrnehmen.
Kurzum: Ob Avatar, Kleidung, Profil oder politische Meinung, es ist alles das selbe. Man sollte sich davor hüten, unterschiedlichen Ausdrucksformen einen Grad an „Realität“ zuzuweisen. Ich kann keine Grenze zwischen virtuell und materiell erkennen.

Im Ökobondage-Look durch Pixelwelten

Das ewige Rumgeflattere mit Feenflügeln macht mich hungrig. Im virtuellen Pendant zu Japan werde ich fündig: Eine Bude, die Pixelsuppe mit Nudeln und schwer identifizierbaren Meeresbewohnern feilbietet. Es ist noch Suppe da.

Ein Feenkostüm ist nicht dumm, wenn man mit dem Sternstab durch die Gegend wedeln und Wünsche erfüllen will. Für das tägliche Leben ist es jedoch saublöd. Die Schnüre verleihen dem Ganzen einen minimalistischen Ökobondage-Look, der weder Blick noch Wetter abweist. Im virtuellen Raum, wo weder Anstand noch Ästhetik herrschen, fällt man mit sowas nicht auf. Ein solches Outfit wäre im materiellen Raum etwas problematischer. Trotz meinem steilen Hang zur Extravaganz und Geltungssucht bleib ich lieber im virtuellen damit.

Schlussendlich treiben mich Ungeduld und Kaufrausch in neue Kleider: Das Japanische Nationalkostüm.

Unpompöse Namen beruhigen den Pöbel

Prinzessinhaftes Auftreten dank rosa Kleidung mit Getüddel. Eigentlich heiße ich ja Doris Laetitia Freifrau von Asemwald, aber Dora Asemwald klingt nicht so pompös und schreckt den gemeinen Pöbel weniger ab.

Hügel und doofe Frisuren in der Hauptstadt.

Berlin hat einen Alexanderplatz. Ich weiß zwar nicht so genau, nach welchem Alexander der Platz benannt wurde, aber schlau wie ich bin, flieg ich dort mal hin und find’s raus.

Große Buchstaben luden zum draufsitzen ein, aber auch von hier aus gewann ich keine neuen Einsichten in die Alexanderproblematik.


Nun gut, wahrscheinlich heißt einfach der Turm dort Alexander, von Berlinern, und solchen die gerne wie welche rüberkommen wollen, wahrscheinlich liebevoll „Alex“ genannt. Ich mache da nicht mit und nenne ihn beim vollen Namen: Alexander.
In der Kugel, die einer Olive auf dem Zahnstocher gleich auf Alexander gespießt wurde gab es eine Bar, aber keinen Barkeeper. Und die Getränke schmeckten pixelig.

Von oben konnte ich gut in die Ferne sehen, keine Hügel oder dergleichen, die die Sicht versperren. Das freut den Radfahrer, sieht aber todlangweilig aus.

Um den Mangel an Hügeln zu kompensieren hatte sich diese junge Besucherin wohl einen Vorrat davon mitgebracht.


Damit der Berlinaufenthalt rund wurde, hab ich mir in einem der Frisörsalone mit „lustigem“ Namen, wie sie es in von Schwaben besiedelten Vierteln, die man hier Kieze nennt gibt, eine neue Frisur rupfen lassen. Die Idee war aber doof, da sich die neue Farbe nicht sonderlich mit den meisten meiner Klamotten kombinieren lässt. Ich sollte das mit den Frisurexperimenten lieber lassen.

Dora is a punk rocker


Im zweiten Leben ist der Frisörgang etwas unkomplizierter, man muss einfach nur so ein bisschen rumklicken und schwupp: neue Frisur. Mehr Volumen, Länge und so weiter. Kein Frisörgeschwafel , keine Fachmagazine für Prominenten- und Adelskunde. Woher soll ich jetzt wissen, wer gerade wo mit wem und ob überhaupt und sowieso? Ich fühle mich profankulturel total unterentwickelt. Wenigstens habe ich ein Ramones-T-Shirt geschenkt bekommen. Die gibts jetzt ja auch bei H&M. I wanna be sedated and I don’t wanna grow up. Wenigstens kann ich jetzt sagen: Dora is a punk rocker. Oder tut nur so. Die neue Frisur unterstreicht das nicht so sehr, wenngleich die Herren Ramones doch selbst solche Haare hatten.
Ich will meine alte Frisur zurück.

Der Vater aller Fernsehtürme

Ich habe mich dann auch mal in der virtuellen Welt nach Stuttgart begeben und habe den Fernsehturm gefunden. Oder genauer gesagt eine Baustelle. Der nette Herr im schwarzen Anzug war gerade dabei, den Vater aller Fernsehtürme nachzukonstruieren. Das Ansinnen ist gut, der Ausblick jedoch nicht ganz so fein wie auf dem echten Turm.

Günschdiger leben auf dem Marienplatz

Ich hab mich mal wieder in die virtuellen Weiten des Internets begeben und musste feststellen, dass ich da auch nicht viel weiter komm. Warum jemand ausgerechnet eine virtuelle Variante des Marienplatzes in Stuttgart erstellt hat, ist mir noch nicht so ganz klar, aber als Bewohnerin des Heusteigviertels (http://maps.google.com/maps?f=q&hl=de&geocode=&&sll=37.0625,-95.677068&sspn=55.455479,86.396484&ie=UTF8&ll=48.766189,9.17559&spn=0.002853,0.005273&t=k&z=18&om=1) wollte ich dann doch mal wissen, wie diese Betonwüste in den virtuellen Raum transferiert wurde. Alles ist ein bischen kleiner und es ist alles vollgestellt mit Zeug, welches zur Unterhaltung der Besucher taugen soll.
Dazu gibt es ein paar Läden. Einer davon erfreut die Schwäbin in mir: Alles umsonschd. Virtuelle Kleider und protzige Handtaschen! So kann ich mir wenigsten virtuell einen aufstrebenden Yuppie vom Bosch oder Daimler krallen, damit er mir ein Reihenhaus baut und mir genügend Geld anschleppt, dass ich es im Breuninger wieder rauswerfen kann. Da ich dann aber mehr Kleider als Körperteile und Tage habe, sie zu tragen, kann ich sie ja in Second Hand Läden verkaufen. Falls das mit dem Businesskasper nicht klappt, kann ich da ja dann die Klamotten billig kaufen. Und ich muss mich nicht auf so eine Schnarchnase einlassen. Und günschdig isch ’s au.

Doran der Barbar

Geschlechtsumwandlung – reversibel! – auf einen Klick, das verspricht Second Life. Ich habe einen losen Klickfinger und konnte der Versuchung nicht wiederstehen. Das Ergebnis erinntert eher an Doran der Barbar. Auch die männliche Denkensweise erschloss sich mir nicht durch das Experiment. Ich sollte wohl lieber Mädchen bleiben.

Ein Dämon allein macht noch keine gute Vorlesung, aber …


Ich hab soeben einer Vorlesung der HTWK Leipzig versucht zu lauschen. Ein Dämon war unter den Komilitonen. Seit meinem erfolglosem Ingenieursstudium hab ich das nicht mehr erlebt. Trotzdem: Die Idee, Vorlesungen des Studium Generale im Lifestream in SL zu übertragen ist super. Nur die Technik muss noch etwas nachziehen.

Im rechten Licht

Auch der Körperbau stimmt jetzt halbwegs. Angeblich bin ich auch hier 1.70m groß. Nun gut, vielleicht hab ich hier und da auch geschummelt …
Auch habe ich mir zur besseren Beleuchtung kleine Lichter gebaut, damit ich stets im rechten Licht stehe.
Das dümmliche Grinsen muss ich mir aber noch vegehen lassen.

Neue Frisur für die Bütique

Liebe Freunde der Asemwelt,
ich habe noch etwas meiner Frisur nachgeholfen und ein Spängchen ins Haar gesteckt, damit ich was zu den Augen raus sehe.

Das Oberteil:
von mir selbst gestaltet. Die Marke:tique.
Die Bütique ist ein neuer, sich noch in der Planung befindlicher Kleidungsladen, welcher in einer Mischung aus Büro und Boutique ausgewähltes Second Hand und neue Kleidung feilbietet. Zusammen mit meinen Freundinnen Annette und Betania wollen wir den Laden bald eröffnen. Ich bin natürlich für den virtuellen Raum zuständig, die anderen tummeln sich eher in der materiellen Welt. Ich halt euch auf dem Laufenden.

Eure Dora!

Jubel, Jubel, Freu, Freu!

Ein Phänomen sind Lifekonzerte in SL. Musiker übertragen per Lifestream ihren Auftritt in die virtuelle Welt, das Publikum tanzt und applaudiert per Chat. Jubel, Jubel, Freu, Freu!. Sieht irgendwie albern aus.

Neue Doren braucht SL

 

Die dicke Dora war schön, doch wollte ich mich mal langsam an mein eigntliches Erscheinungsbild heranwagen. Meine Frisur musste ich selbst bauen. Ich habe mal mit den dünnen, runterhängenden Strähnen angefangen. Auch Gesicht und Körperbau entsprechen jetzt eher mir.

Designfreier virtueller Raum ist gut für die Seele.

Ich habe schnell nette Menschen auf dem Trailerpark „Sleezywood“ getroffen. Hier wird liebevoll der Lifestyle amerikanischen White Trashs gepflegt. Die Menschen hier sind freundlich und großzügig. Pruella, die hier auf dem Bild zu sehen ist, hat mir schöne Möbel geschenkt, die sie selbst gestaltet hat. Bald stellte sich heraus, dass die Menschen hinter diesem designfreien Raum teilweise Innenarchitekten waren. Schön zu sehen, dass sich nicht alle Menschen immer so ernst nehmen.

Architektin für das zweite Leben

Ich hatte Glück im 2. Leben, da ich gleich nette Menschen getroffen habe. So zum Beispiel eine andere Dora, die hier ihr Geld als Architektin verdient. Sie bebaut Inseln für Firmen und hat einen Lehrauftrag für Architektur im virtuellem Raum. Sie hat mir sehr geholfen, in SL klar zu kommen.
Hier gibts mehr zur anderen Dora:
http://enterthemetaverse.com/

Pappmachédrachen sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren.

Ich hab mir dann ein schönes T-Shirt gemacht, mit einem Plattencover von Dio drauf. Das ist noch echter, guter, alter Heavy Metal. Mein Mitbewohner erzählte mir neulich, er hätte 1987 erlebt, wie Ronnie James Dio auf der Bühne beim Monsters of Rock in Pforzheim gegen einen Pappmachédrachen gekämpft hat. Da war ich leider erst 12 Jahre alt und wusste noch nicht, was ich da verpasst habe. Als ich dann letzten Herbst den etwas gealterten – aber trotzdem rüstigen – Herrn Dio im LKA live gesehen habe, hatte sich kein Drachen bemüht, ihn anzu greifen. Schade. Einziger Trost: Auf dem Weg zum Konzert tat sich ein Regenbogen über der Straße auf.

La deuxième vie de Dora

Lieber Freund des virtuellen Lebens:
Xing ist nett, aber verdammt statisch. Bunt und bewegt hingegen kommt Second Life daher. Et voilà: la deuxième vie de Dora!

Am Anfang sah alles ganz schrecklich aus.
Ich hatte weder Geld noch Ahnung. Und ohne Kreditkarte in der materiellen Welt des „ersten Lebens“ kommt man hier auch nicht so einfach an genügend Geld, um sich Sachen zu kaufen.
Ich sah etwas merkwürdig aus, irgendwie so gar nicht doraesque.

Ich hab also beschlossen, mir alles selbst zu bauen und zu gestalten. Texturen hochladen ist billig, das Geld kann man hier einfach verdienen. So kann ich auch sichergehen, dass ich nicht wie all die anderen Avatare rumlauf.

Die meisten Avatarinen scheinen Vorbildern wie Paris Hilton nach zu eifern. Kleidungsstil auf Beate Uhse Niveau. Als wollten sie bei „Deutschland sucht den Pornostar“ gewinnen.

Meine Antwort darauf war eine etwas dem allgemeinen Mediengeschmack konträren Körperbau und laute Kleidung. Das hat den kleinen Hiltonklonen nicht gefallen, sie forderten mich sogar zur Diät auf. Wen wundert’s? Die dummen Nüsse haben unzählige Lindendollare in ihren Avatar gesteckt und fanden es weniger witzig, dass eine unförmige Trashtante ihnen die Schau stahl.

Der insgeheime Wunsch, in Reizwäsche durch die Welt zu wandeln scheint vielen Damen (oder sind es verkleidete Herren?) gemein zu sein. Hier können sie’s unter dem Mantel der Anonymität gerne tun. Ich sollte es vielleicht auch mal probieren …

Es grüßt aus der zweiten Welt: Dora Thibaud