Mit Konfusion Raum und Zeit verbiegen

Lochkarten-animiertWer wünscht sich nicht bisweilen an der Uhr zu drehen? In die Vergangenheit zu reisen, um diese zu verändern? Eine Undo-Funktion für’s Leben sozusagen. Und dabei gerne auch mal Paradoxa erzeugen, die wunderbares Chaos anrichten? Dass ich für eben dies ein Faible habe, ist ja bekannt. Mein Ziel: Eine Zeitlochmaschine, die das Raum-Zeit-Kontinuum multidimensional verbiegen und verheddern kann.

Zu diesem Zweck habe ich mir unlängst einen Quantencomputer gebaut. Er kann nicht nur Katzenzustände verarbeiten, er ist auch in der Lage dazu, die hochkomplexen Berechnungen vorzunehmen, die man für die Steuerung einer Zeitlochmaschine benötigt. Als erstes habe ich ein Lochkartenlesegerät umgerüstet, sodass es mit meinem neuen Rechner jetzt per du ist. Wenngleich aus der Mode gekommen, sind Lochkarten unabdingbar für die Steuerung von multidimensionalen Raum-Zeit-Löchern.

Erste Versuche führten vor allem zu einem Ergebnis: Stromausfall im Viertel. 220 Volt reichen wohl doch nicht, um meinen wachsenden Maschinenpark in Gang zu halten.

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Problem heißt auf Coachdeutsch Herausforderung, welcher ich mich gestellt habe. Eine eigene Stromquelle muss her. Derzeit en vogue: Kernfusionsreaktoren. Die sind aber fürchterlich groß und wenn das Plasma rausfließt gibt’s Löcher im Parkett. Darum gehe ich einen Schritt weiter und entwickle derzeit einen neuen, sehr avantgardistischen Reaktor: den Konfusionsreaktor.

Konfusionsreaktor

Bislang bin ich noch am rumforschen und stolpere noch etwas durch die höhere, mir durch aus zu hohe Mathematik. Wenn ich nicht weiter weiß, beobachte ich Katzenzustände in meinem Quantenrechner oder probier einfach mal auf gut Glück aus. Wenn die Maschine läuft, werde ich hoffentlich tolle Geschichten zu erzählen haben.

PS: Der Typ auf dem Foto, der in meinen Forschungsreaktor starrt, ist der Klempner. Ich habe dooferweise versucht, meine Kaffeemaschine an die Reaktorkühlung anzuschließen. Jetzt steht die Küche unter Wasser. Mist!

Weltverkatzlichungstag

Weltkatzentag

Gestern war Weltkatzentag. Wer meinem Blog folgt weiß, dass ich ein Faible für Welttage und Katzen zugleich habe. Da das Internet aber hauptsächlich der Weltverkatzung dient, wollte ich nicht auch noch zur Überkatzung beitragen. Drum gibt’s hier jetzt auch kein weiteres Katzenbild.

Ich frage mich manchmal eh, ob es Katzen  überhaupt interessiert, dass sie das Netz verstopfen? Und was sie von der ständigen Vermenschlichung halten, der sie unterworfen werden? Insbesondere von jenen, die Tiere für die besseren Menschen halten (Ebensogut könnte man Äpfel für die besseren Birnen halten).  Es gibt ja sogar weihnachtlich gewürzten Katzenglibberfraß gegen Ende das Jahres, als ob es die Viecher kümmern würde. Oder was sie von Veganern halten, die ihre Weltsicht auf den Fressnapf ausweiten? Katzen sind keine Menschen, schon gar keine besseren. Sie sind Katzen.

Anstelle sie zu vermenschlichen, kann man sich selbst ja auch mal ein bisschen verkatzlichen. In Kisten rumlungern, nur tun, worauf man Bock hat, Laserpunkten hinterher rennen, Kleingetier einfach so zum Spaß quälen und bei Unmut anderen in die Schuhe brunsen.

Warum schreib ich einen Tag zu spät über Katzen? Weil ich gestern keinen Bock drauf hatte. Und weil mir sowas wie Welttage eigentlich am Arsch vorbei gehen, wenn sie mich nicht spontan belustigen.

 

Geschichten aus meiner Unterhose

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Damit das mit dem Literaturnobelpreis mal was wird, muss ich endlich doch mal ein Buch schreiben. Nun gut, es würde für den Anfang ja schon mal reichen, einen Artikel rauszukloppen. Ich sitz also da und überlege mir: Worüber? Ich scheiße doch sonst den ganzen Tag klug, da sollte es doch genügend Themen geben. Ich könnte über Bildungspläne, deren Gegner, LSBTTIQ und Heteronormativität was schreiben. Da bin ich ahnungslos genug, um eine Menge Kloppe zu beziehen. Oder über den Marsch der neuen Rechten in die Mitte der Gesellschaft. Ich könnte mich über Reichsdeutsche und Chemtrails lustig machen oder über die Berufsempörten im Netz herziehen. Verdient hätten sie’s. Ich könnte meinen Kreuzzug gegen den Realitätsbegriff, Shoppingmalls und die pure Vernunft fortsetzen oder Geschichten aus meiner Unterhose erzählen. Ein Plädoyer für die kulturelle Vielfalt und gegen die Leitkultur würde meinem Narzissmus mit Gefälltmirs streicheln. Mir kam auch schon die Idee, meine Artikel nach Scrabble-Wert zu sortieren und daraus irgend eine Erkenntnis an den Haaren herbeiziehen. Ich könnte mich beim Schreiben beobachten und mich dabei rekursiv in der Kybernetik zweiter Ordnung suhlen. Ich könnte es auch sein lassen und erst mal heimlich eine Zigarette auf dem Klo rauchen.

Guter Plan, ich bin mal weg. Macht’s gut, bis zum nächsten Artikel.

 

 

 

 

 

 

Love und Happyness aus dem Yogamattenlager

Ayushakti

Sat Nam, liebe Leser!

Damit meine Chakren und Nadis mal wieder ordentlich durchgebürstet werden, mach ich einmal die Woche innere Kehrwoche mit Kundalini-Yoga. Ich mache das mit Freude, gehöre jedoch nicht zu den ambitionierten Eigenyogamattenbesitzerinnen. Ich hol mir meine Leihmatte aus dem Yogamattenlager jenseit des Kursraums – ein etwas finsteres Kabuff mit weiteren Paraphernalien, die der Yoga- und Pilates- und Weiß-Gott-was-Praxis dienlich sein könnten.

Auf der Fensterbank entdecke ich ein kleines Mensch-Elefant-Hybrid-Wesen, fröhlich koloriert und beglitzert, in meditativer Pose: Ayushakti, der Schutzheilige des Yogamattenlagers. Neben seinem Namen verrät mir eine Aufschrift auf seinem Sitzsockel auch, dass er nicht nur für Health und Happyness (zwei Dinge, die ich schon recht prima finde) steht, sondern auch noch seine Emailadresse, die auf seine Webseite schließen lässt. Laut der betreibt der kleine Kerl ein weltweites Netzwerk an Zentren, die Ayurvedische Lösungen anbieten. Was auch immer das ist.

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Ich bin begeistert, wie umtriebig Ayshakti ist, kann auch gut nachvollziehen, dass ihn die Arbeit als Yogamattenlagerschutzheiliger nicht auslastet und er sich mit dem Ayurvda-Gedöns verwirklicht. Meine Chakren danken es mir, dass die Yogamatten durch ihn ordentlich aufgeladen, und somit meiner Gesundheit und meinem Glück zuträglich sind – ein Umstand, der den Eigenyogamattenbesitzerinnen verschlossen bleibt.

Damit er seiner Arbeit in Würde nachgehen kann, hab ich ihm einen kleinen Tempel aus dem Inventar des Raumes gebaut, den ich jede Woche ein bisschen umarrangiere, damit es ihm nicht langweilig wird.

Die wahre Geschichte über Dora Asemwald

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* mittlerweile sind es 9,5 Jahre

Mein Blog erzählt mir manchmal auch Dinge, die selbst ich nicht weiß. Zum Beispiel mit welchen Suchbegriffen auf Google hantiert wurde, um auf die Seite zu kommen. Neulich suchte jemand: „die wahre geschichte über dora asemwald“. Da ich nicht die NSA bin, weiß ich natürlich nicht, wer den wahren Kern des dorischen Wesens ergründen wollte.  Aber eins weiß ich sicher: Diese Frage ist nicht ganz trivial.

Wenn nach einer wahren Geschichte gesucht wird, scheint es wohl einen Kessel voll Geschichten über mich zu geben, deren Wahrheitsgehalt fragwürdig ist. Als Konifere auf dem Gebiet der Lebenslüge sollte mich das nicht wundern.

(Wer keinen Bock auf pseudointellektuellen Klugschiss hat und einfach Wahrheiten erfahren will, überspringe bitte die nächsten zwei Abschnitte)

Wahrheit?

Aber was ist das überhaupt, eine wahre Geschichte? Gibt es sie überhaupt? Jede Geschichte ist ein Konstrukt. Unser Hirn ist eine wundersame Maschine, die alles in Narative verpackt. Die Welt, in der wir zu leben glauben und das Bild vom eigenen Ich sind nichts anderes als Geschichten, die wir uns selbst erzählen.

Dabei wird der gesamte Wust des Erfahrenen – oder genauer gesagt: die Interpretation dessen – in einen Topf geworfen. Dazu werden noch Wünsche, Ängste, Glaubenssätze und Phantasien untergerührt und all jenes, was gut zusammenpasst, zu einer Geschichte verklumpt. Was da nicht reinpasst, wird zurechtgebogen oder rausgeworfen. Klingt die Geschichte gut und passt sich schön ins Weltbild ein, wird sie zur Wahrheit erklärt. So machen wir uns ein Bild der Welt – und letztendlich auch unseres Ichs – aus all diesen unzähligen Geschichten. Das Konzept von Wahrheit ist der Kit, der das ganze zusammenhält. Glaubt man seinen eigenen Geschichten nicht, dann ist das Kartenhaus der eigenen Realität wacklig. Nimmt man die eigenen Geschichten zu ernst, macht einen der Wahrheitskit starr, unbeweglich, unanpassungsfähig und verhindert somit auch, dass man sich weiterentwickelt.

Das jeder bei einem derart subjektiven Prozess sein eigenes Süppchen kocht, liegt auf der Hand. Und am Ende stehen sich sogenannte wahre Geschichten unvereinbar gegenüber. Ergo: Die eine wahre Geschichte über etwas – in diesem Beispiel mich – gibt es nicht. Es gibt einen Haufen sich teilweise widersprechender Geschichten von denen keine wahrer oder unwahrer ist als die andere.

Wahre Geschichten

Auf die Frage nach der wahren Geschichte über mich kann also nicht mal ich eine eindeutige Antwort geben, sondern selbst auch nur Geschichten erzählen, die je nach Perspektive unterschiedlich klingen. Vielleicht ist es eh am besten, unterschiedliche Geschichten gleichwürdig nebeneinander stehen zu lassen. Die widersprüchliche Summe aller Geschichten ist wohl das, was der Idee der wahren Geschichte am ehesten gerecht wird.

Wer sich nicht auf den Geschichtenwust einlassen möchte, kann sich gerne ihre oder seine Lieblingsgeschichte herauspicken und zur Wahrheit erklären. Welche möglichen Wahrheiten gibt’s über mich? Hier ein paar Ansätze, damit ihr eure eigene Geschichte von mir konstruieren könnt:

Erfunden

Ein Ansatz ist, dass ich nicht geboren, sondern erfunden wurde:
http://www.martin-zentner.com/?p=111
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och ein bisschen mehr:
http://www.martin-zentner.com/?p=117
Demnach wäre ich einfach nur ein Kunstprojekt. Ich wäre Alter Ego, Avatar oder Pseudonym meines Erfinders. Eine Comicfigur, die die Rahmen der Panele gesprengt hat.

Erfinderin

Genauso gut könnte ich aber meinen Erfinder als mein Alter Ego oder Avatar im materiellen Raum bezeichnen. Da ist dann die Frage: Wer wedelt mit wem? Der Schwanz mit dem Hund oder andersrum? Oder wedelt die Henne mit dem Ei?

Mutlible Persönlichkeit

Vielleicht hat mein Erfinder meine Persönlichkeit von seiner abgespaltet. Da ich jedoch glaube, dass dieses ominöse „Ich“ ohnehin ein komplexes Konglomerat von unterschiedlichsten Persönlichkeiten sei, es also die eine, individuelle Persönlichkeit überhaupt nicht gäbe, würde das bedeuten, dass mein Erfinder einige seiner Unterpersönlichkeiten gebündelt und ihnen einen Namen gegeben habe: Dora.

Entdeckt

Ich persönlich glaube, dass ich nicht erfunden, sondern entdeckt wurde. Ich existiere als Idee, die sich einen Wirt gesucht hat, der mich in seinem physischen Hirn beherbergt und mir hilft, mit der Welt zu kommunizieren.

Matrix

Vielleicht sind wir alle virtuelle Persönlichkeiten, wie sie im Film „Matrix“ gezeigt werden. Dann wäre ich eine virtuelle Person, die im Gegensatz zu den anderen ohne einen eigenen Avatar durch die Matrix schwirrt.

Seele

Vielleicht bin ich eine körperlose Seele, die einen Wirtskörper braucht, um mit der Welt zu interagieren. Bei dieser Theorie könnte man sich durch die unzähligen Mythlogien aller Religionen wühlen und sich so einige Geschichten zusammenreimen.

Deine wahre Geschichte?

Mich würde interessieren, welche wahre Geschichte über Dora Asemwald ihr euch zusammenbastelt. Ich freue mich über jede Zusendung und werde sie auch veröffentlichen. Und scheut euch nicht, durchs Tiefe Tal des Hanebüchenen zu schlendern.

PS

So, jetzt hab ich mal wieder ordentlich dem Wahrheitsprinzip ans Bein gepisst, wie in so vielen anderen Artikeln zuvor auch. Es ist mir aber auch ein großes Anliegen. Der Wahrheitsanspruch und der Versuch, die eigene Wahrheit anderen überzustülpen, ist die Wurzel von so manchem Übel wie Krieg, Verfolgung, Unterdrückung, Zensur. Ich wünsche mir in einer Welt zu leben, in der sich jeder der Subjektivität des eigenen Weltbildes bewusst wäre.  In der man Widersprüchliches einfach nebeneinander existieren lassen könnte und in der sich keiner vor Paradoxa fürchten müsste. In dieser Welt hätten es die meisten Religionen ziemlich schwer.

Viel mehr als die Wahrheit schätze ich die Wahrhaftigkeit, also der Versuch, so ehrlich wie möglich zu sein.

PPS

Wer mehr über mich erfahren will, kann sich gerne auch an meinen Entdecker (und Illustrator) wenden. Seine Identität ist kein Geheimnis, ich binde sie aber auch nicht jedem auf die Nase. Und ja: Es ist ein Mann. Warum ich ausgerechnet den Kopf eines Mannes als Wirt ausgesucht habe, ist ein Thema, welches sehr weit führt und wann anders mal drankommt.

Internet bekleben verboten

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Kennt man ja: An allen Ecken und Enden der Straßen stehen so geheimnisvolle graue Kästen, auf denen meistens „Bekleben verboten“ steht. Und vielleicht noch ein paar Zahlen. Ab und an schauen Fachleute in die Eingeweide dieser Kästen, in denen tausende von Kabeln spaghettiesque verwirrwarrt sind und schrauben darin herum. Ich habe eine Vermutung: In den Kästen steckt das Internet. Sie sind die Ausläufer des Spinnennetzes des World Wide Web. So wie Pilze, die die Fruchtkörper ihres Mycels sind, dass den Boden des Waldes durchwächst und vernetzt. Hier wird die Datenwelt greifbar!

Einer der Techniker hat wohl sein Kontrollgerät auf dem Kasten neben meiner Galerie stehen lassen. In einem unbeobachteten Moment gebe ich meiner Neugier nach und drücke ahnungslosigkeitsbedingter Wahllosigkeit dessen Tasten.  Es passiert: Nichts. Zumindest nichts, was ich hier bemerken würde. Hoffentlich habe ich jetzt nicht das Internet verwirrt oder gar kaputt gemacht.

PS: Liebe Marianne, ich hoffe, dass dein Internet jetzt nicht schon wieder kaputt ist. Das täte mir leid. Kannst gerne meins benutzen, das tut noch.