Twittern mit dem Smartstone


Um dem Geheimnis der Cro-Magnon-Menschen des Heusteigviertels auf den Grund zu gehen, habe ich beschlossen, mit die Situation vor Zeit anzuschauen. Ungeduldig – leider zu ungeduldig – programmiere ich meine Zeitlochmaschine und lande im Neolithikum, das Jahrtausende nach der letzten Kaltzeit war, in der Cro-Magnon-Menschen hier heimisch waren. Wenigstens ist es nicht so kalt, denke ich mir und schau mir die Zeit trotzdem mal an. Auf der Suche nach W-Lan begegne ich ein paar Steinzeitlingen, die mich an einen bizarren Ort bringen. Riesige, konzentrische Steinekreise stehen einfach so auf der Wiese rum. Smartstones, wie ich rausfinde.

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Bei genauerem Blick entdecke ich, dass die Neolithiker damit twittern. Zu blöd, dass meine Kenntnisse steinzeitlicher Sprachen etwas dünn sind. Ich gehe aber mal davon aus, dass auch hier viel Blödsinn verbreitet wird. Ich mach mich mal wieder auf den Rückweg in die Zukunft, bevor mir einer einen Hashtag an den Kopf wirft.

Die nicht-so-wilden 20er

Dora reist versehentlich mit ihrer Freundin Eva ins 11. Jahrhundert.


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Mein Lieblingsjahrzehnt: Die Zwanzigerjahre. Ein gutes Ziel, um meine Zeitlochmaschine zu testen. Meine Freundin Eva ist grad zu Besuch und beschließt, mitzukommen. Flink die Lochkarte stanzen und in den Quantencomputer schieben, und schon öffnet sich das Zeitloch. Zu flink, wie wir gleich erfahren werden. Oder besser gesagt damals. Damals stellt sich sehr schnell als das falsche Damals heraus. Kein Wunder, denn jedes Jahrhundert hat seine 20er-Jahre. Auch das elfte.

Idyllisch, so ein Talkessel ohne Stadt. Wir setzen uns an den Fangelsbach, der hier noch frei den Hang hinab mäandern darf und zünden uns eine Zigarette an. Eva stellt mit Erschrecken fest, dass ihr Telefon kein Empfang hat. Wir pflücken ein paar Äpfel und genießen den Ausblick. So hatten wir uns die wilden 20er nicht vorgesellt.

Ein paar Menschen, die so aussehen, als kämen sie vom Mittelaltermarkt, steigen den Berg herauf. Sie wirken etwas unenstpannt. Als sie Evas Telefon sehen, weicht Unentspannung schierer Panik – sie hauen unverrichteter Dinge einfach wieder ab. Was für Rüpel, die Mittelalter-Heinis! Dem schließen wir uns an, ich aktiviere das Rückholzeitloch und wir plumpsen zurück in die 10er-Jahre des 21. Jahrhunderts, in dem Bäche kanalisiert sind und Telefone wieder Empfang haben.

Neugierig geworden durchstöbern wir das Netz nach historischen Berichten aus dem Jahr 1020 und stoßen auf einen alten Text mit dem Bild zweier angeblicher Hexen, die wohl in jenem Jahr in der Nähe eines Stutengartens im Nesenbachtal erschienen seien sollen. Dem Bericht zufolge waren sie fremdländisch gekleidet, geruchlos, schon sehr alt –gut und gern 30 Jahre! – und hatten trotzdem noch alle Zähne im Mund. Man hielt sie für Apfeldiebe, doch als man sie stellen wollte, fuchtelte eine der Hexen mit einem magisch leuchtenden Stein in der Hand durch die Gegend, während die andere Rauch aus einem kleinen, brennenden Stab saugte. Ihre Entdecker ergriffen die Flucht und die Hexen waren nie wieder gesehen. Nur ein kleines magisches Gerät, welches Feuer spie, wenn man an einem Rad drehte, blieb wohl zurück.

Auf den Schreck hin müssen wir erst mal eine Rauchen. Aber Fack, wo ist mein Feuerzeug?

Mit Konfusion Raum und Zeit verbiegen


Lochkarten-animiertWer wünscht sich nicht bisweilen an der Uhr zu drehen? In die Vergangenheit zu reisen, um diese zu verändern? Eine Undo-Funktion für’s Leben sozusagen. Und dabei gerne auch mal Paradoxa erzeugen, die wunderbares Chaos anrichten? Dass ich für eben dies ein Faible habe, ist ja bekannt. Mein Ziel: Eine Zeitlochmaschine, die das Raum-Zeit-Kontinuum multidimensional verbiegen und verheddern kann.

Zu diesem Zweck habe ich mir unlängst einen Quantencomputer gebaut. Er kann nicht nur Katzenzustände verarbeiten, er ist auch in der Lage dazu, die hochkomplexen Berechnungen vorzunehmen, die man für die Steuerung einer Zeitlochmaschine benötigt. Als erstes habe ich ein Lochkartenlesegerät umgerüstet, sodass es mit meinem neuen Rechner jetzt per du ist. Wenngleich aus der Mode gekommen, sind Lochkarten unabdingbar für die Steuerung von multidimensionalen Raum-Zeit-Löchern.

Erste Versuche führten vor allem zu einem Ergebnis: Stromausfall im Viertel. 220 Volt reichen wohl doch nicht, um meinen wachsenden Maschinenpark in Gang zu halten.

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Problem heißt auf Coachdeutsch Herausforderung, welcher ich mich gestellt habe. Eine eigene Stromquelle muss her. Derzeit en vogue: Kernfusionsreaktoren. Die sind aber fürchterlich groß und wenn das Plasma rausfließt gibt’s Löcher im Parkett. Darum gehe ich einen Schritt weiter und entwickle derzeit einen neuen, sehr avantgardistischen Reaktor: den Konfusionsreaktor.

Konfusionsreaktor

Bislang bin ich noch am rumforschen und stolpere noch etwas durch die höhere, mir durch aus zu hohe Mathematik. Wenn ich nicht weiter weiß, beobachte ich Katzenzustände in meinem Quantenrechner oder probier einfach mal auf gut Glück aus. Wenn die Maschine läuft, werde ich hoffentlich tolle Geschichten zu erzählen haben.

PS: Der Typ auf dem Foto, der in meinen Forschungsreaktor starrt, ist der Klempner. Ich habe dooferweise versucht, meine Kaffeemaschine an die Reaktorkühlung anzuschließen. Jetzt steht die Küche unter Wasser. Mist!