Feiern ohne Tiere


Ich könnte mich nur noch von Pflanzen ernähren. Unter einer Bedingung: Roman wäre mein Privatkoch. Ist er aber nicht. Er kocht im Super Jami in der Bopserstraße. Er und seine Partnerin Kathi haben das „Vegan-Deli“ vor einem Jahr gegründet und das wurde letzten Samstag gefeiert.

Der Laden ist voll. Aber das ist er eigentlich jeden Mittag. Kein Wunder, weil nicht nur Veganer dort essen, sondern auch eingefleischte Allesfresser. Warum? Weil es schmeckt. Alles ist frisch, keine fertigen Fleischersatzprodukte, die versuchen mittels Lebensmittelchemie so zu schmecken, als wäre ein Weber-Grill explodiert. Das Chili sin Carne schmeckt besser als die meisten hackfleischigen Varianten, die ich kenne.

Sehr angenehm: Niemand versucht mich hier mit erhobenen Zeigefinger zum Fleischverzicht zu bekehren. Hier ist das Essen das schlagende Argument.

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Unterhält die Gäste beim Pflanzenessen: Singer Songwriter Stumfol

Zur Feier gibt’s heute Livemusik. Ansonsten lädt hier gerne mal Punk zum Pogotanzen ein. Den spielt Singer und Songwriter Stumfol heute aber nicht.

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Schmeckt auch ohne Tiere: veganer Miniburger

Serviert wird ein kleiner Querschnitt der Karte, die neben Frühstück, Sandwiches, Wraps, Snacks und Salaten auch ein täglich wechselndes Gericht bietet, welches mich immer wieder auf’s Neue überrascht.

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Super-Jami-Gast Putte schaut in den „Mal mich Kasten“.
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Anja Haas schaut raus und zeichnet.
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Das kommt dabei raus, wenn ich ins Loch schaue.

Ein überdimensionales Vogelhäuschen mit Goldlametta neben dem Eingang weckt meine Neugier. Ich schaue durchs Loch und ehe ich mich versehen kann, kommt ein Porträt aus einem Schlitz des sogenannten „Mal mich Kasten“. Drinnen sitzt die Illustratorin Anja Haas und zeichnet liebevoll jene, die sich vor den Kasten setzen.

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Seit einem Jahr an der Ecke Heusteig- und Bopserstraße: Super Jami

Besonders schön im Super Jami: Die Illustration von Wirtin Kathi, die die Wand zieren. Diese kann man auch in ihren Kochbüchern wie „Kochen ohne Tiere“ bewundern.

Leider hat Super Jami abends nur bis 20 Uhr geöffnet, aber irgendwann müssen die Jamis auch mal Pause haben.

SUPER JAMI
Bopserstraße 10
70180 Stuttgart

Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 11.00–20.00 Uhr

info@super-jami.de
0711/32099749

super-jami.de

Super Jami auf Facebook

Kathi Bretsch

(diesen Artikel habe ich für den neuen Blog 70180 Stuttgart geschreiben)

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Fluthilfe für’s Galao


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Gentrifizierung, der Tsunami der urbanen Entwicklung. Man kann sie nicht aufhalten. Man sollte an erhöhte Orte fliehen und nicht im Talkessel bleiben. In Stuttgart hat sie letztes Jahr das Libero weggeschwemmt, die UHU-Bar ist als nächstes dran. Häuser werden verkauft, saniert und die Wohnungen so teuer wie möglich verhökert. Kneipen, die die Viertel erst belebt und damit für Attraktivität – sprich höhere Mietpreise – gesorgt haben, können nicht mithalten oder sind erst gar nicht erwünscht. Wer will schon eine Wohnung für Unsummen kaufen, wenn nachts Gäste lärmen?

Unmittelbar bedroht: Das Galao, inmitten des Überschwemmungsgebiets Tübinger Straße und Marienplatz. Das Haus wird verkauft, die Kündigung droht. Wirt und Kulturbürgermeister der Herzen Reiner Bocka sieht nur einen Ausweg: den Laden selber kaufen. Mit Hilfe von Privatkrediten, Spenden und Crowdfunding. Da das Galao eine Menge glückliche Gäste hat, ist dadurch schon einiges zusammen gekommen. Jedoch noch nicht genug. Also: Helft mit!

Spendenkonto: Reiner Bocka IBAN DE45600501017869070023

www.startnext.de/galao4ever

Die Stadtisten haben eine kurze Reportage über das Galao gemacht:

Letzten Montag gab es im Merlin eine große Spendensammlerparty, bei der ein ganzer Haufen Bands gespielt haben. Hier noch ein paar Fotos von der tollen „the big ‚Save Galao‘ Revue“:

Galao4ever from Cafe Galao on Vimeo.

galao foundation song von TWO WOODEN STONES from Cafe Galao on Vimeo.

galao foundation song alin coen from Cafe Galao on Vimeo.

Trinker, keine Säufer.


mozart

http://goo.gl/maps/s52nc

Neulich fragte ich mich noch nach Hexen und Magiern in meinem Viertel, jetzt entdecke ich einen klassischen Hexenhut am Straßenrand. Der steinerne Heini, der sie trägt, könnte Mozart sein – Das Fundstück befindet sich vor  einer mal wieder aufgelösten Kneipe in der Mozartstraße, die von mehreren ihrer jährlich wechselnden Pächter „Mozart-Eck“ genannt wurde. (Danach „Imme“, wegen der dort kreuzenden Immenhofer Straße und zuletzt „SeCret“, warum auch immer so genannt, aber von Anwohnern gerne „Sekret“ ausgesprochen.)

Zu Mozart-Eck-Zeiten erklärte mir mal die damalige Wirtin mit Reibeisen im Kehlkopf: „Eine gute Kneipe braucht Trinker, keine Säufer“. Ich fragte sie, wo der Unterschied läge. „Der Trinker zahlt seine Zeche“.  Das Klientel waren wohl doch nicht nur Trinker, kurz darauf ging auch sie pleite.

Die letzte Wirtin hat zumindest diese Lektion gelernt und keinen Alkohol ausgeschenkt. Dafür gab’s Wasserpfeifen, heute eher bekannt als Shishas. Laut Internetbewertung war der Laden wohl beliebt, da stets frische Naturkohle nachgelegt wurde. Die Shishalounge lief anscheinend gut, zumindest an der Anzahl der Autos (BMW, schwarz, tief) gemessen, die im Halteverbot davor geparkt haben. Was letztendlich zur Kapitulation geführt hat, erfährt man nur, wenn man in der Gerüchteküche in die Töpfe guckt. Dort erfährt man auch, dass zwei nette Mädels den Laden im Herbst wieder aufmachen und sich eher auf Trinker statt Säufer spezialisieren. Vielleicht findet sich dort ein Plätzchen für jene Heimatlosen, denen das Libero genommen wurde. Ich halte euch auf dem Laufenden …

Nachtrag:

imme

Heute gehe ich wieder an der Kneipe vorbei, und siehe da: Es wird entrümpelt! Schön tätowierte Menschen tragen den angesammelten Schrott vieler Jahre auf die Straße. Ich lerne eine der beiden neuen Wirtinnen kennen. Sie erzählt mir, dass der Laden komplett auf links gedreht wird. Nur eine Erinnerung an die Vergangenheit hat Bleiberecht: Der Name „Imme“. Sehr schön!

Noch ein Nachtrag:

Die beiden Wirtinnen Renate und Frauke haben mir versichert, dass es KEINE Lounge wird. Danke! Es wird außerdem eine große Theke geben, an die man sich auch mal alleine setzen kann. Der Spielautomat wird verbannt, und es kommt keine Glotze rein, die dauernd läuft. Nur zu besonderen Anlässen. Die beiden kennen Gin Tonic jenseits von Gordons und haben erkannt, dass bei Wein nicht nur nach Farbe unterschieden wird. Man darf hoffen …

Aber jetzt wirklich der letzte Nachtrag:

Die Hoffnung wurde übererfüllt. Leider komme ich jetzt nicht mehr so oft zum Schreiben. Wenn euch interessiert, was ich für neue Geschichten auf Lager habe, dann findet ihr mich gleich rechts an der Theke.