Mahlzeit!

In der Kantine von Disneyland …

Apropos Kantine, die die innerbetriebliche Aufnahme von mittäglichen Nahrungsmittel spaltet die Angestellten in zwei unvereinbare Lager: Jene, die den außerhalb der Arbeitswelt unbekannten Gruß „Mahlzeit!“ um sich werfen, und jene, die sich fürchterlich darüber echauffieren und schlaumeierisce Repliken auf Lager haben, die ich hier nicht beschreiben will. Wer’s nicht kennt, sollte sich mal in irgendeiner Kantine unter die Arbeiter stellen und Feldforschung betreiben.

Als alte Rebellin setz ich mich mal in den unbevölkerten Raum zwischen den Stühlen, sage  nicht Mahlzeit, finde es aber voll okay, wenn’s andere tun.

Roboter und Trim-Dich-Pfade

Diesen Sonntag: OB-Wahl in Stuttgart, erster Wahlgang. Egal ob an Laternenmasten oder in den Medien, der Wahlkampf geht in den Endspurt. Es scheint, es gäbe nur vier Kandidaten: Kuhn, Turner, Wilhelm und Rockenbauch. Genauer gesagt gibt es vier Kandidaten, die Werbebudgets haben. Die restlichen neun gehen unter. Das die Medien Weltkriegsbeschwörern wie Ossenkopp (BüSo) und Komödianten wie Markus Vogt alias Häns Dämpf (Die Partei) nicht so viel Platz einräumen wollen, kann ich ja verstehen. Aber es gibt auch ein paar Übersehene, die es mit ihrem Kandidatentum durchaus ernst meinen, die waschechte Programme haben, die sich nicht hinter denen der „großen Vier“ verstecken müssen. Ich finde es grundsätzlich bekloppt, in welchem Maße Geld demokratische Prozesse lenkt, weshalb ich hier mal den Blick auf den parteilosen Dr. Ralph Schertlen lenke, der nicht durch Dauerbegrinsung vom Straßenrand, sondern durch sein Programm mein Interesse geweckt hat. Seinen handgestrickten Werbemitteln sieht man an, dass hier kein Wahlwerbeprofi am Werk ist, sein Hirnschmalz hat der Kandidat offensichtlich eher in den Inhalt seines Programms gesteckt.

Schwäbisch, bodenständig, ideologiefrei, fortschrittlich und ehrlich, so charakterisiert sich der gebürtige Bad Cannstatter selbst. Klingt nicht gerade glamourös, aber was sagt die alte Schwabenweisheit? Wir können alles außer Glamour. Oder so ähnlich. Als Chef einer Verwaltung mit 20.000 Menschen ist Extravaganz nicht die geforderte Kernkompetenz. Ideologie hat schon Karl Marx als „Gebäude, das zur Verschleierung und damit zur Rechtfertigung der eigentlichen Machtverhältnisse dient“ erkannt, brauchen wir also auch nicht. Fortschrittlich? Hilfe! Gern genutztes Schlagwort zur Verschleierung und Rechtfertigung von Großprojekten. Schertlen ist – urschwäbisch! – Ingenieur, und er erkennt die Bahnhofstieferlegung als Rückschritt, hat dafür viel interessantere Ideen wie die Nord-Ost-Umfahrung Stuttgarts. Wie alle anderen hat er eingesehen, dass unsere Stadt nicht alleine auf die Autoindustrie setzen kann. Er bevorzugt Roboter. Robotik hört sich nach Science Fiction an, ist es aber nicht. Es ist Zukunft. Fortschritt bedeutet für Schertlen bessere Bildung, nicht noch mehr Bagger und Kräne. Als alter Sportvereinsmeier will er den Breitensport fördern, Trimm-Dich-Pfade intakt halten, Turnhallen reparieren und somit was für Körper und Geist der Bürger bieten. Und der Röhre will er eine neue Heimat geben! Keine große Vision, aber eine umsetzbare. Gefällt mir, um’s mal in Facebookdeutsch zu sagen.

Was ich richtig klasse finde, ist seine Idee des „1000 Akkuschrauber-Programm“, bei dem Jugendliche gemeinsam sich in ihrem Stadtviertel einbringen können, Skateboard-Rampen bauen und dergleichen. Wenngleich er keine Chance hat, gewählt zu werden (was für alle außer Turner und Kuhn meines Erachtens gilt), fände ich es schön, wenn sein Programm wenigstens mal angeschaut werden würde und die eine oder andere Idee aufgegriffen würde. Demokratie lebt wie gesagt von Vielfalt, Ralph Schertlen liefert ein bislang wenig beachteten Beitrag dazu.

schertlen.de

PS: Hoffentlich steinigen mich jetzt nicht die Kollegen von der Oben-Bleiben-Front, wenn ich über Alternativen zu Hannes Rockenbauch schreibe. In meiner Protestbewegung ist Vielfalt erlaubt, und ich fürchte auch nicht, dass Underdogs wie Schertlen und Loewe dem „Widerstand“ an Schlagkraft rauben. Für mich gilt im ersten Wahlgang: Alles ausser Turner! (und Ossenkopp, der zum Glück keine Chance hat).

Wem schwäbische Sekundärtugenden Angst machen und wer’s lieber ein bisschen „alternativ“ haben will, sollte sich Jens Loewe anschauen:

http://www.jens-loewe.de/ 

Breaking the what?

Eine Hand voll Herren kurz vor dem Rentenalter stehen auf der Bühne. Lametta blitzt und blinkt auf ihrer schwarzen Lederklufft, als wären sie wandelnde Diskokugeln. Nur schwerfällig kann sich der Sänger in seinen Nietenskistiefeln über die Bühne bewegen, aber dazu ist er auch nicht da. Er soll singen. Oder besser gesagt: kreischen! Das kann er noch wie in jungen Jahren. Rob Halford kann das sogar über viereinhalb Oktaven, und das nach vier Jahrzehnten Judas Priest, einem echten Urmetall des Heavy Metals, die schon einige Platten auf dem Markt hatten, als die New Wave of British Heavy Metal Anfang der Achtziger schneller, härter und lauter waren als ihre hartrockenden Vorgänger wie Deep Purple oder Black Sabbath. Auf ihrer Platte „Britsh Steel“ wurde 1980 einer der besten Metal-Songs überhaupt veröffentlich: „Breaking the law„. Beim Konzert muss Halford den Song schon lange nicht mehr singen, das Publikum übernimmt das für ihn. Ich tu‘ so als ob ich textfest wäre, um mich nicht als totale Grünschnäbelin zu outen.

Ich drängel mich gleich vorne in die Mitte, um den altgedienten Headbangern bei der Arbeit zuzuschauen. Doch anstelle wildgewordener Berserker, die ihre Mähnen schwingen und flummihaft durch die Gegend hüpfen, tummeln sich dort loose die Fans, ihre Telefone zum Filmen gezückt. Ein paar mittelalte Herren die sich in wohliger Erinnerung an vergangene Tage ein bisschen anrempeln werden sofort von den Securityjungs gerügt. Ein paar jüngere Mädchen empören sich, wie man es wagen könne, ihre Ruhe zu stören oder ihnen gar ins Bild zu laufen! Bin enttäuscht von Generation Wattebäuschchen, die schon beim Falschparken ein Gefühl von Breaking the Law überkommt.

Show und Bühne sind zeitlos. Nur die Projektion auf den Backdrop (Die Leinwand hinter der Bühne) zeugen von Technologie dieses Jahrtausends. Technisch, nicht inhaltlich. Die Powerpointpräsentation alter Plattencover und historisch anmutender Animationen werden zum Glück oldschoolhaft durch Laser, Flammen, Nebel und stets wechselnde Glitzerkutten des Metal Gods Halford übertüncht, der auch mit dem Motorrad auf die Bühne fährt – wie es sich gehört! Mit Lederkäppi und Gerte erfüllt er alle Klischees Ralf-Königesker Lederschwuler. Tatsächlich sagt man ihm nach, der erste geoutete Metalsänger zu sein. Viel abgefahrener ist jedoch, dass Halford schon in den Achtzigern KEINE! langen Haare trug.

Als Vorgruppe spielt übrigens Thin Lizzy („The boys are back in town“, „Whiskey in the jar“). Bei denen gibt es kaum noch alte Männer, sie wurden größtenteils durch Jungrocker ersetzt, die die alten Hits ordentlich spielen.

judaspriest.com

www.thinlizzy.org

Übrigens: Hier gibt es eine dorische Abhandlung über den Sinn und Zweck des Schwermetals, die sich die verweichlichte Metaljungend mal hinter die Ohren schreiben sollte:
https://asemwald.wordpress.com/2011/04/15/tod-und-teufel/ 

2011

Foto: Lisa Nerz (http://lisanerz.blogspot.com/)

2012 – Das Jahr des Weltuntergangs hat angefangen. Den Weltuntergang fürchte ich nicht, die Sonne geht ja schließlich täglich unter – und am nächsten Morgen dann doch wieder auf. Auch 2011 haben meine Welt und ich gut überlebt.

Gleich im Januar hab ich beschlossen, jeden Tag zu bloggen – Ein Vorhaben, an dem ich fulminant gescheitert bin. Aber Scheitern gehört bei mir zum Programm, ich vergrößre meinen Scheiterhaufen täglich. Apropos scheitern: Am meisten hab ich mich darüber gefreut, dass die CDU-Landesregierung und ihr ekeleregender Obermotz Mappus daran gescheitert sind, wiedergewählt zu werden. Wenngleich es bis heute nicht gelungen ist, Stuttgart 21 zu stoppen, hat es der Protest geschafft, die CDU nach 58 Jahren Herrschaft vom Tron zu verjagen! Der Ausstieg Deutschland aus der Atomkraft war mir ein inneres Lachsbrötchen und die schönste Belohnung für all das Frieren auf Demos letzten Winter.

Bild: Eva Teigelkötter

Am 25. Februar wurde ich 36 und viele Gäste kamen mit Geschenken! Da ich wissen wollte, wie meine Freunde sich mich vorstellen, bat ich sie ein Porträt von mir zu zeichnen, basteln oder schreiben. In der Stuttgarter Zeitung erschien ein Artikel über die Feier!

Im April habe ich meine erste eigene Ausstellung in der XS-Gallery in Stuttgart. Viele Leute kamen und tauschten Gedanken und Lebenslügen auf Post-Its mit mir aus.

Im Mai legte das Team Dora Asemwald Racing los und fuhr die Allgäu-Orient-Rallye, kam aber nie in Jordanien an. Eine Odyssee auf Seelenverkäufern durch’s Mittelmeer führte leider nicht ins Ziel.

Im  Sommer hab ich einen neuen Ort entdeckt, der mich begeistert hat: Unser Pavillon. Der containerartige Bau wurde von Künstlern erdacht und in den Mittleren Schlossgarten gestellt, genau zwischen die Zelte, die im Schlossgarten nach dem 30.9. letzten Jahres aufgestellt wurden. Dort hab ich die Pavillonistin, Kunsttherapeutin und Künstlerin Karin Rehm kennen gelernt und wir haben uns sofort ins Herz geschlossen! Zusammen mit ihr hab ich zuerst eine Ausstellung der Schlossgarten-Fotos von Frank & Steff und Peter Franck gemacht.

Das hat so schön geklappt, dass Karin bei mir in der Galerie einstieg und wir die  Künstlergruppe Schattenwald gegründet haben, über die es dieses Jahr noch mehr zu lesen gibt.

Im November habe ich dann ein paar Arbeiten zum Thema Widerstand gegen die Übel dieser Stadt im Pavillon ausgestellt und mit Karin zusammen neue Loch 21 Projekte durchgeführt. Die Galerie ist aus ihrer Totenstarre erwacht und das Loch wird weitergegraben!

Und zu guter letzt hab ich noch eine Band mit der Sängerin Maren Katze gegründet: Katzenwald. Die ersten 2 Lieder sind schon online!
http://www.myspace.com/katzenwald 

Alles in allem war’s ein großartiges Jahr, hab tolle Menschen kennen gelernt, wilde Sachen erlebt und viel Spaß gehabt. Für’s nächste Jahr ist auch schon so einiges geplant. So werde ich zum Beispiel in einem Krimi meiner Freundin Lisa Nerz mitmachen und weiterhin die virtuelle und begehbare Welt und den Raum drum herum ergründen. Ich freue mich wenn ihr wieder hier vorbei schaut!

Eure Dora

Wer wissen will, was 2010 bei so mir ging:

https://asemwald.wordpress.com/2011/01/04/freitagseintopf-2010/

Erdbahnhof ist GEIL!

Ich habe mir zum Selbstschutz einen Spamfilter ins Hirn installiert. Der bewahrt mich zum Beispiel vor dümmlichen Werbekampagnen und Titelseiten der Bildzeitung, die überall leicht verdaulichen Blödsinn in großen Lettern offerieren. Diese Form von Ignoranz macht mein Leben schöner, es hält Unliebsames aus meiner Lebenslüge fern. Ab und an schau ich aber doch mal nach, was so alles im Fusselsieb des Spamfilters hängengeblieben ist, bin ja doch recht neugierig. In der Kategorie „Geiz ist geil“ ist mir dann doch was ins Auge gestochen: „Wir sind doch nicht blöd“, Mediamarkt-Optik aber kein Krimskrams zur elektronischen Unterhaltung für 555 Euro, sondern ein „Nein“ zum Kündigungsgesetz. Seit wann macht der Mediamarkt Politik? Äh, halt! Nicht Mediamarkt, http://www.fuerstuttgart21.de ist der Absender der etwas irreführenden Werbebotschaft. Anlass ist eine Volksabstimmung über die Finanzierung des Milliardenprojekts Stutttgart 21 durch das Land Baden-Württemberg. Das Thema ist komplex, die an der Wahlurne gestellte Frage ist so unverständlich wie eine Steuererklärung und der Bedarf an Aufklärung durchaus gegeben, da Souverän Volk nur dann sinnvoll entscheiden kann, wenn er weiß worum es eigentlich geht. Aufklären ist langwierig und bei vielen mangels Interesse erfolglos, drum kann man auch Meinung machen, dachte sich der IG Bürger für Baden-Württemberg e.V. und verkleistert das Land mit Grobgeschnitztem à la „Randale statt Demokratie – wir sind doch nicht blöd!“. Hinter einem Komplettausrutscher wie dem „Tu‘ IHN unten rein“-Hemdchen stehen einzelne Verwirrte, doch diese Kampagne hat System, sie ist ernst gemeint. Am besten, jeder schaut sich mal in Ruhe die Plakatserie an, und macht sich ein eigenes Bild davon, auf welchem Niveau diese Gruppierung von Erdbahnhofsfreunden versucht, Stimmen zu fangen. Und wie immer: Wenn das die besten Argumente für den Weiterbau sind, dann gute Nacht!

Die Plakatmotive gibt’s frei zum Runterladen bei http://www.fuerstuttgart21.de/.

PS: Falls euer Interesse doch tiefer geht als „oben bleiben=ja, oben ohne = nein“, hier der Wortlaut der Frage und der Gesetzesvorlage, um die es geht:

„Stimmen Sie der Gesetzesvorlage ‚Gesetz über die Ausübung von Kündigungsrechten bei den vertraglichen Vereinbarungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21‘ (S21-Kündigungsgesetz) zu?“

Bin mal gespannt, wie viele Wahlberechtigte Baden-Württemberger diese Frage kapieren. Naja, wenn das Volk als Souverän hier direkt entscheiden soll, dann muss man ihm auch die Kompetenz zurechnen, zu verstehen worum es geht. Hier mal die Gesetzesvorlage, der man zustimmen kann, aber nicht muss:

Gesetz über die Ausübung von Kündigungsrechten bei den
vertraglichen Vereinbarungen für das Bahnprojekt
Stuttgart 21 (S 21-Kündigungsgesetz)
§ 1
Kündigung der Vereinbarungen
Die Landesregierung ist verpflichtet, Kündigungsrechte bei den vertraglichen
Vereinbarungen mit finanziellen Verpflichtungen des Landes Baden-Württemberg für
das Bahnprojekt Stuttgart 21 auszuüben.
§ 2
Inkrafttreten
Dieses Gesetz tritt am Tag nach seiner Verkündung in Kraft.

Es soll also darüber abgestimmt werden, die Mitfinanzierung von S21 durch das Land in Höhe von 824.000.000 Euro beendet werden soll. Wer besser verstehen will, um was es am 27. November geht, kann das hier auf einer einigermaßen neutraler Seite nachlesen: www.lpb-bw.de/volksabstimmung_stuttgart21.html.

http://aussteiga.de/

http://infooffensive.de/

http://www.fuerstuttgart21.de/

ITFS Tag 2: Monster, Trophäen und der Osterhase

Ich bin die letzten beiden Abende wieder beim Internationalen Wettbewerb des Internationalen Trickfilm Festivals gewesen hab mir so angeschaut, mit welchen Tricks die Zuschauerin beeindruckt werden soll. Hier der zweite Teil:

Quay Borthers: Maska, Polen 2010
Gestern ging’s gleich düster los, die amerikanischen Zwillingsbrüder Stephen und Timothy Quay haben sich über Stanislaw Lems Buch „Maska“. So heißt auch ihr aufwendig animierter Puppenfilm über den freien Willen, Moral, die Liebe und den Tod. Wenn ich die Geschichte vorher gekannt hätte, dann wäre der Film für mich wahrscheinlich zugänglicher gewesen. Hat aber auch so gewirkt.
Hier gibt’s den Trailer:
http://www.se-ma-for.com/en/filmy/krotki-metraz/13-maska

Wendy Chandler, Susan Danta:  Heirlooms, Australien 2009
In dieser animierten Dokumentation erzählen 10 Menschen die Geschichte eines Erbstückes, welches in ihrer Familie weitergegeben wurde. Liebevoll animiert und was fürs Herz.

http://www.susandanta.com/

Alan Dickson: Preferably Blue, Neuseeland 2010
Tränen gelacht hab ich beim nächsten Film. Der Osterhase ist deprimiert, weil der Weihnachtsmann ihm die Show stiehlt. Er beschließt, ihn ums Eck zu bringen. Der Humor ist auf angenehme Weise schwarz, die Klischees sind passend gesetzt, der Film schön digital animiert. Sehr sehenswert.

http://preferablyblue.blogspot.com/
http://preferably-blue.com/
https://www.facebook.com/PreferablyBlueMovie
http://www.yukfoo.net/

Jochen Kuhn: Sonntag 2, Deutschland 2010
Schön gemalter, aber mal wieder düsterer Film mit abstruser Handlung, wie man sie aus Träumen kennt, jedoch beim Aufwachen meistens wieder vergisst. Ging mir da auch so. Künstlerisch bestimmt wertvoll, ansonsten hartes Brot.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jochen_Kuhn

Maria Steinmetz:  Der Wechselbalg, Deutschland 2011
Die Verfilmung des gleichnamigen Märchens erzählt von einem Ehepaar, denen ein Trollkind untergeschoben wurde. Das Kind macht ’ne Menge Rabatz, keiner mag es außer der Adoptivmutter. Wenn ich morgens in’s Café gehe, sehe ich auch immer einige von denen.

Jean-Claude Rozec: Monstre Sacré, Frankreich 2009
Das hässliche Entlein ist in diesem Film ein gozilliges Monster. Es wächst, wird aber nicht hübsch, sondern ein Monster eben und tut, was Monster so tun: Städte verwüsten. In seinem Fall etwas unfreiwillig, aber das ist ja das lustige an diesem Film. Mir hat er sehr gut gefallen, anderen war er zu klischeehaft und irgendwie abgedroschen. Ich mag Monster, vielleicht hatte er deswegen meine volle Sympathie.
Trailer: http://www.jplfilms.com/films/p119-monstre-sacre.html  

Atsushi Wada: Haru no shikumi (The Mechanism of Spring), Japan 2010
Ein paar Jungen und ein Haufen lustige Tiere erleben wie der Frühling kommt. Frösche und Schildkröten hüpfen durch die Gegend, Hirsche führen sich eigenartig auf. Sehr eigenwillige Bildsprache, schön anzusehen.
http://calf.jp/en/jia/wada.html 

Michael Ekblad: The Mighty Hunter, Schweden 2010
Zum Abschluss noch mal lustig: Trophäen wollen sich an Jäger rächen. Extrem überzeichnet, aber das mögen Kinder ja.

Das wer der erste Tag. Ich komm immer wieder zum Schluss, dass ich 2D-Animationen viel schöner find. Sie lassen mehr Raum für die eigene Fantasy und versuchen nicht realistisch auszusehen. Ich muss auch feststellen, dass meine Kapazität für düstere, schwer verständliche Filme begrenzt ist, aber da kommen morgen noch ein paar Klopper auf mich zu.

ITFS: Der erste Tag

So, jetzt bin ich wieder zu Hause und hab den ersten Abend des 18. Internationalen Trickfilm Festivals Stuttgart (kurz ITFS) hinter mir. Nach den üblichen Eröffnungsreden mit Bürgermeistern und anderen Pflichtprogrammslaberern ging’s los mit den ersten neun Filmen des internationalen Wettbewerbs:


The external world

„The external world“ von David o’Reilly hat nicht nur einen Sack voll Preise eingeheimst, sondern auch ne Menge digitale Gewalt, Pixelblut, Zitate an Videospiele und andere virtuelle Welten, und das alles ziemlich old-school animiert. So mit groben Pixeln, kantigen Polygonen und dergleichen. Die Preise sind zu Recht verdient. Den ganzen Film gibt’s hier zu sehen: http://www.theexternalworld.com/.


Pixel

„Pixels“ von Patrick Jean lässt alte 8-Bit Wesen erst New York und dann die Welt in Pixel auflösen. Wer in den 80ern Telespiele liebte, erkennt sie alle wieder. Virtuell und materiell vermischen sich auf wunderbare Weise, und wer gewinnt sollte hoffentlich klar sein.

Nullarbor“ von Alister Lockhart und Patrick Sarell aus Australien spielt auch dort. Ein Roadmovie, die Geschichte zweier Männerklischees, die wortlos das tun, was Männer gerne tun: sinnlos provozieren, wortlos reden, Kräftemessen, Sachen kaputtmachen und dabei immer cool bleiben.


Black Swan

„Black Swan“ von Illustrator Guy Harlap besteht aus einem Batzen Farben, Flächen und Formen, die sich zu Radiokopf Thom Yorks Song „Black Swan“ bewegen. Nettes inoffizielles Video. Schön anzuschauen und erholsam inmitten all der Schwere.


Trailer von Birdboy

„Birdboy“ von Pedro Rivero und Alberto Vasquez handelt von Birdboy und Little Dinki, einer unkonventionellen Liebe in einer zerstörten Welt.


Hand of God

„Hand of God“ von Rune Eriksson zeigt die wahre Begebenheit hinter dem Vorfall mit der Hand Gottes.

http://www.myspace.com/tanjetsfilms
http://tanjetsfilms.blogspot.com/
http://www.youtube.com/user/Tanjetsfilms 

The Origin of Creatures“ von Floris Kaayk (Niederlande): In einer postapokalyptischen Welt bauen Kreaturen die aus menschlichen Körperteilen bestehen einen babelschen Turm.


Overnight Stay bei Youtube

„Overnight Stay“ von Daniela Sherer (Israel): Eine alte Frau erzählt, was sie in 1941 als 17-jährige in Krakau erlebt hat. Nach all den eher düsteren Filmen etwas zum Herzwärmen.

Die Kiste“ von Kyra Buschor (Deutschland): Drei mächtige Frösche, eine Kiste, deren Inhalt vielversprechend aber unbekannt ist. Leider hab ich keinen Trailer zum Film gefunden.

Das Weltböse ans Bein binden

Ein Nachteil des Medienrummels um königliche Hochzeiten: Die Kommentare all jener, die die Welt als Spielplatz der großen, bösen Ausbeuter sehen und sich zum Anwalt aller unterdrückten Völker berufen fühlen. Für sie ist Monarchie ein Teufel, der Jahrhunderte seine Untertanen ausblutete und deren öffentliche Inszenierung ein Affront für jeden guten Demokraten und Menschenrechtler sei. Dass mehr als eine Milliarden Menschen dieser Hochzeit medial beiwohnten zeigt, dass die große Show Royal  dem „Volk“ gefällt. So viel zur Demokratie.

Wenn man nur will, findet man in allem das Böse – insbesondere da, wo Geld oder Macht sich anhäuft. Welche Völker unterjocht William? Über welche Leichen geht Kate? Sicherlich gibt’s da welche, bedenkt man das unser Wohlstand auf der Ausbeutung der dritten Welt fußt. Ich finde eine kritische Haltung gegenüber der Welt durchaus angebracht, aber hinter allem immer gleich das Böse sehen? Findet man ein Hochzeitsfoto auf der Titelseite seiner Zeitung, schwillt die Empörung auf ein bedrohliches Maß an. Solange Menschen in Libyen oder sonst wo sterben sei es verwerflich, etwas so profanes wie eine Hochzeit hervorzuheben.

Muss man sich eigentlich fortwährend in der Schlechtheit der Welt wälzen? Ist jede andere Sichtweise gleich oberflächlich? Apropos Oberfläche: Ich komm da bisweilen gerne mal hin beim Schwimmen, denn da ist die Luft. Die Zwangsmissepeter binden sich das Weltböse wie ein Stein ans Bein und beweisen Tiefgang. Ohne mich. Dadurch, dass sie ihre Mitmenschen zur Betroffenheit mahnen, wird die Welt nicht besser. Eher noch schlimmer, weil Verbitterung und Misanthropie das Umfeld dieser Menschen verfinstert. Es hat nichts mit Ignoranz zu tun, wenn man sich ab und zu mal profaneren Themen hingibt. Nur Masochisten beschäftigen sich stets mit dem Übel ihrer Welt. Wenn sie so glücklich werden, dann sollen sie das tun. Aber bitte mir nicht mit dem erhobenen Zeigefinger im Gesicht rumfuchteln.

Wiedervereint

Am Straßenrand findet man ja so einige herren- oder damenlose Gegenstände. Vor ein paar Tagen ist mir dieses schöne Paar, welches sich in einer Nische eines Altbaus in der Mozartstraße versteckte, aufgefallen. Wurden sie gemeinsam verloren, oder sind sie entlaufen? Sind sie Geschwister? Sie sehen sich ja ähnlich, sind aber ganz unterschiedliche Wege gegangen. Das eine Leben auf der Straße, das andere in der Küche. Hier haben sie wieder zusammen gefunden und schwelgen in den guten, alten Zeiten.

Die Geschichte gab’s auch schon auf der Brezel

Doras Lebenslüge

Ich bin schon ganz aufgeregt. Am Freitag mach ich kurz entschlossen meine erste Ausstellung – nicht als Galeristin sondern als Künstlerin. Die xs Gallery ist eine winzige ehemalige Sandwichbar in der Rotebühlstraße (direkt neben der Rosenau), in der ich 16 Quadratmeter Platz hab, um mein aufgeblasenes Ego abzubilden.

Ich sammle grad meine Gedanken und werde sie dann dort ausstellen und mit euren austauschen. Am Samstag ist dann auch schon wieder Finissage. So schnell kann’s gehen. Gedanken sind flüchtig.

Veranstaltet wird das Ganze vom Tearoom e.V..

Laxer Umgang mit der Vertuschungspflicht

Werner Schnappauf, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) wirft wegen eines angeblichen Protokollfehlers das Handtuch. Zu Recht! Er hat es erlaubt, dass Wirtschaftsminister Brüderles Aussage zur Glaubwürdigkeit der Kanzlerin in Atomfragen einfach so protokolliert wurde und an die Öffentlichkeit geraten ist. Wo kommen wir denn hin, wenn hier jeder so mir nichts dir nichts die Wahrheit verbreitet? Ein solch laxer Umgang mit der Vertuschungspflicht ist sträflich. Schnappauf brachte damit  das sorgfältig aufgebaute Kartenhaus aus Lügen ins Wanken. Und wenn das Volk aus seiner Ignoranz ohne Vorwarnung einfach so geweckt wird, dann gehen hier die Lichter aus! Erst werden die Grünen Teufel gewählt, dann wird auch noch die Atomkraft in Frage gestellt. BDI-Präsident Keitel hat sich zugleich bei Brüderle für das infame Veröffentlichen seiner Aussage entschuldigt. Dem armen Mappus hat das nach eigenem Bekunden die Wahl gekostet, das Musterländle geht jetzt vor die Hunde. Das ist der harte Preis der Ehrlichkeit. Wollen wir den zahlen?

Widerstand geht durch den Magen.

Ich kann’s nicht sein lassen und hab schon wieder einen neuen Blog ins Netz gestellt. Diesmal jedoch nicht alleine, sondern mit ein paar Freunden zusammen. Die Idee dazu ist gekommen, als wir nach einer Demo vom Hunger geplagt waren und uns dachten: Widerstand geht durch den Magen! Ein Kochblog mit Rezepten und Geschichten würde hoffentlich nicht nur uns Spaß machen, sondern auch anderen gefallen. Wir werden Gäste einladen die selbst kochen oder einfach nur mitessen und ihre Geschichte vom Widerstand erzählen.

Hier ist die Adresse: derkesselkocht.blogspot.com

www.facebook.com/derkesselkocht

Ich werde die Geschichten aus dem Blog auch hier nochmal veröffentlichen, aber im Originalblog sind sie schöner anzuschauen.

Hier stellen wir uns mal vor:

Widerstand geht durch den Magen.

Democracy can sometimes be a little bit difficult. Und hungrig macht sie auch, wenn man sein Grundrecht auf Versammlungs- sowie seine Meinungsfreiheit regelmäßig ausübt. Und das ist in Stuttgart ja gerade en vogue.

Widerstand geht durch den Magen, haben wir uns gedacht und uns zum Kochen getroffen. Wir haben passende Rezepte für Berufsdemonstranten und instrumentalisierte Kinder ausprobiert und stellen sie künftig in diesem Blog vor.Schon mal spicken, was als erstes kommt? Okay. Pfefferspraysteak, flambiert.

Guten Appetit und oben bleiben!

Birgit Neusser: Hat für alles ein Rezept. Wenn nicht, dann erfindet sie eben eins.
Jürgen Kern: Hat nicht nur eine beeindruckende Küchenutensieliensammlung, er kann auch mit ihr umgehen und besitzt auch einen atomstromfreien Herd.
Martin Zentner: Hat vor 20 Jahren als Tellerwäscher angefangen, wartet noch drauf Millionär zu werden. Mit Schnappschüssen wird er das nicht.
Dora Asemwald: Die Stuttgarter Blogette lässt gerne kochen und gibt dann ihren Senf dazu. Sie kann sehr gut Brezeln schmieren.
Anton Katz: Solange ihn niemand vom Tisch verjagt und der Napf voll ist hat er nichts gegen die Kochrunde einzuwenden.
Der Kessel Hat uns inspiriert, ist Namensgeber unseres Blogs.

Dora verreist und wünscht Stuttgart einen kleinen Vulkan.

So, liebe Freunde,

ich pack mal meine Koffer. Jetzt geht’s in den Urlaub nach Island. Das Land scheint mir geheimnisvoll genug um meine Neugier zu befriedigen und ein großes Vorbild in der Disziplin Rebellentum und Rauchblockade ist ja auch dort: Eyjafjallajökull. Ein kleiner Vulkan, der Bagger vom Rollen abhält, tät Stuttgart grad auch ganz gut. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Übergestülpte Fremdzukunft

Zu meinem letzten Artikel über Argumente für Stuttgart21 kam ein Kommentar von Maria Lehmann, der mein Hirn trotz Hitze in Bewegung gesetzt hat. Sie verglich das Zukunftsversprechen von S21 mit den „blühenden Landschaften“ Helmut Kohls. Ich versuche mich mal der Sache ohne Anti-S21-Polemik zu nähern, sodass es vielleicht auch für jemanden interessant ist, der diese Diskussion nicht verfolgt oder gar nicht von hier ist. S21 ist jedoch ein gutes Beispiel für eine allgemeine Beobachtung die ich gemacht habe.

„Dieses Projekt steht für Zukunft. Wer dagegen ist, ist gegen die Zukunft.“

Doch welche Zukunft? Richtig müsste es heißen: „ist gegen diese Zukunft“. In dem man die eigene Vision zur offiziellen, zur einzig richtigen Zukunft erklärt verallgemeinert man die Aussage und kann den Gegner auch allgemeine Zukunftsfeindlichkeit bescheinigen. Dummer retorischer Trick. Und viele fallen drauf rein. Ich fühle mich durch solche logischen Taschenspielerein beleidigt. Manchmal frag ich mich welche Zukunft sich deren Gestalter eigentlich überhaupt vorstellen? Welcher Vision oder Utopie folgen sie? Oder ist für sie der Weg das Ziel weil ihnen das erschaffen der Zukunft an sich von Nutzen ist? Manchmal hab ich das Gefühl von blindem Aktionismus. Hauptsache man macht irgendwas. Dann wird auch irgendwas passieren. Und wenn’s nicht klappt dann waren die Bedingungen unerwartet und man muss nachbessern, das kostet halt leider noch mehr Geld das man nicht hat. Aber wer will das halb fertige Projekt denn aufgeben, dann wäre der bisherige Weg mit seinen Kosten ja umsonst gewesen. Und wer weiß wie schlimm es geworden wäre wenn man gar nicht erst angefangen hätte? Und wenn dann andere dagegen sind liegt es daran, dass sie alles so behalten wollen wie es ist und sich gegen den Fortschritt stellen. Am besten nicht drauf hören, jedes große Projekt hatte seine Gegner und als es dann da war konnten sie auch nichts mehr dagegen machen. Schlimmer noch ist wenn Gegner Alternativen vorschlagen, denn damit drohen sie einem das Zukunftsmonopol streitig zu machen und womöglich die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Das gilt es zu verhindern, der wer die Zukunft baut kann sie auch lenken, am besten in die eigene Tasche. Den Gegner sollte man gar nicht erst ernst nehmen, ihm ja keinen Spalt in der Tür lassen sodass er dann seinen Fuß reinstecken kann. Gleich als zukunftsfeindliche Spinner diffamieren, die aus Spaß am Protest protestieren. Und wenn das Volk das dann immer noch nicht gut findet macht man halt Werbekampagnen und argumentiert irgendwas vor sich hin. Es ist auch egal, was man da sagt, da man das Projekt eh schon so weit vorangetrieben hat dass ein Abbrechen sehr teuer wäre. Und da das Volk eh nicht direkt befragt werden muss ist es eigentlich eh egal. Man verspricht einfach blühende Landschaften. Und wenn die dann nicht so richtig zum blühen kommen sind ja schon längst andere an der Macht die dass dann ausbaden müssen.

Ich werd doch wieder polemisch. Es ist nicht einfach sachlich bei der Sache zu bleiben wenn die sachlichen Argumente fehlen. Hätte die Vision von Stuttgart21 Hand und Fuß müssten keine so schwachsinnigen Werbekampagnen auf die Leute losgelassen werden. Und was die blühenden Landschaften betrifft: Ich finde es auch ohne sie schön dass wir wieder ein deutscher Staat sind. Es würde mir bei S21 leichter fallen es zu akzeptieren wenn die Kommunikation etwas ehrlicher wäre. Ich hasse es für dumm verkauft zu werden.

Ich hätte gerne eine Vision eines zukünftigen Stuttgarts das nicht nur noch mehr charakterlose Shopingmalls und Wohngebiete mit 70% gewerblicher Nutzung vorsieht. Für ein Stuttgart das den neu geschaffenen Raum im Sinne der Bürger nutzt und nicht von einem kleinen Klüngel auf dem Reisbrett entworfen wird wäre ich gerne bereit Opfer zu bringen, seien es Geld, Baustellenbelästigung oder Bäume. Ich bin nicht gegen die Zukunft. Alles was ich will ist mitgestalten.

Hitzefrei

:

Wow ist das schön heiß heute! Ich wollte hier eigentlich was schlaumeierisches (mayerisch? egal.) von mir geben doch das würde die cerebrale Betriebstemperatur in halizunatorische Höhen treiben. Wenngleich das dem Amusement des Lesers dienen könnte mach ich mich jedoch lieber nass und rufe Hitzefrei aus!

Gesucht: Die guten Argumente.

Neu: Im Menü dieses Blogs gibts jetzt auch einen neuen Knopf: „english version“ – mein Tagebuch ist jetzt bilingual. Ich werd da nicht alles übersetzen, aber ab und an werd ich auch mal was für Fremdsprachler schreiben, wie zum Beispiel Rajat Malhotra, der Comicbuchonlinemarketer aus Indien oder Shane, der Drehbuchautor aus Los Angeles die ich soeben erst kennen gelernt hab.

Da bringt’s wahrscheinlich wenig wenn ich lokale Geschichten erzähle. Was kümmert den Inder wenn on Stuttgart ein Sack Reis, äh ein Bahnhof vergraben wird oder so. Mich kümmert das schon. Was ich jedoch satt habe ist die Polemik in der Diskussion in die ich mich bisweilen nicht nur mit Lochforderungen einmische. In Diskussionen fordere ich stets die Befürworter auf, mit gute Argumente für das Großbauprojekt zu nennen. Viele Milliarden Euro und mehr als ein Jahrzehnt Baustelle sollten doch durch gute Argumente gestützt sein. Meistens wird dann was von einer unbestimmten Zukunft gefaselt für die sich das alles lohne. Man muss investieren. Einfach so. Und wenn wir’s nicht tun dann tun’s die anderen wo anders. Aber niemand kann oder will mir konkret sagen welche Zukunft man sich davon genau erhofft. Anstelle dass argumentiert wird polemisieren die Diskutanten. Ich will Argumente. Und nicht einfach nur die haltlose Behauptung dass die besseren Argumente überwiegen. Hier die Argumente der Befürworter:

Der Bund, das Land und die EU zahlen die Zeche. Doch wer bezahlt die Zahler? Der Steuerzahler. So eine Schnorrermentalität auf große Plakatwände zu kleben ist frech.

Kapier ich nicht. Bin zu blöd. Kann mir einmal jemand dieses gute Argument erläutern?

Der Rest ist ebenso hanebüchen. Ich könnte hier noch über sieben Meter Blog lamentieren, lass das aber mal für heute. Ich wünsche mir von ganzem Herzen ein paar überzeugende Argumente für S21 die etwas spezifischer sind als: Wir müssen in die Zukungt investieren.

Frust an der Mediatheke

Neues auf der Brezel:

Die WM holt sogar den letzten Fernsehmuffel und Medienpessimist an den Bildschirm. Wer sich ansonsten genügsam auf seinem Rechner an der Arte-Mediathek bedient klickt sich dann schon mal in den Livestream der ARD um zu schauen wie Podolski Schach ohne Würfel spielt. Guter Trick. Wären da nicht die Nachbarn, denn die haben garantiert Kabel. Während in der Mediathek noch im Mittelfeld ein Angriff angebahnt wird vuvuzeliert’s schon von nebenan. Kurz danach merkt man warum: Das Internet schickt die Bilder erst drei mal um die Welt bevor es sie dann irgendwann auf den Rechner schiebt. Das ist eigentlich nicht schlimm. Wenn man keine Nachbarn hat.


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Wagenhallen, Löcher und 5 Millionen Stuttgarter

Heute mal ein paar Kurzmeldungen aus dem Doraversum:

Wagenhalle bleibt!

Heute gab’s mal ’ne gute Nachricht: Die Wagenhallen haben fünf Jahre Aufschub bekommen. Für alle Nichtstuttgarter: http://www.wagenhallen.de/. Das ist ein wunderschöner Veranstaltungsort/Club/Biergarten usw. in einem von Stuttgart21 bedrohtem Gebiet. Leider kann man das von den alten Eisenbahnwagons die dort um die Ecke die Behausung von vielen Künstlern sind nicht sagen, die müssen der Abraumstraße von Stuttgart21 noch dieses Jahr weichen.

LOCH21 – Das gefällt mir!

Die LOCH21-Bilder von Frank und Steff sind da und sie sehen gut aus. Da werd ich demnächst mal hier ein paar veröffentlichen. Hier schon mal vorab welche auf Facebook: http://www.facebook.com/#!/album.php?aid=186324&id=213839882154

5 Millionen Stuttgarter

Ich wurde heute auf eine neue Gruppe bei Facebook aufmerksam gemacht:
5 Millionen Stuttgarter auf Facebook.  Das ist doch ein schönes Ziel für das es sich lohnt zu kämpfen.

Stuttgarter Blog, prima aber lochkritisch.

Die Gründerin der Gruppe kommt nicht nur aus meiner Nachbarschaft, sie blogiert auch: http://bine-binebine.blogspot.com/. Da hat sie soeben einen lochkritischen Artikel geschrieben, ich mag sie aber trotzdem.

Der Boden des Konkreten

Die Kommentarschlacht zu meinem Artikel über Metaebenen hat eine neue Wendung genommen: Nach Gesellschaftskritik und Fernsehschelte hab ich mit einem alten religions- und konsumkritischen Text von mir die Debatte in eine weitere ziemlich grundsätzliche Richtung getrieben. Kommentator Pögönönö hat gleich mal klar gestellt: „Ich aber find Religion geil! :)„. Darauf fühlte ich mich dazu berufen die Ambivalenz meiner Gefühle gegenüber institutionalisiertem Glauben auszubreiten. In Zeiten in denen Religion pauschal auf die Mütze kriegt, weil einige ihrer Vertreter nicht ganz so fromm wie ihre Botschaft sind, verdient es meinen vollen Respekt wenn in einem so überzeugtem Ton der Religion als solches ein „Gefällt mir“ verpasst wird. Wenn sie gute Werte mit sich bringt finde ich Religion voll in Ordnung. Es soll sowieso jeder an das glauben was er will, solange das nicht auf Kosten anderer geht (siehe Religionskrieg). Aber manche Sachen gefallen mir da auch nicht. Da gibts viel zu diskutieren und ich hoffe, dass dies hier in allen Offenheit und mit Respekt passieren wird.

Auch mit an der Diskussion beteiligt ist Tamara Menzel vom Magazin Transparent die zu grundsätzlichen Fragen wie Medien, Religion und Gesellschaft so einiges zu sagen hat. Ich fänd es toll, wenn hier ein offener Diskurs zu Stande kommen würde.

Randnotizen

  • Die bekannte aber anonyme Blogkommentatorin „Lesende“ hat mir heute geschreiben: „Wie schön Dora, du hast ein Herz für Würste!
  • Ich habe eine Hand voll neuer Freunde auf Facebook die mir Steff vorgeschlagen hat. Mit manchen hab ich gechattet. Durchaus nette Zeitgenossen.
  • Ich hab wieder neue Motive in meinen bald zu eröffnenden Shirtshop hochgeladen.

  • Ich bin mal wieder Modell gestanden. Der Maler muss aber noch einiges üben damit das was wird.
  • Die Italiener sind raus aus der WM, aber ich bin ja auch keine Italienerin mehr.

Und dann noch ein Fundstück:

Tangolehrerinnen und neue Fahrräder

Hab ich heute bei der Brezel geschrieben:

Mir nichts dir nichts häng ich mal wieder in unserer Kommentarabteilung rum um ordentlich meinen Senf auf die Brezel zu schmieren. Da stolper ich doch über Kommentator Steffen. Der hatte einen Link zu seinem eigenen Blog an seinen Kommentar angehängt.

Klick.

Lauter Porträts von Menschen auf Stuttgarter Straßen. Aber nicht die übliche Streetstyle-Geschichte sondern Leute die interessant aussehen. Ute die Tangolehrerin, Andreas von der Schwäbischen Tafel, Luciana mit ihrem neuen Fahrrad und den 15 Monate alten Yigit- Can am Max-Eyth-See. Schöne Fotos, kurze Geschichten von zufällig getroffenen Leuten die aus dem Einheitsbrei heraus ragen. Steffen ist fleißig: Seit Anfang Mai hat er 38 Porträts veröffentlicht, also fast jeden Tag eins. Ich bin gespannt wer als nächstes kommt. Vielleicht kenne ich ihn oder sie?

eye-catcher-stuttgart.blogspot.com

Elmira, halb Griechin, halb Deutsche spricht aber russisch.
Elmira, halb Griechin, halb Deutsche, spricht russisch.
Jeamel hat's eilig.
Jeamel hat's eilig.
Yigit-Can sorgt für Aufmerksamkeit
Luciana hat ein neues Rad.
Luciana hat ein neues Rad.
Ute lässt Tango tanzen
Ute lässt Tango tanzen

Auf kessel.tv war darüber auch ein schöner Artikel. Link klicken und auch lesen!