Internet bekleben verboten


schaltkastenkontrollgerät

Kennt man ja: An allen Ecken und Enden der Straßen stehen so geheimnisvolle graue Kästen, auf denen meistens „Bekleben verboten“ steht. Und vielleicht noch ein paar Zahlen. Ab und an schauen Fachleute in die Eingeweide dieser Kästen, in denen tausende von Kabeln spaghettiesque verwirrwarrt sind und schrauben darin herum. Ich habe eine Vermutung: In den Kästen steckt das Internet. Sie sind die Ausläufer des Spinnennetzes des World Wide Web. So wie Pilze, die die Fruchtkörper ihres Mycels sind, dass den Boden des Waldes durchwächst und vernetzt. Hier wird die Datenwelt greifbar!

Einer der Techniker hat wohl sein Kontrollgerät auf dem Kasten neben meiner Galerie stehen lassen. In einem unbeobachteten Moment gebe ich meiner Neugier nach und drücke ahnungslosigkeitsbedingter Wahllosigkeit dessen Tasten.  Es passiert: Nichts. Zumindest nichts, was ich hier bemerken würde. Hoffentlich habe ich jetzt nicht das Internet verwirrt oder gar kaputt gemacht.

PS: Liebe Marianne, ich hoffe, dass dein Internet jetzt nicht schon wieder kaputt ist. Das täte mir leid. Kannst gerne meins benutzen, das tut noch.

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Surfen mit Wodka Martini


james-bond001Da hat die olle Petze Snowden ganz schön was angerichtet! Was  einfach so gemacht wird und wovon jeder weiß, dass es einfach so gemacht wird, aber keiner darüber reden soll, dass es einfach so gemacht wird ist jetzt genau da, wo es nicht hin soll: in den Medien. So lange das Bild geheimdienstlicher Arbeit von Doppelnullagenten geprägt war, die im Alleingang jene zu Fall brachten, die die Welt unterjochen wollten, war alles noch in Ordnung.  Der James Bond von heute trinkt seinen Wodka Martini hinter einem Bildschirm und durchforstet die Welt der globalen Kommunikation. Das Liquidieren von Schurken überlässt er seinen Drohnen, die er lässig mit dem Joystick durch Krisengebiete navigiert. Aber Obacht: Er überwacht dabei nicht nur das Treiben seiner Antagonisten der Terrorbande SPECTRE, sondern jeden von uns. Auch dich!

Für den Wahlkampf unserer Regierenden kommt das Thema etwas ungelegen. So richtig empören, wie es die Wähler erwarten, kann man sich ja nicht, wenn man selbst Dreck am Stecken hat. Das darf nur die Opposition. Vorausgesetzt keiner fragt nach, was sie davon wussten, als sie noch selbst an der Regierung waren. Da hilft nur Muttis Trick: Ruhe bewahren,  abwarten, Fresse halten.

Der Trick funktioniert meistens. Nachdem sich das Volk einem kurzen Empörungszyklus hingegeben hat, kommt todsicher der nächste Skandal. Es kapiert eh kaum einer, was an der Sache denn so schrecklich sein soll. Spionage verhindert immerhin Terrorismus und der unbescholtene Bürger hat ja nichts zu verbergen, oder? Und sowieso: Bei Facebook gibt doch eh jeder alles von sich preis. Freiwillig! Die Datensammelwut der Geheimdienste schränkt das Bürgerglück nicht merklich ein. Also wieso dieses ganze Bohei?

Die Gefahren einer umfassenden Überwachung sind nicht sonderlich plakativ. Keine Riesenlaser versuchen die Hauptstädte der Welt in Schutt und Asche zu legen. Welch gefährliches Machtinstrument Überwachung sein kann, sollte eigentlich einer wissen: Bundespräsident Gauck hat sich einen Namen dadurch gemacht, dass er einst mit seiner Behörde 175 Regalkilometer Akten der Stasi-Überwachung  aufgearbeitet hat. Seine Empörung galt der Tatsache, das Snowden gepetzt hat. Gegenüber der Total-Überwachung zeigte er sich schon viel verständnisvoller. Merkel wog bei ihrer #Neuland-Rede Sicherheit mit unbeschwerter Nutzung der neuen technischen Möglichkeiten ab. Das Wort Freiheit ist ihr erst bei späteren Äußerungen zum Thema über die Lippen gekommen.*

Freiheit ist ein weitaus komplexeres Konzept als Sicherheit. Sie hört da auf wo die des anderen anfängt und ohne Sicherheit kommt sie schon gar nicht aus. Die Dialektik zwischen Freiheit und Sicherheit ist philosophisch hartes Brot und überfordert wohl den einen oder anderen. Wenn man erkennen will, welche möglichen Folgen aus der Totalüberwachung entstehen können, muss man sich schon mal ein bisschen mit der Materie auseinandersetzen. Unzählige Journalisten machen genau das, empören sich (zu recht!), rücken den Regierenden auf den Pelz. Und prallen ab.

Mit ein bisschen Geduld und Beschwichtigungen wird sich auch dieses Thema im Themenendlager zum Rinderwahn und den Pussy Riot-Mädels gesellen. Keine Sorge: Die nächste Krise kommt gewiss. Und dann interessiert es kaum einen mehr, was James Bonds Kollegen so interessiert. Hauptsache der große Bruder wacht über uns, während Terroristen unsere Unbeschwertheit bedrohen.

Ich hoffe, dass ich mich da täusche.

*Es ist erschreckend, dass sich die Netzgemeinde so über den leider ziemlich gut zutreffenden Ausdruck „Neuland“ echauffierte, und kaum einer bemerkte, dass sie die Gefahren der Überwachung auf verlorene Unbeschwertheit verniedlicht. Das hat Netzgockel Lobo schon gut kommentiert, weshalb ich mich dazu jetzt nicht mehr auslasse: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/kolumne-von-sascha-lobo-zu-prism-tempora-und-merkel-a-907477.html

Eugeln im Euronet


Dora Bildschrim

Lange bekannt, jetzt offiziell: Amerikanische Geheimdienste bedienen sich freizügig an unseren Daten bei Google, Facebook und dergleichen. Wie alle Skandale löst auch dieser den Forder-Reflex bei Politikern aus. „Eigene Kommunikationstechnik aufbauen“ will Hans-Peter Uhl von der CSU, Dieter Wiefelspütz von der SPD meint:  „Wir brauchen europäische Angebote“. Warum die Amis schnüffeln lassen, wenn man’s auch selbst kann? Und wenn bis dahin das Merkel noch kanzlert, ist es ihr garantiert eine Ehre, Obama beim lauschen auf CC zu setzen. 

Ich stell mir jetzt mal ein staatlich oder gar eu-lich initiiertes Google (Eugel?) oder Facebook  vor. EU-Richtlinien für Profilbilder, EU-Norm-Tweets und ein Filter, der Bilder krummer, also mal gar nicht EU-tauglicher Gurken aus den Suchergebnissen streicht. Mal schauen, wann es das Euro-Net gibt, mit eingebautem Rettungsschirm. 

Ich forder jetzt auch mal was: Bitte liebe Politiker: Wenn der Forder-Reflex juckt, bitte erst mal die Tassen im Schrank zählen. 

Tipp: Einfach bei allen Mails Obama auf CC setzen, und das Merkel gleich mit dazu. Dann müssen sie nicht mehr so umständlich rumspionieren. 

president@whitehouse.gov

angela.merkel@bundestag.de

Pixel machen auch nicht satt


Frau Asemwald kocht

Eigentlich versetzt mich das Darbieten von frisch Gekochtem in Blogs und auf Pinwänden in Furcht und Schrecken. Knurrenden Magens schieb ich die Maus über den Bildschirm, der nichts besseres zu tun hat, als einem mittels visuellem Reiz die Speichel- und Magensaftproduktion in die Höhe zu treiben. Unzählige Megakalorien werden ins Netz gepumpt und treten den Katzenbildern in Konkurrenz. Das Schlimme daran: Pixel machen  nicht satt, nur der Gang in Küche oder Gastronomie hilft. Mal schauen, wann Foodblogs als signifikanter Faktor für Adipositas erkannt werden und nur noch mit Warnhinweisen veröffentlich werden dürfen. Ich bin froh, als Virtuelle den Folgen diesen fleischlichen Lasters nicht ausgesetzt zu sein.

Was treibt Leute – mich inklusive – dazu, den Blick in Topf und Teller der breiten Öffentlichkeit zu gewähren? Ist es die Zurschaustellung klassisch hauswirtschaftlicher Fertigkeit? Oder möchte man das Lebensgefühl der Bonvivants verbreiten und auf den eigenen ausgefeilten Geschmacksinn  aufmerksam machen? Schon eher. Nur wenige trauen sich ihr Toast Hawaii oder ähnlich Profanes zu publizieren. Es muss diffizil in der Zubereitung sein, ein halbes Küchenschnickschnack-Geschäft an Gerätschaften, die man regelmäßig von befreundeten Bonvivants zum Geburtstag beschert bekommt, müssen ihre Daseinsberechtigung erhalten. Man ist, was man isst. Und wer möchte schon das Image einer Currywurst verbreiten?

PS: Ich trage Teilschuld an der Foodifizierung des Netzes: Auch ich bin Miturheberin eines Kochblogs, bei dem derzeit jedoch der Ofen aus ist.

PPS: Cat content und Foodblogging könnte man auch kombinieren, würde aber für Empörung sorgen.

Digitale Robinsonade


Schönes Gestein, aber offline: Die Atlantikküste Marokkos

Ein Artikel pro Tag hat letzte Woche wohl nicht so ganz geklappt. Ich war acht Tage ohne Internet. Acht Tage kein Facebook, keine eMail, kein oben bleiben, nichts. Digitale Robinsonade, kalter Truthahn. Nur maximale Abklenkung durch Sonne, fremde Sitten und Wein haben’s ermöglicht. Jetzt bin ich zurück, das Postfach voll, der Geldbeutel leer, den Magen verrenkt, zum Glück keinen Sonnenbrand.

Eine wahre Herausforderung wäre mal eine Arbeitswoche ohne Internet. Sich so wie Rüdiger Nehberg im digitalen Niemandsland abseilen lassen und einfach nur überleben. Man müsste sich auf Old-School-Recherche-Tools wie Lexikon (so ’ne Art gedrucktes Wikipedia), Telefon und Leute fragen verlassen. Früher gab es autofreie Sonntage. Im Zeitalter der „Datenautobahn“ wird es vielleicht mal einen netzfreien Sonntag geben. Ob wohl der von Stromausfällen bekannte Anstieg der Geburtenrate folgt?

Ich bin jedenfalls wieder online und versuche erneut, jeden Tag hier was mehr oder minder schlaues von mir zu geben.

Stulle und Schnauzer


Meine Serie über ausgefallene Blogs erreicht einen vorläufigen Höhepunkt mit Selleckwaterfallsandwich, einem Blog der Bilder veröffentlicht auf den Tom Selleck, ein Wasserfall und das jeweils gefeaturedte (wie schreibt man eigentlich dies in unsere Sprache eingeschlichene Unwort richtig?) Sandwich zu sehen ist. Anstelle vieler Worte noch das aktuelle Bild, ein klarer Favoriten von mir:

Featured Sandwich: Sliders

http://selleckwaterfallsandwich.tumblr.com/

Kontextbefreit


Ein weiterer schöner Blog ist Comically Vintage. Schöne Einzelpanele aus alten Comics, die auch ohne den Rest der Geschichte ihre eigene erzählen. Roy Lichtenstein hätte es auch nicht besser hingekriegt. Wer genau hinschaut sieht auch wo sich mein Zeichner gerne mal inspirieren lässt.

http://www.comicallyvintage.com/vintagecomics/

http://www.facebook.com/pages/Comically-Vintage/137587179601511