Grumpy Peer

Grumpy-PeerDie ersten Wahlplakate zieren schon die Laternenpfosten unserer Stadt – Politiker buhlen um die Wählersympathie mit ihrem Antlitz. Sympathie scheint jedoch nicht die Kernkompetenz von Herrn Steinbrück zu sein, wenn man den Umfragen glauben schenkt. Damit er gegen Mutti Merkel nicht abstinkt, sollte er sich ein Beispiel an Grumpy Cat nehmen! Everybodies Darling trotz Motzefresse. Da muss Grumpy Peer noch ein bisschen üben.

Turners wutbürgerliche Wahlhelfer

Vor dem Stuttgarter Rathaus drängen sich die Leute. Ein Meer aus Plakaten und Protestschildern flutet den Marktplatz. Vor der dort aufgerichteten Bühne sitzen im abgesperrten Bereich Mitglieder der altkonservativen Parteien und warten. Plötzlich dröhnen wilde Rhythmen über den Platz, ein Konzert aus Trillerpfeifen und Gebrüll versucht dagegen anzustinken, als sich die Menge teilt und der „Star“ des Nachmittags in schwerem Geleit durch die Menge zur Bühne schreitet: Mutti kommt! Angela Merkel unterstützt den parteilosen OB-Kandidaten Sebastian Turner in seinem Wahlkampf. Wie die Prognosen stehen, droht die erste Landeshauptstadt in die Hand eines Grünen zu fallen, und dass nachdem sie schon den Ministerpräsidenten stellen. Aus CDU-Sicht ein Gau, bei dem Mutti persönlich eingreifen muss. Es fängt an, wie aus Eimern zu schütten, Schirme verdecken jegliche Sicht auf die Bühne, als jemand anfängt zu reden. Um mich herum wird gelärmt (Lügenpack! Lügenpack!), sodass ich auch nicht hören kann, wer da was von sich gibt. Die Stimmung ist verbittert und aggressiv, die letzten Nachrichten über den Bau des Erdbahnhofs sind Thema vieler Plakat: Zugentgleisungen und ein nicht erfülltes Brandschutzkonzept, was seit der Schlichtung eigentlich niemanden überraschen sollte.

Ich suche einen besseren Platz um zu verstehen, was da vorne passiert. Turner hat das Mikrophon ergriffen und redet mit lauter Stimme gegen den Lärm an. Nach dem üblichen Geschwalle über die Wichtigkeit der Bildung als Zukunftsweg, die wohl jeder Kandidat in seinem Programm stehen hat, aber trotzdem keiner in die Hand nimmt, schießt er sich auf Kuhn ein, dem er unterstellt, mit der Citymaut dem Bürger an die Freiheit und an’s Portemonnaie zu gehen. Eins ist klar: Sein Wahlkampf hat den Namen Kampf verdient. Er baut auf die Furcht der Leute, ein Grüner würde Stuttgarts Wirtschaft und somit Wohlstand und Arbeitsplätze ruinieren und die Freiheit der Bürger eindosen. Wahlkämpfe, bei denen Furcht vor den anderen geschürt wird, sind mir zuwider.

Merkel übernimmt. Ihre etwas leisere Stimme geht wieder im Lärm unter, ich verstehe bruchstückhaft etwas von Zukunftstauglichkeit, Bahnprojekt, Wirtschaft und so. Am Ende erklingt die deutsche Nationalhymne, um zu unterstreichen, dass sich hier niemand geringeres als DIE Bundeskanzlerin für Turner ausgesprochen hat. Ende der Veranstaltung. Die einen packen ihre Transparente ein, die anderen empören sich über die Schande für Stuttgart, die Kanzlerin in dieser Form empfangen zu haben.

Für Turner scheint es ein gelungener Tag. Das Schreckgespenst der renitenten Wutbürger, die die Zukunft der Stadt sabotieren wollen, hat sich selbst an die Wand gemalt. Die Medien berichten über die Protestbewegung, die nicht bereit ist zuzuhören und ihrer Wut freien Lauf lässt. Das bringt die Stimmen jener, die von der Protestkultur die Nase voll haben.

„Der haben wir gezeigt, dass sie in Stuttgart nicht willkommen ist!“, sagt ein anderer Marktplatzbesucher zu mir. Ich frage mich, was das bringt? Ausgebuht werden gehört zum täglichen Programm in ihrer Position. Müssen wir ihr (oder vielleicht auch uns selbst) vor Augen führen, dass es immer noch Demonstranten in Stuttgart gibt? Wenn es etwas gibt, was sie wirklich trifft, dann ist es das Wahlergebnis von Turner, der kaum Aussichten hat, die grüne Gefahr zu bannen.

Mir war von vornherein klar, dass es sich viele nicht entgehen lassen, der Kanzlerin mal persönlich die – bestimmt durchaus berechtigte – Wut ins Gesicht zu brüllen, doch denke ich dabei auch an das Bild, dass wir Bahnhofsgegner dabei abgegeben haben. Es ist absolut okay, eine miese Rede mit Buh-Rufen statt Beifall zu quittieren, aber man sollte schon dem zuhören, was man verurteilt. Diesen Respekt sollte man auch seinem politischen Gegner zollen. Wie können wir die mangelnde Dialogbereitschaft der Regierung anprangern, wenn wir selbst alles niederbrüllen? Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn die Sympathien der Bevölkerung für die Protestbewegung durch solches Verhalten weiter schwinden. Das wollte Turner, und das hat ihm sein Publikum willfährig erfüllt. Der „Widerstand“ darf sich nicht unfreiwillig zum Wahlhelfer Turners machen. Auch wenn es verdammt gut tun mag, mal die Sau raus zu lassen. Protest ist kein Selbstzweck, er sollte einer Sache dienen. In diesem Fall hat er Turner gedient.

Kurzer Einwurf: Ich möchte mal darauf hinweisen, dass das dort geballte Wutbürgertum nicht repräsentativ für alle Bahnhofsgegner und Turner-Kritiker steht, auch wenn die Medien dieses Bild zeichnen werden.

Mir hätte es besser gefallen, hätten Turner und Merkel in Ruhe ihre Reden halten können. In seine Angriffe auf Kuhn wirkt Turner unsouverän. Wer wirklich was auf dem Kasten hat, muss sich nicht über das Abwerten anderer positionieren. Sein aggressiver Wahlkampfstil schreckt mich ab. Dass er jetzt den Bahnhofsstreit für seinen Wahlkampf instrumentalisiert  (gegen grüne Verschleppung und Mehrkosten …), widerspricht seiner Ansage, den „Krieg“ in der Stadt beenden zu wollen. Noch besser hätte mir gefallen, Frau Merkel hätte allein vor den geladenen Gästen geredet und der Platz wäre ansonsten leer gewesen.

Am Sonntag in einer Woche wird Stuttgart zeigen, ob sein Wahlkampf aufgegangen sein wird. Insgesamt war die Veranstaltung so hässlich wie das Wetter, für Muttis Gäste wie für die Protestbewegung.

Mutti kommt!

„Grundeis ist das sich auf dem Grund fließender Gewässer bildende Eis. Es wächst von der Gewässersohle aus in das Wasser hinein und bildet mitunter bizarre Unterwasser-Skulpturen.“ (Wikipedia). Des weiteren gehen dort gern Ärsche drauf. Insbesondere jener der Oldschool-Konservativen, die im Süden Deutschlands schlimmstenfalls mal mit den Sozen koalieren mussten.

Bürgerlich, christlich und konservativ können auch andere: MP Kretschmann erfüllt, was die CDU versprochen und Mappus in die Tonne getreten hat. Um das neue Bürgertum zurückzugewinnen, wurde der parteilose Werber Turner ins Rennen geschickt, der mit rommelscher Weltoffenheit den Krieg um Stuttgart 21 beenden will. Brezelbackend und kinderkuschelnd flutet er die Stadt mit Plakaten. Über 500 Wahlkampftermine bestreitet der Bürger, der Bürgermeister werden will, um den GAU zu verhindern: Nach dem Landtag auch das Rathaus an die Öko-Konservativen zu verlieren. Auch die Totalverbrezelung der Plakatwände half ihm nicht, im ersten Wahlgang die Mehrheit zu holen. Da Bettina Wilhelm das Handtuch geschmissen hat, muss Turner ordentlich Gas geben. Seine Hoffnung: Bei 46,7% Wahlbeteiligung ist noch Luft nach oben für den zweiten Wahlgang am 21. Oktober.

Zu Hilfe eilt die Mutti der Nation: Die Kanzlerin kommt! Am Freitag auf den Marktplatz.  Und macht somit den Wahlkampf zur Chefsache. Der Vorsitzende der baden-württembergischen CDU, Thomas Strobl, malt schon mal seinen persönlichen Teufel an die Wand: „Mit einem Grünen in der Villa Reitzenstein und einem Grünen als Oberbürgermeister im Stuttgarter Rathaus stirbt ‚Stuttgart 21’“. Das könnte man auch als Abwahl-Versprechen verstehen. Die Einführung der City-Maut und Grundsteuererhöhung sind weitere Schreckgespenste, die die Grünen längst als „blanken Unsinn“ enttarnt haben. Mal schauen, ob Kuhn alle Autos kompostiert, den Daimler in eine Biogasanlage transformiert und alle Schulen zu Baumschulen umwandelt.

Apropos Furcht und Schrecken: Was mir viel mehr Angst einjagt, sind all die schönen Bauprojekte, bei denen noch mehr leerstehende Bürogebäude für ein fortschrittliches Stadtbild sorgen sollen. Die sind für jene, die sie abschreiben, sicher recht wirtschaftlich. Neue Einkaufszentren ermöglichen tageslichtfreies Shopping für jene Yuppiezombies, die sich die Mieten in den neugeschaffenen Vierteln leisten können. Wirtschaftsnähe mag im Industriegebiet fein sein, die Stadt gehört ihren Bürgern.

Die deutlichste Duftmarke des Angstschweißes rieche ich bei der CDU, die mit Stuttgart den Kern der drittgrößten Metropolregion Deutschlands verliert, und dass nicht an den Altrivalen SPD, sondern an die Grünen, die ihnen auf bürgerlichem Terrain die Wähler abluchsen. Auf dem Land mögen Kirche und CDU noch unangefochten herrschen, aber die Städte vergrünen zunehmend. Kein Wunder, dass Mutti persönlich erscheint, doch das hat bei Mappus schon nicht geholfen.

„Die da oben“ diskutieren

Auf meinen letzten Artikel haben ich Zuschriften bekommen, die ich hier nochmals veröffentlichen möchte:

OB Wolfgang Schuster schreibt:

Sehr geehrte Frau Asemwald,

was kümmern Sie sich um Stuttgart 21? Bitte gehen Sie zurück in Ihren Asemwald, und wenn es dort unter Ihrem Block wackelt, sind wir es! Dann werden wir gerade unterwegs sein von der City zum Flughafen, und wenn wir unterirdisch versehentlich Ihren Keller streifen, holen wir uns dort die ganzen K21-, Kein-Stgt21- und Loch21-Aufkleber heraus und verkleben damit Ihre ganze Asemwaldhütte, dass Sie nicht mehr heraus schauen und nicht sehen können, welche Bäume eingehen, welcher Acker einbricht, wo das Wasser versiegt und dass wir sowieso in allem siegen!
Denn was haben Sie schon? Sie haben wenn es hoch kommt 20.000 Stuttgarter hinter sich, aber wir haben die Millionen, das sind unsere Millionen, die Sie bezahlt haben. Na, was sagen Sie jetzt?
An Ihrer Stelle würd ich jetzt auch blöd glotzen, Sie denken die Wahl im März macht uns Sorge? Wir haben vom Stgt21-Etat 42 Millionen herausreserviert für eine ordentliche CDU-Wahlkampagne!!!! Mit sowas gewinnt man immer!

So, und jetzt gehen Sie bitte in Ihren Asemwald zurück, 
mit freundlichen Grüßen
OB Wolfgang Schuster

Wolfgang Drexler schreibt:

Hallo Wolfgang,

des hätt i net denkt, dass Du so direkt argumentiera kosch, so einen intelligenten OB könnt mr au in Esslinga braucha.

Mol eine Frage:
 Soll des Bähnle jetzt au zum Flughafa fahra? I han denkt nach Ulm? Jetzt ben i ganz durcheinander komma, warum sagt mir des koiner?
 Derf i mein Dienstwaga trotzdem behalta? 
Ond noch ebbes… dei blonde Sekretärin… moinsch da lauft was? Kannsch ihr einen Gruß saga von mir?

Bis bald, Dein Wolfgang

PS.: Mach dir koine Sorgen wegen den 20.000 Demonstranten, des send älles bezahlte Kommunisten aus der Ostzone… oder wie des jetzt hoisst…

Hans F. schreibt:

Grüß Gott Wolfgang und Wolfgang (SPD),

hier spricht der Geist von Hans, ihr könnt mich auch Filbi nennen.
Könnt ihr net des ganze Pack in den Nesenbach schmeissen? 
Also mir hätten des 1946 anders gemacht.

Euer Filbi
 der Direkt-Verurteiler

OB Wolfgang Schuster schreibt:

Was…. der Hans!!!!
Du läbsch jetzt wieder? 
Des muß i meiner Frau verzähla!!!

Wolfgang Drexler schreibt:

Jetzt hen die beim Ausgraben zum neua Bahnhof den Filbi ausbuddelt!!!
 Hoffentlich nimmt der mir mein Dienschtwaga nett weg!

Stefan Mappus schreibt:

ihr hen älle net richtig ufbasst, des isch jetzt mei baustella. mir den so als wenn mir des zügle bis ulm fahra lasset. mir gaots eher drom, a saumässige schnellverbindung nach Berlin zum baua, na kao is angela maol ablösa ond trotzdem em Ländle wohna, weils en Berlin koine Kumpel gibt. Ond nao em Tunnel direkt bis Pforza, sonscht krieg i en schtugart bagga voll. die hen mi frier schon emmer verhaua. also Buaba machet weider…..

Angela Merkel schreibt:

Sehr geehrter Herr Mappus,

Ihre Ambitionen auf meinen Posten fallen mir heute nicht zum ersten Mal auf. Doch kann ich meine Wählerinnen und Wähler beruhigen: Mit Emporkömmlingen aus dem Schwäbischen hat mein Ziehvater Helmut Kohl schon seine Erfahrungen gemacht. Ich erinnere an den kometenhaften Niedergang des Lothar Späth. Seien Sie versichert, die entsprechenden Schritte Ihre Person betreffend wurden bereits eingeleitet.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Angela Merkel

Riidiger Grube schreibt:

Meine Herren! Bitte!

Wie oft denn no… ch!

Wir haben das doch schon sooft geübt! Stuttgart Einundzwanzig ist ein Gesamteuropäisches Projekt. Wir haben doch die Vereinbaahrung, dass wir bei der Öffentlichkeitsarbeit Immer Hochdeutsch schw ..schprechen!

Also Herr Mappus, Herr Drexler, Herr Schuster. Bitte halten Sie sich an die Vereinbarungen..

Riidiger Grube,
Der Chef von dem Ganzen

Dora Asemwald schreibt:

Lieber Herr Grube, ihre hanseatischen Wurzeln sind wohl während ihrer diversen Tätigkeiten im Schwabenland verschwabt worden.

Riidiger Grube schreibt:

Entschuldigung,

Ich werde von diesen Schwäbischen Geldeseln, doch am Tag 5 mal angerufen.
Das färbt schon ab.(Die verstehen einen doch auch nicht, wenn man Hochdeutsch spricht) Zumal ich ja auch schon länger im Süden ein Häusle hab.

Eddi Stoiber schreibt:

Servus beinander, hier ist der Ed,

Ja, mi leggst am Oarsch! Wos is den bei eich los? Es is grad 4 Johr her, da samma in 10 Minuten, ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, fast nach Rom, ähh, Charles de Gaulle, oder sonstwo hin g’fahrn. Und jetzt wida so a Theater, nur weil ihr in 8 Minuten nach Heathrow, ähh, an den Flughafen Franz-Josef-Strauß, – wohie auch immer fahrn miast.

Also, wir hätt’n es in 10 Minuten mit dem Transrapid, äh ,äh vom Bahnhof München durch den Tunnel nach Stuttart, äh in zehn Minuten, schneller am Gate in Franfurt.
Ihr wisst scho!

Oba es hod net sei solln: nach oiner von 1,85 auf mehr als 3 Milliarden Euro g’stiegenen Kostenprognose ham sich die Deppen von Bund und Land im März 2008 darauf g’einigt dös Projekt nimma zum baun. Formal hams dös G’schäft dann am 14. April 2008 beendet und I hob mi saumässig blamiert. Saupreißn dreckige, hoit…

Sackl Zement nochamoi, machts weida! Blamierts eich net!!! Spart eich die Blamage jetzt und haut’s Geld zum Fensta aussi, solangs no geht. Abgwählt werds eh!

Und wenn in 20 Johr ois fixundfertig is, hobs as g’schafft:Ihr hobs a Denkmal, wos bisher nur der Franz-Josef mit seim Flughafen g’schafft hat un dann ist der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Bayern, an die bayerischen Städte herangwachsen – weil das ja klar ist, weil aus dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zamalaffa. Host mi?

Außerdem: I hob glesen, da Filbinger hot sie g’meldt. I bin ja g’spannt wann der Franz-Josef anfängt zu grollen. Lang schaut der sie des Kasperlheater bei eich nimma oh, so mei Gfui..

Bleibts tapfer,

Euer Edmund Stoiber
(der Mann mit dem Transrapid)

P.S. grod hob I in da Süddeutschen Zeidung g’lesen, wenn ihr zum grabn ofangst, dann kummst’s Wasser in die Tunnel eina. Woist was: dann fahrt’s doch mit dem U-Boot.
Dös is vielleicht a Fortschritt! In 8 Minuten, mit dem U-Boot nach äh, äh,.
Die bayrische Gebirgsmarine kann helfen! Verlasst eich auf mi!

Lothar Späth schreibt:

Mir könnet also gelassen in die Zukunft schauen. Bald wird alles unterirdisch.
Euer Lothar :-)