Freitagseintopf 2010


Mir fällt grad kein guter Text ein. Alter Trick: Darüber schreiben dass mir nichts einfällt. Der Trick funktioniert leider nicht all zu oft, hab ihn schon ein paar mal bemüht. Abkupfern wäre eine Alternative. Dank Wechsel ist das Jahr als solches Topkandidat in der Disziplin des belanglosen Geblubbers. Besinnliche Jahresrückblicke. Die guten Vorsätze und das Sinnieren über deren obligatorisches Scheitern. Ich habe mir letztes Jahr vorgenommen mit dem Rauchen wieder anzufangen. Ist mir gelungen. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen, außer dass es keine gute Idee war.

Sich über das jährliche Sinnieren anderer zu mokieren ist überheblich und setzt der Abgedroschenheit die Krone auf. Lieber reihe ich mich in ihre Reihe ein und schweife nicht vom saisonalen Thema ab. Hier der dorische Jahresrückblick:

Angefangen hat das Jahr etwas müde, ich hab im Januar nicht mal ein Blogeintrag zu Stande gebracht. Im Februar habe ich immerhin eine Geburtstagsparty organisiert. Einige Freunde haben mich zur Feier meines 35. Geburtstags gezeichnet.

Kurz darauf habe ich mit Putte und Martin die Initiative Loch21 gegründet (Artikel), die schnell Anhänger fand und eine prima Alternative zum geplanten Erdbahnhof Stuttgart 21 darstellte. Da aber die Planung für das Loch nicht schon seit 15 Jahren durchgemauschelt wurde, musste das Projekt vorerst mal Stuttgart 21 Plus weichen. Vorteil gegenüber der anderen Alternative K21: Wenn S21+ zu Bauruine 21+ wird, ist ja schon mal ein Grundloch da.

Das Hamburger Abendblatt über Loch 21:

Loch 21: Gründerin Dora Asemwald kritisiert auf kritisch-komische Weise den „inversiven Turmbau zu Babel“. Die Komikfigur Dora hilft ihr dabei. Weiter unten werden Hotpants und Kaffeetassen zur Initiative feilgeboten. www.loch21.de

Schön, dass mir die Comicfigur Dora hilft. Noch schöner, dass die Hamburger hinter meinen Bildern einen greifbaren Menschen vermuten. Lassen wir ihnen den Glauben.

Im März hatte ich zum ersten mal für den Stuttgarter Blog brezel.me geschrieben und wurde bald fest ins Autorenteam aufgenommen. Für den Blog der Initiative Unsere Stadt schreib ich seit dem auch ab und zu.

Im April hatte ich eine Ausstellung in meiner Galerie. Andrea Liebe hat den Raum in ihr Universum verwandelt. Die Vernissage war wild, der Vermieter dann auch. Es war die letzte Ausstellung in meinem Büro, die Galerie hat keinen betretbaren Raum mehr, ist jetzt virtuell wie ich.

Ein Artikel in der Lokalausgabe „Blick vom Fernsehturm“ der Stuttgarter Nachrichten und Zeitung über mich sorgte im Mai dafür, dass ich bei der Businessplattform Xing wegen meiner Virtualität rausgeschmissen wurde. Auch die Gründung der Virtuellen Republik von Iddora hat mir da nicht geholfen. (Artikel bei Brezel). Wir virtuellen werden von den Greifbaren immer noch stark diskriminiert in dem unsere Existenz als solche in Frage gestellt wird.

Seit Mai sammel ich auch ab und zu für den Geekblog I M GEEK Zeug aus dem Internet.

von links nach rechts: Frank, Steff, ich und Martin

Damit das Loch schöner verbreitet werden kann haben ich T-Shirts und Unterbuchsen dazu gemacht die von gecasteten Modells gezeigt werden sollen. Germany’s next Loch-Model Jury hat getagt und wurde fündig. Frank und Steff haben es fotografiert.

Während ich mich zuvor schon satirisch an politische Themen herangewagt hatte, schreib ich seit letztem Sommer dazu auch ernsthaftes Zeugs. Hauptsächlich Bahnhofstieferlegung und die Reaktion der Bürger darauf, aber auch Atomkraft und Terrorangst haben mich echauffiert und somit zum schreiben getrieben.

Ein Rallyeteam hat mich im Juli als Rennleiterin und Namensgeberin ihres Teams ernannt: Dora Asemwald Racing wurde gegründet.

Ich wurde nicht von The Hoff gerettet, habe Kleinmagazinzuchtvereine kennen gelernt, war in einem Flüchtlingslager für Hamster, beim Tag der offenen Tür des Justizvollzugs und habe Lebenslügen verkauft.

Von meinen Urgroßvater im Geiste habe ich im August erfahren, gefunden habe ich ihn aber noch nicht. Carl Auer, der Verleger des nach ihm benannten Verlages ist ebenso wie ich nicht greifbar aber um so aktiver. Ansonsten hab ich die letzten Geheimnisse der Männer gelüftet und Verschwörungen aufgedeckt.

Im September hab ich viel demonstriert und geschrieben, im Oktober auch. Der Blog Der Kessel kocht wurde von Freunden und mir gegründet, aber leider schlecht gefüttert.

Im November hab ich Brezeln in Peking getestet und im Dezember doppelköpfige Vögel auf T-Shirts gedruckt.

Nächstes Jahr wird’s hoffentlich weitere Hemdchen geben, einen Webshop hab ich schon, der muss nur noch befüllt und beworben werden. Das ist aber nur einer von vielen Plänen die ich ausgeheckt habe. Den einen oder anderen werde ich auch umsetzen.

Ich will mich natürlich auch noch bei all denen bedanken, die meine Geschichten gelesen und kommentiert haben, wie zum Beispiel Heide Blum, die selbst auch einen schönen Blog betreibt.

So, der Artikel ist voll. Jahresrückblicke sind wie Freitag in der Kantine, da werden die Reste der Woche als Eintopf verkauft. Wer was Neues von mir erfahren will muss hier am Ball bleiben, denn das nächste Jahr steckt voll toller Geschichten.

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Ist der Blog gesund, freut sich die Dora


Das neue Jahr hat gestern an die Tür geklopft, ich habe es reingelassen. Jetzt sitzt es auf der Couch und macht keine Anstalten zu gehen. Ich kenne das schon, das ist mir letztes Jahr schon mal passiert. Da hat es 12 Monate gedauert bis es wieder verschwunden war. Am Ende hab ich es schon gar nicht mehr wahrgenommen, so sehr hatte ich mich daran gewöhnt. Aber jetzt, wo es weg ist und ein neues hier rumhängt fällt es mir schon auf.

Der Bloggomat, der seit letzten Mai meine Texte ins Internet stellt hat mir zum neuen Jahr eine Statistik geschickt, die darüber berichtet was letztes Jahr so passiert ist. Eine hohe Gesundheit wurde dem Blog bescheinigt, dank Tu‘ ihn unten rein (siehe: unten). 26.000 Besucher seit Mai ist nicht gerade wenig. Zum Glück kamen die nicht alle wie das neue Jahr zu mir nach Hause, nur in mein virtuelles Bloghaus. Und das ist groß.

Im Gegensatz zu früher habe ich dieses Jahr angefangen mich über politische Themen auszulassen. Die geplante Bahnhofstieferlegung hat mich meiner Politikverdrossenheit entledigt. Gefreut hat mich, dass meine Kommentare zum Geschehen in meiner Stadt Diskussionen nach sich geführt haben. Am extremsten natürlich der Artikel über das peinliche Hemdchen, der sogar von der nationalen Presse übernommen wurde und für die hohen Besucherzahlen sorgte.

Als ungreifbares Wesen kann ich nur in den Köpfen anderer überleben, und das ist mir dank dieses Blogs ganz gut gelungen. Ich bedanke mich mal herzlich bei all jenen, die meine Geschichte verbreitet haben.

Für’s nächste Jahr ist einiges geplant, da wird es viel neues zu lesen geben. Ich hoffe ihr habt Freude daran.

Hier die Statistik:

The stats helper monkeys at WordPress.com mulled over how this blog did in 2010, and here’s a high level summary of its overall blog health:

Healthy blog!

The Blog-Health-o-Meter™ reads Wow.

Crunchy numbers

Featured image

About 3 million people visit the Taj Mahal every year. This blog was viewed about 26,000 times in 2010. If it were the Taj Mahal, it would take about 3 days for that many people to see it.

 

In 2010, there were 129 new posts, growing the total archive of this blog to 286 posts. There were 183 pictures uploaded, taking up a total of 54mb. That’s about 4 pictures per week.

The busiest day of the year was October 26th with 4 views. The most popular post that day was Tu IHN unten rein! .

Where did they come from?

The top referring sites in 2010 were facebook.com, dora-asemwald.de, twitter.com, maedchenmannschaft.net, and de.wordpress.com.

Some visitors came searching, mostly for tu ihn unten rein, oben ohne – tu ihn unten rein, oben ohne – tu ihn unten rein, oben ohne tu ihn unten rein, and tu ihn unten rein stuttgart 21.

Attractions in 2010

These are the posts and pages that got the most views in 2010.

1

Tu IHN unten rein! October 2010
72 comments and 2 Likes on WordPress.com

2

Wer bin ich? March 2009
6 comments

3

Geschichte der Dorawerdung August 2010

4

Dora im Netz June 2010

5

Wachgedroht August 2010
19 comments

Die Straßen von Stuttgart


Geschichten von den Straßen Stuttgarts: Stuttgarttaxi von Taxifahrerin Mia

An Blogs über das Nachtleben im Kessel mangelt es nicht. Eigentlich sollten Samstag-Nacht-Geschichten von der Theodor-Heuss-Straße niemand mehr hinter dem Ofen vor locken. Es sei denn man wechselt die Perspektive: Die 26-jährige Bloggerin Mia fährt Taxi und berichtet davon. Sie erzählt von all den kleinen und großen Unverschämtheiten die sich der eine oder andere Fahrgast erlaubt. Aber auch dramatische Liebesgeschichten von der Rückbank sorgen für Spannung, von der sich der letzte Tatort eine Scheibe hätte abschneiden können.

Die Geschichten sind lang und ohne Bilder. Macht aber nichts. Hab sie trotzdem gelesen, weil gut geschrieben. Ein schöner und sympathischer Einblick in des Leben von Stuttgart. Ich freue mich auf neue Geschichten und vielleicht werd ich nach durchzechter Nacht mal selbst zum Teil von einer.

taxistuttgart.wordpress.com

Erschienen auf brezel.me

Doragenese 2: Frau Asemwald geht ins Netz


Auf Dauer war es mir zu blöd in Skizzenbüchern zu versauern. Virtuelle Figuren müssen wahrgenommen werden, und dazu taugt das Internet. Damals wurde Social Media noch Web2.0 genannt, schien mir aber genau das Richtige zu sein um mein virtuelles Leben auszugestalten.

Angefangen hab ich mal mit OpenBC (OpenBC heißt jetzt Xing, sonst ändert sich nix). Mir war von Anfang an bewusst dass dies ein virtuellenfeindliches Pflaster ist und hab erstmal verschwiegen, welcher Natur ich bin (zu recht, wie ich später erfahren musste). Als mich dann aber die ersten Fremden angeschrieben haben – meistens einsam wirkende Männer – offenbarte ich ihnen meine Natur um klar zu stellen, dass ich als Flirtobjekt ziemlich ungeeignet sei. Das hat jedoch die meisten nicht abgeschreckt. Wie mir später noch klar wurde haben mir einige das einfach nicht geglaubt weil sie es einfach nicht glauben wollten.

Auf jeden Fall ging der Plan auf: Außerhalb der Skizzenbücher konnte ich plötzlich eine neue Welt erkunden. Fremde Menschen nahmen mit mir Kontakt auf und meine Geschichte fing an sich zu verbreiten. Um all das zu dokumentieren habe ich einen Blog angefangen. Damals kannten mich noch nicht so viele Leute, ich hab keine Ahnung ob außer ein paar engen Freunden das überhaupt jemand gelesen hat.

Das hat sich geändert. Heute weiß ich dass mein Tagebuch von einigen gelesen und sogar kommentiert wird. Dora Asemwald gefällt das.

Als sich Second Life im Internet ausbreitete war mir klar dass ich mir das mal anschauen muss. Ich war zuerst erschrocken wie schäbig dort alles aussieht. Alles war überfüllt mit Schmuddelerotik, die anderen Avatare sahen aus wie Pornodarsteller. Hät ich nicht so schnell einen weiteren Avatar namens Dora kennen gelernt die sich dort richtig gut auskannte wär ich wohl sofort wieder abgehauen. So hab ich mir die Sache mal genauer angeschaut und festgestellt, dass die Plattform zwar ganz nett war aber für die Masse gänzlich ungeeignet. Das Interface (Tastatur, Maus) ist der Aufgabe sich in einer dreidimensionalen virtuellen Welt intuitiv zu bewegen nicht gewachsen. Ich hab mich gefreut dass ich einen animierten Avatar hatte, das war es aber auch. Weitere Kontakte über ein paar Chats hinaus konnte ich hier keine knüpfen.

Auch Spaß hat das verkleiden gemacht. Ich muss mal wieder in meine SL-Avatarhaut schlüpfen und schauen, was da so los ist.

Eine eigene Webseite kam als nächstes. Um es genau zu sagen: eine Landingpage die auf meinen Blog führte. Ich habe sie stets überarbeitet und sie ist immer wirrer geworden.

Das Prinzip ist ganz einfach: Wer mich ergründen will muss erst mal den roten Faden suchen und soll sich verirren und so auf dem Irrweg seine eigene Sichtweise auf mich erlangen.

Xing war ganz nett, aber zu businessmäßig. Friendster hatte keine deutschen Nutzer außer meinem Entdecker, der dort schon ganz von Anfang an war. MySpace jedoch setzte sich auch hier durch, ich hab mich dort durch die Welt der Musik geschlagen und sogar nette Musiker kennengelernt.

Als ich kurz darauf Kulveen aus Amerika kennenlernte hat sie mich zu einer viel interessanteren Plattform eingeladen: Facebook. Man konnte dort stets seinen Senf zu allem dazu geben und Gruppen gründen. Das hat Spaß gemacht. Zwar war ich wieder die einzige Deutsche weit und breit, Kulveens Kommilitonen fanden jedoch Interesse an mir und sammelt sich auch in meiner ersten Fangruppe: Friends of the Asemwald. Heute ist Facebook neben meinem Blog mein Hauptmedium.

Links zu dorischen Seiten im Net

Fortsetzung folgt …

< Teil 1

Pandorische Büchse aus dem Paralleluniversum


Letzte Woche war so einiges los. Auf einem Symposium (Innovationsforum 10) für Social Media wurde ein Vortrag über mich gehalten (Die Diashow zum Vortrag kann man dort runderladen: www.innovationsforum10.de, getwittert wurde auch: #if10) . Meine Lebensgeschichte war das Thema, oder genauer gesagt der Teil meines Lebens welches ich als virtuelle Figur seit meinem Erscheinen vor fünf Jahren geführt habe. Dort waren 150 Marketer die wahrscheinlich nicht mit meiner Autobiographie gerechnet hatten, sie aber eine halbe Stunde über sich ergehen lassen mussten. Einige hat es dann doch interessiert, sie haben mich zu meiner Freude auf Facebook kontaktiert. Ich werde die Präsentation mal an anderer Stelle vorstellen.

Die Hauptfrage des größtenteils von Social Media unberührten Publikums war: Ist Social Media ein Hype? Wird da mal wieder eine neue Sau durchs Dorf gejagt? Ich sag mal: Nein.

Meine These: Social Media ist ein pandorische Büchse.

Wir erleben hier nur den Anfang, zukünftige Generationen werden ein materiell-virtuelles Doppelleben führen. Ich fang am besten mal ganz vorne an um diese These zu stützen.

Direkte und indirekte Kommunikation

In den Anfangstages des Internets nutzten es die meisten um per Chat oder Email direkt miteinander zu kommunizieren. Foren ermöglichten es nicht nur Inhalte im Netz zu publizieren sondern auch zu kommentieren. Blogs kamen Ende der 90er auf und erlaubten Nutzern selbst zu publizieren. Microbloggingsysteme wie Twitter haben das ganze noch schneller und einfacher gemacht. Auch Statusmeldungen auf Social Media-Plattformen erfüllen die selbe Funktion: Man wirft etwas in den virtuellen Raum und wer zuhören will hört zu. Die Kommunikation ist nicht mehr direkt, sie geht ungerichtet ins Netz. Nutzer generieren den Inhalt, Web 2.0. Die virtuelle Öffentlichkeit entstand.

Avatare und Profile

Das Erstellen eines Avatars als digitale Repräsentation eines Kommunizierneden wurde ursprünglich in Spielen eingeführt. Anfang der Achtziger Jahre kamen die MUDs (Multiuser Dungeons) auf in denen viele Spieler gemeinsam in Echtzeit virtuelle Räume ergründen mussten. Hier wurde nie der Anspruch einer authentischen Abbildung der Teilnehmer gestellt. Das änderte sich mit dem Aufkommen der ersten Flirtplattformen. Das dort erstellte Profil entsprach meistens dem erwünschten Bilds des Flirtwilligen. Ob dreidimensional animierte Traumfigur oder Bewerbungsmappenprofil bei Xing, es handelt sich jeweils um ein Abbild – mit unterschiedlichem Abstraktionsgrad vom physischen Original. Seit den ersten Flirtplattformen wurde das Netz für soziale Interaktion genutzt, Social Media entstand. (Mehr dazu im Artikel Avatar – Profil 1:1)

Soziale Netzwerke

Ziel der Flirtplattformen war jedoch stets zwei Menschen zusammen zu bringen. Als im Jahr 2003 die Plattform Friendster es ermöglichte, sich soziale Netzwerke aufzubauen schoss die Zahl der Nutzer in bislang ungeahnte Höhen. MySpace folgte in der Bugwelle des Erfolges von Friendster und 2004 ging Facebook ins Netz. Soziale Netzwerke im materiellen Leben fanden plötzlich ihr Pendant im Netz.

Kommunikation im Netzwerk

Facebook verband den Aufbau virtueller sozialer Netzwerke mit direkter und indirekter Kommunikation. Nun gab es die Möglichkeit kurze Meldungen an eine virtuelle Pinwand zu hängen und mit Freunden zu chatten. Spielchen wie kleine Umfragen animierten die Nutzer sich zu äußern und die Äußerungen anderer zu kommentieren. Der virtuelle soziale Raum wurde mit Kommunikation gefüllt. Das Abbild des einzelnen ist damit nicht mehr nur das angelegte Profil sondern die Summe aller Äußerungen. Die virtuellen Abbilder wachsen über sich hinaus. Kommunikative Phänomene wie Small-Talk finden plötzlich ihr virtuelles Pendant, ein hoch komplexes soziales System mit eigenen Kommunikationsregeln entsteht im Paralleluniversum.

Die Welt im Netz

Google Earth versucht die Welt virtuell nachzubauen, Navigationssysteme berechnen im virtuellen Raum die beste Route zum nächsten Restaurant. Nicht nur Menschen, sondern auch Orte werden ins Paralleluniversum abgebildet. Da der Zugang zu diesem Universum nicht mehr ortsgebunden ist kann überall die lokale virtuelle Welt ergründet werden. Meldet sich ein Nutzer bei einer Plattform wie Foursquare oder Gowalla an einem Ort an ist auch seine Position im Netz abgebildet und somit verfügbar. Diese Plattformen sind heute noch in Deutschland sehr wenig verbreitet, werden aber kommen.

Kurz zusammengefasst: Folgende Faktoren machen den heutigen virtuellen Raum aus.

– direkte Kommunikation (Skype, Email, ICQ, …)
– Avatar oder Profil als digitales Abbild eines Menschen
– Nutzergenerierter Inhalt (Blogs, Flickr, Youtube)
– Aufbau sozialer Netzwerke (Friendster, MySpace, Facebook, LinkedIn, Xing)
– Indirekte Kommunikation: Foren, Statusmeldungen, öffentliche Kommentare, Tweets
– räumliche Abbildung der Welt (Google Earth, Panoramio, Navigationssysteme)
– mobile Internetnutzung (UMTS, iPhone, Blackberry)
– räumliche Abbildung der Nutzer (Foursqaure, Gowalla)

Fazit

Das virtuelle Paralleluniversum wächst in seiner Komplexität dank steter technischer Erweiterung und rapide wachsender Nutzerzahlen. Die Voraussetzung zum Aufbau komplexer sozialer Systeme sind gegeben und werden genutzt, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Die einzige Bremse sind derzeit Datenschutzrechtliche Bedenken und die Angst zum gläsernen Menschen zu werden. Schaut man sich aber den bedenkenlosen Umgang mit diesen Medien jener an, die damit aufwachsen, muss man feststellen das wie immer gilt: Was technisch machbar ist wird irgendwann auch gemacht.

Social Media mag ein Schlagwort sein, doch das wofür es steht wird die Zukunft auf lange Sicht prägen. Die Plattformen werden kommen und gehen und sich weiterentwickeln, sie werden jedoch nicht mehr verschwinden. Wir haben die Büchse der Pandora geöffnet.

Feedbackjunkie


Die Diskussion über die Abstraktionsbereitschaft der Menschheit hat noch ein paar Wendungen genommen auf die ich an anderer Stelle mal eingehen werde. Aber was mich daran freut: Es wird diskutiert. Genau das ist, was ich am Internet als Medium so mag. Man kann seinen Senf dazu geben und den anderer probieren. So können verschiedene Perspektiven aufgezeigt werden, die Meinungshoheit der klassischen Journalisten ist gebrochen. Das bringt – wie ja hinlänglich diskutiert – Vor- und Nachteile.

Wenn ich morgens im Café meine Tageszeitung lese vermisse ich schon die Kommentare, die „Gefällt mir“-Buttons, die Links. Manchmal kommen Diskussionen mit Tischnachbarn auf, aber selten. Von Angesicht zu Angesicht sind die meisten dann doch zu zurückhaltend. Außerdem muss ich dann reagieren, kann nicht einfach weiterscrollen.

Kommentare freuen auch den Autoren. Wenn sie ausbleiben dann freut sich der weniger. Oder er fürchtet die Kritik. Ich gebe zu dass ich ein Feedbackjunkie bin. Ich checke andauernd ob und wie die Welt auf mein Geschreibsel reagiert. Wenn etwas unkommentiert durchgeht frag ich mich ob es überhaupt einer gelesen hat und wenn ja, ob es nicht einfach zu belanglos war. Ich muss aufpassen dass ich mich dann nicht all zu sehr nach der Reaktion des Lesers richte sonst schreib ich nur noch das von dem ich glaube dass es gut ankommt. Dann kann ich den Leser nicht mehr überraschen und es wird – wenngleich gefällig – auch langweilig. Wie immer: Die Mischung macht’s.

Manchmal ist es besonders schön wenn man mal was Neues ausprobiert und es funktioniert. Wenn’s nicht klappt sollte man sich nicht in den Arsch beißen.

PS: Mir kommt da eine Idee: Kommentare auf Post-Its in Café-Zeitungen kleben.

Geekette.


Hab einen neuen Blog gefunden: http://www.imgeek.de/. Hier schreiben veritable Geeks über alles mögliche was sie im Netz so finden. Hat meistens was mit Star Trek oder alten Videospielen zu tun. Eigentlich ist das nichts für Mädchen, es sei denn sie sind schon seit frühster Kindheit massivem Geektum ausgesetzt. Mein Vater hat es erfunden. Er ist mit dem Lötkolben in der Hand aufgewachsen, wurde Elektroingenieur und hat, wie mir manchmal scheint, nur geheiratet um eine neue Generation Geeks in die Welt zu setzen. Von drei Versuchen waren zwei erfolgreich, einer wurde ein Mädchen. Er sah das als Herausforderung an.

Er war fast erfolgreich. Ich hab ein Semester Ingenieurtum betrieben, anfangs ernsthaft. Hat mich dann aber doch nicht glücklich gemacht. Nach der Enttäuschung mit meinem Bruder Frank (Germanistik, Soziologie) blieb dann nur noch Stephan. Der hat den Ingenieurs-Doktor und somit meinen Vater glücklich gemacht. Ich hab dann mit Produktdesign etwas ausreichend artverwandtes gelernt und er akzeptiert sogar dass ich heute lieber bloggerisiere als dass ich neue Produkte entwerfe.

All dem verdanke ich fundierte Kenntnisse in C64-Basic, Lötkolben und Lego Technik, kann Romulaner von Klingonen unterscheiden und verstehe manchmal sogar die dummen Sprüche die Admins immer auf ihren T-Shirts stehen haben (z.B. There’s no place like 127.0.0.1). Würde ich mich im Internet als Geek ausgeben, dann behaupte ich mal ich hätte eine Chance nicht sofort enttarnt zu werden.

Noch eine gute Quelle zum Thema Geektum: http://www.xkcd.com/