Entdeckung der Langsamkeit

Wir Stuttgarter können alles außer Hochdeutsch, zum Beispiel Porsche bauen. Das kann der österreichische Künstler Hannes Langeder auch. In Sachen Emission und Leichtbau ist er uns sogar um Längen voraus. Sein Ferdinand GT3 RS wiegt keine 100 Kilo und lässt einen den Luxus der Langsamkeit erleben. Wer wie ich an einer inoffiziellen Porscheteststrecke zur Erprobung von Motorenlärm beim Berghochfahren (Immenhoferstraße) lebt, weiß dieses Fahrzeug zu schätzen!

ferdinand.johannes-l.net

Zuvor erschienen bei brezel.me

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Freitagseintopf 2010

Mir fällt grad kein guter Text ein. Alter Trick: Darüber schreiben dass mir nichts einfällt. Der Trick funktioniert leider nicht all zu oft, hab ihn schon ein paar mal bemüht. Abkupfern wäre eine Alternative. Dank Wechsel ist das Jahr als solches Topkandidat in der Disziplin des belanglosen Geblubbers. Besinnliche Jahresrückblicke. Die guten Vorsätze und das Sinnieren über deren obligatorisches Scheitern. Ich habe mir letztes Jahr vorgenommen mit dem Rauchen wieder anzufangen. Ist mir gelungen. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen, außer dass es keine gute Idee war.

Sich über das jährliche Sinnieren anderer zu mokieren ist überheblich und setzt der Abgedroschenheit die Krone auf. Lieber reihe ich mich in ihre Reihe ein und schweife nicht vom saisonalen Thema ab. Hier der dorische Jahresrückblick:

Angefangen hat das Jahr etwas müde, ich hab im Januar nicht mal ein Blogeintrag zu Stande gebracht. Im Februar habe ich immerhin eine Geburtstagsparty organisiert. Einige Freunde haben mich zur Feier meines 35. Geburtstags gezeichnet.

Kurz darauf habe ich mit Putte und Martin die Initiative Loch21 gegründet (Artikel), die schnell Anhänger fand und eine prima Alternative zum geplanten Erdbahnhof Stuttgart 21 darstellte. Da aber die Planung für das Loch nicht schon seit 15 Jahren durchgemauschelt wurde, musste das Projekt vorerst mal Stuttgart 21 Plus weichen. Vorteil gegenüber der anderen Alternative K21: Wenn S21+ zu Bauruine 21+ wird, ist ja schon mal ein Grundloch da.

Das Hamburger Abendblatt über Loch 21:

Loch 21: Gründerin Dora Asemwald kritisiert auf kritisch-komische Weise den „inversiven Turmbau zu Babel“. Die Komikfigur Dora hilft ihr dabei. Weiter unten werden Hotpants und Kaffeetassen zur Initiative feilgeboten. www.loch21.de

Schön, dass mir die Comicfigur Dora hilft. Noch schöner, dass die Hamburger hinter meinen Bildern einen greifbaren Menschen vermuten. Lassen wir ihnen den Glauben.

Im März hatte ich zum ersten mal für den Stuttgarter Blog brezel.me geschrieben und wurde bald fest ins Autorenteam aufgenommen. Für den Blog der Initiative Unsere Stadt schreib ich seit dem auch ab und zu.

Im April hatte ich eine Ausstellung in meiner Galerie. Andrea Liebe hat den Raum in ihr Universum verwandelt. Die Vernissage war wild, der Vermieter dann auch. Es war die letzte Ausstellung in meinem Büro, die Galerie hat keinen betretbaren Raum mehr, ist jetzt virtuell wie ich.

Ein Artikel in der Lokalausgabe „Blick vom Fernsehturm“ der Stuttgarter Nachrichten und Zeitung über mich sorgte im Mai dafür, dass ich bei der Businessplattform Xing wegen meiner Virtualität rausgeschmissen wurde. Auch die Gründung der Virtuellen Republik von Iddora hat mir da nicht geholfen. (Artikel bei Brezel). Wir virtuellen werden von den Greifbaren immer noch stark diskriminiert in dem unsere Existenz als solche in Frage gestellt wird.

Seit Mai sammel ich auch ab und zu für den Geekblog I M GEEK Zeug aus dem Internet.

von links nach rechts: Frank, Steff, ich und Martin

Damit das Loch schöner verbreitet werden kann haben ich T-Shirts und Unterbuchsen dazu gemacht die von gecasteten Modells gezeigt werden sollen. Germany’s next Loch-Model Jury hat getagt und wurde fündig. Frank und Steff haben es fotografiert.

Während ich mich zuvor schon satirisch an politische Themen herangewagt hatte, schreib ich seit letztem Sommer dazu auch ernsthaftes Zeugs. Hauptsächlich Bahnhofstieferlegung und die Reaktion der Bürger darauf, aber auch Atomkraft und Terrorangst haben mich echauffiert und somit zum schreiben getrieben.

Ein Rallyeteam hat mich im Juli als Rennleiterin und Namensgeberin ihres Teams ernannt: Dora Asemwald Racing wurde gegründet.

Ich wurde nicht von The Hoff gerettet, habe Kleinmagazinzuchtvereine kennen gelernt, war in einem Flüchtlingslager für Hamster, beim Tag der offenen Tür des Justizvollzugs und habe Lebenslügen verkauft.

Von meinen Urgroßvater im Geiste habe ich im August erfahren, gefunden habe ich ihn aber noch nicht. Carl Auer, der Verleger des nach ihm benannten Verlages ist ebenso wie ich nicht greifbar aber um so aktiver. Ansonsten hab ich die letzten Geheimnisse der Männer gelüftet und Verschwörungen aufgedeckt.

Im September hab ich viel demonstriert und geschrieben, im Oktober auch. Der Blog Der Kessel kocht wurde von Freunden und mir gegründet, aber leider schlecht gefüttert.

Im November hab ich Brezeln in Peking getestet und im Dezember doppelköpfige Vögel auf T-Shirts gedruckt.

Nächstes Jahr wird’s hoffentlich weitere Hemdchen geben, einen Webshop hab ich schon, der muss nur noch befüllt und beworben werden. Das ist aber nur einer von vielen Plänen die ich ausgeheckt habe. Den einen oder anderen werde ich auch umsetzen.

Ich will mich natürlich auch noch bei all denen bedanken, die meine Geschichten gelesen und kommentiert haben, wie zum Beispiel Heide Blum, die selbst auch einen schönen Blog betreibt.

So, der Artikel ist voll. Jahresrückblicke sind wie Freitag in der Kantine, da werden die Reste der Woche als Eintopf verkauft. Wer was Neues von mir erfahren will muss hier am Ball bleiben, denn das nächste Jahr steckt voll toller Geschichten.

Pekingbrezel

Ich war letzte Woche in Peking. Dort bin ich auf eine deutsche Bäckerei gestoßen die Brezeln anbot. Als Reporterin des Brezel-Blogs musste ich gleich was drüber schreiben:

Brezeln sind eine großartige Erfindung, überall auf der Welt kopiert, aber  natürlich nur in ihrer Heimat richtig gebacken. Meistens sind die Arme dick und teigig und der Bauch zu dünn um ihn ordentlich zu buttern. Als anerkanntes Brezelfachmagazin ist es natürlich unsere Pflicht, dem internationalen Brezeltum auf die Finger zu schauen.

Unser erster Brezeltest: Peking. Chinesen kopieren nicht nur Rolex und Louis Vuitton, sie versuchen sich auch an unserer Brezel. Ich setze mich also ins nächst beste Taxi und scheuche den Fahrer wild fuchtelnd durch die Stadt bis wir in der Lucky Street landen. Ein Albtraum nachempfundener Fachwerkromantik. Mitten drin: Die South German Bakery Café Konstanz.

Und dort gibt’s auch Brezeln. Die nette Verkäuferin präsentiert die Wahre, der optische Eindruck ist exzellent. Es gibt sie auch vorgebuttert, mit dem breitesten Grinsen dass ich seit langem gesehen hab. Chinesische Schneidekunst trifft auf deutschte Brezel.

Leider kommt die Brezel nicht frisch aus dem Ofen, sie befindet sich trotzdem auch in den Kategorien Geschmack und Haptik im oberen Mittelfeld der Brezelheimat. Ich bin erschrocken wie weit die Chinesen qualitativ sind, da können die Bayern mit ihren komischen Brezen nicht mehr mithalten.

Optik *****
Geschmack  ****
Konsistenz: ****
(Maximum: *****)
Preis: 4 RNB (ca. 40 Cent), gebuttert: 12 RNB (1,20 €)

www.germanbakery.com.cn

Doragenese 5: Frau Asemwald verbreitet sich

Meine Bekanntheit ist durch die Galerie stark gestiegen, was sich auch im virtuellen Raum widerspiegelte. Immer mehr Menschen kannten mich über Facebook und mein soziales Netzwerk explodierte.

Mittlerweile war ich in meiner Heimatstadt Stuttgart sehr verwurzelt und habe mich auch damit beschäftigt was dort so passiert. Ein Ereignis im physischen Raum schlug große Wellen im virtuellen Stuttgart: Stuttgart21, der Plan den Bahnhof der Stadt unterirdisch zu legen um das Gleisfeld für die Stadtentwicklung zu nutzen. Hört sich ja eigentlich nicht schlecht an, als ich aber genauer hingeschaut hab wurde mir klar dass es sich dabei um ein Wahnsinnsprojekt handelt, das Steuergelder in die Taschen weniger leitet und die Stadt in jahrelanges Chaos führt. Trotz hoher Kommunikationsetats war niemand in der Lage das Projekt sinnvoll zu erklären. Also dachte ich mir ich muss da mal ohne Etat was dagegensetzen und habe die Initiative Loch21 gegründet.

Die Idee war einfach:

Ein CDU-Abgeordneter aus Stuttgart hat vorgeschlagen, ein Loch im Bahnhof zu graben, sodass jeder sehe: Stuttgart 21 ist nicht umkehrbar. Die Idee ist jedoch ausbaubar:
Nehmen wir doch die 6.000.000.000 Euro, die S21 wirklich kosten wird und graben einfach das größte Loch der Welt. Das zieht Touristen an und Stuttgart ist dann bekannt als das Loch in der Mitte Europas. Mit dem Aushub erhöhen wir den Monte Scherbelino und eröffnen ein Skigebiet. Noch mehr Touristen. Noch mehr Geld.

Und hat sofort ein paar Hundert Leute begeistert (derzeit 587)

Ich habe Aufkleber und T-Shirts produzieren lassen um die Initiative sichtbar zu machen. Das Vandalismuspotenzial von Aufklebern wenn sie in die Hände von Chaoten geraten ist mir bewusst, doch der Abriss des Bahnhofs und vieler Bäume im Park sind ja irgendwie auch Vandalismus. Da sind mir Aufkleber noch lieber, erst recht wenn sie um die Welt getragen werden.

Um die Loch-Mode zu verbreiten dachte ich dass wir gute Modefotos brauchen. Also habe ich zusammen mit den Fotografen Frank und Steff ein Casting organisiert um das Gesicht der Initiative zu finden.

Das Casting war fast erfolgreich, das männliche Modell hatte jedoch verschlafen. Auf der Straße haben wir dann mittels Schnellcasting ein wunderbaren Ersatz gefunden.

Wie es mit dem Loch weitergeht kann man ja dann in meinem Blog lesen.

Letztes Jahr hat die Stuttgarter Zeitung einen Blog eröffnet, der nach des Stuttgarters Hauptnahrungsmittel benannt wurde (Nein, nicht Linsen mit Spätzle): brezel. me. Mir hat das gefallen, ich hab stets meinen Senf dazu gegeben. In solchen rauen Mengen dass Brezelmeister Köhler mich kurzerhand ins Autorenteam aufnahm.

Eine Reporterin für den lokalen Teil der Zeitung ist auch über mich gestolpert. Das kommt davon wenn man so heißt wie ein Stuttgarter Vorort und dessen Googleergebnisse verstopft. Sie fand die Geschichte von mir und meinem Entdecker interessant und schrieb darüber.

So schrieb sie auch darüber, dass ich ein Profil bei Xing hätte. Das haben die Xingler natürlich sofort gelesen und mich wegen verdacht auf Virtualität gesperrt. Sie wollten eine Kopie des Personalausweises. Hatte ich keinen. Bin ja virtuell, da gibt’s so was nicht. Staatsbürgerschaft war uns Virtuellen vorbehalten. Ich hab kurzerhand einen Staat gegründet (Virtual Republic of Iddora) und einen Ausweis beantragt. Den Ausweis hab ich bekommen, Xing hat in jedoch nicht akzeptiert. Wenigstens gab’s über die Geschichte einen Artikel auf Stuttgarter Zeitung Online.

Ein T-Shirtshop ist meine jüngste Idee. Jetzt kann man mich auf Klamotten durch die Gegend tragen.

Fußball und Wissenschaftskongresstaschen.

Heute habe ich in Café eine Dame gesehen, die hatte eine Stofftasche mit einem Aufdruck von irgendeinem Wissenschaftskongress dabei. Das sah verdammt intellektuell aus. So eine Tasche will ich auch haben, das unterstreicht meine klugscheißerische Natur ungemein. Da ich ja in der Taschenbranche tätig und auch gut darin bin mir Sachen auszudenken werde ich wohl mal ein schönen Kongress oder ein Symposium erfinden.

Ideen:
12. internationales Fachsymposium für angewandte Doristik.
Weltkongress doristische Kybernetik
8. Symposium dorischer Dialektik

Fussi-WM hat angefangen, ich hab meinen unqualifizierten Senf dazu gleich auf Brezel.mepublik gemacht:

Die WM hat angefangen und alle drehen hohl. Ich habe die Wahl: Nörgeln oder mithohldrehen. Ich dreh mit, auch wenn ich ansonsten dem Fußball indifferent gegenüber stehe. Das sehen viele so. Selbst Burschen die ansonsten ihre Gefühle im tiefsten inneren Keller vergraben halten gehen aus sich raus, jubeln und weinen, lassen alles raus, was sonst so gut unter Verschluss gehalten wurde. Fußball macht’s möglich. Gesellschaftspessimisten echauffieren sich, wittern typisch Deutsches, fordern man möge doch das ganze Jahr den Gefühlen freien Lauf lassen und so weiter und so fort. Stopp! Wenn ich mich schon echauffiere, dann doch bitte über den Schiri oder die Holländer oder so. Ich will weinende Männer sehen! Ich will kollektives Glück! Ich will mit wildfremden Menschen auf der Straße feiern und mich einfach nur freuen. Ich will NICHT jammern, echauffieren, nörgeln, den Untergang der Kultur anmahnen. Ich will aber auch nicht andauernd von Vuvuzelas vollgetrötet werden. Von mir aus können sie die elendigen Lärmtrichter verbieten. Da bin ich jetzt wohl wieder typisch deutsch, aber ich finde alles mal wieder typisch deutsch zu finden ist mal wieder typisch deutsch.

Heute werd ich mit Margherita und der italophilen Kathrin das erste Italienspiel anschauen. Das wird eine Prüfung unserer Freundschaft, die wir aber wahrscheinlich bestehen.

Neues aus der Klotzosphäre.

Neu: mein alter Blog (asemwald.blogspot.com) ist jetzt komplett in mein Tagebuch hier übertragen worden. Viele alte Geschichten aus den letzten drei Jahren gibt’s hier jetzt zu finden.

Ich hab heut noch zwei Artikel in den Brezelblog gestellt:

Sparen lernen mit der Brezel (1)
Leben und Sterben in Stuttgart-Süd (2)

Wenn alles richtig läuft, sollten diese Artikel auch hier in meinem Tagebuch erschienen sein, da ich auch hier mit Importieren rumgespielt hab. Ja ja, der Spieltrieb. Jetzt sind hier ein paar Sachen doppelt. Ich muss wohl mal aufräumen.

Ich bewege mich immer mehr in der Blogosphäre, wie das so schön von Wortcreateuren genannt wird. Bin ein Netizen und so. Solange ich mir keinen roten Iro aufsetzen muss um als Blogette anerkannt zu werden ist das ja noch voll in Ordnung. Ich bin mir auch nicht sicher, ob meine Eigenart Blogs zu vermännlichen meine Professionalität in diesen Gefilden unterstreicht. Es heißt eigentlich das Blog, von Web-Log. Und das Log kommt von Logbuch, das Logbuch. Log heißt aber auch Holzklotz. DER Holzklotz. Kapiert?

Damit ihr mich als Klotzerin glücklich macht, kommentiert die Artikel!