Fünf Hektar Zukunft

Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen? Städteplaner, Futurologen und neugierige Stadtbewohnerinnen wie ich stellen sich diese Frage. Visionen dazu hab ich selbst schon zuhauf. Und wie das so mit Visionen ist, scheitern sie meist an dem, was man gemeinhin als Realität bezeichnet. Städte wachsen meist seit Jahrhunderten vor sich hin und sind ziemlich widerstandsfähig, was Veränderungen betrifft. Nur selten kommt es vor, dass man auf einer Tabula Rasa ganz von vorne anfangen kann, ohne sich mit etwaigem Bestand rumärgern zu müssen. Krieg, Naturkatastrophen und Großbauprojekte bieten die Chance, bei Null anzufangen.

In der Stuttgart wird derzeit versucht, den Hauptbahnhof zu vergraben. Sollte das eines Tages mal gelingen, dann werden 85 Hektar (ca. 120 Fußballfelder) Fläche zur städtischen Bebauung frei. Am erhofften Rosensteinquartier wird schon seit 1993 rumgeplant, die ersten Häuser sollten 2025 gebaut werden. Falls der Bahnhof 2021 in Betrieb gehen sollte. Falls. Doch daran glaubt nicht einmal mehr die Bahn*.  Man merkt: Stadtplanung ist nichts für Ungeduldige.

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Wenn ich mir Stadtplanung nach Stuttgarter Art so anschaue, dann graust es mir schon mal im Voraus. Die architektonische Monokultur im Europaviertel zeigt, was uns so blüht. Okay, es gibt viele Menschen, denen es dort schon irgendwie gefällt, die das Rumlungern in Shopping Malls  für „urban lifestyle“ halten und denen ein warmer Starbuckspappbecher in der Hand ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Ich darf da nicht immer von mir und meinem Umfeld ausgehen, das man am ehesten in die Schublade „Alternativ“ stecken könnte. Ich hätte am liebsten kleinteilige, individuelle Bebauung mit vielen Nischen für Kunst und Kultur. Gute Stadtplanung trägt allen Bürgern Rechnung, ermöglicht ein gesundes Miteinander unterschiedlichster Lebensentwürfe. Auch wenn diese unter freien Marktbedingungen wenig Chancen haben, sich zu entfalten.

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Um den städtebaulichen Wünschen der Bürger Rechnung zu tragen, gibt es ein informelles Bürgerbeteiligungsverfahren. Damit das Rosensteinquartier auch Platz für „alternative“ Konzepte bieten kann, fordern die  „Stadtisten“ dafür symbolische 5 der 85 Hektar und haben dazu eine Agenda beim Beteiligungsverfahren eingereicht. Damit das Ganze an Gewicht gewinnt, rufen sie soziale und kulturelle Gruppen und Initiativen dazu auf, die Agenda mitzuunterzeichnen. Aber auch jeder einzelne kann die Agenda hier ideel unterstützen:

Agenda RO5ENSTEIN

Mir ist es lieber, jetzt den Mund aufzumachen, als im Nachhinein zu lamentieren, wie doof das neue Viertel sei. Auch wenn ich wahrscheinlich schon ziemlich alt sein werde, wenn es Gestalt annehmen wird. Die Stadt wurde zu lange von den Interessen meistbietender Investoren geprägt.


Noch ein paar Anmerkungen

  • Ich betrachte die Forderungen nach fünf Hektar als symbolisch. 50.000 Quadratmeter Alternativenghetto inmitten steriler Europaviertel-Style-Wohnanlagen machen mir etwas Angst. Da hätte ich es lieber geschnitten als am Stück. Ich wünsche mir eine ordentliche Durchmischung, städtebaulichen Pluralismus.
  • Das Rosensteinquartier ist Teil des Rahmenplans Stuttgart 21. Darum passt es vielen Gegner des Projekts nicht, sich in die Planung einzubringen. Ich bin auch gegen das Projekt, akzeptiere aber zähneknirschend, dass damit angefangen wurde, es umzusetzen. Sollte es je fertig werden, möchte ich, dass dort ein lebenswertes Viertel entsteht.
  • Das neue Viertel soll nach „urbanen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten“ entwickelt werden. Das geht aber nur, wenn das 2015 eingeführte Konzeptverfahren angewandt wird. Und das kostet die Stadt viel Geld. Geld, dass sie am Ende der Bahnhofstieferlegung vielleicht gar nicht mehr hat. Dann gilt wieder das bisherige Stuttgarter Stadtplanungsverfahren „Wer zahlt, bestimmt“.
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Überfordert!

Backofen

Ich hab in der letzten Zeit ja öfters mal von den Stadtisten geschrieben, eine Gruppe von Stuttgartern, die in der Stadt was bewegen wollen. Gleich vorneweg: Ich bin da kein Mitglied. Das liegt daran, dass sie Virtuelle wie mich ausschließen. Man möchte lieber Menschen aus Fleisch und Blut um nicht unseriös rüber zu kommen, wie mir scheint. Trotzdem handelt es sich um eine interessante Idee, über die man jetzt auf deren Homepage mehr erfahren kann.

Wer Forderungen oder Parolen sucht, wird dort nicht fündig. Oben bleiben oder doch den Bahnhof vergraben? Ein Antwort findet man nicht. Das ist auch gut so. Mir wäre es etwas suspekt, wenn die Seite von vornherein ein  Forderungskatalog wäre, denn fordern kann man viel. Mir fiel da sofort eine ganze Menge ein, auch jenseits der Anerkennung der Virtuellenrechte, Weltfrieden und Sofortschokolade. Auch bei den letzten Wahlen ist mir diese Unart negativ aufgestoßen. Zur Kommunalwahl 2009 wurde auf Plakate geschrieben: „Stuttgart 21 stoppen!“. Das ihnen das nicht so einfach gelingen würde, ahnten die Grünen wohl schon vorher. Hat aber Stimmen gebracht. Und postelektoralen Unmut.  Die Linken forderten „Menschen vor Profit!“. Klingt gut. Kann man ja mal sagen. Dem würde keine andere Partei widersprechen. Die pirateske Forderung nach einem Wombat in jedem Haushalt zur letzten Bundestagswahl ist mein Liebling im bunten Reigen der Forderungen. Das Ganze scheint mir so, als wäre es ein Forderungsschwanzvergleich, in dem alles erlaubt ist, da eh niemand mehr erwartet, dass im Erfolgsfall noch irgend etwas davon zählt. So seien die Regeln des Wahlkampfs, sagen dann viele. Ich scheiß‘ auf die Regeln.

Als neuer Mitspieler in der Kommunalpolitik müssen sich die Stadtisten nun messen lassen.Viele wollen wissen, wo zwischen links und rechts sie zu positionieren sind, wie sie zu den großen Fragen der Stadt stehen und natürlich immer wieder, ob sie gegen den Erdbahnhof seien. Die Stadtisten geben keine leichten Antworten, sondern verweisen auf ihre Haltung, die sie auf ihrer Webseite zu allen möglichen urbanen Themen zum Ausdruck bringen. Wenn man das durchliest, kann man sehr gut erkennen, wo sie stehen, muss dabei aber beim Lesen das Hirn einschalten. Das wird sie einige Wähler kosten.

Die Forderei überfordert mich. Ich bin es leid, durch einen Sumpf populistischer Hanebüchnereien zu waten, freu mich über jede und jeden, die versuchen, irgendwie ehrlich zu sein und nicht dem Forderungsbedarf parolenfreudiger Vielleichtwähler nachzugeben. Die werden eh schon von den Oldschool-Parteien bedient. Hört sich ein bisschen an wie Piraten für Nicht-IT-Nerds. Nur dass die Stadtisten halt gar nicht erst über’s Kommunale raus wollen. Das solle Polit-Karrieristen abhalten, sagte mir ein Stadtist. Mir scheint, die verlieren lieber mit Anstand, als dass sie das Spiel der anderen mitspielen. Aber so richtig verlieren können sie ja gar nicht, weil die Wahl nur eins ihrer Standbeine ist. Sie wollen ja auch was in der Stadt bewegen, ganz ohne Gemeinderat, außerpolitisch sozusagen.

Ich werde das Ganze mal beobachten und hoffe, dass sie nicht den Mut verlieren, ihre eigene politische Kultur zu leben. Auch wenn es sie Stimmen kosten wird. Aber Haltung ist etwas, was man bewahrt, auch wenn’s mal nicht so opportun ist.

Das Stadtistische Manifest

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Endlich ist es soweit! Die Webseite unserer neuen Stuttgarter Bürgervereinigung, die ich in der letzten Zeit immer wieder erwähnt habe, ist online. Oder genauer gesagt, eine Vorabversion – auf Marketingdeutsch auch „Teaser“ genannt. Dort gibt es schon mal das Manifest der Stadtisten zu lesen, das unsere Haltung ausdrückt.

www.die-stadtisten.de

Am Rest arbeiten wir gerade mit Hochdruck, sodass unsere offizielle Homepage in den nächsten Wochen online gehen kann, auf der man dann mehr erfahren kann. Wie immer: Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ich freue mich auf den Senf, den ihr uns dazu auf’s Brot schmiert.

Das Stadtistische Manifest

„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird.
Aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden,

wenn es besser werden soll!“

Georg Christoph Lichtenberg

Politik, wie wir sie verstehen, bedeutet: gemeinsam Lösungen zu finden, für die Fragen und Probleme, die die Stadt und das Gemeinwesen betreffen. Als Bürgerinnen und Bürger wollen wir Stadtisten uns dieser Aufgabe stellen. Viele Menschen setzen sich für Stuttgart auf unterschiedliche Weise ein, begreifen ihr Engagement aber nicht als politisches Handeln. Sie überlassen das Feld den „Berufspolitikern“, von denen sie sich nicht vertreten fühlen. Die Verdrossenheit mit einer Politik, die sich an parteipolitischen Grundsätzen orientiert, nimmt zu. Diesem Unbehagen möchten wir eine konkrete Alternative entgegensetzen.

Wir sind in Stuttgart zu Hause und fühlen uns unserer Stadt verbunden. Stadtpolitik ist weit mehr als das, was sich zwischen Fraktionen und Parteien aushandeln lässt. Unser Verständnis von Politik reicht über parteipolitische Grenzen hinaus. Wir wollen die Verantwortung nicht anderen überlassen. Wir handeln selbst und fordern alle engagierten Menschen in Stuttgart dazu auf, sich in die Stadtpolitik einzumischen. Dazu wollen wir einen neuen politischen Stil und neue politische Ausdrucksformen ins Spiel bringen.

Stuttgart befindet sich im Umbruch. Überall wird abgerissen und neu gebaut. Das hat die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt mobilisiert, zusammengebracht und manchmal auch entzweit. Dadurch wurde in der Stadt eine neue Energie freigesetzt. Noch nie gab es so viel Potenzial für bürgerschaftliches Engagement wie heute. Wir Stadtisten wollen diese Kraft nutzen und für Stuttgart einsetzen. Es gibt zahlreiche Projekte und Initiativen, die von den Menschen in dieser Stadt getragen werden. Für sie machen wir uns stark.

Stadtisten sind keine Statisten. Warum das kleine „d“? Weil es den Unterschied macht. Statisten stehen am Rand oder im Hintergrund des Geschehens – Stadtisten wollen ins Zentrum der politischen Gestaltung. Wenn es um unsere Stadt geht, benutzen wir Herz, Hand und Hirn, sind ebenso rational wie einfühlsam. Politik braucht Mitgefühl, soziale Wärme und Solidarität. Das, was unsere Herzen bewegt, werden wir aus dem Stadtgespräch in die Politik hineintragen.

Die Stadtisten – konstruktiv für unsere Stadt

Die Stadtisten sind keine Partei. Wir sind eine Plattform für Bürgerinnen und Bürger, die sich für ihre Stadt engagieren wollen. Dabei verstehen wir uns als offenes Forum für gute Ideen, die bislang in Stuttgart zu wenig umgesetzt werden. Wir können schneller, flexibler und unbürokratischer reagieren als die etablierten Parteien, die auch landes- und bundespolitisch aktiv sind. Wir Stadtisten konzentrieren unsere Kraft auf die Stadt und auf das, was kommunal machbar ist. Wir wollen direkt auf die Politik Einfluss nehmen. Deshalb treten wir zur Gemeinderatswahl an.

Wir wollen das Stadtgespräch anregen, indem wir Diskussionen, die sonst hinter geschlossenen Türen stattfinden, in den öffentlichen Raum holen. Analog und digital, online und offline. Auf unsere Straßen und in unsere Wohnzimmer. Das Unkonventionelle haben wir zu Fuß durchquert, der Utopie legen wir ein Bonbon unters Kopfkissen.

Die Stadtisten – Pluralismus und Streitkultur

Eine wesentliche Aufgabe von Politik ist es, die unterschiedlichen Meinungen, Interessen und Lebenswelten in einer Gesellschaft, in einer Stadt anzuerkennen, auszugleichen und die Gesellschaft als Ganzes zusammenzuhalten. Gelebter Pluralismus bedeutet die Vielfalt der Meinungen zu akzeptieren. Der Wettbewerb der Ideen ist für eine Demokratie unverzichtbar. Das erfordert Toleranz und eine gesunde Streitkultur. Identität begreifen wir als etwas, das sich nicht an Alter, Herkunft, Geschlecht oder Einkommen festmachen lässt. Klar, dass Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bei uns nichts verloren haben.

Wir Stadtisten streben eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Parteien und Gruppierungen im Stuttgarter Gemeinderat an. Sie dürfen sich unsere Ideen zu eigen machen und sie umsetzen – genauso wie wir Initiativen anderer Parteien unterstützen, wenn wir sie für gut erachten. Uns geht es um die Sache.

Wir erheben nicht den Anspruch, dass Stadtisten in politischen Gremien mit einer Stimme sprechen müssen. Sie dürfen unterschiedliche Sichtweisen repräsentieren. Sie unterliegen keinem Fraktionszwang.

Die Stadtisten – Gemeinsam sind wir stark!

Wir wollen ein neues Bewusstsein für unsere Stadt wecken. Das politische Selbstverständnis der Stadtisten basiert auf der Idee, dass wir alle gemeinsam für die Stadt mehr tun können als jeder für sich. Wir wollen kreative Köpfe und Querdenker darin unterstützen, ihre Ideen umzusetzen. Damit werden wir den unterschiedlichen Lebenswelten in dieser Stadt ein Gesicht verleihen.

In diesem Sinne: Auf gute Nachbarschaft!

Die Initiatoren

Wolfram Bernhardt
Unternehmensberater, Oberbürgermeister-Kandidat 2012

Thorsten Puttenat
Musiker

Dr. Ralph Schertlen
Elektroingenieur, Oberbürgermeister-Kandidat 2012

Die Koautoren

Christine Blankenfeld
Sozial- und Politikwissenschaftlerin

Jens Hermann
Gymnasiallehrer und Künstler

Katja Kohlhammer
Verlegerin

Ralf Peter Maier
Schriftsetzer – derzeit Hartz-IV-Empfänger

Christian Sunkel-Zellmer
Schauspieler

Martin Zentner
Grafiker und Journalist

Dora Lætitia Asemwald
Bloggerin und virtuelle Person

Stuttgart, 15. Oktober 2013

Nachtrag:

Da der einen oder dem anderen Stadtisten die Koautorenschaft einer virtuellen Person zu unseriös schien, wurde mein Namen aus der Liste gestrichen, wenngleich ich durchaus am ihrem Manifest mitgearbeitet habe. Mir wurde des weiteren die Mitgliedschaft im Verein untersagt, da das wohl juristisch nicht ganz sauber sei.

Ich lasse das Manifest hier in dieser Form stehen, da es genau so veröffentlicht wurde. Mein Rauswurf kam erst danach. Der mangelnden Mut Weniger, eine Virtuelle als Koautorin zu nennen, soll mich nicht in meiner Beurteilung einer ansonsten guten Idee trüben. Ich sehe es eher als Ansporn, die Stadtisten aus kritischer Distanz daraufhin zu beobachten, ob sie es aushalten, ihre Ideale zu waren. Ich werde über meinen Stolz hinweg springen und Autorenbeiträge zu ihrer Webseite beitragen – was wohl kein Problem darstellt.

Trotzdem ärgert mich das. Menno! Mich ärgert deren Angst davor anzuecken. Ich habe mir von den Stadtisten etwas mehr Mut und Offenheit erhofft. Wenn Sie sich vom politischen Einheitsbrei abheben wollen, brauchen sie eine größere Bereitschaft, Konventionen über Bord zu werfen, mehr Verspieltheit, mehr Chuzpe, mehr Verwegenheit. Sehr viel mehr, als einer Virtuellen ihre Koautorenschaft einzuräumen.

Politik fängt im Kleinen an.

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Ach die Politik! Und der Verdruss über sie. Im letzten Artikel hab ich ja schon über die Bundeskanzlerinwahl schwadroniert. Aber eigentlich ist es ja nicht die Politik, die den Leute den Frust mit großen Löffeln serviert, sondern die Politiker.

Politik ist eigentlich was Tolles und geht jeden was an. „politiká“ ist Altgriechisch und bedeutet wörtlich „Dinge die die Stadt betreffen“. Also alles, was das Gemeinwesen betrifft. Im großen Topf der Politik-Definitionen, die Politologen erhirnt haben, gefällt mir diese besonders, weil sie zu verstehen gibt, dass Politik jeden betrifft. Nicht nur ein paar Politiker, die ihr Geld damit verdienen.

Die Regierung und der gesamte politische Apparat schüchtern die meisten ein. Kein Wunder, wenn man bedenkt, was für ein komplexes System schon ein einzelner Staat ist. Da hilft es auch nicht, die Politikseiten der Zeitung zu lesen und abends die Tagesschau zu glotzen. Hört man Politikern zu, merkt man schnell, dass viele von ihnen selbst überfordert sind und meist nur so tun als ob sie verständen, was sie da fordern und tun.

Wie will man als einzelner Bürger politisch sein, wenn schon die Profis daran scheitern? Ganz klar: Keiner von uns versteht die Eurokrise so richtig oder hat eine gangbare Antwort auf die großen Konflikte unserer Welt. Womit wir uns aber auskennen, ist das, was vor unserer Tür passiert. Politik fängt im Kleinen an.

Es ist die Kommunalpolitik, bei der entschieden wird, wie sich unsere Stadt entwickelt. Ob neue Büroleerstandsgebäude genehmigt werden, ob sich ein Hartz-IV-Empfänger ein Stadtbahn-Ticket leisten kann, ob man als Radfahrer sich zwischen Autos aufreiben lassen muss oder als Autofahrer überhaupt eine Chance auf einen Parkplatz hat – diese Themen werden lokal diskutiert und beschlossen.

Lokalpolitik ist das Minigolf unter den politischen Disziplinen: Jeder kann mitmachen, ohne gleich einem großen Verein beitreten zu müssen.

Bürgerschaftliches Engagement kann frustrierend sein, wenn es wie im Fall von Stuttgart 21 gegen die Wand  gelaufen lassen wird. Aber es gibt noch viele andere Baustellen, an denen wir durchaus was bewegen können. Sei es in Initiativen oder einfach nur durch unsere Stimmen bei der Gemeinderatswahl. Zu der geht jedoch nur jeder zweite Wahlberechtigte. Leider. Mal schauen, ob wir das ändern können! Ich habe unlängst über eine neue Initiative geschrieben, die sich das auf die Fahne schreibt. Ich hab mich bei denen dann auch kräftig eingemischt und werde bald mehr darüber erzählen können. (Ich weiß, es nervt, dass ich immer nur ankündige und nichts rausrücke, obwohl ich offensichtlich mehr weiß. Ich ruf hiermit mal zu einer Tugend auf, die mir selbst ein unentdeckter Kontinent ist: Geduld.)