Ein freundliches Lächeln für die Welt

Dora-Schmuckkörbchen

Vorgestern hatte ich zum Internationalen Tag der Nettigkeit aufgerufen – unwissend, dass es  schon einen Welt-Nettigkeitstag gibt. Der ist am 13. November und wurde von der japanischen Nettigkeitsbewegung im Jahr 1998 ins Leben gerufen. Ihr Rädelsführer Wataru Mori war der Meinung, dass eine kritische Masse kleiner Nettigkeiten die Welt verbessern kann.  1999 wurde das Schmuckkörbchen zur offiziellen Blume der Organisation ernannt. Es gibt einen Batzen nationale Untergruppen, jedoch keine in Deutschland.

Da ich weder eine offizielle Organisationsblume noch eine Organisation habe, die sich der Nettigkeitsverbreitung verschrieben hat, kann mein Aufruf natürlich nicht gegen den „offiziellen“ Nettigkeitstag anstinken. Aber wenn die Profinettigkeitsbeauftragten so nett sind, wie sie vorgeben zu sein, werden sie es mir verzeihen.

Nichts desto Trotz hat mein Aufruf gefruchtet, zumindest in der virtuellen Welt. Selten war eine so versöhnliche Stimmung in meinem direkten Facebookumfeld wie gestern – Leute vergaßen vor lauter Virtuellkuschelei, dass sie sich eigentlich gegenseitig die Fresse polieren wollten.  Ich hatte sogar fast das Gefühl, das sich weniger empört wurde.

Wir sind empathische Wesen. Die emotionale Empathie lässt uns fühlen, was andere fühlen – ein Phänomen, das man Mitgefühl nennt. Wir sind wie Schwämme, die die Stimmung um uns herum aufsaugen. Ob wir wollen oder nicht. Wir passen uns der Welt an, die wir wahrnehmen. Oder genauer gesagt, dem winzigen Ausschnitt, den wir überhaupt wahrnehmen können. Wir bauen sie aus den Materialien, die wir in unserer Umgebung auffinden. Begegnet man uns freundlich, dann verschönert sich unsere Welt und wir geben es weiter.

Das funktioniert leider auch andersrum: Die Nachrichten pumpen uns voll mit Bildern von Krieg und Elend, die sozialen Medien sind verseucht mit unreflektierter Empörung über eine vermeintlich böse Welt voll Terroristen, Chemtrails und der kapitalistischen Ausbeutung der Massen. Dadurch wird die Welt noch viel düsterer. Bitte nicht falsch verstehen: Eine kritische Haltung ist wichtig! Wenn diese aber nur über Empörung zu Verbitterung führt, wird sie krankhaft. Wir alle wissen, dass das Leben kein Ponyhof ist. Warum müssen wir uns auch noch im Elend suhlen?

Zurück zur Nettigkeit, bevor ich mich zu sehr über die Empörung empör – der werde ich ein andermal zu Leibe rücken. Jeder von uns hat die Möglichkeit, dem Elend entgegenzuwirken. Ein freundliches Lächeln reicht oft schon. Zeige den Menschen die du magst, dass sie wertvoll sind. Und ignoriere höflich die Arschkrampen. Es macht die Welt nicht runder, wenn du ihnen ans Schienbein trittst. Sei nicht einfach nur nett, damit du nicht aneckst. Dieses Nett ist die kleine Schwester von Scheiße.  Schau dir deine Mitmenschen mit kritischem, aber liebevollem Blick an, und du wirst entdecken, was du an ihnen magst. Dann zeig es ihnen!

Die Welt ist so schön, wie wir sie uns machen. Und ich habe beschlossen, in einer netten Welt zu leben.

http://www.theworldkindnessmovement.org/

 

Das Weltböse ans Bein binden

Ein Nachteil des Medienrummels um königliche Hochzeiten: Die Kommentare all jener, die die Welt als Spielplatz der großen, bösen Ausbeuter sehen und sich zum Anwalt aller unterdrückten Völker berufen fühlen. Für sie ist Monarchie ein Teufel, der Jahrhunderte seine Untertanen ausblutete und deren öffentliche Inszenierung ein Affront für jeden guten Demokraten und Menschenrechtler sei. Dass mehr als eine Milliarden Menschen dieser Hochzeit medial beiwohnten zeigt, dass die große Show Royal  dem „Volk“ gefällt. So viel zur Demokratie.

Wenn man nur will, findet man in allem das Böse – insbesondere da, wo Geld oder Macht sich anhäuft. Welche Völker unterjocht William? Über welche Leichen geht Kate? Sicherlich gibt’s da welche, bedenkt man das unser Wohlstand auf der Ausbeutung der dritten Welt fußt. Ich finde eine kritische Haltung gegenüber der Welt durchaus angebracht, aber hinter allem immer gleich das Böse sehen? Findet man ein Hochzeitsfoto auf der Titelseite seiner Zeitung, schwillt die Empörung auf ein bedrohliches Maß an. Solange Menschen in Libyen oder sonst wo sterben sei es verwerflich, etwas so profanes wie eine Hochzeit hervorzuheben.

Muss man sich eigentlich fortwährend in der Schlechtheit der Welt wälzen? Ist jede andere Sichtweise gleich oberflächlich? Apropos Oberfläche: Ich komm da bisweilen gerne mal hin beim Schwimmen, denn da ist die Luft. Die Zwangsmissepeter binden sich das Weltböse wie ein Stein ans Bein und beweisen Tiefgang. Ohne mich. Dadurch, dass sie ihre Mitmenschen zur Betroffenheit mahnen, wird die Welt nicht besser. Eher noch schlimmer, weil Verbitterung und Misanthropie das Umfeld dieser Menschen verfinstert. Es hat nichts mit Ignoranz zu tun, wenn man sich ab und zu mal profaneren Themen hingibt. Nur Masochisten beschäftigen sich stets mit dem Übel ihrer Welt. Wenn sie so glücklich werden, dann sollen sie das tun. Aber bitte mir nicht mit dem erhobenen Zeigefinger im Gesicht rumfuchteln.