Atomkraft? Nicht schon wieder!

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Europa find ich schon okay. Die EU hat bisweilen etwas Leerstand im Tassenschrank, wenn man sich die eine oder andere Verordnung aus Brüssel genauer anschaut. Aber im Grundsatz find ich es richtig, das die europäischen Länder gemeinsam an einem Strang ziehen, auch eine gemeinsame Währung halte ich für richtig. Wo der Spaß aufhört, wurde mir heute klar, als ich in die Zeitung schaute:

„Brüssel will Bau von Atomkraftwerken erleichtern“

So titelt die Süddeutsche Zeitung. Weiter im Text:

„Die Regierungen der europäischen Länder sollen künftig leichter Unternehmen subventionieren können, die Atomkraftwerke bauen und betreiben. Der Ausbau der nuklearen Energieerzeugung sei ein Ziel der Europäischen Union, heißt es zur Begründung in dem Entwurf der neuen Beihilferichtlinie von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.“

Da bleibt mir die Spucke weg. Unsere Regierung habe sich schon dagegen ausgesprochen, EU-Energiekommissar Oettinger hat sich noch nicht dazu geäußert.  Wir reißen uns hier den Allerwertesten auf, um die Energiewende zu vollziehen und endlich von dieser schrecklichen Energiequelle loszukommen, und irgendwelche Vollpfosten in Brüssel wollen Atomkraft auch noch fördern! Ich werde hier jetzt nicht weiter über dieses Übel referieren, das habe ich an anderen Stellen schon zur genüge getan.

Ich halte es da wie die taz, auf deren Anti-Atomkraft-Sonnen-Aufkleber steht: „Atomkraft? Nicht schon wieder!“

„Hast du einen Opa, dann schick ihn nach Europa“, ist ein alter Witz, aber leider wahr. Ein beträchtlicher Anteil unserer Gesetze werden auf europäischer Ebene beschlossen, trotzdem interessiert sich hier niemand für das Europaparlament. In Ungnade gefallene Politiker werden „nach Europa“ abgeschoben, EU-Wahlen haben katastrophale Wahlbeteiligungen, so gut wie keiner weiß, wer da was zu sagen hat und wie das alles so funktioniert. Eigentlich müssten wir unsere besten Leute nach Brüssel schicken. Aber dann frag ich mich wieder: Wer sind denn unsere besten Leute? Sind unsere Bundespolitiker so viel besser? Nun gut, immerhin hat selbst Mutti Merkel kapiert (kapieren müssen?), dass Atomkraft abgeschafft gehört.

 

Don’t be a maybe

Pulp-Dora-rauch-

Heute hat mir eine Freundin erzählt, die EU wolle Mentholzigaretten verbieten. Menthol würde die Zigarette für Einsteiger geschmeidig machen und wäre somit verführerisch für jene, die mit dem Rauchen liebäugeln, jedoch Lungenbrecher wie Gitanes fürchteten. Im selben Zuge sollen Zigaretten eine Mindestdicke von 7,5mm haben, was das Aus für die Damenzigarette wäre.

Das hört sich nach einen klaren Schritt zu „Wenn schon, denn schon“ an und geht wie immer nicht weit genug. Cocktails versüßen den beissenden Geschmack des Alkohols und werden als erstes verboten. Bier und Wein? Viel zu süffig, klarer Fall von Abschaffen. Wer Alkohol will, soll bitte nicht unter 40% anfangen. Nur was ordentlich brennt, darf sich der angehende Alkoholkonsument in den Rachen schütten. Endlich werden auch alle Light-Produkte aus den Regalen verschwinden, die Vollmilchpflicht wird eingeführt und Wurst bekommt einen Mindestfettgehalt. Sportwägen dürfen keine Stoßdämpfer mehr haben und Fahrassistenzsysteme wie ABS kommen ebenso auf die schwarze Liste wie kleinkalibrige Waffen. Rote und blaue Skipisten werden gesperrt, im Schwimmbad wird nur noch das 10m Sprungbrett geöffnet. Und nicht vergessen: Kondome erleichtern den Einstieg in die Promiskuität – also weg damit! Aller Anfang ist hart, und wer sich selbst zerstören will, soll es bitte mit Schmackes tun. Das Europa der Zukunft ist nichts für Unentschlossene. Wie Marlboro schon in vorauseilendem Gehorsam wirbt: Don’t be a maybe.

PS.
Altkanzler Schmidt wird wohl sein Plädoyer, welches er beim letzten Parteitag für die EU gehalten hat, im Halse stecken bleiben. Es sei denn, für ihn gibt es eine Sondermentholgenehmigung. Ansonsten bleibt ihm nur das Auswandern ins zukünftige Menthol-Mekka Schweiz.