Not in our Name, Marke Heusteigviertel

Gläser-Heusteigviertel

Das mit der Gentrifizierung geht jetzt aber echt zu weit! Nicht nur die Mieten im Creative-Class-Ansiedlungsgebiet Heusteigviertel sind nur noch von Yuppies und Dinks zu bezahlen, sondern auch die Fanartikel. Ich schrei mal ganz laut: „Not in our name!“, packe die Klobürste aus und mutiere zur roten Dora.

Mal im Ernst: Die Schneiderin gegenüber muss in den postgentrifizierten Stuttgarter Westen flüchten, weil das Haus verkauft wurde. Das Libero – weg!,  aus gleichem Grund. Anna’s Treff musste einem neuen Gastronomiekonzept weichen, und so weiter und so fort. Ich bin dankbar, dass der ehemalige Metzger Briem, der mir meine Galerie vermietet, wohl noch nie was von Gentrifizierung gehört hat (Metzgerei: Urtümliche Form von Supermarktfleischtheke, in einem eigenen Laden untergebracht). Hoffentlich bleibt er auf diesem Ohr taub. Auch krass: Im Nachbarblock hat sich einer eine 140qm-Wohnung gekauft, damit er hier schlafen kann, wenn er nach dem Hochkulturbesuch nachts nicht auf die Alb in seine Villa zurückfahren muss.

Tipp: Ich locke Flaschensammler mit meinen alten Bierflaschen, die ich an den Straßenrand stelle, ins Viertel, um soziale Durchmischung vorzutäuschen. Soll sich die internationale Business-Elite doch in die Gated Community auf Wolke 7 verziehen.

Noch ein paar Ideen:

  • Dosenfruchtcocktail mit Karamellpudding, lieblos auf die Straße geschüttet und Kunstblutflecken geben dem Viertel die richtige Würze.
  •  Auf der Straße mit anderen lauthals in fremden – gerne auch erfundenen – Sprachen reden sorgt für Multikultiflair.
  • Rote Glühbirnen im Wohnzimmer suggerieren … ihr wisst ja schon.

Wenn ihr weitere gute Ideen habt, wie man antipotemkinsche Dörfer bauen kann: Her damit!

Fluthilfe für’s Galao

20140318_The big Save Galao revue_0001

Gentrifizierung, der Tsunami der urbanen Entwicklung. Man kann sie nicht aufhalten. Man sollte an erhöhte Orte fliehen und nicht im Talkessel bleiben. In Stuttgart hat sie letztes Jahr das Libero weggeschwemmt, die UHU-Bar ist als nächstes dran. Häuser werden verkauft, saniert und die Wohnungen so teuer wie möglich verhökert. Kneipen, die die Viertel erst belebt und damit für Attraktivität – sprich höhere Mietpreise – gesorgt haben, können nicht mithalten oder sind erst gar nicht erwünscht. Wer will schon eine Wohnung für Unsummen kaufen, wenn nachts Gäste lärmen?

Unmittelbar bedroht: Das Galao, inmitten des Überschwemmungsgebiets Tübinger Straße und Marienplatz. Das Haus wird verkauft, die Kündigung droht. Wirt und Kulturbürgermeister der Herzen Reiner Bocka sieht nur einen Ausweg: den Laden selber kaufen. Mit Hilfe von Privatkrediten, Spenden und Crowdfunding. Da das Galao eine Menge glückliche Gäste hat, ist dadurch schon einiges zusammen gekommen. Jedoch noch nicht genug. Also: Helft mit!

Spendenkonto: Reiner Bocka IBAN DE45600501017869070023

www.startnext.de/galao4ever

Die Stadtisten haben eine kurze Reportage über das Galao gemacht:

Letzten Montag gab es im Merlin eine große Spendensammlerparty, bei der ein ganzer Haufen Bands gespielt haben. Hier noch ein paar Fotos von der tollen „the big ‚Save Galao‘ Revue“:

Galao4ever from Cafe Galao on Vimeo.

galao foundation song von TWO WOODEN STONES from Cafe Galao on Vimeo.

galao foundation song alin coen from Cafe Galao on Vimeo.

Wohnen ist out.

heusteig-LivingWohnst du noch oder livst du schon? Einfach nur wohnen ist total out. Erst recht im Gentrifidingsmbums-Vorzeigeviertel Stuttgarts, wo die Cayennes vor den Bioläden die Bürgersteige blockieren (und virtuelle Frauen in Galerien rumsitzen und über eben jene Gentrifizierung bloggen). Ebenso virtuell wie ich ist das Werbevideo, welches die schöne neue Livingwelt 3d-animiert darstellt. Nicht dargestellt: Die Hauptstätter Straße – die übrigens nicht mit der Landeshauptstadt, sondern ihren Namen der früheren Hinrichtungsstätte am Wilhelmsplatz verdankt. Heute hängt hier keiner mehr am Galgen, sondern eher im Stau. Abgas und Lärm waren bislang die wirksamsten Verhinderer der Gentrifizierung, die erst eine Straße weiter oben Einzug gehalten hat. Bei der bestehenden Wohnungsnot und der Bereitschaft gutverdienender Abteilungsleiter der lokalen Konzerne Unsummen für Urban Lifestyle mit handtuchgroßen, heckenparzellierten Gärtchen zu bezahlen, habe ich keine Sorge, dass der Leerstand der Stadt erweitert wird. Ich bin ja froh, dass nicht noch mehr nutzlose Bürofläche hochgezogen wird. Wenn es die Stadt jetzt noch schafft, dass auch bezahlbarer Wohnraum gebaut wird, damit nach einem verpatzten Verhütungsversuch nicht der Auszug aus der Stadt droht, dann wäre ich noch ein großes Bisschen froher.

http://www.bietigheimer-wohnbau.de/heusteig-living

Baustellenbilder in der Stuttgarter Zeitung:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.baustellen-in-stuttgart-die-heusteig-living-baustelle-an-der-hauptstaetter-strasse.bfede9cf-817c-4773-bbd2-394c394a1262.html