Superheldin gesucht

Catwoman-zu-verschenken

Superhelden haben’s auch nicht mehr so leicht.  Die Zeiten, in denen man sich einfach ein Cape übergeworfen und mal schnell die Welt gerettet hat, sind vorbei.  Nachtflugverbote, Brandschutzverordnungen, Sondersteuern und EU-Richtlinien verleiden einem den Kampf gegen das Böse. Kein Wunder also, dass ich heute beim Durchs-Viertel-Schlawenzeln eine Katzenmaske in einer Verschenkkiste entdeckt habe.    Die lokale Cat-Woman hat wohl das Handtuch ins Korn geworfen und hofft darauf, über die Kiste eine Nachfolgerin zu finden. Wie zum Beispiel mich. Katzesque über die Dächer des Heusteigviertels zu schleichen hört sich ja nicht unsexi an. Aber. Aber? Aber! Dann ist ja auch noch das mit dem Verbrecher jagen. Ich müsste mich mit allen Schlawinern und Schurken des Viertels kloppen. Außer Falschparken und Mietwucher geschieht hier kriminalistisch jedoch nicht sooo viel. Der letzte Mörder hier hat sich sogar selbst gestellt. Ich würde wohl eher den ganzen Tag auf dem Dach lümmeln und warten, bis das Katzenfutter kommt. Klingt nicht so spannend, lass ich mal lieber bleiben.  Aber mal schauen, ob sich eine findet, die die Maske mitnimmt und dafür sorgt, dass es hier so friedlich bleibt.

Katzdora

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Not in our Name, Marke Heusteigviertel

Gläser-Heusteigviertel

Das mit der Gentrifizierung geht jetzt aber echt zu weit! Nicht nur die Mieten im Creative-Class-Ansiedlungsgebiet Heusteigviertel sind nur noch von Yuppies und Dinks zu bezahlen, sondern auch die Fanartikel. Ich schrei mal ganz laut: „Not in our name!“, packe die Klobürste aus und mutiere zur roten Dora.

Mal im Ernst: Die Schneiderin gegenüber muss in den postgentrifizierten Stuttgarter Westen flüchten, weil das Haus verkauft wurde. Das Libero – weg!,  aus gleichem Grund. Anna’s Treff musste einem neuen Gastronomiekonzept weichen, und so weiter und so fort. Ich bin dankbar, dass der ehemalige Metzger Briem, der mir meine Galerie vermietet, wohl noch nie was von Gentrifizierung gehört hat (Metzgerei: Urtümliche Form von Supermarktfleischtheke, in einem eigenen Laden untergebracht). Hoffentlich bleibt er auf diesem Ohr taub. Auch krass: Im Nachbarblock hat sich einer eine 140qm-Wohnung gekauft, damit er hier schlafen kann, wenn er nach dem Hochkulturbesuch nachts nicht auf die Alb in seine Villa zurückfahren muss.

Tipp: Ich locke Flaschensammler mit meinen alten Bierflaschen, die ich an den Straßenrand stelle, ins Viertel, um soziale Durchmischung vorzutäuschen. Soll sich die internationale Business-Elite doch in die Gated Community auf Wolke 7 verziehen.

Noch ein paar Ideen:

  • Dosenfruchtcocktail mit Karamellpudding, lieblos auf die Straße geschüttet und Kunstblutflecken geben dem Viertel die richtige Würze.
  •  Auf der Straße mit anderen lauthals in fremden – gerne auch erfundenen – Sprachen reden sorgt für Multikultiflair.
  • Rote Glühbirnen im Wohnzimmer suggerieren … ihr wisst ja schon.

Wenn ihr weitere gute Ideen habt, wie man antipotemkinsche Dörfer bauen kann: Her damit!

Wohnen ist out.

heusteig-LivingWohnst du noch oder livst du schon? Einfach nur wohnen ist total out. Erst recht im Gentrifidingsmbums-Vorzeigeviertel Stuttgarts, wo die Cayennes vor den Bioläden die Bürgersteige blockieren (und virtuelle Frauen in Galerien rumsitzen und über eben jene Gentrifizierung bloggen). Ebenso virtuell wie ich ist das Werbevideo, welches die schöne neue Livingwelt 3d-animiert darstellt. Nicht dargestellt: Die Hauptstätter Straße – die übrigens nicht mit der Landeshauptstadt, sondern ihren Namen der früheren Hinrichtungsstätte am Wilhelmsplatz verdankt. Heute hängt hier keiner mehr am Galgen, sondern eher im Stau. Abgas und Lärm waren bislang die wirksamsten Verhinderer der Gentrifizierung, die erst eine Straße weiter oben Einzug gehalten hat. Bei der bestehenden Wohnungsnot und der Bereitschaft gutverdienender Abteilungsleiter der lokalen Konzerne Unsummen für Urban Lifestyle mit handtuchgroßen, heckenparzellierten Gärtchen zu bezahlen, habe ich keine Sorge, dass der Leerstand der Stadt erweitert wird. Ich bin ja froh, dass nicht noch mehr nutzlose Bürofläche hochgezogen wird. Wenn es die Stadt jetzt noch schafft, dass auch bezahlbarer Wohnraum gebaut wird, damit nach einem verpatzten Verhütungsversuch nicht der Auszug aus der Stadt droht, dann wäre ich noch ein großes Bisschen froher.

http://www.bietigheimer-wohnbau.de/heusteig-living

Baustellenbilder in der Stuttgarter Zeitung:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.baustellen-in-stuttgart-die-heusteig-living-baustelle-an-der-hauptstaetter-strasse.bfede9cf-817c-4773-bbd2-394c394a1262.html

 

Ein schöner Herbsttag

Noch einen für die Brezel:

Es ist schön, wenn an einem Herbsttag wie heute noch mal die Sonne rauskommt. Das dachten sich auch die Einwohner des Heusteigviertels und kamen raus aufs Heusteigviertelfest. Die Bigband musste ordentlich bechern damit die Finger schön warm blieben. Mein Tipp: Packt eure Jacken und Decken und kommt auch auf den Mozartplatz! Gleich spielen dort Jazzeel, es gibt Weißwürste und andere warme Speisen. Man muss die letzten schönen Tage nutzen, bevor der Winter wieder kommt!

Rutsche ins Grab

Hab heute was über den Rumpelpumpel-Spieli am Fangelsbachfriedhof direkt vor meinem Fenster geschrieben:

http://www.brezel.me/2010/05/26/leben-und-sterben-in-stuttgart-sud/

Kein Scheiß, der ist echt von Ikea gesponsort, wie man auf einem vom Kinderhand gemalten Schild lesen kann. Seit der abgezäunte Spielplatz das Hundeklo zum Großteil belegt, scheißen die Hunde auf die verbleibenden 5 Quadratmeter des Grünstreifens. Von unserem Balkon aus beobachte ich nachts immer das Treffen der Hundeausführer, die sich unterhalten während ihre Köter den Wald düngen.

Leben und Sterben in Stuttgart-Süd

Alles hat ein Ende, auch das Leben im schönen Stuttgarter Süden. Das lernt der junge Heusteigviertler schon früh. Zum Beispiel auf dem Rumpelpumpel-Spieli. Der ist nicht nur „sponsored by Ikea“, wie man an der Rutsche unschwer erkennen kann, sondern bietet auch Friedhofsblick. Auf dem kleinen Grünstreifen zwischen Cottastraße und dem pittoresken Fangelsbachfriedhof ertönt heut freudig Kindsgeschrei wo einst der Hund drauf schiss.