Das Weltböse ans Bein binden

Ein Nachteil des Medienrummels um königliche Hochzeiten: Die Kommentare all jener, die die Welt als Spielplatz der großen, bösen Ausbeuter sehen und sich zum Anwalt aller unterdrückten Völker berufen fühlen. Für sie ist Monarchie ein Teufel, der Jahrhunderte seine Untertanen ausblutete und deren öffentliche Inszenierung ein Affront für jeden guten Demokraten und Menschenrechtler sei. Dass mehr als eine Milliarden Menschen dieser Hochzeit medial beiwohnten zeigt, dass die große Show Royal  dem „Volk“ gefällt. So viel zur Demokratie.

Wenn man nur will, findet man in allem das Böse – insbesondere da, wo Geld oder Macht sich anhäuft. Welche Völker unterjocht William? Über welche Leichen geht Kate? Sicherlich gibt’s da welche, bedenkt man das unser Wohlstand auf der Ausbeutung der dritten Welt fußt. Ich finde eine kritische Haltung gegenüber der Welt durchaus angebracht, aber hinter allem immer gleich das Böse sehen? Findet man ein Hochzeitsfoto auf der Titelseite seiner Zeitung, schwillt die Empörung auf ein bedrohliches Maß an. Solange Menschen in Libyen oder sonst wo sterben sei es verwerflich, etwas so profanes wie eine Hochzeit hervorzuheben.

Muss man sich eigentlich fortwährend in der Schlechtheit der Welt wälzen? Ist jede andere Sichtweise gleich oberflächlich? Apropos Oberfläche: Ich komm da bisweilen gerne mal hin beim Schwimmen, denn da ist die Luft. Die Zwangsmissepeter binden sich das Weltböse wie ein Stein ans Bein und beweisen Tiefgang. Ohne mich. Dadurch, dass sie ihre Mitmenschen zur Betroffenheit mahnen, wird die Welt nicht besser. Eher noch schlimmer, weil Verbitterung und Misanthropie das Umfeld dieser Menschen verfinstert. Es hat nichts mit Ignoranz zu tun, wenn man sich ab und zu mal profaneren Themen hingibt. Nur Masochisten beschäftigen sich stets mit dem Übel ihrer Welt. Wenn sie so glücklich werden, dann sollen sie das tun. Aber bitte mir nicht mit dem erhobenen Zeigefinger im Gesicht rumfuchteln.

Brimborium royal

Wenn Adel – wie heute – heiratet, dann bewegt das die Gemüter. Es wird rumdiskutiert, ob man das jetzt gut oder Kacke finden soll. Die einen finden Monarchie scheiße, die anderen das Brautkleid. Manche grenzen sich vom vermeintlich simpel gestrickten Pöbel ab und wähnen sich über der Sache stehend und andere finden Überheblichkeit noch viel doofer. Ich zum Beispiel. Adelsgroßhochzeit ist skurril und somit gerne bei mir gesehen. Alles was die Welt bunter und eigenwilliger macht, dient ihr.

Am meisten plagt mich: Wie wäre es, wenn ich Prinzessin wäre? Ich hätte haufenweiße Schmuck und Geschmeide, eitel Tand und schnöden Mammon. Ich könnte Schuhschränke imeldischen Ausmaßes füllen und würde stets fürstlich speisen. Ich müsste aber auch höfisches Gehabe an den Tag legen, mit allem Brimborium welches das Protokoll erfordert. Ich könnte nicht mehr auf Tischen tanzen! Nicht dass ich das regelmäßig tun würde, aber der Verlust der Option ist schon ein harter Schlag. Und wenn doch, dann würden echte Paparazzis Fotos machen, und nicht nur die Kumpels mit der Telefonkamera. Es gäb Skandale, ich könnte nicht mehr so einfach ins Libero auf ne Halbe gehen, müsste im Auto immer hinten sitzen. Zeitschriften würden jede Änderung meines Hüftumfanges hämisch kommentieren, es sei denn ich würde heiß erwartete Prinzen werfen.

Ne, du, lass mal. Ich mach da nicht mit. Kate wird das Lachen noch vergehen. Genauer betrachtet opfert sie ihr Privatleben um skurrile Unterhaltung für das Volk und mich zu sein. Das ist mehr als Liebe, dass ist Aufopferung. Ich ziehe meinen virtuellen Hut vor so viel Edelmut und wünsche den beiden trotzdem viel Spaß. Aber so ein Hochzeitskleid wäre schon was Feines …