Glutenfreie Intoleranz

toaster

Aufgrund der gefühlten Nachfrage habe ich mir fast überlegt, meinen Blog auf glutenfrei umzustellen. Kein Weizen sollte für das Geschreibsel hier getötet werden. Da ich aber keine Form von Intoleranz toleriere, kann ich da auch keine Ausnahme für Glutenintolerante machen. Das gildet auch für Laktose. Und Spuren von Haselnüssen mische ich bisweilen in meine Artikel aus purer Fieshaftigkeit bei.

Jetzt muss ich aber doch noch eine Lanze für die Intoleranz brechen, in diesem Fall für die Glutenintoleranz: Sie ist der Beweis dafür, dass man durch ganz feste an etwas glauben dieses auch wahr werden lassen kann.

Vielleicht bin ich doch intoleranter als ich es mir eingestehen will.

Braune Suppe

braune Suppe

Ich „entfreunde“ mich eigentlich nie bei Facebook. Ich mag Menschen mit all ihren Eigenheiten, selbst wenn ihre Weltsicht mit meiner wenig zu tun hat. Das erweitert meinen Horizont. Letzte Woche jedoch habe ich fast reflexhaft jemanden aus meinem Facebookleben verbannt, nachdem ich durch einen unschönen Beitrag einen Blick auf die Pinwand eines Facebookkontaktes aufmerksam wurde. Dort fand ich eine Litanei von fremdenfeindlichen Artikeln, stets gefolgt von affirmativen Kommentaren. Die Artikel empörten sich über eine vermeintliche „Islamisierung“ und „Überfremdung“ unserer Gesellschaft, sie schürten Angst und leiteten diese in blanken Hass über. Diese braune Suppe negativer Gefühle überschwappte mich und lies mich erst einmal sprachlos zurück.

Ich fragte mich, wie solche Menschen zu mir kommen und welche anderen Personen wir gemeinsam kennen. Nicht die Bedrohung durch Migration, sondern die durch ein Großbauprojekt war der gemeinsame Nenner, den wir teilen. Ohne groß nachzudenken beendete ich den Kontakt. Ich „entfreundete“ mich.

Im Nachhinein frage ich mich jedoch, ob ich nicht lieber den Kontakt gesucht hätte. Wenn ich selbst kommentiert hätte und auf die menschenverachtende Natur dieser Artikel hingewiesen hätte. Wenn ich versucht hätte, die Angst dieser Menschen nachzuvollziehen und ihnen gesagt hätte, dass ihre Angst von rechtsradikalen Organisationen gezielt geschürt würde, um ihre hasserfüllte Weltsicht zu verbreiten. Ich hätte in die tiefsten Abgründe der menschlichen Natur hinabsteigen müssen, auf die Gefahr hin, selbst zu verzweifeln. Habe ich den Schwanz eingezogen? Hätte es überhaupt einen Sinn gehabt? Wo ist die Grenze zwischen Engagement für eine gute Sache und Selbstschutz? Und überhaupt: Was machen wir eigentlich gegen die schleichende Rechtsradikalisierung unserer Gesellschaft? Nazis kann man nicht mehr nur an Glatzen und Springerstiefeln erkennen. Sie sind mitten unter uns und vergiften unsere Gesellschaft, in dem sie Feindbilder kreieren und Ängste verunsicherter Menschen schüren.

Viele belassen es dabei, sich darüber zu empören und sich für die Empörung gegenseitig auf die Schulter zu klopfen. Man zeigt Einigkeit darin, die Braunen Kacke zu finden, was wohl ein gutes Gefühl auslöst. Leider ist das sinnlos. Davon wird die Welt nicht weniger braun. Doch was kann man machen, wenn man über rechtsradikales Gedankengut im eigenen erweiterten Umfeld stolpert? Dagegenpöbeln hilft nichts, sondern verfestigt nur noch das angst- und hasserfüllte Weltbild der anderen. Wie können wir anderen die Angst nehmen? Wie können wir ihre Abwehr gegen rechtes Gedankengut stärken? Ich weiß es nicht. Wie geht ihr mit solchen Situationen um?