Katzenzustand

Quantencomputer

Ich wollte schon immer mal einen Computer haben, der mit  Katzenzuständen arbeitet. Drum habe ich mir jetzt meinen eigenen Quantencomputer gebaut. Farblich passend zu meinem Outfit. Bildschirm braucht er keinen, das Gerät ist mit meinen Sehnerven verschränkt. Die Tastatur ist nur dran, weil ich gerne auf Tasten drücke.

Eine wichtige Aufgabe des Rechners: Die Simulation von Schrödingers Katze.  Der Quantenphysiker ersann ein Gedankenexperiment, bei dem eine hypothetische Katze in eine Kiste* gesteckt werden sollte. Auch in der Kiste: Ein instabiler Atomkern, der während der Versuchsdauer mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zerfällt. Geschieht dies, bemerkt das ein Geigerzähler und ein tödliches Gift tötet das arme Viech.

Schrödinger behauptet, dass der Zustand des instabilen Atomkerns erst dann entschieden wird, wenn jemand in die Kiste schaut und den Katzenzustand überprüft. Bis dahin soll die Katze gleichzeitig tot und lebendig sein. In der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik entscheidet sich der quantenmechanische Zustand erst, wenn er gemessen, also beobachtet wird.

Der Quantenmechaniker hat die Rechnung ohne die Katze gemacht. Sie ist ja nicht doof und beobachtet selbst. Zumindest, wenn sie noch am Leben ist. Und überhaupt: Woher soll der blöde Atomkern eigentlich wissen, ob er beobachtet wird? Das haben sich andere Quantenheinis auch überlegt und ein paar Alternativen zur Kopenhagener Deutung ersonnen. Eine davon scheint mir recht elegant zu sein: Die Viele-Welten-Interpretation des Physikers Hugh Everett. Demnach existieren beide Katzenzustände in Paralleluniversen. Wenn man nachschaut, sieht man nur, in welchem Universum man selbst gelandet ist. Und ich hoffe mal, dass es nicht das Totekatzenuniversum ist.

Dieser Trick hat mich auf eine Idee gebracht. In dem ich mit meinem Quantencomputer eine Katze simuliere, erzeuge ich zwei alternative Universen. Wenn ich morgens vor dem Schrank überlege, welches Outfit mich durch den Tag begleiten soll, überprüfe ich zur Entscheidung den Katzenzustand in meinem Rechner. Egal, was ich dann anziehe, in einem Paralleluniversum trage ich das andere Outfit. Umso mehr Entscheidungen ich mittels Katzenzustand treffe, desto vielfältiger die Universen der Paralleldoren. Wenn ich eine doofe Entscheidung getroffen habe, tröstet mich der Gedanke, dass eine andere Dora besser dran ist. Und wenn die Entscheidung gut war, freu ich mich einfach.

 

* Schrödinger beschrieb keine Kiste, sondern einen Raum. Aber jeder, der Katzen kennt, weiß, dass eine Katze viel lieber in der Kiste sitzt.

 

Werbeanzeigen

Superheldin gesucht

Catwoman-zu-verschenken

Superhelden haben’s auch nicht mehr so leicht.  Die Zeiten, in denen man sich einfach ein Cape übergeworfen und mal schnell die Welt gerettet hat, sind vorbei.  Nachtflugverbote, Brandschutzverordnungen, Sondersteuern und EU-Richtlinien verleiden einem den Kampf gegen das Böse. Kein Wunder also, dass ich heute beim Durchs-Viertel-Schlawenzeln eine Katzenmaske in einer Verschenkkiste entdeckt habe.    Die lokale Cat-Woman hat wohl das Handtuch ins Korn geworfen und hofft darauf, über die Kiste eine Nachfolgerin zu finden. Wie zum Beispiel mich. Katzesque über die Dächer des Heusteigviertels zu schleichen hört sich ja nicht unsexi an. Aber. Aber? Aber! Dann ist ja auch noch das mit dem Verbrecher jagen. Ich müsste mich mit allen Schlawinern und Schurken des Viertels kloppen. Außer Falschparken und Mietwucher geschieht hier kriminalistisch jedoch nicht sooo viel. Der letzte Mörder hier hat sich sogar selbst gestellt. Ich würde wohl eher den ganzen Tag auf dem Dach lümmeln und warten, bis das Katzenfutter kommt. Klingt nicht so spannend, lass ich mal lieber bleiben.  Aber mal schauen, ob sich eine findet, die die Maske mitnimmt und dafür sorgt, dass es hier so friedlich bleibt.

Katzdora

Verkatzte Homoerotik

Kofferaumdeckel sind sehr beliebt, Symbole für soziale Gruppenzugehörigkeit und politische Meinung aufzukleben. Soeben hab ich vor meiner Galerie ein neues Zeichen entdeckt: Das Mischzeichen bedient sich der Regenbogensymbolik jener, die bei der Geschlechtspartnersuche lieber beim eigenen Geschlecht bleiben und einer Katze. Oder Kater. Das Homoerotik Tieren nicht fremd ist, ist wohl bekannt. Das dies bei Katzen mittels Aufkleber Kund getan wird, ist mir neu. Ich wünsche mir einen eigenen Christopher-Street-Day Wagen für diese Randgruppe!

Verkatzung des Netzes

DORATZE!

Wie jeden Morgen gleite ich über die Wellen des Netzes und beobachte die fortschreitende Verkatzung. „Web Catification“, so der Fachausdruck, den ich mir grade aus den Finger gesaugt habe. Unter Netzhistorikern herrscht ja immer noch Dissens über die Ursprünge des weltweiten Datennetzwerkes. Die einen schieben die Schuld in die hochhackigen Schuhe der Pornobranche, die ja schon den Videorekorder (komischer Kasten aus der Präyoutubalen Phase) und andere Medien zum Erfolg gebracht haben soll. Die anderen – zu denen ich mich natürlich zähle – haben erkannt, dass die Verbreitung von Katzenbildern die ureigene Triebfeder war, die Computer dieser Welt miteinander zu verknüpfen. Apropos Tier: Spider crawlen das World Wide Web um Informationen zu sammeln und analysieren, damit sie mal gegen einen verwendet werden können. Im Gegensatz zu Katzen machen sie das aber unsichtbar. Katzen sind die Rampensäue, die sich auf Pinwänden und in Blogs tummeln. Das hat Konsequenzen, die nicht nur angenehm sind: Täglich verbrauchen Katzen ca. 12 Petabyte virtuelles Katzenstreu und erlegen unzählige Maustreiber. Eine wachsende Anzahl von Rechnern leidet an Digitaler Katzenhaarallergie, was sich in allgemeiner Verlangsamung des Systems, Abstürzen und verlorenen Dateien zeigt. Die Symptome ähneln denen von Viren, die Allergie kann jedoch von keinem Antivirenprogramm überlistet werden. Hier ist Forschungsbedarf! Das Institue for Catological Studies in Portland, Oregon, hat erst unlängst eine eigene Abteilung für Digitale Allergologie gegründet. Insbesondere für Hundefreunde ist die Netzverkatzung weniger wünschenswert, aber das tangiert mich nicht, da ich ganz klar der Katzenfraktion angehöre und somit auch eine Teilschuld an der Verkatzung des Netzes trage.