Nanostrukturnagellack

Neue Fotos von Frank und Steff über eine wunderschöne Zukunft. Den Text hab ich geschrieben:

The bliss of nanostructure nail varnish

For some it ‘s menacing, but the Dautrys have decided to embrace the bliss of progress. „If you can’t stop it, utilize it!“, as Marie II likes to say. Raoul looks toward a radiant future, where sorrows of the past will long be forgotten. Meanwhile Marie I simply adores the delicate reflections on her nanostructure nail varnish.

Models: Jelena, Marie & Andrew
Haare/Make-Up: Rahel Täubert
Styling: Fidan Baran

2011

Foto: Lisa Nerz (http://lisanerz.blogspot.com/)

2012 – Das Jahr des Weltuntergangs hat angefangen. Den Weltuntergang fürchte ich nicht, die Sonne geht ja schließlich täglich unter – und am nächsten Morgen dann doch wieder auf. Auch 2011 haben meine Welt und ich gut überlebt.

Gleich im Januar hab ich beschlossen, jeden Tag zu bloggen – Ein Vorhaben, an dem ich fulminant gescheitert bin. Aber Scheitern gehört bei mir zum Programm, ich vergrößre meinen Scheiterhaufen täglich. Apropos scheitern: Am meisten hab ich mich darüber gefreut, dass die CDU-Landesregierung und ihr ekeleregender Obermotz Mappus daran gescheitert sind, wiedergewählt zu werden. Wenngleich es bis heute nicht gelungen ist, Stuttgart 21 zu stoppen, hat es der Protest geschafft, die CDU nach 58 Jahren Herrschaft vom Tron zu verjagen! Der Ausstieg Deutschland aus der Atomkraft war mir ein inneres Lachsbrötchen und die schönste Belohnung für all das Frieren auf Demos letzten Winter.

Bild: Eva Teigelkötter

Am 25. Februar wurde ich 36 und viele Gäste kamen mit Geschenken! Da ich wissen wollte, wie meine Freunde sich mich vorstellen, bat ich sie ein Porträt von mir zu zeichnen, basteln oder schreiben. In der Stuttgarter Zeitung erschien ein Artikel über die Feier!

Im April habe ich meine erste eigene Ausstellung in der XS-Gallery in Stuttgart. Viele Leute kamen und tauschten Gedanken und Lebenslügen auf Post-Its mit mir aus.

Im Mai legte das Team Dora Asemwald Racing los und fuhr die Allgäu-Orient-Rallye, kam aber nie in Jordanien an. Eine Odyssee auf Seelenverkäufern durch’s Mittelmeer führte leider nicht ins Ziel.

Im  Sommer hab ich einen neuen Ort entdeckt, der mich begeistert hat: Unser Pavillon. Der containerartige Bau wurde von Künstlern erdacht und in den Mittleren Schlossgarten gestellt, genau zwischen die Zelte, die im Schlossgarten nach dem 30.9. letzten Jahres aufgestellt wurden. Dort hab ich die Pavillonistin, Kunsttherapeutin und Künstlerin Karin Rehm kennen gelernt und wir haben uns sofort ins Herz geschlossen! Zusammen mit ihr hab ich zuerst eine Ausstellung der Schlossgarten-Fotos von Frank & Steff und Peter Franck gemacht.

Das hat so schön geklappt, dass Karin bei mir in der Galerie einstieg und wir die  Künstlergruppe Schattenwald gegründet haben, über die es dieses Jahr noch mehr zu lesen gibt.

Im November habe ich dann ein paar Arbeiten zum Thema Widerstand gegen die Übel dieser Stadt im Pavillon ausgestellt und mit Karin zusammen neue Loch 21 Projekte durchgeführt. Die Galerie ist aus ihrer Totenstarre erwacht und das Loch wird weitergegraben!

Und zu guter letzt hab ich noch eine Band mit der Sängerin Maren Katze gegründet: Katzenwald. Die ersten 2 Lieder sind schon online!
http://www.myspace.com/katzenwald 

Alles in allem war’s ein großartiges Jahr, hab tolle Menschen kennen gelernt, wilde Sachen erlebt und viel Spaß gehabt. Für’s nächste Jahr ist auch schon so einiges geplant. So werde ich zum Beispiel in einem Krimi meiner Freundin Lisa Nerz mitmachen und weiterhin die virtuelle und begehbare Welt und den Raum drum herum ergründen. Ich freue mich wenn ihr wieder hier vorbei schaut!

Eure Dora

Wer wissen will, was 2010 bei so mir ging:

https://asemwald.wordpress.com/2011/01/04/freitagseintopf-2010/

Atomkraft Plus: Der Schlichterspruch der „Ethikkommission“

Wie kopflose Hühner rennen die „neuen Atomkraftgegner“ der Proatomparteien durch die Gegend. Nach Fukushima sind es nicht nur die üblichen fusselbärtigen Verdächtigen, die auf die Straße gehen, sondern auch potenzielle Wähler, die ihre Stimme von der Atomfrage abhängig machen.

Die Regierung hat gelernt: Heftigen Widerstand des Volkes schlichtet man am besten weg. Man nehme einen von den Gegner respektierten alten Hasen und Querdenker aus den eigenen Reihen der in langen Diskussionen um das Thema eiert und stellt am Schluss dann fest, dass eine Alternative eh nicht möglich sei. Danach haben die meisten das Gefühl, dass ja über alles gesprochen worden sei und übersehen dabei, dass das Ergebnis nichts mit dem Gesprochenen zu tun hat, da es sich gar nicht darauf bezieht.

Beim Stuttgarter Erdbahnhof wurde mit Geißler geübt. Jetzt kommt der Ernstfall. Bei der Atomindustrie geht es um viel mehr Geld, aber auch höhere Risiken. Atommüll strahlt immer noch wenn Tiefbahnhöfe von Archäologen ausgegraben werden. Diesmal macht Klaus Töpfer (CDU) den Geißler. Der ehemalige Umweltminister ist ein veritabler Umweltschützer der sich schon für einen zügigen Atomausstieg stark gemacht hat. An seiner Seite in der  „Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung“ steht Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgesellschaft. Der hat zuvor schon in Frage gestellt hat, dass wir bis zum Jahr 2050 vollkommen auf Kernenergie verzichten können.

Hier der Schlichterspruch: Auf Grund der ethischen Bedenken, die während der Schlichtung gegenüber der Atomkraft aufgekommen sind, ist ein Atomausstieg zwingend notwendig. Dieser kann jedoch nicht von heute auf morgen geschehen, da zuerst eine alternative Energieversorgung gewährleistet werden muss. Um die Überbrückungszeit so sicher wie möglich zu gestalten brauchen wir Atomkraft Plus. Das bedeutet: Absicherung der Kraftwerke gegenüber Flugzeugen, Erdbeben und Tsunamis, mehr Redundanz bei den Kühlsystemen und ein Stresstest der beweisen soll, dass die Kraftwerke sicher sind.

Danach kann man ja bis zum Ende des Moratoriums über die ethische Tragweite der Atomkraft, Verantwortung, Restrisiken und anderes Gutmenschen-Gedöns diskutieren. Wenn die Atomlobby erfolgreich ist, wird die Schlichtung noch eine europäische Lösung fordern. In diesem Fall steigen wir aus wenn das Uran alle ist.

Den Kopf aus dem Sand ziehen.

Die Nachrichten überschlagen sich. Reaktor eins schmilzt, zwei brennt, drei raucht und vier wird gerade gelöscht. Oder so ähnlich. Beim nächsten hektischen Blick ins Internet schmilzt gerade Block zwei, der dritte ist ruhig, dafür kommt jetzt der fünfte ins Spiel. Gaddafi droht damit, die Rebellen zu massakrieren, tausende Japaner werden noch vermisst und die CDU war ja eigentlich schon immer Kernkraftgegner. Schuldige werden gesucht, Szenarien ausgemalt, die Gefahr für Deutschland, das übrigens nicht für das Flugverbot über Libyen, das alle immer Lybien nennen, ist, wird ausgelotet. Experten mutmaßen und wissen genau, was die Japaner angeblich verschweigen und wenn es keine echten Experten mehr zu fassen gibt, fragt man irgendjemand, der schon mal in Japan war oder jemanden dort kennt. Betroffenheit der Nichtbetroffenen auf allen Kanälen. Währenddessen tobt der Wahlkampf an der heimischen Front.

Endzeitstimmung
Anfangs habe ich alle zehn Minuten die Nachrichten auf meinem Internet-Telefon durchstöbert und mich von Hiobsbotschaften per Liveticker berieseln lassen. Irgendwann war meine Kapazität für abstrakte Schrecken ausgelastet, mein Interesse sank und somit die Nachrichtencheckfrequenz. Jede einzelne Geschichte hätte gereicht, mich zu irritieren, doch alle auf einmal ergeben einen eigenartigen Brei der nach diffuser Weltbedrohung schmeckt. Das wissen die Medien auch, drum würzen sie ordentlich ihre Zutaten. Katastrophenbilder remixed zum Musikvideo und alte Horror-Berichte aus Tschernobyl sorgen für Endzeitstimmung. Einerseits weckt das auf – was dringend notwendig war, andererseits schürt es Panik. Das Hamstern von Jodtabletten in Deutschland muss für die wirklich Betroffenen in Japan befremdlich wirken. Doch am schlimmsten sind unsere aufgescheuchten Politiker, die aus der Angst Lobbys oder Wähler zu vergrätzen kopflos durch die Gegend rennen. Ich freu mich ja um jedes Atomkraftwerk, dass still gelegt wird, aber einen schnellen und sauberen Umstieg auf alternative Energie bekommen wir nur hin, wenn wir abseits politischem Kalküls einen gangbaren Weg finden.

Konsens
Die Grundvoraussetzung dafür ist der gesellschaftliche und politische Konsens, dass der Ausstieg gewollt wird und so schnell wie möglich umgesetzt werden muss. Dafür müssen wir unschöne Dinge wie höhere Strompreise, Windkraftwerke, Überlandleitungen und Pumpspeicherkraftwerke in Kauf nehmen. Wir dürfen uns auch nicht davon irritieren lassen, dass an unseren Grenzen weiterhin Kerne gespalten werden. „Wenn wir keine Atomkraft mehr erzeugen, dann machen es die anderen.“ Ein gern gehörtes Argument, mit dem auch Drogendealer ihre Taten rechtfertigen. Die derzeit gestellte grundsätzliche Frage ist: Sind wir für billigen Strom bereit, das relativ geringe Risiko eines unermesslich großen Schaden zu tragen? Ich frage jedoch zuerst: Sind wir überhaupt in der Lage, das Risiko zu tragen? Können wir über das Wohl tausender kommender Generationen entscheiden, denen wir ein strahlendes Erbe hinterlassen? Ich glaub kaum.

Das Mediengetöse hat viele von uns dazu veranlasst, den Kopf aus dem Sand zu ziehen. Noch nie war die Bereitschaft so groß einen neuen, unbequemeren Weg zu gehen. Und wir müssen schnell handeln, denn die Halbwertszeit von Erinnerungen ist geringer als die von Uran. Und währenddessen greift Gaddafi trotz selbst erklärtem Waffenstillstand die Rebellen wieder an.

Restrisiko

Im Fernsehen wurde mal wieder über Atomkraft diskutiert. Ich bin da immer wieder erstaunt, wie die Befürworter und direkten Nutznießer dieser „Brückentechnologie“ plötzlich von einer völlig neuen Diskussion reden, der sich Politik und Gesellschaft stellen müssen. Japan habe sie erschüttert und würde jetzt alles in Frage stellen.

Das Atomkraft nicht sicher ist und ein GAU mehr ist als ein statistisches „Restrisiko“ wissen wir seit Tschernobyl. Das wissen auch die Versicherungen, weshalb Atomkraftwerke die einzigen Energielieferanten sind, die nicht versichert sein müssen. Dem relativ geringen Risiko steht im Katastrophenfall ein solch großer Schaden entgegen, dass die notwendige Versicherungsprämie Atomstrom unbezahlbar machen würde. Einfache Mathematik.

Muss eigentlich erst ein (zweiter) Ernstfall geschehen, damit einige in unserem Land plötzlich aufwachen und merken, dass man umdenken muss? Die Mehrheit unserer Gesellschaft hat schon längst umgedacht und ist nicht bereit, mit dem Restrisiko zu leben. Wir brauchen keinen politisch-gesellschaftlichen Diskurs mehr über das ob, wir müssen jetzt schauen wie wir so schnell wie möglich uns von dieser Geisel befreien.

Und bitte, liebe Laufzeitverlängerer: Hört auf so zu tun, als wärt ihr überrascht.

Brückentechnologie auf dem Rücken der Opfer

Ich bin wütend. Seit ein paar Tagen verfolge ich nun wie wohl viele hier die Geschehnisse in Japan. Ebenso verfolge ich die Reaktionen in der Politik. Und da schlagen mir andauernd Floskeln ins Gesicht, die mich in die innere Kernschmelze treiben. Halten die uns für so blöd oder sind sie es selbst?

Brückentechnologie
Ja wohin soll die Brücke denn gehen und wie lange soll sie noch werden? Neckarwestheim II soll bis 2036 laufen. Wie viel Atommüll soll denn unter dieser Brücke vergraben werden?

Restrisiko
Klinkt harmlos, ist es aber nicht. Ganz allgemein: Jeder sollte nur ein solches Risiko eingehen, für dessen Folgen er einstehen kann. In Anbetracht der Halbwertzeit der Strahlung ist niemand dazu in der Lage. Auch nicht die CDU oder FDP.

Atomkraftwerke sind übrigens die einzigen Kraftwerke die nicht versichert sein müssen. Wer würde auch schon einen GAU versichern?

Tsunamis in Deutschland
Das hinterhältige an Atomunglücken ist, dass sie einen überraschen. Ein zweites Tschernobyl schloss man aus, weil aus Tschernobyl gelernt wurde. Das hat Fukushima nichts gebracht. Und jetzt lernt man aus Fukushima. Kein Tsunami soll unseren Kraftwerken den Garaus machen. Wenn hier der Kern – ohne Tsunami – mal schmilzt können andere dann wiederum für ihre Kraftwerke daraus lernen.

Die Lichter
Die sollen angeblich ausgehen, wenn wir uns zu schnell von der Atomkraft trennen. In Japan gehen sie gerade aus.

Der Rücken der Opfer
Auf dem treiben die Atomgegner jetzt angeblich ihren Wahlkampf. Komischerweise sind es die Atomfreunde, die gerade damit versuchen von ihrer misslichen Lage abzulenken.

Aussetzung der Laufzeitverlängerung
Aussetzen heißt nicht abschaffen. Es muss nur bis zur nächsten Wahl ausgesetzt werden.

Kreide
Die frisst Landesvater Mappus immer, wenn die Wähler drohen, ihn abzuwählen. Den Trick hat er vom Wolf gelernt, der so die sieben Geißlein in die Irre geführt hat. Nicht vergessen: Mappus forderte den Rücktritt von Umweltminister Norbert Röttgen, weil der nicht so lange die Laufzeit verlängern wollte.

Keine neue Atomdebatte
Die wollen die die Atomfreunde nicht. Brauchen wir auch nicht. Die Debatte ist schon alt, aber leider immer noch aktuell.

Sicherheitsüberprüfungen
Die  sollen jetzt plötzlich an deutschen Kraftwerken gemacht werden. Wurden die bislang nicht gemacht?

Sicherheitsmängel
Über die hat die EnBW schon vor über drei Jahren das Baden-Württembergische Umweltministerium informiert. Interessiert hat es dort keinen. Mal schauen wie Umweltministerin Gönner die Klage von Greenpeace abwälzt.

CO2
Davor und dem Klimawandel soll Atomkraft schützen. Das ist zwar auch bei Wasser-, Wind- und Sonnenenergie der Fall, aber die sind nicht so profitabel.

Energieunabhängigkeit
Die will man sich von bösen gaddafiesken Diktatoren bewahren, weshalb man kein Solarstrom aus der Wüste haben darf und weiter strahlen muss. Aber woher kommt eigentlich das Uran?

Landtagswahlen
Um die alleine geht es laut Atomfreunden angeblich den Gegnern. Es stimmt, dass Atom-Mappus ein politischer GAU ist, aber es gibt schlimmere Dinge wie man in Japan grad sieht. Ich freue mich über die Gelegenheit, die Nuklearregierung abzuwählen.

Panikmache
Die sollen jene betreiben, die jetzt politischen Vorteil aus dem Unglück schlagen wollen. Wenn nicht ein drohender GAU, was dann soll das Gefühl von Panik auslösen?

Wenn ich irgendwo panischen Angstschweiß rieche, dann bei den Atomparteien die die Rechnung ihrer Politik fürchten.

Abwarten
Hat Frau Merkel von Papi Kohl gelernt. Bei ihm nannte man es aussitzen. Hat lange funktioniert. Aber Obacht: Der nächste „Zwischenfall“ kommt bestimmt.

Tipp: Kopf im Sand schützt vor Strahlung nicht.

Zwischenfall
Bei kaputten Atomkraftwerken wird immer vom Zwischenfall geredet. Zwischen was ist der eigentlich? Ein kleine Haltestelle zwischen zwei GAUs?

Unsere Atomkraftwerke sind sicher.
Sagt Frau Merkel. (Das war die Rente auch.). Sie sind sicher ein gutes Geschäftsmodell für die Energieindustrie.