Das Umland schlägt zurück

dora shopping

Kaum berichtete ich von Stuttgarts neuer Shoppinghölle, da erfahre ich, dass vor ein paar Tagen schon wieder ein Einkaufszentrum eröffnet wurde: Die Mercaden in Böblingen. 20 Autominuten südwestlich des Gerbers schlägt das Umland zurück. Mit seinen 24.400 m² Verkaufsfläche hat es jedoch schlechte Karten beim Shopping-Quartet gegenüber dem Milaneo, das in ein einer paar Tagen mit 43.000 m² den Stich macht. Das ist noch längst nicht alles, was derzeit an neuer Verkaufsfläche durch die Region wuchert.

Ich mach mal eine Milchmädchenrechnung: Das Gesamtshoppingvolumen hängt vom verfügbaren Geld der Haushalte ab. Dazu lass ich hier mal die Jungs und Mädles vom Marktforschungsunternehmen GfK (März 2013) klugscheißen: „Wie auch im letzten Jahr werden unter anderem inflationsbedingte Preissteigerungen zu einer geringen realen Wachstumsrate führen. Insgesamt betrachtet, nimmt der Anteil, der vom Gesamtbudget für Konsumausgaben im Einzelhandel ausgegeben wird, beziehungsweise werden kann, in Deutschland seit Jahren ab.“

Gleichzeitig wird aber ein Einkaufszentrum nach dem anderen in die Gegend geklatscht, in denen irgend jemand auch einkaufen soll. Die Stadt will Kaufkraft (und somit auch noch mehr Autos, ergo Stau) aus dem Umland abziehen, die sich das aber nicht gefallen lassen und selbst neue Zentren bauen. Der Einzelhandel alter Schule, also Geschäfte, die einfach so am unüberdachten und nichtklimatisierten Straßenrand stehen, will seinen Teil vom Kuchen auch nicht abgeben. Und einem ist es eh egal: dem Onlinehandel. In virtuellen Einkaufszentren muss man nicht mal Parkgebühren zahlen.

Der Wettbewerb soll’s regeln, sagen die Freunde der freien Marktwirtschaft. Wird er auch. Was er nicht regelt, sind die leerstehenden Neubauten, die dann die Innenstädte zukleistern. Da hilft auch keine Fressmeile (nennt man jetzt Foodlounge), mit der der Leerstand in den Königsbaupassagen umfunktioniert wurde. Eine schlaue Einkaufszentrums-Architektur hätte die Umnutzung mit einkalkuliert. Ich persönlich habe die utopische Hoffnung, dass dieser Raum dann der kulturellen Vielfalt unser Stadt dienen könnte – bis zum Abriss.

Um zu kapieren, was in Stuttgart und der Region passiert, wenn bei sinkender Nachfrage das Shoppingangebot auf einen Schlag in die Höhe schießt, braucht man wohl kaum einen Bachelor in BWL. Die Frage ist nur, welche Läden werden überleben? Wenn Gerber und Milaneo die Konsumfreunde aus der Region anzieht, dann stehen dort die Läden leer und bei uns die Straßen voll. Geht der Böblinger lieber in seine Mercaden, dann geht die Rechnung der Stuttgarter Malls nicht auf. Sie müssen sich dann mit der Innenstadt um zu wenig Kaufkraft kloppen. Am Ende gibt es viele Verlierer und wenige Gewinner: Jene, die die ganzen Einkaufszentren bauen.  Aber hey, das ist freie Marktwirtschaft!

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.einzelhandel-wie-stark-schaden-milaneo-und-gerber-der-city.807f6968-b196-4e85-8bc6-d9d8249574cc.html

Premiere für angesagte Lifestyle-Mode

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Endlich ist es so weit: Ein  Shopping-Tempel in der City! So steht’s heute  jedenfalls in beiden Stuttgarter Tageszeitungen. Was früher noch schnöde „Einkaufszentrum“ genannt wurde, hat jetzt einen religiösen Touch.  Tempel sind gemeinhin Orte, an denen geglaubt werden muss, was sich die Tempelbetreiber oder deren Propheten so ausgedacht haben. Dafür gibt’s dann Erlösung. Oder 10% Rabatt.

Ich werde die Tage mal mit meinem XXL-SUV in die Tiefgarage des Tempels brettern, mir ein paar Sixpack Karlskrone beim Aldi holen und die „Premiere für angesagte Lifestyle-Mode“ anschauen. Was auch immer das ist und wer auch immer das ansagt.