Das Stadtistische Manifest

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Endlich ist es soweit! Die Webseite unserer neuen Stuttgarter Bürgervereinigung, die ich in der letzten Zeit immer wieder erwähnt habe, ist online. Oder genauer gesagt, eine Vorabversion – auf Marketingdeutsch auch „Teaser“ genannt. Dort gibt es schon mal das Manifest der Stadtisten zu lesen, das unsere Haltung ausdrückt.

www.die-stadtisten.de

Am Rest arbeiten wir gerade mit Hochdruck, sodass unsere offizielle Homepage in den nächsten Wochen online gehen kann, auf der man dann mehr erfahren kann. Wie immer: Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ich freue mich auf den Senf, den ihr uns dazu auf’s Brot schmiert.

Das Stadtistische Manifest

„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird.
Aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden,

wenn es besser werden soll!“

Georg Christoph Lichtenberg

Politik, wie wir sie verstehen, bedeutet: gemeinsam Lösungen zu finden, für die Fragen und Probleme, die die Stadt und das Gemeinwesen betreffen. Als Bürgerinnen und Bürger wollen wir Stadtisten uns dieser Aufgabe stellen. Viele Menschen setzen sich für Stuttgart auf unterschiedliche Weise ein, begreifen ihr Engagement aber nicht als politisches Handeln. Sie überlassen das Feld den „Berufspolitikern“, von denen sie sich nicht vertreten fühlen. Die Verdrossenheit mit einer Politik, die sich an parteipolitischen Grundsätzen orientiert, nimmt zu. Diesem Unbehagen möchten wir eine konkrete Alternative entgegensetzen.

Wir sind in Stuttgart zu Hause und fühlen uns unserer Stadt verbunden. Stadtpolitik ist weit mehr als das, was sich zwischen Fraktionen und Parteien aushandeln lässt. Unser Verständnis von Politik reicht über parteipolitische Grenzen hinaus. Wir wollen die Verantwortung nicht anderen überlassen. Wir handeln selbst und fordern alle engagierten Menschen in Stuttgart dazu auf, sich in die Stadtpolitik einzumischen. Dazu wollen wir einen neuen politischen Stil und neue politische Ausdrucksformen ins Spiel bringen.

Stuttgart befindet sich im Umbruch. Überall wird abgerissen und neu gebaut. Das hat die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt mobilisiert, zusammengebracht und manchmal auch entzweit. Dadurch wurde in der Stadt eine neue Energie freigesetzt. Noch nie gab es so viel Potenzial für bürgerschaftliches Engagement wie heute. Wir Stadtisten wollen diese Kraft nutzen und für Stuttgart einsetzen. Es gibt zahlreiche Projekte und Initiativen, die von den Menschen in dieser Stadt getragen werden. Für sie machen wir uns stark.

Stadtisten sind keine Statisten. Warum das kleine „d“? Weil es den Unterschied macht. Statisten stehen am Rand oder im Hintergrund des Geschehens – Stadtisten wollen ins Zentrum der politischen Gestaltung. Wenn es um unsere Stadt geht, benutzen wir Herz, Hand und Hirn, sind ebenso rational wie einfühlsam. Politik braucht Mitgefühl, soziale Wärme und Solidarität. Das, was unsere Herzen bewegt, werden wir aus dem Stadtgespräch in die Politik hineintragen.

Die Stadtisten – konstruktiv für unsere Stadt

Die Stadtisten sind keine Partei. Wir sind eine Plattform für Bürgerinnen und Bürger, die sich für ihre Stadt engagieren wollen. Dabei verstehen wir uns als offenes Forum für gute Ideen, die bislang in Stuttgart zu wenig umgesetzt werden. Wir können schneller, flexibler und unbürokratischer reagieren als die etablierten Parteien, die auch landes- und bundespolitisch aktiv sind. Wir Stadtisten konzentrieren unsere Kraft auf die Stadt und auf das, was kommunal machbar ist. Wir wollen direkt auf die Politik Einfluss nehmen. Deshalb treten wir zur Gemeinderatswahl an.

Wir wollen das Stadtgespräch anregen, indem wir Diskussionen, die sonst hinter geschlossenen Türen stattfinden, in den öffentlichen Raum holen. Analog und digital, online und offline. Auf unsere Straßen und in unsere Wohnzimmer. Das Unkonventionelle haben wir zu Fuß durchquert, der Utopie legen wir ein Bonbon unters Kopfkissen.

Die Stadtisten – Pluralismus und Streitkultur

Eine wesentliche Aufgabe von Politik ist es, die unterschiedlichen Meinungen, Interessen und Lebenswelten in einer Gesellschaft, in einer Stadt anzuerkennen, auszugleichen und die Gesellschaft als Ganzes zusammenzuhalten. Gelebter Pluralismus bedeutet die Vielfalt der Meinungen zu akzeptieren. Der Wettbewerb der Ideen ist für eine Demokratie unverzichtbar. Das erfordert Toleranz und eine gesunde Streitkultur. Identität begreifen wir als etwas, das sich nicht an Alter, Herkunft, Geschlecht oder Einkommen festmachen lässt. Klar, dass Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bei uns nichts verloren haben.

Wir Stadtisten streben eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Parteien und Gruppierungen im Stuttgarter Gemeinderat an. Sie dürfen sich unsere Ideen zu eigen machen und sie umsetzen – genauso wie wir Initiativen anderer Parteien unterstützen, wenn wir sie für gut erachten. Uns geht es um die Sache.

Wir erheben nicht den Anspruch, dass Stadtisten in politischen Gremien mit einer Stimme sprechen müssen. Sie dürfen unterschiedliche Sichtweisen repräsentieren. Sie unterliegen keinem Fraktionszwang.

Die Stadtisten – Gemeinsam sind wir stark!

Wir wollen ein neues Bewusstsein für unsere Stadt wecken. Das politische Selbstverständnis der Stadtisten basiert auf der Idee, dass wir alle gemeinsam für die Stadt mehr tun können als jeder für sich. Wir wollen kreative Köpfe und Querdenker darin unterstützen, ihre Ideen umzusetzen. Damit werden wir den unterschiedlichen Lebenswelten in dieser Stadt ein Gesicht verleihen.

In diesem Sinne: Auf gute Nachbarschaft!

Die Initiatoren

Wolfram Bernhardt
Unternehmensberater, Oberbürgermeister-Kandidat 2012

Thorsten Puttenat
Musiker

Dr. Ralph Schertlen
Elektroingenieur, Oberbürgermeister-Kandidat 2012

Die Koautoren

Christine Blankenfeld
Sozial- und Politikwissenschaftlerin

Jens Hermann
Gymnasiallehrer und Künstler

Katja Kohlhammer
Verlegerin

Ralf Peter Maier
Schriftsetzer – derzeit Hartz-IV-Empfänger

Christian Sunkel-Zellmer
Schauspieler

Martin Zentner
Grafiker und Journalist

Dora Lætitia Asemwald
Bloggerin und virtuelle Person

Stuttgart, 15. Oktober 2013

Nachtrag:

Da der einen oder dem anderen Stadtisten die Koautorenschaft einer virtuellen Person zu unseriös schien, wurde mein Namen aus der Liste gestrichen, wenngleich ich durchaus am ihrem Manifest mitgearbeitet habe. Mir wurde des weiteren die Mitgliedschaft im Verein untersagt, da das wohl juristisch nicht ganz sauber sei.

Ich lasse das Manifest hier in dieser Form stehen, da es genau so veröffentlicht wurde. Mein Rauswurf kam erst danach. Der mangelnden Mut Weniger, eine Virtuelle als Koautorin zu nennen, soll mich nicht in meiner Beurteilung einer ansonsten guten Idee trüben. Ich sehe es eher als Ansporn, die Stadtisten aus kritischer Distanz daraufhin zu beobachten, ob sie es aushalten, ihre Ideale zu waren. Ich werde über meinen Stolz hinweg springen und Autorenbeiträge zu ihrer Webseite beitragen – was wohl kein Problem darstellt.

Trotzdem ärgert mich das. Menno! Mich ärgert deren Angst davor anzuecken. Ich habe mir von den Stadtisten etwas mehr Mut und Offenheit erhofft. Wenn Sie sich vom politischen Einheitsbrei abheben wollen, brauchen sie eine größere Bereitschaft, Konventionen über Bord zu werfen, mehr Verspieltheit, mehr Chuzpe, mehr Verwegenheit. Sehr viel mehr, als einer Virtuellen ihre Koautorenschaft einzuräumen.