Albtraum eines Ökophobikers

Ökodiktatur

Gestern habe ich vor den Gefahren der ethnokulturellen Empathie – der Offenheit gegenüber anderer Weltsichten – gewarnt (wackliges Weltbild und so weiter). Heute möchte ich mal einen erst kürzlich in diesem Blog verfassten Kommentar vorstellen, der die Klippen des metakulturellen Diskurses weitläufig umschifft und in plakativer Sprache aufzeigt, was die erschreckenden Folgen einer ihm fremden Denke sein könnten. Der Kommentar von Uwe Vogt bezieht sich auf einen Artikel, der unter die Gürtellinie des letztherbstlichen Wahlkampf um den Stuttgarter OB-Posten blickt:

„Noch nie war die Freiheit in Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg mehr in Gefahr als heute durch die Grünen. Grünlackierte Kommunisten (Trittin), Anarchisten (Fischer), Pädophile(Cohn- Bendit) und Schwachsinnige (Claudia Roth) steuern Deutschland in die DDR2.0 in die Ökodiktatur.Stoppt diese Chaoten!“ (Uwe Vogt)

Ich nehme das mal als Übungseinheit in meiner selbstauferlegten Toleranzschulung wahr und versuche, mich auf die Denkkultur eines Ökophobikers einzulassen und male mal den Teufel einer von Kommunisten, Pädophilen, Anarchisten und Schwachsinnigen begründeten Ökodiktatur an die Wand.

Zuerst kommen mir Bilder eines Mülltrennungsblockwarts in den Sinn, der minutiös den Abfall kontrolliert und sogleich Meldung an die Staatskorrektheits-Behörde macht, wenn Verpackungen unfair gehandelter Produkte auf potenzielle Verstöße gegen das Gutmenschentum hinweißen. Bei mehrmaligen Verstößen wird vor dem Haus des Delinquenten eine Mahnwache errichtet. Erzeugt diese keine Betroffenheit, droht das Umerziehungslager. Dort wird mittels Zwangsmeditation selbst der freiste Geist weichgekocht und mit gutmenschlicher Propaganda zugekleistert. 

Die Industrie beschränkt sich auf die Produktion von Fahr- und Windrädern. Tieren werden die vollen Menschenrechte übertragen, Fleisch darf man nur noch vom eigenen Leib essen. Der vegetarische Untergrund ist verpönt und harscher Verfolgung durch die Veganmiliz ausgesetzt. Wir ernähren uns von Müsli (mit genfreier Sojamilch) aus ungespritztem Urgetreide, das nur bei Vollmond geerntet wird. 

Falls dem Pöbel doch mal der Unmut hochkocht, posieren Polizisten als Zielscheibe für den neuen Volkssport Pflastersteinwurf. Aber Obacht: Wer Aggressionen zeigt, wird in eine Selbsthilfegruppe mit gegenseitigem Umarmen eingewiesen. Auch nicht vergessen: Pflastersteine nachher bitte wieder einsammeln, wegen Pflastersteinpfand.

Der Ökodiktator wird in paritär besetzten basisdemokratischen Diskussionsräten bestimmt. Sollte es keinen Konsens vor dem Kompostieren des amtierenden Oberhauptes geben, wird nach einer ausgedehnten Schweigeminute und unzähligen Betroffenheitsbekundungen eine Sitzblockade ausgerufen, die andauert, bis sich das Problem gelöst hat.

Die Staatsbürgerschaft wird abgeschafft und alle werden zu Ausländern erklärt. Die neue Währung ist biologisch abbaubar und somit für Spekulationsgeschäfte nicht geeignet.

Da das Grundübel für Mutter Erde der Mensch an sich ist, werden alle zwangssterilisiert, womit sich das Problem von alleine löst. Die Natur kann sich dann alles zurückerobern.

Allen jenen, die wie Uwe die Ökodiktatur fürchten, rate ich an, sich eine Distopie einer Kapitaldiktatur aus der Sicht eines Gutmenschen auszumalen. Ich würde mich über diesen  Akt ethnokultureller Empathie sehr freuen.

PS: Dürfen katholische Vegetarier eigentlich die heilige Kommunion empfangen? Ich sähe da ein kleines Problem mit der Wandlung

PPS: Für alle, die jetzt nicht so genau wissen, wo sie diesen Artikel politisch einordnen sollen: 😉

Neues aus der Kesselküche: Stuttgarter Pflastersteinmus mit Birnenkompott

Neues aus der Kesselküche:

Heute wagen wir uns an einen Nachtisch mit knallharten Zutaten:

Kastanienmus:
200 frische Kastanien oder die Marrons cuits, bereits vorgegart und vakuumiert aus dem Gemüseregal
250 g Quark
3 EL Ahornsirup oder 70 g brauner Zucker
etwas Sahne
Kakaopulver

Birnenkompott:
2 Birnen (die auf dem Markt schon aromatisch riechen)
50 g Zucker
Wasser

Kastanien gibt's im Schlossgarten und werden gerne von instrumentalisierten Kindern gesammelt. Das ist gefährlich und die Kastanien sind nicht sonderlich schmackhaft.

Die Kastanien werden mit einem großen Messer klein gehackt.

Vorgegarte Kastanien lassen sich schwerer werfen, sind aber leichter zuzubereiten.

Dann vermengt man diese mit 250 g Quark und etwas Sahne. Zum Süßen eignen sich Ahornsirup oder brauner Zucker.

Weniger Bedrohlich: Pürierte Pflastersteine

Nun sollte eine feine Creme entstehen. Diese füllt man in kleine Schälchen und bestreut sie mit Kakaopulver.

Mit Kakao bestreuen ist einfacher als durch den Kakao ziehen.
Beliebt bei Herrn Grube, aber doch etwas zu zäh für das Kompott: Die Abrissbirne

Nun werden die Birnenviertel auf das Mus gelegt.