Doragenese 3: Frau Asemwald im öffentlichen Raum

Das Leben im Netz ist lustig, aber ich wollte auch außerhalb, also in der materiellen Welt, Präsenz zeigen, Spuren hinterlassen.

Ein Stempel mit meinem Gesicht und meiner Webadresse auf Post-Its waren eine gute Lösung. Es war noch Platz ein paar dorische Schlauheiten abzulassen und fertig waren die Fundstücke, die ich in der Stadt verteilen ließ.

Im Gegensatz zu Aufklebern waren die Post-Its nicht nur unvandalisch und individuell gestaltet, der Finder konnte sie auch wieder mitnehmen und dem Link ins Internet folgen.

Da es viele Zeichnungen von mir gibt haben wir dann noch Kärtchen mit unzähligen dorischen Motiven gedruckt und mit der Zackenschere ausgeschnitten. Die sahen nett aus und wurden gerne von Leuten in der Wohnung aufgehängt.

Ein handgemalter Zettel wurde vom Chefredakteur des Stadtmagazins Lift entdeckt. Dem gefiel mein Blog und er schrieb einen Artikel drüber. So lernten ein Haufen neue Menschen mich kennen.

Feedbackjunkie

Die Diskussion über die Abstraktionsbereitschaft der Menschheit hat noch ein paar Wendungen genommen auf die ich an anderer Stelle mal eingehen werde. Aber was mich daran freut: Es wird diskutiert. Genau das ist, was ich am Internet als Medium so mag. Man kann seinen Senf dazu geben und den anderer probieren. So können verschiedene Perspektiven aufgezeigt werden, die Meinungshoheit der klassischen Journalisten ist gebrochen. Das bringt – wie ja hinlänglich diskutiert – Vor- und Nachteile.

Wenn ich morgens im Café meine Tageszeitung lese vermisse ich schon die Kommentare, die „Gefällt mir“-Buttons, die Links. Manchmal kommen Diskussionen mit Tischnachbarn auf, aber selten. Von Angesicht zu Angesicht sind die meisten dann doch zu zurückhaltend. Außerdem muss ich dann reagieren, kann nicht einfach weiterscrollen.

Kommentare freuen auch den Autoren. Wenn sie ausbleiben dann freut sich der weniger. Oder er fürchtet die Kritik. Ich gebe zu dass ich ein Feedbackjunkie bin. Ich checke andauernd ob und wie die Welt auf mein Geschreibsel reagiert. Wenn etwas unkommentiert durchgeht frag ich mich ob es überhaupt einer gelesen hat und wenn ja, ob es nicht einfach zu belanglos war. Ich muss aufpassen dass ich mich dann nicht all zu sehr nach der Reaktion des Lesers richte sonst schreib ich nur noch das von dem ich glaube dass es gut ankommt. Dann kann ich den Leser nicht mehr überraschen und es wird – wenngleich gefällig – auch langweilig. Wie immer: Die Mischung macht’s.

Manchmal ist es besonders schön wenn man mal was Neues ausprobiert und es funktioniert. Wenn’s nicht klappt sollte man sich nicht in den Arsch beißen.

PS: Mir kommt da eine Idee: Kommentare auf Post-Its in Café-Zeitungen kleben.

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