weil Dora neues Shoppen will.

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Herzlich Willkommen beim Fachblog für Shopping und andere Lebenslügen! Hier erfahrt ihr alles über angesagte Trends, wie zum zum Beispiel: Einkaufszentren! Es wird auch langsam Zeit, dass mal wieder eine neue Mall aufmacht. Während das Gerber irgendwas was von angesagter Lifestyle-Urbanität faselt, liefert das Milaneo gleich die eigene Daseinsberechtigung. „Weil Stuttgart neues shoppen will.“ Was will es? Neues shoppen oder neues Shoppen? Die Milaneo-Texter waren sich wohl uneinig und haben sich – zu Lasten der Orthographie – auf ’ne Hybridlösung eingelassen, bei der alles geht.

Ich will auch neues Shoppen. Ich will nicht in einen Kasten jenseits der Endzeitfilmkulisse, an der die Züge zu spät kommen, in einem Retortenviertel gehen müssen, in dem man nicht mal als Hund tot über den Zaun hängen will. Ich will nicht in Läden gehen, die Teile einer weltweiten Klonarmee sind. Ich will mich nicht mit Teenies im Styler-KiK an der Wühltheke prügeln und Geiz ist meiner Geilheit eher abträglich. Ich will von niemandem angesagt bekommen, welche Mode grad den gängigen Lifestyle ausdrückt. Ich will beim Shoppen die Stadt erleben, auch wenn sie nicht klimatisiert ist und dort auch Leute rumhängen, die keinen Konsum im Schilde führen, ausser vielleicht dem der Bierflasche in ihrer Hand.

Eine Antwort auf Stuttgarts Neushoppingwille wird es vorübergehend in den alten Calwerpassagen ab 1. November geben: „Fluxus Temporary Mall – Fashion, Design, Vintage, Zeitgeist.“ Die haben auch ’nen Batzen englische Wörter am Start und verschwinden wieder, bevor sie aus der Mode kommen, da das ganze auf drei Monate beschränkt ist. Die Läden sind exklusiver als im Milaneo, weil es die meisten sonst nirgendwo anders gibt. Man läuft dabei natürlich Gefahr, der urbanen Uniformierungspflicht nicht zu genügen oder mit Labels erwischt zu werden, die andere nicht sofort erkennen.

An der Calwer-Passage kann man auch schön im sehr kleinen sehen, was mit Einkaufskonglomeraten geschieht, wenn sie aus der Mode geraten. Zuerst verschwinden die Kunden, dann die Mieter und irgendwann werden dort Hunde begraben bis es renoviert oder abgerissen und neugebaut wird. Mit ein bisschen Glück gibt’s vorher eine Zwischennutzung mit Kunstgedöns wie in der Calwer Passage oder dem Utopia Parkway, der in den pregerberschen Bauten vor deren Abriss stattfand.

Ich bin mal gespannt, wie lange Gerber und Milaneo en vogue sein werden und wann die ersten Mieter die Segel streichen. Im Königsbau war ja schon nach ein paar Jahren postapokalyptische Leere in den oberen Stockwerken. Da Moden immer kürzer leben und nichts unsexier ist, als der Schnee von gestern, kann das bei unseren neuen Einkaufszentren recht schnell gehen. Wir sollten uns schon mal ein paar verwegene Zwischennutzungskonzepte ausdenken.

fluxusstgt.de

Das Umland schlägt zurück

dora shopping

Kaum berichtete ich von Stuttgarts neuer Shoppinghölle, da erfahre ich, dass vor ein paar Tagen schon wieder ein Einkaufszentrum eröffnet wurde: Die Mercaden in Böblingen. 20 Autominuten südwestlich des Gerbers schlägt das Umland zurück. Mit seinen 24.400 m² Verkaufsfläche hat es jedoch schlechte Karten beim Shopping-Quartet gegenüber dem Milaneo, das in ein einer paar Tagen mit 43.000 m² den Stich macht. Das ist noch längst nicht alles, was derzeit an neuer Verkaufsfläche durch die Region wuchert.

Ich mach mal eine Milchmädchenrechnung: Das Gesamtshoppingvolumen hängt vom verfügbaren Geld der Haushalte ab. Dazu lass ich hier mal die Jungs und Mädles vom Marktforschungsunternehmen GfK (März 2013) klugscheißen: „Wie auch im letzten Jahr werden unter anderem inflationsbedingte Preissteigerungen zu einer geringen realen Wachstumsrate führen. Insgesamt betrachtet, nimmt der Anteil, der vom Gesamtbudget für Konsumausgaben im Einzelhandel ausgegeben wird, beziehungsweise werden kann, in Deutschland seit Jahren ab.“

Gleichzeitig wird aber ein Einkaufszentrum nach dem anderen in die Gegend geklatscht, in denen irgend jemand auch einkaufen soll. Die Stadt will Kaufkraft (und somit auch noch mehr Autos, ergo Stau) aus dem Umland abziehen, die sich das aber nicht gefallen lassen und selbst neue Zentren bauen. Der Einzelhandel alter Schule, also Geschäfte, die einfach so am unüberdachten und nichtklimatisierten Straßenrand stehen, will seinen Teil vom Kuchen auch nicht abgeben. Und einem ist es eh egal: dem Onlinehandel. In virtuellen Einkaufszentren muss man nicht mal Parkgebühren zahlen.

Der Wettbewerb soll’s regeln, sagen die Freunde der freien Marktwirtschaft. Wird er auch. Was er nicht regelt, sind die leerstehenden Neubauten, die dann die Innenstädte zukleistern. Da hilft auch keine Fressmeile (nennt man jetzt Foodlounge), mit der der Leerstand in den Königsbaupassagen umfunktioniert wurde. Eine schlaue Einkaufszentrums-Architektur hätte die Umnutzung mit einkalkuliert. Ich persönlich habe die utopische Hoffnung, dass dieser Raum dann der kulturellen Vielfalt unser Stadt dienen könnte – bis zum Abriss.

Um zu kapieren, was in Stuttgart und der Region passiert, wenn bei sinkender Nachfrage das Shoppingangebot auf einen Schlag in die Höhe schießt, braucht man wohl kaum einen Bachelor in BWL. Die Frage ist nur, welche Läden werden überleben? Wenn Gerber und Milaneo die Konsumfreunde aus der Region anzieht, dann stehen dort die Läden leer und bei uns die Straßen voll. Geht der Böblinger lieber in seine Mercaden, dann geht die Rechnung der Stuttgarter Malls nicht auf. Sie müssen sich dann mit der Innenstadt um zu wenig Kaufkraft kloppen. Am Ende gibt es viele Verlierer und wenige Gewinner: Jene, die die ganzen Einkaufszentren bauen.  Aber hey, das ist freie Marktwirtschaft!

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.einzelhandel-wie-stark-schaden-milaneo-und-gerber-der-city.807f6968-b196-4e85-8bc6-d9d8249574cc.html

Suburban Flair inmitten der City

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Das ist Programm: Parken und Einkaufen.

Für die einen ein urbaner Tempel des Shoppens voll angesagtem Lifestyle,  für die anderen der Untergang des Schwabenslands: Das neue Einkaufszentrum Gerber inmitten Stuttgarts.  Ich mache mir mal selbst ein Bild.

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Um das volle Mall-Erlebnis zu erfahren, organisiere ich mir ein Auto und nutze das Parkhaus, das äußerst großzügig angelegt ist. Es sollte auch mit zwei Promille kein Problem sein, einen SUV in eine der ausladenden Lücken zu manövrieren.

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Die Spannung steigt, die Aufzugtüren gleiten zur Seite und eröffnen mir den Blick auf: Ein Einkaufszentrum. Großzügig, hell, mit Hula-Hoop-Ringen und einem dicken Stein, der inmitten von Wasser lagert. Aber trotzdem: Ein Einkaufszentrum. Ausgeführt in zeitgenössisch internationalem Chic, der sich darauf versteht, geschmeidig jegliche lokale Herkunft zu verschleiern.

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Die Webseite der Mall verspricht so einiges: „Urban Flair & Style, wo Shopping am urbansten ist.“

Ich mache mich auf den Weg, die angekündigte Urbanität zu finden. Die hat bekanntlich was mit Stadt zu tun, und diese kann man nur an den Eingängen sehen, die dazu einladen, das Gebäude zu verlassen. Einkaufszentren – heute gerne Malls genannt – sind ein suburbanes Phänomen. Ich könnte auch auf der grünen Wiese irgendeiner mittelgroßen Vorstadt meinem Shoppingwahn fröhnen. Also eher Suburban Flair inmitten der City.

Nach langem Suchen werde ich fündig. Die Urbanität versteckt sich jenseits der Portale des Shoppingtempels in der guten alten Innenstadt, genauer gesagt dem Gerberviertel mit all seinen kleinen Läden und schöner Gastronomie.

gerber-shopping.de

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Verwegene Kombo in Sachen Einzelhandel: Sexi Korsetts und gesunde Säfte
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Das einzig Zeitlose in der Gestaltung des Gerbers: Die Uhr. In 20 Jahren wird man sich den grässlichen 10er-Jahre-Kasten wegwünschen.
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Dabeisein ist alles: Hula-Hoop-Ringe verknoten sich auf olympische Weise.
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Da freut sich Frau Uhse: Das neue Einkaufszentrum speit Laufkundschaft in die umgebende Stadt.
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Schöner wohnen auf dem Dach: Mehrfamilienhäusschen für zahlkräftige Mieter tummeln sich auf dem Dach des Einkaufszentrums.
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Wer urbanes Flair sucht, findet es draußen.
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Trend verschlafen: Klopiktogrammdame mit anachronistischer Frisur
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Mein Vorschlag: Klopiktogrammdame mit Hipsterinnendutt sorgt für angesagte Lifestyle-Stimmung und urbanes Flair.

Premiere für angesagte Lifestyle-Mode

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Endlich ist es so weit: Ein  Shopping-Tempel in der City! So steht’s heute  jedenfalls in beiden Stuttgarter Tageszeitungen. Was früher noch schnöde „Einkaufszentrum“ genannt wurde, hat jetzt einen religiösen Touch.  Tempel sind gemeinhin Orte, an denen geglaubt werden muss, was sich die Tempelbetreiber oder deren Propheten so ausgedacht haben. Dafür gibt’s dann Erlösung. Oder 10% Rabatt.

Ich werde die Tage mal mit meinem XXL-SUV in die Tiefgarage des Tempels brettern, mir ein paar Sixpack Karlskrone beim Aldi holen und die „Premiere für angesagte Lifestyle-Mode“ anschauen. Was auch immer das ist und wer auch immer das ansagt.