Geld verbrennen leicht gemacht

Schon mal davon geträumt im Säulengang des Königsbau zu stehen, mit Geld beregnet zu werden und dieses dann verbrennen zu müssen, bevor es auf dem Boden aufkommt? Nein? Hab ich auch noch nicht. Wem diese Phantasie jedoch zusagt , der kann das jetzt im „Stuttgart 21“-Spiel auf den iPhone virtuell erleben. Aber Obacht: Es regnet auch „… es stimmt aber auch“-Flyer, doch die muss man verschonen, sonst verliert man eines seiner drei neuen Herzen Europas. Hat man keines mehr, dann hat man den Anschluss an die Zukunft, äh ne, das Spiel verloren. Leider kann man keine Abkratzprämie kassieren oder das Geld anstelle zu verbrennen in die eigene Tasche schieben. Für Version 2 ist noch Entwicklungspotenzial.

http://www.stuttgart21-game.de/

P.S.: Inkonsequenterweise gibt es das Spiel für lau.

Erschienen auf brezel.me

Tu IHN unten rein!

Letzten Samstag auf dem Schlossplatz: Große Veranstaltung der Freunde des geplanten Tiefbahnhofes. Um gegen die grün bebuttonte Gegnerschaft Flagge zu zeigen gab’s auch Merchandise. Ein Shirt hat mich jedoch verwirrt: „Tu IHN unten rein! Stuttgart 21“. Wer ist „IHN“? Und meinen die hinten oder vorne?

Foto von Martin Anner

Erschienen auf brezel.me

Nachtrag (10. Oktober 2012)

Jennifer Roth, damals Mitglied der IG Bürger für Stuttgart 21, in einem Facebookkommentar:

„Es begab sich zu einer Zeit, als die IG Bürger neue Shirts mit dem bekannten S21-Logo haben wollte. Zu diesem Zweck wurden beim einem T-Shirt Hersteller diverse Probe-Shirts geordert, die die verschiedenen Aufdruck-Arten verdeutlichen sollten. Der gute Mann wusste, für wen dieser Auftrag laufen sollte und hat sich mit selbigem Spruch einen Spaß erlaubt. Es gab EIN T-Shirt davon, welches auf einer Sitzung der IG rumging, bekichert, ABER einstimmig beschlossen wurde, dass es NICHT rausgegeben wird. Leider gelangte das gute Stück dann dank eines übereifrigen Mitstreiters doch an den Stand und hing dort. Eine Dame hat es später gekauft und das Geschrei war natürlich groß. der T-Shirt Hersteller hat den „Hype“ dann aufgegriffen und eigenmächtig auf seiner ebay-Seite weitere Shirts vertrieben, die er hergestellt hatte, OHNE dass die IG Bürger jemals den Auftrag dafür erteilt hätte! Meines Wissens nach wurde auch versucht, dagegen vorzugehen, war aber wohl nicht von Erfolg gekrönt. Ich habe noch ein Bild auf meinem alten Handy von diesem EINEN Shirt, weil ich davon ausging, dass es ohnehin wegkommen im Sinne von vernichtet oder weggeräumt wurde. hätte man verhindern können, ist aber passiert. Jedoch ist DAS die Wahrheit dahinter, die aber keiner hören/lesen will. Lieber schießt man sich darauf ein. dass am Bahnhof schon ein lebensgroßer Protestpimmel rumlief und dabei einen Kinderwagen schob, wird hingegen als bunt und kreativ abgetan, was ich persönlich auch geschmacklos fand. Beide Seiten schenken sich diesbezüglich nichts.“

Der überwachte Staat

Gewalttätige Chaoten greifen die Polizei an, die sich mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Tränengas wehren müssen – so hätten das einige am 30.9. gerne gehört. Zu dumm dass es ganz anders gelaufen ist. Aber die Wahrheit interessiert hier keinen, die Wahrheit wird gemacht. Die großen Medien bestimmen, wie das Geschehene interpretiert wird. Die öffentlich rechtlichen machen Personalpolitik nach Parteibuch, für die privaten gilt: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Und es ist nicht das Brot vom Leser.
Um besonders eindrückliche Bildbeweise zu bekommen hilft es natürlich ein paar Provokateure in die Reihen der Gegner einzuschleusen (siehe Hamburger Abendblatt). Bilder randalierender Staatsfeinde jagen den unbescholtenen Bürgern die nötige Angst ein um sie in die Arme einer Law-and-Order-Regierung zu treiben. So funktioniert die Diffamierung der andersdenkenden Masse auf der Straße, so wird Meinung gemacht, so wird Politik gemacht. Oder besser gesagt: wurde.

Die Rechnung ohne den Wirt
Dummerweise hatten die Demonstranten statt Pflastersteinen etwas viel gefährlicheres in den Händen: Kameras. Die Strategen hinter dem Übergriff am 30.9. haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. In diesem Fall heißt der Wirt YouTube. Lange bevor PR-Berater die Chance hatten, das Geschehene umzudeuten war es schon online und drang ins öffentliche Bewusstsein ein. Behauptungen, die Demonstranten hätten Pflastersteine geworfen konnten nur noch hartgesottene Jünger der Regierung beeindrucken und mussten schnell zurück genommen werden. Plötzlich verschwanden Videos aus dem Internet, nur um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Das Netz vergisst nichts. Eine Hand voll Medien kann man beeinflussen, ein ganzes Netz davon nicht mehr.

Pandorische Büchse
Hier zeigt sich, dass die Politik-PR alter Schule den Zug verpasst hat. Ein Paradigmenwechsel hat sich vollzogen. Das Internet erzeugt eine digitale Öffentlichkeit, die sich weder kontrollieren noch unterdrücken lässt. Das Meinungsmonopol der großen Medien ist gebrochen. Die Staatsgewalt kann nicht mehr unbeobachtet eingreifen, wenn alles live im Netz übertragen wird. Statt dem orwellschen Überwachungsstaat haben wir den überwachten Staat. Kein Wunder, dass Diktaturen alles dran setzen, das Internet zu bekämpfen. Dafür ist es bei uns bereits zu spät. Pandora hat ihre Büchse bereits geöffnet.

Unterschiedliche Betrachtungswinkel
Im Gegensatz zu professionellen Medien erfüllen die unzähligen kleinen Kanäle keine journalistischen Standards. Sogenannte Bürgerjournalisten, die neue Publikationsmöglichkeiten wie Blogs nutzen sind selten ausgebildete Journalisten und erheben gar nicht erst den Anspruch auf Objektivität oder gesicherte Quellen. Doch wen interessieren qualitative Standards, wenn diese ebenso durch eine Meinung gefärbt sind und einer eigenen Agenda dienen? Ich habe heute die Möglichkeit über das Internet zwischen vielen offiziellen und inoffiziellen Kanälen zu vergleichen und mache mir dann ein Bild aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln. Dabei bemerke ich, wie weit die Interpretationen auseinander liegen. Wenn ich das Berichtete selbst erlebt habe, was in Stuttgart derzeit öfters passieren kann, dann erschrickt es mich, wie fern davon das öffentlich erzeugte Bild bisweilen ist. Als Medienkonsument muss ich selbst über die Glaubwürdigkeit verschiedener Medien urteilen. Und das geht heute besser durch Vergleichsmöglichkeiten.

Virale Kommunikation
Das Medium verändert den Konsumenten. Nicht jeder Medienkonsument produziert selbst Inhalte in dem er blogt, twittert oder Videos online stellt. Er gibt jedoch Informationen in sein digitales soziales Netzwerk weiter und kommentiert diese oft noch. Durch seine Wahl und seine Meinung wird der Nutzer zum Redakteur und Kommentator, trägt damit zur digitalen Öffentlichkeit bei. Das hat er früher am Stammtisch getan, der ist jetzt jedoch global vernetzt. Informationen können sich dadurch viral verbreiten. Und das ist nicht mehr steuerbar. Es gibt kein Information- und Meinungsmonopol mehr, Journalismus ist nicht mehr das, was er einmal war.

Digitale Öffentlichkeit
Die Kommunikation zwischen Regierung und Bürger muss und wird sich wandeln. Aber nicht nur eine größere Transparenz wird das Resultat dieses Wandels sein, es werden auch neue Techniken entwickelt werden, die digitale Öffentlichkeit zu manipulieren. PR-Agenturen spezialisieren sich zunehmend auf Social Media und nutzen dazu Techniken wie Astroturfing, dem Vortäuschen einer Bürgerbewegung im Netz. Ebenso wird der Astroturfingvorwurf genutzt, um Bürgerbewegungen zu diffamieren.Die digitale Öffentlichkeit ist das neue Schlachtfeld der Medien um die Meinungshoheit. Nur wer sich diese sich im konstanten Wandel befindende Welt versteht, kann in ihr erfolgreich kommunizieren und differenziert konsumieren. Wir befinden uns in einer Übergangszeit wo das alte Weltbild auf das neue stößt. Das diese Schlacht nicht nur im virtuellen Raum ausgefochten wird, hat uns der 30.9. im Stuttgarter Schlosspark gezeigt.

Quellen:

Der 30.9. und Stuttgart21 in den Medien:

Polizeieinsatz 30.9., Polizeiversion:
http://org.polizei-bwl.de/ppstuttgart/Seiten/Stuttgart21Video.aspx

Polizeigewalt in Stuttgart, YouTube:
http://www.youtube.com/results?search_query=stuttgart+polizeigewalt

Politiker Peter Hauk versucht, die Geschichte umzudeuten:
http://www.youtube.com/watch?v=ju3cCKqz9bg

Gewerkschaft der Polizei im SWR:
http://www.youtube.com/watch?v=4Lx0O0k1l9w

Stuttgart21 live ins Netz gestreamt von Gegnern:
http://www.cams21.de/

Bestzung und Räumung eines Hauses aus Besetzersicht, Mitschnitt eines Livestreams:
http://bambuser.com/channel/tilman36/broadcast/1094091

Kritischer Internetfersehsender zu Stuttgart21:
http://www.fluegel.tv/

Artikel über eingeschleuste Provokateure:
http://www.abendblatt.de/hamburg/article1665966/Wir-werden-von-der-Politik-verheizt-Polizisten-erzaehlen.html

Und dazu die taz:
http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/wie-scharfe-kampfhunde/

Neue Kommunikationsformen:

Bürgerjournalismus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Graswurzel-Journalismus

Virale Kommunikation (im Marketing):
http://de.wikipedia.org/wiki/Virales_Marketing

Grundlagen zur viralen Kommunikation: 
http://de.wikipedia.org/wiki/Internet-Ph%C3%A4nomen
http://de.wikipedia.org/wiki/Mem

Definition Astroturfing:
http://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing

Astroturfing bei Stuttgart21:
http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-stuttgart-astroturfing-geheimkampf-um-botschaften-im-netz-1.1008550

Astroturfing der Atomlobby:
http://www.zeit.de/2008/17/Atomlobby

Antiastrosurfing:
http://www.thenewpr.com/wiki/pmwiki.php?pagename=AntiAstroturfing.HomePage

Widerstand geht durch den Magen.

Ich kann’s nicht sein lassen und hab schon wieder einen neuen Blog ins Netz gestellt. Diesmal jedoch nicht alleine, sondern mit ein paar Freunden zusammen. Die Idee dazu ist gekommen, als wir nach einer Demo vom Hunger geplagt waren und uns dachten: Widerstand geht durch den Magen! Ein Kochblog mit Rezepten und Geschichten würde hoffentlich nicht nur uns Spaß machen, sondern auch anderen gefallen. Wir werden Gäste einladen die selbst kochen oder einfach nur mitessen und ihre Geschichte vom Widerstand erzählen.

Hier ist die Adresse: derkesselkocht.blogspot.com

www.facebook.com/derkesselkocht

Ich werde die Geschichten aus dem Blog auch hier nochmal veröffentlichen, aber im Originalblog sind sie schöner anzuschauen.

Hier stellen wir uns mal vor:

Widerstand geht durch den Magen.

Democracy can sometimes be a little bit difficult. Und hungrig macht sie auch, wenn man sein Grundrecht auf Versammlungs- sowie seine Meinungsfreiheit regelmäßig ausübt. Und das ist in Stuttgart ja gerade en vogue.

Widerstand geht durch den Magen, haben wir uns gedacht und uns zum Kochen getroffen. Wir haben passende Rezepte für Berufsdemonstranten und instrumentalisierte Kinder ausprobiert und stellen sie künftig in diesem Blog vor.Schon mal spicken, was als erstes kommt? Okay. Pfefferspraysteak, flambiert.

Guten Appetit und oben bleiben!

Birgit Neusser: Hat für alles ein Rezept. Wenn nicht, dann erfindet sie eben eins.
Jürgen Kern: Hat nicht nur eine beeindruckende Küchenutensieliensammlung, er kann auch mit ihr umgehen und besitzt auch einen atomstromfreien Herd.
Martin Zentner: Hat vor 20 Jahren als Tellerwäscher angefangen, wartet noch drauf Millionär zu werden. Mit Schnappschüssen wird er das nicht.
Dora Asemwald: Die Stuttgarter Blogette lässt gerne kochen und gibt dann ihren Senf dazu. Sie kann sehr gut Brezeln schmieren.
Anton Katz: Solange ihn niemand vom Tisch verjagt und der Napf voll ist hat er nichts gegen die Kochrunde einzuwenden.
Der Kessel Hat uns inspiriert, ist Namensgeber unseres Blogs.

Der neue Graben

Freunde und Helfer für's Grobe: Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit
Freunde und Helfer für's Grobe: Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit

Überall zu lesen, und natürlich auch zu erleben: Durch die einst friedliche Stadt Stuttgart geht nun ein tiefer Graben. Auf der einen Seite die Befürworter des Großbauprojekts Stuttgart21, auf der anderen Seite dessen Gegner. Die einen glauben der Regierung, der Bahn und deren Gutachter, die anderen den Gegengutachtern, die die Fehler des Projekts anmahnen. Welche der beiden Seiten Recht hat liegt für beide Seiten natürlich klar auf der Hand, wird sich aber eigentlich erst in ferner Zukunft zeigen. Versuche, den Graben zu überbrücken scheiterten stets daran, dass kein Kompromiss zwischen beiden Seiten möglich ist. Entweder oder. K21 oder S21. Die einen demolieren, die anderen demonstrieren. Die einen blockieren, die anderen tragen sie wieder weg, im großen Ganzen friedlich, egal ob Protestler oder Polizist.

Staatsgewalt
Bis vor kurzem jedenfalls. Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) nennt sich jene Bande, die kastanienwerfenden Jugendlichen, langhaarigen Berufsdemonstranten und arbeitslosen Rentnern ein Lektion zum Thema „Staatsgewalt“ lehrten. Moderner Medientechnik sei Dank, dass auch die Nichtanwesenden auf allen Kanälen miterleben konnten was einem widerfährt, wenn man sich dem Fortschritt entgegen stellt. Ein Bild entstand, welches nur schwer vereinbar mit den Idealen unserer Gesellschaft und unseres Rechtsstaates ist und somit einer bald erhofften Wiederwahl der Regierenden im Landtag im Wege steht. Es sei denn, man schafft es mit vereinten Kräften das Bild umzudrehen, die Opfer zu Tätern zu machen.

Der neue Graben
Hier verläuft der neue Graben, besser gesagt die tiefe Schlucht. Die einen betrachten die blutige Niederschlagung der Blockade (so nennt man es, wenn so etwas im Iran oder in China passiert) als ein Verbrechen, für welches die Schläger sowie jene, die sie geschickt haben zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Die anderen sehen im Verhalten der BFE Notwehr und die Notwendigkeit, einen demokratisch mit allen Mitteln juristischer Kunst durchgesetzten Beschluss umzusetzen. Die Kinder wären von ihren Eltern und Lehrern instrumentalisiert worden und als „lebendige Schutzschilde“ gegen die gerechtfertigt gewalttätigen Einheiten gehetzt worden. So liest und hört man es jedenfalls in Kommentaren jener, die dem Ministerpräsident die Treue halten. Anstelle von Entschuldigungen oder Reue wird zum medialen Gegenschlag gerufen.

Verboten: Auf Polizeiauto sitzen. Erlaubt: Knüppel ins Gesicht?

David gegen Goliath
Im Gegensatz zu den Gegnern waren außer den Polizisten wohl kaum Anhänger der Wasserwerferpolitik anwesend. Sie müssen darauf vertrauen wie MP Mappus die Situation für sie beurteilt. Ich war selbst dabei, muss mir also kein mediales Bild vom Geschehenen machen, hab mein eigenes: David gegen Goliath, nur dass David seine Schleuder zu Hause vergessen hatte. Ich versuch ja immer nachzuvollziehen, was in den Köpfen auf der anderen Seite des Grabens so vorgeht. Das hier kapier ich aber einfach nicht: Was treibt einen Menschen dazu, diesen staatlich verordneten Amoklauf gut zu heißen, die Schuld bei Eltern und Lehrern zu suchen? Bis vor kurzem dachte ich es gäbe einen gesellschaftlichen Konsens über Friede, Freude und Eierkuchen. Vielleicht bin ich aber doch eine zu naive Gutmenschin.

Protestalltag: Die einen blockieren, die anderen tragen weg. Noch sind die Knüppel im Sack.

In meiner Welt ist es unentschuldbar unbewaffnete (mal abgesehen von Wurfkastanien) Demonstranten durch den Einsatz exzessiven unmittelbaren Zwangs (Knüppel, Wasserwerfer, Reizgas, Fäuste) in die Flucht und in die Fresse zu schlagen. Der Mangel an Reue des Ministerpräsidenten lässt darauf schließen, dass er das zumindest billigend in Kauf genommen hat, es ihm eigentlich am Arsch vorbei geht solange es nicht seine Auge ist, das raushängt. Auf welchem Planet lebt eigentlich ein Mensch, der so etwas gut findet? Der ein Regime unterstützt, welches Politik mit dem Schlagstock durchsetzt? Nicht auf meinem.

Ich bin zu tiefst erschrocken, wie viele Bürger dem Geschwätz unserer Regierung Glauben schenken. Das ist noch viel schlimmer als mit anzusehen, wie Mappus versucht seinen Arsch zu retten. Über den Graben, der uns trennt will ich keine Brücke schlagen, sonst könnte jemand vom Gesindel der anderen Seite in meine Welt kommen.

Ich frage mal die Christen von der CDU: Wie vereinbart ihr die Lehre Jesu Christi mit dem Vorgehen im Park und an eurer Parteispitze? Schaut in eure eigenen Reihen und passt auf, dass man euch das C im Namen nicht aberkennt.

Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?

Ich geh ja ganz gern mal im Schlosspark spazieren, aber das ist ja jetzt nicht mehr ganz so sicher. Letzten Donnerstag bin ich da auf eine Bande schwarz gekleideter, vermummter Randalierer gestoßen die alles vermöbelt haben was sich ihnen in den Weg gestellt hat, egal ob jung oder alt. Ihre Kumpels in den gelben Westen haben dann alles was da so an Grünzeug rumstand zu Kleinholz verarbeitet. Irgendjemand hat wohl die Polizei gerufen, die hat aber auch nur doof zugeschaut. Ob Stuttgarts Ruf als sichere und kinderfreundliche Stadt so noch lange aufrecht erhalten werden kann, wag ich mal anzuzweifeln.

Wenn ich mich genau entsinne sieht man diese Typen auch immer auf jeder Demo. Wenn man sie fragt, warum sie da seien, antworten sie gerne mal: „Ich tu hier nur meine Arbeit.“. Jetzt ist alles klar: Hier handelt es sich um die oft beschworenen gewaltbereiten Berufsdemonstranten! Also, liebe Kinder, Rentner und andere Bürger. Gebt acht vor den schwarzen Männern und Frauen mit Helmen! Die sind bewaffnet und demonstrieren das auch gerne.

Zuvor erschienen auf brezel.me

Geheimnisvoller Fernsehturm

Vor kurzem wurde ich gefragt, woher der Name Stuttgart 21 wohl komme? Hat es was mit dem 21. Jahrhundert zu tun? Wird es 21.000.000.000 € kosten oder 21 Jahre lang gebaut werden? Würde alles passen, die Geschichte ist jedoch eine andere. Da ich keine hieb- und stichfesten Fakten habe muss ich darauf hinweißen, dass der folgende Artikel spekulativ ist. Er ist jedoch so interessant, dass ich ihn euch nicht vorenthalten will:

1967 trafen sich ertmals eine Gruppe von einflussreichen Personen aus Politik, Wirtschaft, Medien und andere Wichtigtuer im Stuttgarter Fernsehturm um über die weitere Entwicklung der prosperierenden Autostadt zu diskutieren. Sie nannten sich die Fernsehturm-Gruppe und tagten seit dem einmal jährlich. Diese Fernsehturm-Konferenzen waren nie eine offizielle Veranstaltung, die Presse schwieg darüber und keins der dort jährlich verabschiedeten Protokolle ist je an die Öffentlichkeit gekommen. Die sorgfältig ausgewählten Gäste, stets hochrangige Vertreter mächtiger Institutionen, planten seither dort die Entwicklung unserer Stadt schon lange bevor sie in der Öffentlichkeit diskutiert wurde.

Unlängst verschaffte mir eine gute Bekannte Einblick in einige der geheimen Protokolle. Selbstredend kann ich die Namen meiner Informanten hier nicht preisgeben. Ich kann hier nur wiedergeben, was ich bei meinem kurzen Einblick in die Papiere vor die Augen bekam.

Vorab muss ich erzählen, dass die Fernsehturm-Gruppe Zugang zu einem bislang nicht bekannten Großbunker aus den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges hatte, der sich weit unterhalb des Rathauses befindet. 1972 richteten sie dort ein Forschungslabor ein, welches den Institutionen der Gruppe ermöglichte, jenseits neugiereiger Blicke der Öffentlichkeit und staatlicher Kontrollen zu forschen. Hier konnten sie problemlos Methoden anwenden, die ethisch fragwürdig waren oder Technologien einsetzen, die noch unter Verschluss gehalten werden mussten. Das sogenannte Institut für Zukunftsfragen prosperierte und wurde zum Mekka schwäbischen Tüftlertums im Grenzbereich.

Der Bau der S-Bahn unter Stuttgart in den Siebzigern machte es einfach, den Bunker unauffällig auszubauen. Doch als die S-Bahn fertig gestellt war, musste auch der weiter Ausbau der Bunkeranlage gestoppt werden. Die drohte jedoch im Verlauf der nächsten Jahre an ihre Grenzen zu stoßen. Bei der 20. Konferenz am 12. Juni 1986 wurde das Projekt „Stuttgart20“ zum weiteren Ausbau des Labors  in die Wege geleitet.

Im Lauf des folgenden Jahres wurde jedoch klar, dass die geplanten Umbauarbeiten nicht unbemerkt geschehen konnten. Die Vibrationen der Baumaschinen und der entstehende Aushub wären nicht zu tarnen gewesen. Dies war das bestimmende Thema bei der 21. Konferenz. Eine Lösung wurde jedoch gefunden. Im Protokoll „Stuttgart 21“ wurde beschlossen, eine massive städtebauliche Maßnahme im Untergrund von Stuttgart als Tarnung des eigentlichen Ausbaus des Labors vorzunehmen: Der Bau eines unterirdischen Fernbahntunnels. Der Vertreter der Bahn in der Gruppe sollte nun ein solches Vorhaben forcieren. Da ein Projekt dieser Größenordnung und die einhergehenden Entscheidungsfindungen nicht ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden konnte wurde in den nächsten Jahren viel diskutiert und geplant. 1994 wurde dann das Projekt „Stuttgart 21“ öffentlich vorgestellt.

Das der Projektname der Konferenz auch zum offiziellen Namen wurde liegt Gerüchten zufolge an einem Fehler, der der damaligen Sekretärin des Gruppenvorsitzenden unterlaufen ist. Ich konnte die Information leider nicht zurückverfolgen. Es scheint, als hätte die Dame nie existiert.

Interne Querelen um Auftragsvergaben und Finanzierungen haben das Projekt danach ausgebremst, sodass der Baubeginn erst im Februar 2010 stattfinden konnte. Der Ausbau des Instituts für Zukunftsfragen war längst überfällig. Um so ärgerlicher für die Gruppe, dass die Akzeptanz der Bevölkerung geringer ausfiel als geahnt. Wenngleich man rechtlich den Boden geebnet hatte drohen nun die politischen Verhältnisse zu entgleisen. Dieses Jahr wurden zum ersten mal in der Geschichte der Gruppe zwei Konferenzen ausgerichtet und ein permanenter Krisenstab einberufen, der das Bauvorhaben forcieren soll bevor einzelne Politiker dem Druck ihrer Wähler oder der Bund dem Kostendruck nachgeben würden.

Leider haben weitere Recherchen zu dem Thema nicht viel ergeben. Meine Gesprächspartner waren eher schweigsam und ängstlich. Ich habe darauf verzichtet Namen zu nennen. Ich möchte auch nochmals darauf hinweißen, dass es sich bei diesem Artikel nicht um gesicherte Fakten handelt und davon abraten, auf eigene Faust weiter zu recherchieren da die Fernsehturm-Gruppe die Mittel hat, jeden zum Schweigen zu bringen. Ich weiß, dass ich hiermit mein Glück herausfordere. Ich habe mich jedoch so gut wie möglich abgesichert. Im Fall meines Verschwindens ist mein Notar dazu bevollmächtigt, einen ganzen Stapel Unterlagen herauszurücken die vielleicht rechtlich nicht relevant aber für manche verdammt peinlich sind.