Geld verbrennen leicht gemacht

Schon mal davon geträumt im Säulengang des Königsbau zu stehen, mit Geld beregnet zu werden und dieses dann verbrennen zu müssen, bevor es auf dem Boden aufkommt? Nein? Hab ich auch noch nicht. Wem diese Phantasie jedoch zusagt , der kann das jetzt im „Stuttgart 21“-Spiel auf den iPhone virtuell erleben. Aber Obacht: Es regnet auch „… es stimmt aber auch“-Flyer, doch die muss man verschonen, sonst verliert man eines seiner drei neuen Herzen Europas. Hat man keines mehr, dann hat man den Anschluss an die Zukunft, äh ne, das Spiel verloren. Leider kann man keine Abkratzprämie kassieren oder das Geld anstelle zu verbrennen in die eigene Tasche schieben. Für Version 2 ist noch Entwicklungspotenzial.

http://www.stuttgart21-game.de/

P.S.: Inkonsequenterweise gibt es das Spiel für lau.

Erschienen auf brezel.me

Tu IHN unten rein!

Letzten Samstag auf dem Schlossplatz: Große Veranstaltung der Freunde des geplanten Tiefbahnhofes. Um gegen die grün bebuttonte Gegnerschaft Flagge zu zeigen gab’s auch Merchandise. Ein Shirt hat mich jedoch verwirrt: „Tu IHN unten rein! Stuttgart 21“. Wer ist „IHN“? Und meinen die hinten oder vorne?

Foto von Martin Anner

Erschienen auf brezel.me

Nachtrag (10. Oktober 2012)

Jennifer Roth, damals Mitglied der IG Bürger für Stuttgart 21, in einem Facebookkommentar:

„Es begab sich zu einer Zeit, als die IG Bürger neue Shirts mit dem bekannten S21-Logo haben wollte. Zu diesem Zweck wurden beim einem T-Shirt Hersteller diverse Probe-Shirts geordert, die die verschiedenen Aufdruck-Arten verdeutlichen sollten. Der gute Mann wusste, für wen dieser Auftrag laufen sollte und hat sich mit selbigem Spruch einen Spaß erlaubt. Es gab EIN T-Shirt davon, welches auf einer Sitzung der IG rumging, bekichert, ABER einstimmig beschlossen wurde, dass es NICHT rausgegeben wird. Leider gelangte das gute Stück dann dank eines übereifrigen Mitstreiters doch an den Stand und hing dort. Eine Dame hat es später gekauft und das Geschrei war natürlich groß. der T-Shirt Hersteller hat den „Hype“ dann aufgegriffen und eigenmächtig auf seiner ebay-Seite weitere Shirts vertrieben, die er hergestellt hatte, OHNE dass die IG Bürger jemals den Auftrag dafür erteilt hätte! Meines Wissens nach wurde auch versucht, dagegen vorzugehen, war aber wohl nicht von Erfolg gekrönt. Ich habe noch ein Bild auf meinem alten Handy von diesem EINEN Shirt, weil ich davon ausging, dass es ohnehin wegkommen im Sinne von vernichtet oder weggeräumt wurde. hätte man verhindern können, ist aber passiert. Jedoch ist DAS die Wahrheit dahinter, die aber keiner hören/lesen will. Lieber schießt man sich darauf ein. dass am Bahnhof schon ein lebensgroßer Protestpimmel rumlief und dabei einen Kinderwagen schob, wird hingegen als bunt und kreativ abgetan, was ich persönlich auch geschmacklos fand. Beide Seiten schenken sich diesbezüglich nichts.“

Der überwachte Staat

Gewalttätige Chaoten greifen die Polizei an, die sich mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Tränengas wehren müssen – so hätten das einige am 30.9. gerne gehört. Zu dumm dass es ganz anders gelaufen ist. Aber die Wahrheit interessiert hier keinen, die Wahrheit wird gemacht. Die großen Medien bestimmen, wie das Geschehene interpretiert wird. Die öffentlich rechtlichen machen Personalpolitik nach Parteibuch, für die privaten gilt: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Und es ist nicht das Brot vom Leser.
Um besonders eindrückliche Bildbeweise zu bekommen hilft es natürlich ein paar Provokateure in die Reihen der Gegner einzuschleusen (siehe Hamburger Abendblatt). Bilder randalierender Staatsfeinde jagen den unbescholtenen Bürgern die nötige Angst ein um sie in die Arme einer Law-and-Order-Regierung zu treiben. So funktioniert die Diffamierung der andersdenkenden Masse auf der Straße, so wird Meinung gemacht, so wird Politik gemacht. Oder besser gesagt: wurde.

Die Rechnung ohne den Wirt
Dummerweise hatten die Demonstranten statt Pflastersteinen etwas viel gefährlicheres in den Händen: Kameras. Die Strategen hinter dem Übergriff am 30.9. haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. In diesem Fall heißt der Wirt YouTube. Lange bevor PR-Berater die Chance hatten, das Geschehene umzudeuten war es schon online und drang ins öffentliche Bewusstsein ein. Behauptungen, die Demonstranten hätten Pflastersteine geworfen konnten nur noch hartgesottene Jünger der Regierung beeindrucken und mussten schnell zurück genommen werden. Plötzlich verschwanden Videos aus dem Internet, nur um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Das Netz vergisst nichts. Eine Hand voll Medien kann man beeinflussen, ein ganzes Netz davon nicht mehr.

Pandorische Büchse
Hier zeigt sich, dass die Politik-PR alter Schule den Zug verpasst hat. Ein Paradigmenwechsel hat sich vollzogen. Das Internet erzeugt eine digitale Öffentlichkeit, die sich weder kontrollieren noch unterdrücken lässt. Das Meinungsmonopol der großen Medien ist gebrochen. Die Staatsgewalt kann nicht mehr unbeobachtet eingreifen, wenn alles live im Netz übertragen wird. Statt dem orwellschen Überwachungsstaat haben wir den überwachten Staat. Kein Wunder, dass Diktaturen alles dran setzen, das Internet zu bekämpfen. Dafür ist es bei uns bereits zu spät. Pandora hat ihre Büchse bereits geöffnet.

Unterschiedliche Betrachtungswinkel
Im Gegensatz zu professionellen Medien erfüllen die unzähligen kleinen Kanäle keine journalistischen Standards. Sogenannte Bürgerjournalisten, die neue Publikationsmöglichkeiten wie Blogs nutzen sind selten ausgebildete Journalisten und erheben gar nicht erst den Anspruch auf Objektivität oder gesicherte Quellen. Doch wen interessieren qualitative Standards, wenn diese ebenso durch eine Meinung gefärbt sind und einer eigenen Agenda dienen? Ich habe heute die Möglichkeit über das Internet zwischen vielen offiziellen und inoffiziellen Kanälen zu vergleichen und mache mir dann ein Bild aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln. Dabei bemerke ich, wie weit die Interpretationen auseinander liegen. Wenn ich das Berichtete selbst erlebt habe, was in Stuttgart derzeit öfters passieren kann, dann erschrickt es mich, wie fern davon das öffentlich erzeugte Bild bisweilen ist. Als Medienkonsument muss ich selbst über die Glaubwürdigkeit verschiedener Medien urteilen. Und das geht heute besser durch Vergleichsmöglichkeiten.

Virale Kommunikation
Das Medium verändert den Konsumenten. Nicht jeder Medienkonsument produziert selbst Inhalte in dem er blogt, twittert oder Videos online stellt. Er gibt jedoch Informationen in sein digitales soziales Netzwerk weiter und kommentiert diese oft noch. Durch seine Wahl und seine Meinung wird der Nutzer zum Redakteur und Kommentator, trägt damit zur digitalen Öffentlichkeit bei. Das hat er früher am Stammtisch getan, der ist jetzt jedoch global vernetzt. Informationen können sich dadurch viral verbreiten. Und das ist nicht mehr steuerbar. Es gibt kein Information- und Meinungsmonopol mehr, Journalismus ist nicht mehr das, was er einmal war.

Digitale Öffentlichkeit
Die Kommunikation zwischen Regierung und Bürger muss und wird sich wandeln. Aber nicht nur eine größere Transparenz wird das Resultat dieses Wandels sein, es werden auch neue Techniken entwickelt werden, die digitale Öffentlichkeit zu manipulieren. PR-Agenturen spezialisieren sich zunehmend auf Social Media und nutzen dazu Techniken wie Astroturfing, dem Vortäuschen einer Bürgerbewegung im Netz. Ebenso wird der Astroturfingvorwurf genutzt, um Bürgerbewegungen zu diffamieren.Die digitale Öffentlichkeit ist das neue Schlachtfeld der Medien um die Meinungshoheit. Nur wer sich diese sich im konstanten Wandel befindende Welt versteht, kann in ihr erfolgreich kommunizieren und differenziert konsumieren. Wir befinden uns in einer Übergangszeit wo das alte Weltbild auf das neue stößt. Das diese Schlacht nicht nur im virtuellen Raum ausgefochten wird, hat uns der 30.9. im Stuttgarter Schlosspark gezeigt.

Quellen:

Der 30.9. und Stuttgart21 in den Medien:

Polizeieinsatz 30.9., Polizeiversion:
http://org.polizei-bwl.de/ppstuttgart/Seiten/Stuttgart21Video.aspx

Polizeigewalt in Stuttgart, YouTube:
http://www.youtube.com/results?search_query=stuttgart+polizeigewalt

Politiker Peter Hauk versucht, die Geschichte umzudeuten:
http://www.youtube.com/watch?v=ju3cCKqz9bg

Gewerkschaft der Polizei im SWR:
http://www.youtube.com/watch?v=4Lx0O0k1l9w

Stuttgart21 live ins Netz gestreamt von Gegnern:
http://www.cams21.de/

Bestzung und Räumung eines Hauses aus Besetzersicht, Mitschnitt eines Livestreams:
http://bambuser.com/channel/tilman36/broadcast/1094091

Kritischer Internetfersehsender zu Stuttgart21:
http://www.fluegel.tv/

Artikel über eingeschleuste Provokateure:
http://www.abendblatt.de/hamburg/article1665966/Wir-werden-von-der-Politik-verheizt-Polizisten-erzaehlen.html

Und dazu die taz:
http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/wie-scharfe-kampfhunde/

Neue Kommunikationsformen:

Bürgerjournalismus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Graswurzel-Journalismus

Virale Kommunikation (im Marketing):
http://de.wikipedia.org/wiki/Virales_Marketing

Grundlagen zur viralen Kommunikation: 
http://de.wikipedia.org/wiki/Internet-Ph%C3%A4nomen
http://de.wikipedia.org/wiki/Mem

Definition Astroturfing:
http://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing

Astroturfing bei Stuttgart21:
http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-stuttgart-astroturfing-geheimkampf-um-botschaften-im-netz-1.1008550

Astroturfing der Atomlobby:
http://www.zeit.de/2008/17/Atomlobby

Antiastrosurfing:
http://www.thenewpr.com/wiki/pmwiki.php?pagename=AntiAstroturfing.HomePage

Widerstand geht durch den Magen.

Ich kann’s nicht sein lassen und hab schon wieder einen neuen Blog ins Netz gestellt. Diesmal jedoch nicht alleine, sondern mit ein paar Freunden zusammen. Die Idee dazu ist gekommen, als wir nach einer Demo vom Hunger geplagt waren und uns dachten: Widerstand geht durch den Magen! Ein Kochblog mit Rezepten und Geschichten würde hoffentlich nicht nur uns Spaß machen, sondern auch anderen gefallen. Wir werden Gäste einladen die selbst kochen oder einfach nur mitessen und ihre Geschichte vom Widerstand erzählen.

Hier ist die Adresse: derkesselkocht.blogspot.com

www.facebook.com/derkesselkocht

Ich werde die Geschichten aus dem Blog auch hier nochmal veröffentlichen, aber im Originalblog sind sie schöner anzuschauen.

Hier stellen wir uns mal vor:

Widerstand geht durch den Magen.

Democracy can sometimes be a little bit difficult. Und hungrig macht sie auch, wenn man sein Grundrecht auf Versammlungs- sowie seine Meinungsfreiheit regelmäßig ausübt. Und das ist in Stuttgart ja gerade en vogue.

Widerstand geht durch den Magen, haben wir uns gedacht und uns zum Kochen getroffen. Wir haben passende Rezepte für Berufsdemonstranten und instrumentalisierte Kinder ausprobiert und stellen sie künftig in diesem Blog vor.Schon mal spicken, was als erstes kommt? Okay. Pfefferspraysteak, flambiert.

Guten Appetit und oben bleiben!

Birgit Neusser: Hat für alles ein Rezept. Wenn nicht, dann erfindet sie eben eins.
Jürgen Kern: Hat nicht nur eine beeindruckende Küchenutensieliensammlung, er kann auch mit ihr umgehen und besitzt auch einen atomstromfreien Herd.
Martin Zentner: Hat vor 20 Jahren als Tellerwäscher angefangen, wartet noch drauf Millionär zu werden. Mit Schnappschüssen wird er das nicht.
Dora Asemwald: Die Stuttgarter Blogette lässt gerne kochen und gibt dann ihren Senf dazu. Sie kann sehr gut Brezeln schmieren.
Anton Katz: Solange ihn niemand vom Tisch verjagt und der Napf voll ist hat er nichts gegen die Kochrunde einzuwenden.
Der Kessel Hat uns inspiriert, ist Namensgeber unseres Blogs.

Der neue Graben

Freunde und Helfer für's Grobe: Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit
Freunde und Helfer für's Grobe: Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit

Überall zu lesen, und natürlich auch zu erleben: Durch die einst friedliche Stadt Stuttgart geht nun ein tiefer Graben. Auf der einen Seite die Befürworter des Großbauprojekts Stuttgart21, auf der anderen Seite dessen Gegner. Die einen glauben der Regierung, der Bahn und deren Gutachter, die anderen den Gegengutachtern, die die Fehler des Projekts anmahnen. Welche der beiden Seiten Recht hat liegt für beide Seiten natürlich klar auf der Hand, wird sich aber eigentlich erst in ferner Zukunft zeigen. Versuche, den Graben zu überbrücken scheiterten stets daran, dass kein Kompromiss zwischen beiden Seiten möglich ist. Entweder oder. K21 oder S21. Die einen demolieren, die anderen demonstrieren. Die einen blockieren, die anderen tragen sie wieder weg, im großen Ganzen friedlich, egal ob Protestler oder Polizist.

Staatsgewalt
Bis vor kurzem jedenfalls. Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) nennt sich jene Bande, die kastanienwerfenden Jugendlichen, langhaarigen Berufsdemonstranten und arbeitslosen Rentnern ein Lektion zum Thema „Staatsgewalt“ lehrten. Moderner Medientechnik sei Dank, dass auch die Nichtanwesenden auf allen Kanälen miterleben konnten was einem widerfährt, wenn man sich dem Fortschritt entgegen stellt. Ein Bild entstand, welches nur schwer vereinbar mit den Idealen unserer Gesellschaft und unseres Rechtsstaates ist und somit einer bald erhofften Wiederwahl der Regierenden im Landtag im Wege steht. Es sei denn, man schafft es mit vereinten Kräften das Bild umzudrehen, die Opfer zu Tätern zu machen.

Der neue Graben
Hier verläuft der neue Graben, besser gesagt die tiefe Schlucht. Die einen betrachten die blutige Niederschlagung der Blockade (so nennt man es, wenn so etwas im Iran oder in China passiert) als ein Verbrechen, für welches die Schläger sowie jene, die sie geschickt haben zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Die anderen sehen im Verhalten der BFE Notwehr und die Notwendigkeit, einen demokratisch mit allen Mitteln juristischer Kunst durchgesetzten Beschluss umzusetzen. Die Kinder wären von ihren Eltern und Lehrern instrumentalisiert worden und als „lebendige Schutzschilde“ gegen die gerechtfertigt gewalttätigen Einheiten gehetzt worden. So liest und hört man es jedenfalls in Kommentaren jener, die dem Ministerpräsident die Treue halten. Anstelle von Entschuldigungen oder Reue wird zum medialen Gegenschlag gerufen.

Verboten: Auf Polizeiauto sitzen. Erlaubt: Knüppel ins Gesicht?

David gegen Goliath
Im Gegensatz zu den Gegnern waren außer den Polizisten wohl kaum Anhänger der Wasserwerferpolitik anwesend. Sie müssen darauf vertrauen wie MP Mappus die Situation für sie beurteilt. Ich war selbst dabei, muss mir also kein mediales Bild vom Geschehenen machen, hab mein eigenes: David gegen Goliath, nur dass David seine Schleuder zu Hause vergessen hatte. Ich versuch ja immer nachzuvollziehen, was in den Köpfen auf der anderen Seite des Grabens so vorgeht. Das hier kapier ich aber einfach nicht: Was treibt einen Menschen dazu, diesen staatlich verordneten Amoklauf gut zu heißen, die Schuld bei Eltern und Lehrern zu suchen? Bis vor kurzem dachte ich es gäbe einen gesellschaftlichen Konsens über Friede, Freude und Eierkuchen. Vielleicht bin ich aber doch eine zu naive Gutmenschin.

Protestalltag: Die einen blockieren, die anderen tragen weg. Noch sind die Knüppel im Sack.

In meiner Welt ist es unentschuldbar unbewaffnete (mal abgesehen von Wurfkastanien) Demonstranten durch den Einsatz exzessiven unmittelbaren Zwangs (Knüppel, Wasserwerfer, Reizgas, Fäuste) in die Flucht und in die Fresse zu schlagen. Der Mangel an Reue des Ministerpräsidenten lässt darauf schließen, dass er das zumindest billigend in Kauf genommen hat, es ihm eigentlich am Arsch vorbei geht solange es nicht seine Auge ist, das raushängt. Auf welchem Planet lebt eigentlich ein Mensch, der so etwas gut findet? Der ein Regime unterstützt, welches Politik mit dem Schlagstock durchsetzt? Nicht auf meinem.

Ich bin zu tiefst erschrocken, wie viele Bürger dem Geschwätz unserer Regierung Glauben schenken. Das ist noch viel schlimmer als mit anzusehen, wie Mappus versucht seinen Arsch zu retten. Über den Graben, der uns trennt will ich keine Brücke schlagen, sonst könnte jemand vom Gesindel der anderen Seite in meine Welt kommen.

Ich frage mal die Christen von der CDU: Wie vereinbart ihr die Lehre Jesu Christi mit dem Vorgehen im Park und an eurer Parteispitze? Schaut in eure eigenen Reihen und passt auf, dass man euch das C im Namen nicht aberkennt.

Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?

Ich geh ja ganz gern mal im Schlosspark spazieren, aber das ist ja jetzt nicht mehr ganz so sicher. Letzten Donnerstag bin ich da auf eine Bande schwarz gekleideter, vermummter Randalierer gestoßen die alles vermöbelt haben was sich ihnen in den Weg gestellt hat, egal ob jung oder alt. Ihre Kumpels in den gelben Westen haben dann alles was da so an Grünzeug rumstand zu Kleinholz verarbeitet. Irgendjemand hat wohl die Polizei gerufen, die hat aber auch nur doof zugeschaut. Ob Stuttgarts Ruf als sichere und kinderfreundliche Stadt so noch lange aufrecht erhalten werden kann, wag ich mal anzuzweifeln.

Wenn ich mich genau entsinne sieht man diese Typen auch immer auf jeder Demo. Wenn man sie fragt, warum sie da seien, antworten sie gerne mal: „Ich tu hier nur meine Arbeit.“. Jetzt ist alles klar: Hier handelt es sich um die oft beschworenen gewaltbereiten Berufsdemonstranten! Also, liebe Kinder, Rentner und andere Bürger. Gebt acht vor den schwarzen Männern und Frauen mit Helmen! Die sind bewaffnet und demonstrieren das auch gerne.

Zuvor erschienen auf brezel.me

Geheimnisvoller Fernsehturm

Vor kurzem wurde ich gefragt, woher der Name Stuttgart 21 wohl komme? Hat es was mit dem 21. Jahrhundert zu tun? Wird es 21.000.000.000 € kosten oder 21 Jahre lang gebaut werden? Würde alles passen, die Geschichte ist jedoch eine andere. Da ich keine hieb- und stichfesten Fakten habe muss ich darauf hinweißen, dass der folgende Artikel spekulativ ist. Er ist jedoch so interessant, dass ich ihn euch nicht vorenthalten will:

1967 trafen sich ertmals eine Gruppe von einflussreichen Personen aus Politik, Wirtschaft, Medien und andere Wichtigtuer im Stuttgarter Fernsehturm um über die weitere Entwicklung der prosperierenden Autostadt zu diskutieren. Sie nannten sich die Fernsehturm-Gruppe und tagten seit dem einmal jährlich. Diese Fernsehturm-Konferenzen waren nie eine offizielle Veranstaltung, die Presse schwieg darüber und keins der dort jährlich verabschiedeten Protokolle ist je an die Öffentlichkeit gekommen. Die sorgfältig ausgewählten Gäste, stets hochrangige Vertreter mächtiger Institutionen, planten seither dort die Entwicklung unserer Stadt schon lange bevor sie in der Öffentlichkeit diskutiert wurde.

Unlängst verschaffte mir eine gute Bekannte Einblick in einige der geheimen Protokolle. Selbstredend kann ich die Namen meiner Informanten hier nicht preisgeben. Ich kann hier nur wiedergeben, was ich bei meinem kurzen Einblick in die Papiere vor die Augen bekam.

Vorab muss ich erzählen, dass die Fernsehturm-Gruppe Zugang zu einem bislang nicht bekannten Großbunker aus den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges hatte, der sich weit unterhalb des Rathauses befindet. 1972 richteten sie dort ein Forschungslabor ein, welches den Institutionen der Gruppe ermöglichte, jenseits neugiereiger Blicke der Öffentlichkeit und staatlicher Kontrollen zu forschen. Hier konnten sie problemlos Methoden anwenden, die ethisch fragwürdig waren oder Technologien einsetzen, die noch unter Verschluss gehalten werden mussten. Das sogenannte Institut für Zukunftsfragen prosperierte und wurde zum Mekka schwäbischen Tüftlertums im Grenzbereich.

Der Bau der S-Bahn unter Stuttgart in den Siebzigern machte es einfach, den Bunker unauffällig auszubauen. Doch als die S-Bahn fertig gestellt war, musste auch der weiter Ausbau der Bunkeranlage gestoppt werden. Die drohte jedoch im Verlauf der nächsten Jahre an ihre Grenzen zu stoßen. Bei der 20. Konferenz am 12. Juni 1986 wurde das Projekt „Stuttgart20“ zum weiteren Ausbau des Labors  in die Wege geleitet.

Im Lauf des folgenden Jahres wurde jedoch klar, dass die geplanten Umbauarbeiten nicht unbemerkt geschehen konnten. Die Vibrationen der Baumaschinen und der entstehende Aushub wären nicht zu tarnen gewesen. Dies war das bestimmende Thema bei der 21. Konferenz. Eine Lösung wurde jedoch gefunden. Im Protokoll „Stuttgart 21“ wurde beschlossen, eine massive städtebauliche Maßnahme im Untergrund von Stuttgart als Tarnung des eigentlichen Ausbaus des Labors vorzunehmen: Der Bau eines unterirdischen Fernbahntunnels. Der Vertreter der Bahn in der Gruppe sollte nun ein solches Vorhaben forcieren. Da ein Projekt dieser Größenordnung und die einhergehenden Entscheidungsfindungen nicht ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden konnte wurde in den nächsten Jahren viel diskutiert und geplant. 1994 wurde dann das Projekt „Stuttgart 21“ öffentlich vorgestellt.

Das der Projektname der Konferenz auch zum offiziellen Namen wurde liegt Gerüchten zufolge an einem Fehler, der der damaligen Sekretärin des Gruppenvorsitzenden unterlaufen ist. Ich konnte die Information leider nicht zurückverfolgen. Es scheint, als hätte die Dame nie existiert.

Interne Querelen um Auftragsvergaben und Finanzierungen haben das Projekt danach ausgebremst, sodass der Baubeginn erst im Februar 2010 stattfinden konnte. Der Ausbau des Instituts für Zukunftsfragen war längst überfällig. Um so ärgerlicher für die Gruppe, dass die Akzeptanz der Bevölkerung geringer ausfiel als geahnt. Wenngleich man rechtlich den Boden geebnet hatte drohen nun die politischen Verhältnisse zu entgleisen. Dieses Jahr wurden zum ersten mal in der Geschichte der Gruppe zwei Konferenzen ausgerichtet und ein permanenter Krisenstab einberufen, der das Bauvorhaben forcieren soll bevor einzelne Politiker dem Druck ihrer Wähler oder der Bund dem Kostendruck nachgeben würden.

Leider haben weitere Recherchen zu dem Thema nicht viel ergeben. Meine Gesprächspartner waren eher schweigsam und ängstlich. Ich habe darauf verzichtet Namen zu nennen. Ich möchte auch nochmals darauf hinweißen, dass es sich bei diesem Artikel nicht um gesicherte Fakten handelt und davon abraten, auf eigene Faust weiter zu recherchieren da die Fernsehturm-Gruppe die Mittel hat, jeden zum Schweigen zu bringen. Ich weiß, dass ich hiermit mein Glück herausfordere. Ich habe mich jedoch so gut wie möglich abgesichert. Im Fall meines Verschwindens ist mein Notar dazu bevollmächtigt, einen ganzen Stapel Unterlagen herauszurücken die vielleicht rechtlich nicht relevant aber für manche verdammt peinlich sind.

„Die da oben“ diskutieren

Auf meinen letzten Artikel haben ich Zuschriften bekommen, die ich hier nochmals veröffentlichen möchte:

OB Wolfgang Schuster schreibt:

Sehr geehrte Frau Asemwald,

was kümmern Sie sich um Stuttgart 21? Bitte gehen Sie zurück in Ihren Asemwald, und wenn es dort unter Ihrem Block wackelt, sind wir es! Dann werden wir gerade unterwegs sein von der City zum Flughafen, und wenn wir unterirdisch versehentlich Ihren Keller streifen, holen wir uns dort die ganzen K21-, Kein-Stgt21- und Loch21-Aufkleber heraus und verkleben damit Ihre ganze Asemwaldhütte, dass Sie nicht mehr heraus schauen und nicht sehen können, welche Bäume eingehen, welcher Acker einbricht, wo das Wasser versiegt und dass wir sowieso in allem siegen!
Denn was haben Sie schon? Sie haben wenn es hoch kommt 20.000 Stuttgarter hinter sich, aber wir haben die Millionen, das sind unsere Millionen, die Sie bezahlt haben. Na, was sagen Sie jetzt?
An Ihrer Stelle würd ich jetzt auch blöd glotzen, Sie denken die Wahl im März macht uns Sorge? Wir haben vom Stgt21-Etat 42 Millionen herausreserviert für eine ordentliche CDU-Wahlkampagne!!!! Mit sowas gewinnt man immer!

So, und jetzt gehen Sie bitte in Ihren Asemwald zurück, 
mit freundlichen Grüßen
OB Wolfgang Schuster

Wolfgang Drexler schreibt:

Hallo Wolfgang,

des hätt i net denkt, dass Du so direkt argumentiera kosch, so einen intelligenten OB könnt mr au in Esslinga braucha.

Mol eine Frage:
 Soll des Bähnle jetzt au zum Flughafa fahra? I han denkt nach Ulm? Jetzt ben i ganz durcheinander komma, warum sagt mir des koiner?
 Derf i mein Dienstwaga trotzdem behalta? 
Ond noch ebbes… dei blonde Sekretärin… moinsch da lauft was? Kannsch ihr einen Gruß saga von mir?

Bis bald, Dein Wolfgang

PS.: Mach dir koine Sorgen wegen den 20.000 Demonstranten, des send älles bezahlte Kommunisten aus der Ostzone… oder wie des jetzt hoisst…

Hans F. schreibt:

Grüß Gott Wolfgang und Wolfgang (SPD),

hier spricht der Geist von Hans, ihr könnt mich auch Filbi nennen.
Könnt ihr net des ganze Pack in den Nesenbach schmeissen? 
Also mir hätten des 1946 anders gemacht.

Euer Filbi
 der Direkt-Verurteiler

OB Wolfgang Schuster schreibt:

Was…. der Hans!!!!
Du läbsch jetzt wieder? 
Des muß i meiner Frau verzähla!!!

Wolfgang Drexler schreibt:

Jetzt hen die beim Ausgraben zum neua Bahnhof den Filbi ausbuddelt!!!
 Hoffentlich nimmt der mir mein Dienschtwaga nett weg!

Stefan Mappus schreibt:

ihr hen älle net richtig ufbasst, des isch jetzt mei baustella. mir den so als wenn mir des zügle bis ulm fahra lasset. mir gaots eher drom, a saumässige schnellverbindung nach Berlin zum baua, na kao is angela maol ablösa ond trotzdem em Ländle wohna, weils en Berlin koine Kumpel gibt. Ond nao em Tunnel direkt bis Pforza, sonscht krieg i en schtugart bagga voll. die hen mi frier schon emmer verhaua. also Buaba machet weider…..

Angela Merkel schreibt:

Sehr geehrter Herr Mappus,

Ihre Ambitionen auf meinen Posten fallen mir heute nicht zum ersten Mal auf. Doch kann ich meine Wählerinnen und Wähler beruhigen: Mit Emporkömmlingen aus dem Schwäbischen hat mein Ziehvater Helmut Kohl schon seine Erfahrungen gemacht. Ich erinnere an den kometenhaften Niedergang des Lothar Späth. Seien Sie versichert, die entsprechenden Schritte Ihre Person betreffend wurden bereits eingeleitet.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Angela Merkel

Riidiger Grube schreibt:

Meine Herren! Bitte!

Wie oft denn no… ch!

Wir haben das doch schon sooft geübt! Stuttgart Einundzwanzig ist ein Gesamteuropäisches Projekt. Wir haben doch die Vereinbaahrung, dass wir bei der Öffentlichkeitsarbeit Immer Hochdeutsch schw ..schprechen!

Also Herr Mappus, Herr Drexler, Herr Schuster. Bitte halten Sie sich an die Vereinbarungen..

Riidiger Grube,
Der Chef von dem Ganzen

Dora Asemwald schreibt:

Lieber Herr Grube, ihre hanseatischen Wurzeln sind wohl während ihrer diversen Tätigkeiten im Schwabenland verschwabt worden.

Riidiger Grube schreibt:

Entschuldigung,

Ich werde von diesen Schwäbischen Geldeseln, doch am Tag 5 mal angerufen.
Das färbt schon ab.(Die verstehen einen doch auch nicht, wenn man Hochdeutsch spricht) Zumal ich ja auch schon länger im Süden ein Häusle hab.

Eddi Stoiber schreibt:

Servus beinander, hier ist der Ed,

Ja, mi leggst am Oarsch! Wos is den bei eich los? Es is grad 4 Johr her, da samma in 10 Minuten, ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, fast nach Rom, ähh, Charles de Gaulle, oder sonstwo hin g’fahrn. Und jetzt wida so a Theater, nur weil ihr in 8 Minuten nach Heathrow, ähh, an den Flughafen Franz-Josef-Strauß, – wohie auch immer fahrn miast.

Also, wir hätt’n es in 10 Minuten mit dem Transrapid, äh ,äh vom Bahnhof München durch den Tunnel nach Stuttart, äh in zehn Minuten, schneller am Gate in Franfurt.
Ihr wisst scho!

Oba es hod net sei solln: nach oiner von 1,85 auf mehr als 3 Milliarden Euro g’stiegenen Kostenprognose ham sich die Deppen von Bund und Land im März 2008 darauf g’einigt dös Projekt nimma zum baun. Formal hams dös G’schäft dann am 14. April 2008 beendet und I hob mi saumässig blamiert. Saupreißn dreckige, hoit…

Sackl Zement nochamoi, machts weida! Blamierts eich net!!! Spart eich die Blamage jetzt und haut’s Geld zum Fensta aussi, solangs no geht. Abgwählt werds eh!

Und wenn in 20 Johr ois fixundfertig is, hobs as g’schafft:Ihr hobs a Denkmal, wos bisher nur der Franz-Josef mit seim Flughafen g’schafft hat un dann ist der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Bayern, an die bayerischen Städte herangwachsen – weil das ja klar ist, weil aus dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zamalaffa. Host mi?

Außerdem: I hob glesen, da Filbinger hot sie g’meldt. I bin ja g’spannt wann der Franz-Josef anfängt zu grollen. Lang schaut der sie des Kasperlheater bei eich nimma oh, so mei Gfui..

Bleibts tapfer,

Euer Edmund Stoiber
(der Mann mit dem Transrapid)

P.S. grod hob I in da Süddeutschen Zeidung g’lesen, wenn ihr zum grabn ofangst, dann kummst’s Wasser in die Tunnel eina. Woist was: dann fahrt’s doch mit dem U-Boot.
Dös is vielleicht a Fortschritt! In 8 Minuten, mit dem U-Boot nach äh, äh,.
Die bayrische Gebirgsmarine kann helfen! Verlasst eich auf mi!

Lothar Späth schreibt:

Mir könnet also gelassen in die Zukunft schauen. Bald wird alles unterirdisch.
Euer Lothar :-)

Wachgedroht

Stuttgart21 ist das Beste, was uns Stuttgartern je passieren konnte. Verwegene These, bedenkt man, dass ausgerechnet ich sie hier mal in den Raum stelle. Ich hol mal aus:

Vor nicht all zu langer Zeit galt Stuttgart für viele als dröge Provinzstadt: Kehrwoche, Häuslesbauer und alle schwäbischen Klischees. Den Blödsinn kann ich nicht mehr hören, in anderen Städten nennt man die Idioten halt anders. Das Schlimmste an Stuttgart aus meiner Sicht war jedoch das bescheidene Selbstwertgefühl. Manche haben sich ja regelrecht für ihre Heimatstadt entschuldigt. Oder sind in überzogenen Trotzpatriotismus geflohen und haben Fernsehtürme auf Omadeckchen gestickt die dann so aussahen wie das pseudoironische Spießerzeug, dass es in Berlin schon fünf Jahre vorher gab, mit Berliner Fernsehturm halt. Apropos Fernsehturm: Wir waren die ersten! Das war auch mal mit dem deutschen HipHop so. War. Trends wurden seit dem hier weniger gesetzt. Jetzt haben wir aber etwas, was die anderen nicht haben: Stuttgart21! Oder besser noch: Die Androhung von Stuttgart21.

Kaum versucht eine Bande aus Politikern und Unternehmern mittels Bahnhofsvergrabung unter dem Deckmäntelchen der Stadtentwicklung und allgemeiner Zukunft eine Menge Geld und Bagger durch die Gegend zu schicken erwacht auch schon, was lange in der Tiefe der Stuttgarter Seele geschlummert hat. Nach jahrelangem tatenlosen Zuschauen, wie Immobilienfritzen wie Rudi Häussler eine Bausünde nach der anderen in die Stadt geklatscht haben entdecken wir Stuttgarter endlich etwas total ungeahntes: Unsere Stadt! Die ist nicht nur dazu da, den Daimlerangestellten ein Dach über dem Kopf zu bieten. Nein,  sie ist unser Lebensraum. Wir leben hier eigentlich schon, wohnen ja nicht nur.

Bislang hat man darauf vertraut, dass die Jungs im Rathaus das schon wuppen. Doch damit scheint für viele Schluss zu sein. Als plötzlich klar wurde, dass Stuttgart21 nicht nur eine feuchte Investorenphantasie war sondern blutiger Ernst, als der erste Bagger im Geleit von 800 Polizisten zum Bahnhof fuhr und ein Bauzaun errichtet wurde, da sind wir aufgewacht. Anstelle der üblich paar Tausend Montagsdemonstranten an die man sich schon gewöhnt hatte gehen jetzt jede Woche Zehntausende auf die Straße. Und das nicht nur einmal die Woche. Jeden Tag um 19 Uhr herrscht Lärm in der ganzen Stadt, Künstler haben den Bahnhof als Performancebühne entdeckt, der Bauzaun ist die längste Freiluftgalerie weit und breit geworden.

Ein tiefer Spalt geht durch die Stadt: Die Befürworter von S21, die der Bahn und der Regierung zutrauen, das Projekt zum Wohle der Stadt durchzuführen und die Gegner, die nach unzähligen Mauscheleien und gebrochenen Versprechen das Vertrauen verloren haben. Die Gegner kann man ganz leicht erkennen: Aufkleber und Buttons sind überall zu sehen. Ein gemeinsames Gefühl sich für die Stadt einzusetzen entsteht auf allen Seiten und etwas wundersames geschieht: Die Stadt wird wahrgenommen. Wir kämpfen um sie und ihre Zukunft, diskutieren, informieren und engagieren uns. Identität entsteht. Wir sind Stuttgarter. Keiner muss sich dafür schämen. Das ganze Land schaut auf uns und ist verwundert, dass ausgerechnet die Schwaben zu so etwas in der Lage sind. Wir sind wieder wer!

Ich möchte meine eingangs ketzerisch formulierte These relativieren: Die Androhung von Stuttgart21 ist das Beste, was uns je passieren konnte. Von der Durchführung kann ich das nicht behaupten. Sollte der Bahnhof vergraben werden wird es trotzdem noch viel zu kämpfen geben. Die Stadt wird sich wandeln, neue Räume entstehen. Wir werden diesmal nicht mehr zulassen, dass Investoren anstelle von Bürgern der Zukunft ein Gesicht geben. Wir sind erwacht und lassen uns nicht mehr verarschen. Nie war ich so froh, eine Stuttgarterin zu sein.

Visionen gesucht

Das Stuttgart eine Zukunftsstadt ist, haben auch die Kollegen vom norddeutschen Rundfunk erkannt und unser neustes Konzept präsentiert: Stuttgart22, die Tieferlegung des Flughafens. Nicht nur das dann auf den Fildern noch mehr Kraut angebaut werden kann, wir können uns sogar den Transrapid sparen! Dann starten Sie – nicht nur – im Grunde genommen am Hauptbahnhof Ihren Flug. Das bedeutet natürlich, dass der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Baden-Würtemberg heranwächst. Oder so ähnlich.

Wem das zu viel Zukunft ist, kann bei der Hobbythek erfahren, wie man sich ein Stuttgart21 bastelt:

Mein Traum: Stuttgart23, die Tieferlegung des Fernsehturms und Stuttgart24, der Deckel auf dem Kessel. Unten bleiben! Und natürlich noch meine Alternative: Loch21, das tiefste Loch der Welt, mitten in Suttgart als Touristenattraktion. Der Aushub macht aus unserem Monte Scherbelino den Austragungsort zukünftiger Winterolympiaden. Grab mit!

Welche Visionen für unsere schöne Stadt habt ihr? Oder geht ihr wie Altkanzler Schmidt zum Arzt, wenn ihr Visionen habt?

Zuerst erschienen auf brezel.me