Weltverkatzlichungstag

Weltkatzentag

Gestern war Weltkatzentag. Wer meinem Blog folgt weiß, dass ich ein Faible für Welttage und Katzen zugleich habe. Da das Internet aber hauptsächlich der Weltverkatzung dient, wollte ich nicht auch noch zur Überkatzung beitragen. Drum gibt’s hier jetzt auch kein weiteres Katzenbild.

Ich frage mich manchmal eh, ob es Katzen  überhaupt interessiert, dass sie das Netz verstopfen? Und was sie von der ständigen Vermenschlichung halten, der sie unterworfen werden? Insbesondere von jenen, die Tiere für die besseren Menschen halten (Ebensogut könnte man Äpfel für die besseren Birnen halten).  Es gibt ja sogar weihnachtlich gewürzten Katzenglibberfraß gegen Ende das Jahres, als ob es die Viecher kümmern würde. Oder was sie von Veganern halten, die ihre Weltsicht auf den Fressnapf ausweiten? Katzen sind keine Menschen, schon gar keine besseren. Sie sind Katzen.

Anstelle sie zu vermenschlichen, kann man sich selbst ja auch mal ein bisschen verkatzlichen. In Kisten rumlungern, nur tun, worauf man Bock hat, Laserpunkten hinterher rennen, Kleingetier einfach so zum Spaß quälen und bei Unmut anderen in die Schuhe brunsen.

Warum schreib ich einen Tag zu spät über Katzen? Weil ich gestern keinen Bock drauf hatte. Und weil mir sowas wie Welttage eigentlich am Arsch vorbei gehen, wenn sie mich nicht spontan belustigen.

 

Für unsere Bosheit an die Pinwand genagelt

tardar-christDas Katzenbildverbreitungsnetzwerk Internet hat eine Königin: Tardar Sauce, besser bekannt als Grumpy Cat. Die zwergwüchsige Vierkurzbeinerin ist die Meisterin des grimmigen Dreinblickens, was ihre Fotos als perfekte Zutat für Bildchen mit dummen Sprüchen (sogenannte Meme) macht, die die Pinwände von Facebook und anderen Katzenverbreitungsplattformen wie Tumblr verstopfen. Grundthema der Grumpy-Cat-Meme sind schlechte Laune, Misanthropie, Hass auf die Welt, Tod und Teufel. Kurzum: Tardar steht sinnbildlich für alles Schlechte dieser Welt. Das arme Vieh wird an die Pinwand genagelt, um all die Boshaftigkeit der Menschheit auf sich zu nehmen. So was ähnliches ist schon mal mit unseren Sünden passiert …

Grumpy Cat Meme selbst erstellen: http://www.quickmeme.com/Grumpy-Cat/

Klugschiss-PS: 

Meme wurden 1976 von Atheisten-Papst Richard Dawkins in seinem Buch „Das egoistische Gen“ beschrieben und als solche benannt (Wer Fegefeuer und Hölle nicht scheut, dem sei die Lektüre sehr empfohlen!). Im letzten Kapitel überträgt Dawkins seine zuvor aufgestellten Thesen auf Gedanken und Ideen, die ebenso einem evolutionärem Prozess unterlägen wie Gene, in dem er die drei Zutaten dieses Prozesses auf Kommunikation überträgt: Replikation, Mutation, Selektion. Gedanken werden beim Verbreiten repliziert, durch Übertragungsfehler mutieren sie, wie man vom Stille Post spielen her kennt und werden dann selektiert, in dem nur das weiter gegeben wird, was interessant oder lustig genug ist. Ein gutes Beispiel ist die Verbreitung von Witzen und Gerüchten.

Mit diesem Modell kann man die Entstehung von Kultur grob erklären, und wer darüber mehr wissen will, sollte Susan Blackmores Buch „Die Macht der Meme“ lesen, das eine ganz gute Einführung in die Theorie gibt.

Das Internet mit seiner dezentralen Netzstruktur ist ein idealer Nährboden für Meme. Internet-Phänomene wie Katzen- und Witzbilder, die sich viral, also sehr schnell und weit verbreiten und in unzähligen Varianten modifiziert werden, bezeichnet man auch als Meme. Das Grumpy-Cat-Mem ist ein derzeit sehr erfolgreiches Exemplar.

Literatur: 

Richard Dawkins: Meme, die neuen Replikatoren. In: Das egoistische Gen. (Original: The Selfish Gene. Oxford University Press, 1976). Jubiläumsausgabe 2007, S. 316–334. ISBN 3-499-19609-3.

Susan BlackmoreDie Macht der Meme. Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2000, ISBN 3-8274-1601-9.

Vortrag von Susan Blackmore über Meme:
http://www.ted.com/talks/susan_blackmore_on_memes_and_temes.html

Kurze Zusammenfassung: http://www.bertramkoehler.de/memetik.htm

Hier ein paar dorische Klugschisse dieses Blogs, die sich mit Memen beschäftigen und tief ins Reich des Hanebüchenen führen:

https://asemwald.wordpress.com/2008/06/10/dorische-lebensformen-im-el-dorado-der-immateriellen-realitat/

https://asemwald.wordpress.com/2008/09/10/reise-in-die-welt-des-ungesunden-menschenverstandes/

Meme, die grad rumgehen: http://knowyourmeme.com/

offizielle Grumpy Cat Seite:
http://www.grumpycats.com/

auf Facebook:
https://www.facebook.com/TheOfficialGrumpyCat

Verkatzung des Netzes

DORATZE!

Wie jeden Morgen gleite ich über die Wellen des Netzes und beobachte die fortschreitende Verkatzung. „Web Catification“, so der Fachausdruck, den ich mir grade aus den Finger gesaugt habe. Unter Netzhistorikern herrscht ja immer noch Dissens über die Ursprünge des weltweiten Datennetzwerkes. Die einen schieben die Schuld in die hochhackigen Schuhe der Pornobranche, die ja schon den Videorekorder (komischer Kasten aus der Präyoutubalen Phase) und andere Medien zum Erfolg gebracht haben soll. Die anderen – zu denen ich mich natürlich zähle – haben erkannt, dass die Verbreitung von Katzenbildern die ureigene Triebfeder war, die Computer dieser Welt miteinander zu verknüpfen. Apropos Tier: Spider crawlen das World Wide Web um Informationen zu sammeln und analysieren, damit sie mal gegen einen verwendet werden können. Im Gegensatz zu Katzen machen sie das aber unsichtbar. Katzen sind die Rampensäue, die sich auf Pinwänden und in Blogs tummeln. Das hat Konsequenzen, die nicht nur angenehm sind: Täglich verbrauchen Katzen ca. 12 Petabyte virtuelles Katzenstreu und erlegen unzählige Maustreiber. Eine wachsende Anzahl von Rechnern leidet an Digitaler Katzenhaarallergie, was sich in allgemeiner Verlangsamung des Systems, Abstürzen und verlorenen Dateien zeigt. Die Symptome ähneln denen von Viren, die Allergie kann jedoch von keinem Antivirenprogramm überlistet werden. Hier ist Forschungsbedarf! Das Institue for Catological Studies in Portland, Oregon, hat erst unlängst eine eigene Abteilung für Digitale Allergologie gegründet. Insbesondere für Hundefreunde ist die Netzverkatzung weniger wünschenswert, aber das tangiert mich nicht, da ich ganz klar der Katzenfraktion angehöre und somit auch eine Teilschuld an der Verkatzung des Netzes trage.