Wer schützt uns vor dem Brandschutz?

wagenhallen-brennen

Stuttgart mag auch das, was es für Subkultur hält. Darum wurde beschlossen, 5,5 Millionen Euro in die Sanierung der Wagenhallen zu investieren. Ein neues Dach soll her und natürlich der Brandschutz verbessert werden. Wenn was passiert, dann will ja niemand verantwortlich sein. Also Brandschutz. Besonders schützenswert scheinen die circa 70 Künstler zu sein, die ihre Ateliers in der großen Halle jenseits des Veranstaltungsorts betreiben. Damit sie im Falle eines flammendes Infernos nicht verkokeln, sollen sie ihre Ateliers verlassen, wenn der Veranstaltungsbereich genutzt wird. Das geschieht rund 200 mal im Jahr. Die brandschützliche Relevanz leuchtet mir nicht ein, aber die Wege des Brandschutz sind unergründlich.

Damit die Künstler nicht in der Kälte vor der Halle warten müssen, bis der letzte Besoffene die Firmenfeier von Bosch verlassen hat, wird angedacht, Container oder ein Zirkuszelt für die Künstler bereit zu stellen. Wenn die Hallen dann in Flammen stehen, können die Künstler getrost vor ihren Containern sitzen und dem Pyrospektakel beiwohnen.  Ein Frage schleicht sich ein: Warum müssen die Künstler eigentlich gehen, wenn eine Veranstaltung ist? Warum muss die Veranstaltung nicht ins Zelt, wenn Kunst ist? Es scheint, als haben die Veranstaltungen die besseren Karten beim Brandschutz-Quartet.

Die wenigsten Stuttgarter wissen wahrscheinlich, dass die große Halle Heimat vieler Künstler ist. Viele können auch nicht Sub- von Klubkultur unterscheiden und denken, dass eine abgefahrene Location, die irgendwie nach Berlin aussieht, Subkultur genug sei. Sollen die Künstler wie rechtschaffende Arbeiter tagsüber künstlern und abends nach Hause gehen, wenn veranstaltet wird. Dass diese Regelung den Künstlern das Genick bricht, scheint vielen nicht einzuleuchten. Das Künstler auf bezahlbaren Raum wie in den Wagenhallen angewiesen sind, und dieser in Stuttgart extrem rar ist, ist eben so wenig zu allen durchgedrungen wie der Nutzen einer freien Kunstszene für das kulturelle Leben einer Stadt (Darauf gehe ich en Detail an anderer Stelle ein).

Dies ist ein konkreter Fall, an dem gezeigt werden kann, welchen Wert die Stadt kultureller Vielfalt einräumt. Ich hoffe, dass eine gute Lösung für alle Beteiligten gefunden werden kann, auch im Brandfall. Brandschutz darf kein Argument sein, welches nichtkommerzielle Kultur totschlägt.

> Artikel in den Stuttgarter Nachrichten dazu

> www.kunstverein-wagenhalle.de

> http://ateliers-nordbahnhof.de/

> http://www.wagenhallen.de/

Werbeanzeigen

Wagenhallen, Löcher und 5 Millionen Stuttgarter

Heute mal ein paar Kurzmeldungen aus dem Doraversum:

Wagenhalle bleibt!

Heute gab’s mal ’ne gute Nachricht: Die Wagenhallen haben fünf Jahre Aufschub bekommen. Für alle Nichtstuttgarter: http://www.wagenhallen.de/. Das ist ein wunderschöner Veranstaltungsort/Club/Biergarten usw. in einem von Stuttgart21 bedrohtem Gebiet. Leider kann man das von den alten Eisenbahnwagons die dort um die Ecke die Behausung von vielen Künstlern sind nicht sagen, die müssen der Abraumstraße von Stuttgart21 noch dieses Jahr weichen.

LOCH21 – Das gefällt mir!

Die LOCH21-Bilder von Frank und Steff sind da und sie sehen gut aus. Da werd ich demnächst mal hier ein paar veröffentlichen. Hier schon mal vorab welche auf Facebook: http://www.facebook.com/#!/album.php?aid=186324&id=213839882154

5 Millionen Stuttgarter

Ich wurde heute auf eine neue Gruppe bei Facebook aufmerksam gemacht:
5 Millionen Stuttgarter auf Facebook.  Das ist doch ein schönes Ziel für das es sich lohnt zu kämpfen.

Stuttgarter Blog, prima aber lochkritisch.

Die Gründerin der Gruppe kommt nicht nur aus meiner Nachbarschaft, sie blogiert auch: http://bine-binebine.blogspot.com/. Da hat sie soeben einen lochkritischen Artikel geschrieben, ich mag sie aber trotzdem.

Der Boden des Konkreten

Die Kommentarschlacht zu meinem Artikel über Metaebenen hat eine neue Wendung genommen: Nach Gesellschaftskritik und Fernsehschelte hab ich mit einem alten religions- und konsumkritischen Text von mir die Debatte in eine weitere ziemlich grundsätzliche Richtung getrieben. Kommentator Pögönönö hat gleich mal klar gestellt: „Ich aber find Religion geil! :)„. Darauf fühlte ich mich dazu berufen die Ambivalenz meiner Gefühle gegenüber institutionalisiertem Glauben auszubreiten. In Zeiten in denen Religion pauschal auf die Mütze kriegt, weil einige ihrer Vertreter nicht ganz so fromm wie ihre Botschaft sind, verdient es meinen vollen Respekt wenn in einem so überzeugtem Ton der Religion als solches ein „Gefällt mir“ verpasst wird. Wenn sie gute Werte mit sich bringt finde ich Religion voll in Ordnung. Es soll sowieso jeder an das glauben was er will, solange das nicht auf Kosten anderer geht (siehe Religionskrieg). Aber manche Sachen gefallen mir da auch nicht. Da gibts viel zu diskutieren und ich hoffe, dass dies hier in allen Offenheit und mit Respekt passieren wird.

Auch mit an der Diskussion beteiligt ist Tamara Menzel vom Magazin Transparent die zu grundsätzlichen Fragen wie Medien, Religion und Gesellschaft so einiges zu sagen hat. Ich fänd es toll, wenn hier ein offener Diskurs zu Stande kommen würde.

Randnotizen

  • Die bekannte aber anonyme Blogkommentatorin „Lesende“ hat mir heute geschreiben: „Wie schön Dora, du hast ein Herz für Würste!
  • Ich habe eine Hand voll neuer Freunde auf Facebook die mir Steff vorgeschlagen hat. Mit manchen hab ich gechattet. Durchaus nette Zeitgenossen.
  • Ich hab wieder neue Motive in meinen bald zu eröffnenden Shirtshop hochgeladen.

  • Ich bin mal wieder Modell gestanden. Der Maler muss aber noch einiges üben damit das was wird.
  • Die Italiener sind raus aus der WM, aber ich bin ja auch keine Italienerin mehr.

Und dann noch ein Fundstück: