Die nicht-so-wilden 20er

Dora reist versehentlich mit ihrer Freundin Eva ins 11. Jahrhundert.

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Mein Lieblingsjahrzehnt: Die Zwanzigerjahre. Ein gutes Ziel, um meine Zeitlochmaschine zu testen. Meine Freundin Eva ist grad zu Besuch und beschließt, mitzukommen. Flink die Lochkarte stanzen und in den Quantencomputer schieben, und schon öffnet sich das Zeitloch. Zu flink, wie wir gleich erfahren werden. Oder besser gesagt damals. Damals stellt sich sehr schnell als das falsche Damals heraus. Kein Wunder, denn jedes Jahrhundert hat seine 20er-Jahre. Auch das elfte.

Idyllisch, so ein Talkessel ohne Stadt. Wir setzen uns an den Fangelsbach, der hier noch frei den Hang hinab mäandern darf und zünden uns eine Zigarette an. Eva stellt mit Erschrecken fest, dass ihr Telefon kein Empfang hat. Wir pflücken ein paar Äpfel und genießen den Ausblick. So hatten wir uns die wilden 20er nicht vorgesellt.

Ein paar Menschen, die so aussehen, als kämen sie vom Mittelaltermarkt, steigen den Berg herauf. Sie wirken etwas unenstpannt. Als sie Evas Telefon sehen, weicht Unentspannung schierer Panik – sie hauen unverrichteter Dinge einfach wieder ab. Was für Rüpel, die Mittelalter-Heinis! Dem schließen wir uns an, ich aktiviere das Rückholzeitloch und wir plumpsen zurück in die 10er-Jahre des 21. Jahrhunderts, in dem Bäche kanalisiert sind und Telefone wieder Empfang haben.

Neugierig geworden durchstöbern wir das Netz nach historischen Berichten aus dem Jahr 1020 und stoßen auf einen alten Text mit dem Bild zweier angeblicher Hexen, die wohl in jenem Jahr in der Nähe eines Stutengartens im Nesenbachtal erschienen seien sollen. Dem Bericht zufolge waren sie fremdländisch gekleidet, geruchlos, schon sehr alt –gut und gern 30 Jahre! – und hatten trotzdem noch alle Zähne im Mund. Man hielt sie für Apfeldiebe, doch als man sie stellen wollte, fuchtelte eine der Hexen mit einem magisch leuchtenden Stein in der Hand durch die Gegend, während die andere Rauch aus einem kleinen, brennenden Stab saugte. Ihre Entdecker ergriffen die Flucht und die Hexen waren nie wieder gesehen. Nur ein kleines magisches Gerät, welches Feuer spie, wenn man an einem Rad drehte, blieb wohl zurück.

Auf den Schreck hin müssen wir erst mal eine Rauchen. Aber Fack, wo ist mein Feuerzeug?

Verhedderte Kausalketten

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Was wäre, wenn man eine Zeitmaschine hätte? Diese Frage stellt sich gerade heute, weil eine Zeitreise aus dem Film aus der Reihe „Zurück in die Zukunft“ genau heute hätte enden sollen.

Ich könnte mich selbst in der Vergangenheit besuchen, aber ich müsste dann ja eigentlich schon wissen, dass ich damals schon da war. Da kann ich mich aber nicht daran erinnern. Wenn ich dann trotzdem dort hin zeitreise, dann wüsste ich es ja doch. Und wenn ich der Vergangenheitsdora rate, nicht zeitzureisen, dann wäre ich ja gar nicht da, um ihr das raten zu können. Wie man es auch dreht und wendet, entsteht eins zuhauf: Paradoxa!

Ich liebe Paradoxa! Denn: Die elendige Logik wird verbogen und löst sich auf. Die Logik mit ihren Kausalketten nervt mich eh, sie lässt nur wenig Raum für Überraschungen. Eine Zeitmaschine verheddert Kausalketten zu einem großen Knäuel und bringt ein bisschen Schwung in die Geschichte.

Ich werde eine Zeitlochmaschine konstruieren, mit der ich eine Menge Spaß haben werde. Ich muss mich damit ja nicht beeilen, denn es ist ja egal, wann ich die Maschine erfinde. Ich kann sie ja dann einfach zurückschicken, oder?