Gegen Kultur!

gegen kulturMan kann gegen vieles sein: Kapitalismus, Fleisch, das System, Ausbeutung und Krieg. Neu für mich auf dieser Liste: Kultur.

Gestern war ich in Vaihingen an der Uni beim Umsonst und Draußen. Wie immer versammeln sich am Rande der Wiese links-alternative Aktionistenbuden, die gegen die üblichen Übel dieser Welt agitieren, unleserlich gesetzte Pamphlete und Aufkleber mit unmissverständlichen Parolen verbreiten. Ein Stand verwirrt mich: Das „Gegen Kultur Projekt“. Ganz schön subversiv, denke ich mir, auf einer Kulturveranstaltung wie diesem Open Air so eine Aussage in den Raum, oder besser gesagt auf die Wiese zu stellen. Was ist den so übel an der Kultur an sich?

Kultur ist alles, was der Mensch so geschaffen hat. Also genau das Gegenteil von Natur. Gegen Kultur zu sein hießt demnach für Natur zu sein. Hört sich irgendwie schlüssig an. Mir kommen die Leute jedoch weniger wie Steinzeitaktivisten oder andere Zivilisationsverweigerer vor, also sind sie vielleicht gegen das, was man landläufig unter Kultur versteht: Musik, Oper, Malerei, Theater, Open Air Festivals und so weiter. Diese Kultur ist ein zweischneidiges Schwert. Sie bietet Raum für subversive Gedanken, kann aber auch zu Propagandazwecken missbraucht werden. Sie lenkt von der obersten Bürgerpflicht (materieller Konsums) ab, ist aber andererseits ein hervorragendes Medium für Werbung und fördert somit wieder den Konsum. Wie man’s auch dreht und wendet …

Ich sinniere noch eine Weile über das für und wider kulturellen Schaffens und meine eigene Teilschuld daran, beschließe dann aber doch mich an der ca. 100m langen Bierschlange anzustellen. Man muss nicht immer alles kapieren.

PS

Siegmund Freud sagt, das die Kultur bestrebt sei, immer größere soziale Einheiten zu bilden. Hierzu schränke sie die Befriedigung sexueller und aggressiver Triebe ein; einen Teil der Aggression verwandle sie in Schuldgefühl. Auf diese Weise wäre die Kultur eine Quelle des Leidens; ihre Entwicklung führe zu einem wachsenden Unbehagen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Unbehagen_in_der_Kultur