Die große Wunde

Heute ist es wohl so weit: Der Mittlere Schlossgarten Stuttgarts wird geräumt, damit Platz für die Baugrube des Erdbahnhofs Stuttgart 21 geschaffen werden kann. Dabei im Weg: Die wunderschönen alten Bäume des Parks. Die sollten eigentlich alle verpflanzt werden, das hat die Bahn als Resultat der Schlichtung versprochen. Das Versprechen werden sie brechen.

Die Bäume werden für den neuen Bahnhof geopfert. Ob das Opfer gerechtfertigt ist oder nicht, darüber sind sich die unterschiedlichen Parteien nicht einig. Aber eins ist klar: Die Zerstörung wird eine tiefe Wunde in die Mitte der Stadt schlagen, auch symbolisch. Das kann auch niemandem egal sein, der für den Neubau des Bahnhofs ist.

30.000 Bürger haben sich bei den Parkschützern eintragen lassen und heute ist der Tag, an dem es um die Wurst geht. Ich hoffe, dass viele Leute, die sich in den letzten Jahren gegen die Zerstörung des Parks ausgesprochen haben, heute kommen, um zumindest Abschied zu nehmen. Wahrscheinlich sind nur wenige bereit, aktiv gegen die Räumung vorzugehen, aber es wäre ein gutes Bild, wenn so viele Menschen wie möglich anwesend wären und zeigen, dass es uns nicht egal ist, wenn so etwas geschieht. Wir werden der Übermacht der Polizei nichts entgegensetzen zu haben, aber wir können Zeugen sein und zeigen, dass wir um unsere Bäume trauern.

Ich wünsche mir, das auch jene dort anwesend sein werden, die verantwortlich für die Zerstörung sind. Auch ihnen kann es nicht egal sein, wenn wir dieses Opfer für ihre Zukunft bringen. Auch die Landesregierung, insbesondere Kretschmann, täten gut daran. dieser Hinrichtung beizuwohnen, um zu sehen und Anteil daran zu haben, wenn der Seele der Stadt eine tiefe Wunde zugeführt wird.

Ich wünsche mir, dass alles gewaltfrei abläuft, und ebenso wünsche ich mir, dass die Rodung in letzter Sekunde verhindert werden kann.

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Autor: Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

9 Kommentare zu „Die große Wunde“

    1. Ja, die Analogie ist nicht von der Hand zu weisen. Aus dem Film stammt auch das Bonmot „Die pissen auf uns und sind nicht mal so höflich, es uns als Regen zu verkaufen.“ …

  1. Laßt uns die Bäue lieben, die Bäume sind uns gut.
    In Ihren grünen Trieben strömt Gottes Lebensblut.

    Einst wollt das Holz verhärten,
    da hing sich Christ daran,
    dass wir uns neu ernährten,
    ein ewiges Blühn begann.

    Albert Steffen

  2. sehe ich anders. vielleicht wäre es das beste, wenn wir dieses martialische polizeiaufgebot in einem leeren schloßgarten sich selbst überlassen und an einem anderen ort unseren protest ausdrücken. den konkret verhindern kann man im park eh nichts mehr. und es gäbe hübsche pressephotos, wenn die cops mit sich alleine spielen.

  3. Diese Wunde wird noch lange bluten.

    Auch noch bei der OB – Wahl im Herbst. Alle Parteien, die den Erdbahnhof entweder zur Glaubensfrage hochstilisiert haben oder sich mit Das-Volk-hat-gesprochen-auch-wenn-es-verarscht-wurde rausreden, werden sich noch wundern.

    Und die Nein-Sager sowieso. Ihren Stau kriegen sie jetzt nicht nur montags um 18:00, sondern täglich, zehn bis zwölf Jahre lang. Danke für Nichts.

  4. Ein schöner Platz wird nun zerstört…
    wo eigentlich Leben hin gehört.
    Bin völlig aufgelöst in Tränen…
    kann nicht mehr meine Trauer zähmen.

    Der Schmerz, durch`s Wunde Herz mir rinnt…
    da war ein Ort, da war ich Kind…
    da war ich glücklich, durft `es sein…
    mein Herz, es blutet…ist am schrei`n.

    Als früher noch, mein Großpapa,
    mit mir an diesem Ort oft war…
    an jedem Tag, an vielen Stunden..
    die Liebe mir in`s Herz gebunden ♥

    Die Liebe zu den großen Bäumen…
    so wundervoll, zum ewig träumen.
    Am Stamme dieser sanften Riesen…
    da fühlte man das Leben sprießen ♥

    Ich konnte springen, jauchzen , lachen…
    mit Opa allen Blödsinn machen.
    er hat mich damals viel gelehrt…
    Natur hat ihren …Lebenswert ♥

    An jedem Baum, hat er erzählt,
    wie er gewachsen, was ihn nährt…
    woher die kleinen Äste kommen..
    Eichhörnchen ihn, im Sprung erklommen.

    Hab oft die Füßchen mir gekühlt,
    es hat sich herrlich angefühlt.
    Das Wasser….Lebenselixier…
    mit seinem Flüstern half es mir.♥

    Die Stunden, die ich dort verbracht,
    sind Stunden, wo das Herz gelacht.
    In diesem herrlich grünen Raum…
    erfüllte sich so mancher Traum.

    Ein Traum der Freiheit…
    stets neues Blühn`…
    und jedes Jahr…ein frisches Grün.
    Das formt ein Kind, das lässt es leben..
    es fühlt, es wird was Neues geben.
    Wenn dann im Herbst die Blätter braun…
    umarmt es zärtlich einen Baum…
    und kann, aufs Neue, ihm vertraun ♥

    Oh, Großpapa…und Großmama.. ♥
    wieviel …habt ihr gegeben…
    ich sah es oft, als Kind noch nicht…
    doch jetzt… in diesem Leben.

    Die Liebe, zu dem schönen Ort…
    die habt ihr mir geschenkt…
    ihr, habt mir diesen Park **erzählt**
    und mich dorthin gelenkt ♥

    Und ist der Platz auch nicht mehr dort..
    wo einst er ist gewesen…
    in meinem Herzen lebt er fort..
    als grünes *Lebens* Wesen ♥

    Vergessen werde ich es nicht…
    manch Menschen…ihre Macht…
    doch in mir drin, hab ich ein Licht…
    das es mir leichter macht.

    Das Licht im Herzen, gibt mir Kraft…
    wenns oftmals auch sehr blass…
    dann denk ich dran….an Großpapa ♥
    im Park…ans kühle Nass ♥
    Isabella Rossa

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