Twittern mit dem Smartstone


Um dem Geheimnis der Cro-Magnon-Menschen des Heusteigviertels auf den Grund zu gehen, habe ich beschlossen, mit die Situation vor Zeit anzuschauen. Ungeduldig – leider zu ungeduldig – programmiere ich meine Zeitlochmaschine und lande im Neolithikum, das Jahrtausende nach der letzten Kaltzeit war, in der Cro-Magnon-Menschen hier heimisch waren. Wenigstens ist es nicht so kalt, denke ich mir und schau mir die Zeit trotzdem mal an. Auf der Suche nach W-Lan begegne ich ein paar Steinzeitlingen, die mich an einen bizarren Ort bringen. Riesige, konzentrische Steinekreise stehen einfach so auf der Wiese rum. Smartstones, wie ich rausfinde.

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Bei genauerem Blick entdecke ich, dass die Neolithiker damit twittern. Zu blöd, dass meine Kenntnisse steinzeitlicher Sprachen etwas dünn sind. Ich gehe aber mal davon aus, dass auch hier viel Blödsinn verbreitet wird. Ich mach mich mal wieder auf den Rückweg in die Zukunft, bevor mir einer einen Hashtag an den Kopf wirft.

U-Bahnhof des Herzens


Drei Wochen lang war ein Spiegeluniversum durch ein Dimensionsloch im Kunstkasten Rathauspassage zu sehen. Man konnte hingehen und in Gedanken an den U-Bahnhof seines Herzens reisen. Egal, ob Bedford Avenue, Shibuya Station, Österreichischer Platz oder Rustaveli, alles ist nur eine Haltestelle entfernt. Oder zwei.
https://www.facebook.com/events/1637103999909064/

(Foto: Martin Zentner)

 

Das Geheimnis des Schlegelbaums


Der Cro-Magnon-Mensch hat’s erfunden: Das Bemalen von Wänden, insbesondere mit Motiven aus der Jagd und dem Tierverzehr. An einer steinernen Wand am östlichen Ende des Heusteigviertels entdecke ich ein prächtiges Fundstück paläolithischer Wandmalerei. Es zeigt Schlegel, die an einem Baum baumeln. Der Froscherdrang meiner inneren Paläontologin führt mich in einen Raum jenseits der Mauer. Dort zieren weitaus elaboriertere, postneolithische Gemälde die Wände. Sie widmen sich ebenso dem Sujet der Nahrungsaufnahme. Jedoch ohne Tiere. Ich erforsche den Raum und entdecke einen Stamm, der sich durch wilde Hautbemalungen und bunte Haartracht auszeichnet. Schnell finde ich heraus, dass die Wandbemalung von der Häuptlingin Kathi persönlich erstellt wurden. Im Gegensatz zu den Malern des Schlegelbaums handelt es sich bei ihr eindeutig um ein Mitglied der Art Homo Sapiens. Schlegel gibt’s hier nur vom Tofutier, in den Topf kommen hier ausschließlich Pflanzen und Pilze. Dieses Rätsel wäre gelöst. Ich stärke mich noch und mache mich auf, weitere Spuren der Cro-Magnons des Heusteigviertels zu suchen. Vielleicht verraten sie mir ja das Geheimnis des Schlegelbaums.

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Ausmalbuch für Flüchtlingskinder


Ausmalbücher sind en vogue. Ich kann mir zwar alles Mögliche ausmalen, aber eigentlich lasse ich lieber andere malen. Zum Beispiel Jim Avignon. Der ist bekannt als der schnellste Maler der Welt und kommt aus Berlin. Zusammen mit einem größeren Batzen an Künstlerkollegen hat er ein Ausmalbuch für Flüchtlingskinder produziert. 200 Stück davon hat er verkauft und damit den Druck von weiteren 1.000 Stück finanziert, die an Flüchtlingskinder verteilt wurden.

Patrick Staehle
Patrick Staehle hat eine zweite Auflage Jim Avignons Ausmalbuchs für Stuttgart produziert.

Diese Idee hat Patrick Staehle fasziniert. Der Gärtner, der inmitten des Mammutbaumwaldes südlich des Lehenviertels wohnt, hat eine zweite Auflage für das Buch drucken lassen. Auch hier sollen 200 Stück verkauft werden. Die restlichen 1.000 Exemplare gehen an Flüchtlingskinder in Stuttgart.

Malbuch
Auch ohne bunt zu sein psychedelisch: Das Ausmalbuch für Flüchtlingskinder

 

Micha Ausmalbuch
Hier kann man das Buch auch kaufen: Michas Lädle

Das Heft kann man für 10€ hier bekommen:

Michas Lädle, Michael Schmidt, Weißenburgstrass 8, 70180
Stuttgart, Tel. 0711/ 608697

Wetterleuchten, Sommermarkt der unabhängigen Verlage,
23.07.2016, 11-23 Uhr, Literaturhaus Stuttgart

Gärtnerei Staehle, Ludwigsburger Str. 211, 70435 Stuttgart
Tel. 0711 875343

raumservice, Heusteigstraße 86A, 70180 Stuttgart
Tel. 0711 66487535

Sutsche, Breitscheidstraße 38, 70176 Stuttgart

Platzhirsch, Geißstraße 12, 70173

Patrick verschickt das Heft auch für 12€ inklusive Port:
ausmalbuch@gaertnerei-staehle.de

Wer sein Heft von Jim Avignon persönlich haben möchte, kann dies am Freitag im Taut, dem blauen Container vor der Wagenhalle, Tor 6 ab 22 Uhr selbst abholen. Und das Konzert mit Jim Avignons Band Neoangin erleben.

Veranstaltung auf Facebook

 


Jim Avignon auf Facebook

Jim Avignon bei seinem Stuttgarter Galeristen Schacher – Raum für Kunst

Jim Avignon auf Wikipedia

 


Beitrag auf Arte über Jim Avignon und das Ausmalbuch

http://info.arte.tv/de/jim-avignon-street-art-mit-fluechtlingskindern

Mysteriöse Welt des Goldes


Fast alles, was hier glänzt, ist Gold. Der Rest ist Silber, Platin und Palladium. Bei Pro Aurum in der Heusteigstraße kann man Edelmetalle barrenweise kaufen – oder derzeit auch in skulpturaler Form. Letzten Samstag war dort die Eröffnung einer Ausstellung mit dem Titel „Mystisches Gold“. Da mir die glitzernde Welt der Edelmetalle ein Mysterium ist, hat mich meine Neugier dorthin gezogen. In den Räumlichkeiten, in denen einst Schlecker Zahnpasta und Damenbinden feil bot, sind neben einer überschaubaren Menge an Gästen güldene Skulpturen verteilt. Sie entstammen einer Kunstwelt, die mir durchaus fremd ist. Aus einem damit überfordertem Lautsprecher dröhnt mystisch-anmutende Musik von Vangelis. Eine Dame im Griechischen-Göttinnen-Outfit und einer der Lokalität angemessenen gold-blonden Mähne wandelt durch den Raum: Silvia Reiser. Die Schöpferin der goldenen Plastiken liebkost diese und räkelt sich im Dunst einer Nebelmaschine auf dem Boden.

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Die studierte Juristin erstellt ihre Skulpturen aus Edelstahl und lässt sie in einem eigens für sie entwickelten Verfahren galvanisch vergolden. Diese verkauft sie weltweit oder stellt sie in ihrem eigenen „Lustgarten“ in Sigmaringendorf aus. Da ihr jedoch das Stadtleben fehlt, zieht sie derzeit in ihr neues Atelier in einer Feuerbacher Villa.

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[Diesen Artikel hab ich für den Blog 70180 Stuttgart geschrieben]

Wer in die mysteriöse Welt des Goldes und der dazu passenden Kunst eintauchen will, kann dies während der Öffnungszeiten von Pro Aurum gerne tun:

Montag, Dienstag und Freitag: 9:00 – 13:00, 14:00 – 17:00
Mittwoch: 9:00 – 13:00
Donnerstag: 9:00 – 13:00, 14:00 – 18:00

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Sylvia Reiser auf Wikipedia

sylviareiser.de

Pro Aurum

Fotos: Martin Zentner
Text: Dora Asemwald

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PS: Man kann hier nicht nur Gold kaufen und in Gold investieren, sondern auch Altgold verkaufen.

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Feiern ohne Tiere


Ich könnte mich nur noch von Pflanzen ernähren. Unter einer Bedingung: Roman wäre mein Privatkoch. Ist er aber nicht. Er kocht im Super Jami in der Bopserstraße. Er und seine Partnerin Kathi haben das „Vegan-Deli“ vor einem Jahr gegründet und das wurde letzten Samstag gefeiert.

Der Laden ist voll. Aber das ist er eigentlich jeden Mittag. Kein Wunder, weil nicht nur Veganer dort essen, sondern auch eingefleischte Allesfresser. Warum? Weil es schmeckt. Alles ist frisch, keine fertigen Fleischersatzprodukte, die versuchen mittels Lebensmittelchemie so zu schmecken, als wäre ein Weber-Grill explodiert. Das Chili sin Carne schmeckt besser als die meisten hackfleischigen Varianten, die ich kenne.

Sehr angenehm: Niemand versucht mich hier mit erhobenen Zeigefinger zum Fleischverzicht zu bekehren. Hier ist das Essen das schlagende Argument.

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Unterhält die Gäste beim Pflanzenessen: Singer Songwriter Stumfol

Zur Feier gibt’s heute Livemusik. Ansonsten lädt hier gerne mal Punk zum Pogotanzen ein. Den spielt Singer und Songwriter Stumfol heute aber nicht.

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Schmeckt auch ohne Tiere: veganer Miniburger

Serviert wird ein kleiner Querschnitt der Karte, die neben Frühstück, Sandwiches, Wraps, Snacks und Salaten auch ein täglich wechselndes Gericht bietet, welches mich immer wieder auf’s Neue überrascht.

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Super-Jami-Gast Putte schaut in den „Mal mich Kasten“.
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Anja Haas schaut raus und zeichnet.
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Das kommt dabei raus, wenn ich ins Loch schaue.

Ein überdimensionales Vogelhäuschen mit Goldlametta neben dem Eingang weckt meine Neugier. Ich schaue durchs Loch und ehe ich mich versehen kann, kommt ein Porträt aus einem Schlitz des sogenannten „Mal mich Kasten“. Drinnen sitzt die Illustratorin Anja Haas und zeichnet liebevoll jene, die sich vor den Kasten setzen.

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Seit einem Jahr an der Ecke Heusteig- und Bopserstraße: Super Jami

Besonders schön im Super Jami: Die Illustration von Wirtin Kathi, die die Wand zieren. Diese kann man auch in ihren Kochbüchern wie „Kochen ohne Tiere“ bewundern.

Leider hat Super Jami abends nur bis 20 Uhr geöffnet, aber irgendwann müssen die Jamis auch mal Pause haben.

SUPER JAMI
Bopserstraße 10
70180 Stuttgart

Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 11.00–20.00 Uhr

info@super-jami.de
0711/32099749

super-jami.de

Super Jami auf Facebook

Kathi Bretsch

(diesen Artikel habe ich für den neuen Blog 70180 Stuttgart geschreiben)

Ziggy-Stardust-Tag


Dora Stardust

Die Welt braucht einen neuen Feiertag. Ein Tag, der die Menschen dazu bewegt, Liebe zu verbreiten und sich neu zu erfinden. So wie David Bowie, geboren am 8. Januar 1947 und gestern gestorben, am 10. Januar 2016. Ich hoffe mal, dass er nicht gestorben, sondern zurück auf seinen Heimatplaneten gereist ist. In seiner Inkarnation als Ziggy Stardust kam Bowie auf die Erde, um die Botschaft von Liebe und Frieden zu verbreiten, scheiterte jedoch daran.

Jetzt ist es an uns, seine Mission aufzugreifen und umzusetzen. Deshalb wird fortan der 8. Januar der Ziggy-Stardust-Tag sein, an dem sich alle einen roten Pfeil ins Gesicht malen und der Welt Liebe bringen. Dazu wirft man an diesem Tag die alte Hülle ab und erfindet sich neu. Denn nur wer ab und an die Perspektive wechselt, kann die Welt in all ihrer komplexen Schönheit erkennen. Es ermöglicht einem, sich in die Weltbilder anderer hineinzuversetzen, das eigene zu hinterfragen, sich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen, andere zu respektieren und in all ihren Eigenheiten zu lieben.

In einer Zeit, in der sich die Leute immer stärker vom Rest der Welt abgrenzen, in kleinen Gruppen eigene Wahrheiten postulieren und militant gegen andere verteidigen, brauchen wir einen Impuls, der diese Quelle des Hasses austrocknen lässt. Der uns daran erinnert, dass es Liebe ist, auf der unsere pluralistische, freiheitliche und demokratische Gesellschaft fußt. Dass wir nur miteinander stark sein können. Und dass wir nur miteinander sein können, wenn wir unsere Unterschiedlichkeit respektieren.

Ich bin mir verdammt sicher, dass der Ziggy-Stardust-Tag die Welt schöner machen wird und David Bowie auf seinem Heimatplaneten uns mit Freude durch sein Fernrohr beobachten wird. Das sind wir ihm und uns schuldig.

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