Torben Denver

Ein schönes Musikvideo, sehr ornithologisch. Produziert von Mitbewohnern und Freunden.

Stilistisch ist dies ein ziemlicher Umschwung für die ehemalige „The Torben Denver Band“, die sich jetzt nur noch „Torben Denver“ nennt. Ich mags. Dabei wurde auch auf meine immense Sammlung virtueller Synthesizer zugegriffen.

Video: Putte
Musik: Tobias Spreng
Text: Silke Reuter
Arrangement/Vorproduktion: Martin Zentner
Produktion/Mastering: Putte
Gesang/Gitarre: Tobias Spreng
Querflöte: Alexander Mink
Synthesizer/Beats: Martin Zentner

https://www.facebook.com/torbendenverband/

So klang das ganze früher:
https://thetorbendenverband.bandcamp.com/

Ein schönes Bild der aktuellen Bandbesetzung. Okay, manche davon sind nur Statisten (wie zB ich).

Geschichten aus der Seuche (1)

Ein Vorteil der ganzen Telearbeit: Rauchen bei der Videokonferenz. Ein Nachteil: Hausanzüge und andere stilistische Nachlässigkeiten scheinen hier geduldet zu sein. Als würde man sich nur für die Welt da draußen in Schale werfen. Man kann mir Selbstgefälligkeit vorwerfen. Das nehme ich als Kompliment an. Wo kämen wir denn hin, wenn man sich selbst nicht einmal mehr gefallen wollte?

Anstand halten

Die Bewegung für Radikale Empathie hat die derzeitige Seuche zum Anlass genommen, mit Plakaten auf eben diese Seuche und ihre Begleiterscheinungen (Quarantäne, Aluhüte, Vermumungsgebot und dergleichen) einzugehen. Mein Mitbewohner, der für meine Visualisierung zuständig ist, hat auch ein Plakat dazu beigetragen, das wir beide zieren.

Man kann diese Plakate derzeit in Stuttgart sehen. Und im Fernsehen auch. (Danke an Wolfi für das Foto)

Ganz schön wenig los hier.

Die Bloggerei scheint nicht mehr so en vogue zu sein – sie schwindet aufgrund Überbuchstabung der Rezipientin. Kann ich gut verstehen. Es wird so viel kommuniziert, da kann man nicht anders, als sich zwischen Schlagzeilen und Bildchen durchzuwühlen. Und mal ganz ehrlich: Vieles lässt sich auch in wenige Worten fassen und manche Bilder sagen wirklich mehr als tausend Worte. Ein langer Text, der sich nicht durch gedankliche Sättigungsbeilagen aufbläht, bedarf umfangreicher Recherche, Gedankenblitze und der Fähigkeit, eine inspirierende Geschichte daraus zu stricken. Oder er muss durch sprachliche Schönheit glänzen. Ob das von mir üblicherweise abgesonderte Konglomerat an schrägen Bildern dem gerecht wird, kann ich nicht beurteilen. Aber hey, ich zwinge ja auch niemanden, das alles hier zu lesen.

Mal schauen, ob ich einfach wieder anfange, trotzdem hier zu schreiben. Ich verspreche nichts, was ich jederzeit brechen kann. Aber irgendwo müssen ja all die Buchstaben aus meinem Kopf hin.

Hinter Masken

Nicht nur Worte, auch Viren springen einem gerne mal aus dem Mund, wenn man sie in sich trägt. Also: Mund und Nase bedecken, dann verbreitet sich die Seuche nicht ganz so einfach. Die Worte kommen ja immer noch raus.

Mein Mitbewohner Martin hat da ein paar einleuchtende Tipps für den anständigen Umgang mit Abstand verfasst:

Geh einfach davon aus, du wärst infiziert und verhalte dich anderen gegenüber dementsprechend.

Falls dir die anderen egal sind: Stell dir einfach vor, alle anderen wären infiziert.

Wenn dir sogar egal ist, ob du infiziert wirst oder gar glaubst, dass Corona harmlos oder eine Erfindung einer bösartigen Organisation deiner Wahl sei, dann respektiere, dass andere das vielleicht anders sehen könnten.

Wenn das Respektieren anderer nicht so dein Ding ist und du glaubst, dass deine Wahrheit Trumpf im Skat der Ideologien sei, denn geh ihnen einfach aus dem Weg, denn sie könnten Reptiloiden sein, die dein Hirn mit 5G fritieren, nachdem sie dir dein Adrenochrom abgezapft haben.

Blasenplatzen

Ich höre es grad überall platzen. Es sind die Filterblasen, die unter lautem Getöse in sich zusammenfallen. Gestern kämpfte man noch Seite an Seite gegen den Klimawandel oder für das Recht, das Klima zu wandeln, man klopfte sich in seiner Blase gegenseitig auf die Schulter. Heute klopft man sich ins Gesicht, erbittert uneins darüber, ob all das was gerade passiert eine zerstörerische Panik oder die Rettung unzähliger Menschenleben sei. Das heimelige Gefühl, in der eigenen Filterblase keinen grundlegenden Kontroversen ausgesetzt zu sein, hat sich aufgelöst. Der Feind scheint plötzlich in den eigenen Reihen zu sein, manchmal sogar in der eigenen Wohnung.
Es ist eine große Herausforderung, den gegenseitigen Respekt zu behalten, auch wenn man die Meinung des Anderen nicht mehr respektieren kann.

! Ich spreche nicht aus eigener Erfahrung. In unserer WG ist alles okay !

I hear lot of noise. It’s the noise of colapsing echo chambers. The day before you where fighting side by side against climate change or your right to change the climate. You were slapping each others shoulders in your echo chamber. Now you slap each others face. Disputing, wether all that is happening right now is a destructive panic or the rescue of uncounted lives. The cosy feeling of your own echo chamber has vanished. Now, your enemy is in your own ranks. Sometimes even in your own appartment.
It’s a big challenge to maintain your mutual respect, even though you can’t respect each others opinion.

Schlaue Tipps für den Rechnerkauf

Bei der Wahl des passenden Rechners sollte man die Farbe nicht außer acht lassen, denn: Das Auge rechnet mit!
Bei diesem Modell passt das lebendige Rotorange hervorragend zum Bezug meines Stuhls. Das helle Blau der Tastatur setzt nicht nur einen schönen Akzent, es wirkt auch beruhigend und mildert so die Versuchung, unbedacht zornige Repliken zu verfassen. Das lindert den Netzgesamthass.

Das fahle Leuchten von Monitoren ist schlecht für den Teint, darum habe ich mir ein Buch mit elektronischem Papier angeschafft.

Holzvertäfelung und Zimmerpflanze erzeugen einen wohltuenden Kontrast zur technischen Härte des IT-Ensembles.

Frau Grubenthal kommt gerne zu Besuch, da es sich in diesem Ambiente entspannt und nonchallant Twittern lässt.

Zur Linken von Frau Grubenthal steht übrigens die Papiermangel. Sie glättet verknülltes Papier, damit es wieder verwendet werden kann.

Geschichten aus meinem Computerraum

Arbeitssame Stimmung in meinem Computerraum. Hinten rechts: Quantenmechanikerin Dr. Katinka Schlopp, Spezialistin für multiversale mesoskopische Katzenzustände.
Vorne im Bild: Heinrich Utter, Datentypist.

Lärmende Horden

Es gibt Menschen, die mögen es laut. Sie trinken Alkohol, nehmen Amphetamine (Ritalin für Erwachsene) und tanzen gerne zu lauter Musik – vorzugsweise Nachts, im Zentrum der Stadt und am Wochenende. Ihnen bereitet das Freude. Jene, die in Ruhe schlafen wollen, haben weniger Freude daran.

Darum gibt es eine großartige Erfindung: Man sperrt die tanzende Meute einfach in halbwegs schalldichte Bunker, wo sie ungestört und unstörend laut sein können. Alle sind glücklich: Die Tanzenden, die schlaffreudigen Anwohner und die Betreiber der sogenannten Clubs.

Jetzt hat das Regierungspräsidium Stuttgart beschlossen, dass die lärmende Horde dreier solcher Clubs im Bereich Eberhardstraße (Dilayla, White Noise und Bar Romantica) mitten in der Nacht (5 Uhr) auf die Straße gescheucht werden sollen und erst um 6 Uhr morgens wieder in die schallgeschützten Räume zurückkehren dürfen.

Ich kann nicht nachvollziehen, warum man den Anwohnern jetzt zumuten möchte, dass durch diese sogenannte Sperrstunde die Clubgänger für eine Stunde mitten in der Nacht auf die Straße geschickt werden, wo sie andere um den Schlaf bringen.

Artikel in der Stuttgart Zeitung

(Foto: lärmende Menschen (Labor118) im White Noise, selbstgemacht. Und ja, ich lärme bisweilen auch.)

Das größere Stück vom Kuchen

Soziale Gerechtigkeit! Wird gerne gefordert und ist auch eine feine Sache. Jene, die viel haben, geben jenen, die wenig haben etwas ab. Die Rollen dabei sind ganz klar verteilt: Spender und Bittsteller. Und da dies nicht auf Freiwilligkeit beruht, sorgt der Staat für die Umverteilung von Almosen. Er besteuert die Wohlhabenden, damit er daraus ein Netz für die sogenannten sozial Schwachen spinnen kann. Das ist das gängige Bild des Sozialstaates. Es ist ein hässliches Bild.

Wechseln wir doch mal die Perspektive. Menschen verbrauchen Platz, Rohstoffe und machen Dreck. Sie bauen Häuser in die Landschaft und halten mit Zäunen ihre Mitmenschen fern. Sie brauchen Straßen, auf denen sie tonnenweiße Stahl durch die Gegend bewegen. Sie kaufen sich Nippes, der nach einem dekorativem Intermezzo mitsamt Verpackung auf der Mülldeponie oder gleich im Meer landet. Für Energie wird Kohle verbrannt, Atommüll verbuddelt. Kennt man ja alles.

Manche konsumieren mehr, andere weniger. Leider sind unsere Ressourcen endlich. Wenn sich jemand ein großes Stück vom Kuchen nimmt, bleibt weniger für die anderen übrig. Und genau da muss Ausgleich geschaffen werden. Jemand der mehr hat und verbraucht, entschädigt jene, die weniger haben und verbrauchen. Jetzt sind es keine Almosen mehr, die ein Schwacher vom Starken einfordert. Es ist ein Ausgleich unter Gleichberechtigten. Die Wohlhabenden leisten einen Beitrag dafür, dass sie sich ein größeres Stück vom Kuchen nehmen. Dieses Bild gefällt mir schon besser. Es wird dem gerecht, dass Besitz und Konsum mit Verantwortung einhergehen.

Auf den ersten Blick ändert dieser Perspektivenwechsel nicht viel. Es wird immer noch Geld, das sich gerne zu anderem gesellt, wieder an alle verteilt.  Es ändert aber unser Bewusstsein. Und das ist der erste Schritt, wenn wir neue Wege finden wollen, wie wir in einer Welt endlicher Ressourcen dauerhaft ein anständiges Leben miteinander führen können.

Die Königin und der Antichristbaumstern

Irgendwo zwischen Black Sabbath, Iron Maiden und Venom gab’s wohl eine Band, tief in einem blinden Fleck meines metalhistorischen Gedächtnisses. Irgendwann, Ende Siebziger bis Mitte Achtziger. Als man den Dreck noch nicht wegproduzierte, als es noch rauschen und schmutzig klingen durfte. Ein Lied, das weit über 10 Minuten lang durch alle Klischees mäandert, endlose Gitarrensoli über dem Rhythmus einer galoppierenden Herde, Männerchöre und eine verwegene Frauenstimme dröhnen aus dem Lautsprecher meiner Stammkneipe. Demütig ob meiner Ahnungslosigkeit frage ich den DJ. Habe er selbst gemacht, mit seiner Band. Dafür scheint er mir zu jung. Oder er hat beschissen, wie ich’s ja selbst gerne mach. Hat er. Mit einem 4-Spur-Kasetten-Aufnahmegerät haben sie zwei Lieder in den Milberg Studios aufgenommen. In gnadenloser Digitalverweigerung haben „Crestfallen Queen“ eine Kassette produziert und das  handgezeichnete Cover mit dem Kopierer vervielfältigt, damit sie diese am 15. Dezember im Club Zentral (Jugendhaus Mitte) bei ihrem ersten Konzert veröffentlichen können. Da wünsche ich mir ausnahmsweise mal lange Haare für.

Ganz analog sind sie dann doch nicht. Zwei Lieder kann man online hören, wozu ich durchaus rate.

Spotify: https://goo.gl/TMPZhM
Amazon: https://goo.gl/EbToi4
iTunes: https://goo.gl/yWSTZr
Soundcloud: https://goo.gl/G3cwyb
Bandcamp: https://goo.gl/NHM2Ft
YouTube: https://goo.gl/qr3riZ

Noch eine Überraschung: Die Sängerin ist Elena. Elena hat ein Ziel: Die Verschlingensiefung Stuttgarts. Ein nobles Ziel. In ihrem Motörwolf Beautybunker interviewt sie Stuttgarter vor laufender Kamera zum Thema Beauty. Die liegt bekanntlich im Auge der Betrachterin, und diese hat ein sehr schönes Auge für die wahre Schönheit. Die des wilden und ungebändigten Geistes.

Das Logo der Band: Ein kaputter, da gefallener Christbaumstern. Antichristbaumstern, sozusagen. Umzingelt von Keilschriftzeichen. Wollte ich den Teufel mit dem Belzebub austreiben, dann würde ich zwecks Beschwörung dieses Logo auf dem Boden pinseln. Mit dem Blut jungfräulicher Ziegen. Oder alternativ mit Tomatenpesto – für unsere veganen Teufelskerlinnen und -kerle. Ich bin keilschriftlich etwas unversiert, aber Elena kann mir helfen: „No More Let Life Divide What Death Can Join Together“. Elena muss es wissen. Sie ist schließlich Profiphilosophin.

Logo:  Chris Kiesling von Misanthropic-Art
Foto (bevor ich mich reingeschlichen habe): Venera Red

Alphaorder: Fan werden!
facebook.com/CrestfallenQueen

Hier noch eine Geschichte, die meine metallische Spätsozialisierung beleuchtet

 

Robinsonade

Vor einem Jahr habe ich von einer virtuellen Reise berichtet, die mich in die innere Mongolei führte. Um der Verschneematschung vor der Tür zu entgehen, bin ich mal wieder losgezogen. Dieses Mal gemeinsam mit meiner alten Freundin Thea, die auch mal einen Tapetenwechsel braucht.

Schnell den digitalen Globus angeschubst und Genosse Zufall das Reiseziel bestimmen lassen. Nach den üblichen Treffern in die Tiefen irgend eines Ozeans landen wir am Strand einer tropischen Insel. Prima!

Entlang einer ziemlich steilen und wolkenverhangenen Küste wandern wir mal drauf los, um rauszufinden, wo wir eigentlich sind. Theas sonderbarer aber untrüglicher Sinn für Zeitzonen verrät uns schon mal, dass wir 7 Zonen entfernt westlich von ihrer Heimat Nürtingen sind.

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Die Wolken verschwinden langsam hinter dem Horizont, wo sie auch hingehören, und wir entdecken eine Bucht mit schönstem Strand. Wir verweilen bis uns das Fehlen einer Strandbar doch wieder weiter treibt.

Wir brauchen Überblick! Den soll uns der Berg verschaffen, der im Landesinneren so vor sich hin steht.

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Der Aufstieg führt uns durch tropische Wälder. Voll von Krabbelgetier, jedoch wie überall bislang ohne jede Spur von Menschen. Thea und ich streiten uns, wer von uns beiden jetzt Freitag sei.

Mehr als 500 Höhenmeter weiter entdecken wir das Geheimnis hinter dem Berg: Es geht wieder runter. Die Insel hört auf. Keine Stadt. Kein Dorf. Keine Strandbar. Keine Cocktails. Und schon gar keine Cocktailschirmchen oder Menschen, die sich diese im berauschten Zustand ins Auge rammen könnten. Einsame Insel.

Eigentlich perfekt für einen Piratenschatz! Nicht das wir einen dabei hätten, aber vielleicht können wir ja den eines Fremdpiraten plündern. Nur finden sollte man ihn, so ganz ohne Schatzkarte. Nichtmals eine von mir selbst gezeichnete Karte hilft uns bei der Suche. Abends beenden wir unsere Robinsonade und schauen mal, ob es in Nürtingen Cocktailschirmchen gibt.

Zurück in der Zivilisation versuchen wir anhand einer nicht von mir gezeichneten Karte herauszufinden, wo wir uns eigentlich rumgetrieben haben.

Die Kokosinsel! Welch schöner Name. Die ist laut unserer guten alten Freundin Wikipedia eine berüchtigte Schatzinsel. Mist. Beim nächsten Mal gebe ich mir mehr Mühe, wenn ich mir eine Schatzkarte zeichne.


Bock drauf, selbst mal virtuell zu reisen? Hier die Anleitung:

  • Man nehme: Google Earth Pro. Das herkömmliche Google Earth wurde ausgemustert, dafür gibts die Profiversion jetzt umsonst.
  • Zoome in Google Earth ganz weit raus, sodass du den ganzen Erdball siehst.erde
  • Jetzt die Erde richtig schnell anschucken. Dabei ist es wichtig, dass man das Programm so einstellt, dass sich die Erde ohne Unterlass weiter dreht und nicht abbremst.google-earth-einstellungen
  • Dreht sich die Erde nun wie wild, platzierst du den Mauszeiger auf der Mitte und machst die Augen zu. Wenn dir danach ist, klicke und zoome mit dem Mausrad so nah wie möglich ran. Augen auf und Überraschung! Zu 71% ist die Überraschung doof: Man ist mitten im Meer gelandet. Also: Noch mal von vorne.
  • Schau dich um, entdecke wo du bist, mach Fotos per Screenshot und schreibe eine wilde Geschichte.

 

Möbelwuchs

Vor vier Jahren hatte ich ein modulares Regalsystem vorgestellt, welches nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne in die Produktion ging und jetzt in meiner Bude steht. Damit es ihnen nicht langweilig wird, wollen die Möbelproduzenten Natascha und ihr Bruder Aleks ein neues System auf den Markt bringen. Ebenfalls finanziert über Crowdfunding. Ich schau mir das mal genauer an.

Ein Element des modularen Systems ist ein U aus superleichtem EPP (Expandiertes Polypropylen, siehe unten). Mit einer Steckverbindung kann man aus 2 U ein O machen. Und wenn man noch mehr davon hat, kann man Regale, Hocker, Raumtrenner und ganze Landschaften zusammenstecken. Oder sehr lange Wörter wie „uOuuOuuOuO“ an der Wand buchstabieren. Ein weiteres Element kann als Deckel oder Rückwand in das System eingesetzt werden. Will man sich was zum drauf sitzen basteln, dann sorgt das Element für die nötige Stabilität.

Aber wer freut sich am meisten darüber? Die Möbelpacker. Oder jene Freunde, die man beim Umzug dazu nötigt. Ein Element wiegt 300g. Ein Regal mit 4×4 Fächern wiegt dann grob so viel wie eine Kiste Bier. Über die freuen sich die Möbelpacker aber sicherlich auch.

 


Crowdfundingseite

Movisi

Design: Marine Peyre


Das Material: EPP (Expandiertes Polypropylen)

EPP kennt man von den Boxen der Pizzalieferanten, wird aber auch viel in Autos verbaut. EPP ist  extrem stabil und trotzdem leicht: es besteht zu 95% aus Luft. Damit ist das System für die Unterwassermöblierung ungeeignet.

Der Partikelschaumstoff ist komplett ungiftig (sogar lebensmittelecht) und voll recyclebar. Das kann man von herkömmlichen Möbelbaumaterialien wohl kaum behaupten: Pressholz wie zum Beispiel MDF oder Spanplatten enthalten Formaldehyd, was Krebs erregt.

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Die leicht texturierte Oberfläche der Elemente fühlt sich seidig an.

EPP ist ein geniales Material für den Möbelbau. Movisi hat schon einige andere EPP-Möbel im Programm, die sich auch über Jahre hinweg bewährt haben.

Radikale Empathie!

„Jetzt oder nie –Radikale Empathie!“ Das war der Slogan der „Bewegung für Radikale Empathie“, die 1970 in Stuttgart gegründet wurde. Das Künstlerkollektiv Jean&Claude hatte im Rahmen der Ausstellung „Die Banalität des Guten“ die Geschichte der Bewegung dokumentiert. Kurz darauf entdeckte ich, dass die Radikale Empathie auch meinen Vater in den 70ern bewegte:

Ein radikal empathisches Fundstück versteckte sich in der Fotokiste meiner Eltern. Ein radikal empathisches Protestplakat! An der Wand eines Proberaumkellers. Davor die Krautrock-Band „Blönd“, bei der mein Vater Peter in den 70ern Synthesizer spielte.

Blönd von links nach rechts: Peter Asemwald: Synthesizer, Gesang • Wolf Krautter: Bass, Synthesizer, Gesang • Kuno Proklow: Gitarre, Synthesizer, Gesang

„Die Leute von der Bewegung für Radikale Empathie kannten wir aus der Stuttgart Kunstszene“, erzählte mein Vater, “Wir haben damals gerne bei Happenings gespielt. Wolf, der Bassist, war damals politisch recht aktiv und hat sich der Bewegung angeschlossen. Da kamen wir auf die Idee, einen Song für die Bewegung zu schreiben. Den haben wir dann sogar aufgenommen und als Single veröffentlicht. Das war kein Hit, hat aber total Spaß gemacht“

In den Untiefen seines Kellers kramte mein Vater die Single hervor. Und er hatte sogar noch die originalen Bänder aus dem Studio. Als veritabler Elektronikmessie hatte er sogar noch eine funktionstüchtige Bandmaschine, mit der wir das Lied digitalisiert haben.

Ich habe mithilfe eines Freundes ein Musikvideo in Anlehnung an das Cover der Single gebastelt, damit man diese schöne Lied zeitgemäß verbreiten kann. Radikale Empathie kommt nie aus der Mode!

Die Single ist aus dem Jahr 1976, also fast so alt wie ich. „Kurz davor brachte Kraftwerk ihre Platte ,Radio-Aktivität‘ raus. Die hat uns total umgehauen. Wir wollten auch so was machen.“, erzählte mein Vater.

 


Links

Die Banalität des Guten auf Facebook

Bewegung für Radikale Empathie auf Facebook

Blönd auf Facebook


 

Blönd

Blönd wurde 1971 von Peter Asemwald, Wolf Krautter, Kuno Proklow und der Schlagzeugerin Annette Pilz in Stuttgart gegründet. Inspiriert durch Bands wie Can und Neu! spielten sie Krautrock. Als 1975 Annette Mutter wurde, verließ sie die Band. Die Suche nach einer Nachfolge gestaltete sich schwierig. Als sie Ende des Jahres zum ersten Mal die neue Platte von Kraftwerk „Radio-Aktivität“ hörten, beschloss Blönd, auch den Schritt zum Elektropop zu gehen. Elektroingenieur-Doktorand Peter Asemwald beschäftigte sich derzeit sehr stark mit elektronischer Klangsynthese und experimentierte mit einem modularen Analogsynthesizer, für den er einen Sequenzer konstruierte. Daraus entstand die Idee, den Beat elektronisch zu erzeugen. Auf der Empathie-Single haben sie dies zum ersten mal ausprobiert.

Die im Eigenverlag produzierte Single wurde hauptsächlich unter Anhängern der Bewegung für Radikale Empathie und der Stuttgarter Kunstszene verbreitet. Darüber hinaus erlangten sie wohl keine Bekanntheit. Auch die Radios ignorierten die Single. Mit einer Ausnahme: Der 1976 gegründete zürcher Piratensender „Wellenhexe“ spielte angeblich die Single des öfteren. Der Sender beschäftigte sich mit Themen der Frauenbewegung wie Gleichheit der Geschlechter. Das legt nahe, dass sie Verbindungen zur Bewegung für Radikale Empathie hatten.

1978 stieg Wolf Krautter bei Blönd aus, um sich mehr seinem außerpolitischem Engagement der BRE zu widmen woraufhin sich Blönd auflöste.


Bewegung für Radikale Empathie

Die beiden Stuttgarterinnen Dominique Brewing und Anja Haas haben die Geschichte der Bewegung für Radikale Empathie dokumentiert. Ich zitiere hier ihre Arbeit direkt, um einen Einblick zu vermitteln:

„Zu Beginn der 1970er-Jahre im süddeutschen Raum gegründet, macht die Bewegung für Radikale Empathie (BRE) bis heute auf Missstände aufmerksam und bemüht sich um die Stärkung der Gesellschaft durch Empathie. Zunächst als Gegenentwurf zur Roten Armee Fraktion konzipiert, setzt die BRE seitdem mithilfe von Aktionen, Flugblättern und anderem friedlich ein Zeichen gegen Hass. Die BRE greift dort an, wo sie gesellschaftsrelevante Themen erkennt, und geht wachsender Wut und Angst auf den Grund. In respektvollem Austausch soll sich wieder einander angenähert werden, anstatt sich in blindem Hass voneinander zu entfernen. Darauf wurde bislang vor allem durch zahlreiche Demonstrationen und Aktionen für mehr Toleranz und ein friedliches Miteinander aufmerksam gemacht.“

 

„Joachim Unland, Monika Seller und andere gründeten im Frühjahr 1970 die Bewegung für Radikale Empathie in Stuttgart. Unland (*1941) hatte sich zunächst bei der RAF engagiert, sich allerdings nach deren Radikalisierung von ihr distanziert. Andere spätere Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands hatten einen ähnlichen Hintergrund oder waren bereits bei Studentenprotesten aktiv gewesen. Sie einte die Wahrnehmung der Gesellschaft, in der sie Werte wie Toleranz zusehends verkümmern sahen, sowie das Bestreben zur friedlichen Lösung von Missständen. So formierten sie sich zur BRE und definierten in einem Gründungsmanifest ihre Leitmaximen: Mut, Empathie und Respekt. Als erste öffentlichkeitswirksame Aktion gilt die Demonstration zur Stärkung der Frauenrechte im Dezember 1973. Die Demonstration mit 480 Teilnehmenden gilt als geschichtsträchtig, da – im Gegensatz zu vergleichbaren Aktionen – hier sowohl Frauen als auch Männer Seite an Seite für die Gleichstellung der Geschlechter demonstrierten. Berühmt wurde der Slogan „Jetzt oder nie – Radikale Empathie“, der bis heute oft verwendet wird.“

Fang den Trickster

In Stuttgart geht der Trickster um. Zumindest hinterlässt er Spuren, die ich entdeckt habe. On- und offline.

Trickster sind mir grundsätzlich sympathisch. Sie erzeugen Chaos. Und Chaos ist das, was die Welt davon abhält, zu verrosten.

Dem Stuttgarter Trickster bin ich zuerst im Instagram auf die Schliche gekommen, nachdem ich über den Hashtag #fangdentrickster stolperte.

Der Bursche scheint schwer zu greifen zu sein, aber all seine Spuren führen ins Figurenheater FITZ, passend für so eine komische Figur. Nächste Woche Donnerstag stellt sich der Trickster dem Publikum des Theaters. Zwei mal zwei Freikarten kann man gewinnen, wenn man sich schon im Vorfeld auf die Tricksterjagd begibt. In der Stadt hat der Trickster Aufkleber verbreitet. Wer einen fotografiert und dem Trickster auf Facebook zeigt, kommt in die Verlosung.

Wer einen Aufkleber findet, kann zwei Karten gewinnen.

Ich bin mal gespannt, was für ein Typ der Trickster so ist. Und selbst, wenn ich schon mehr über ihn wüsste, würde ich es hier jetzt nicht verraten. Fangt ihn doch selber!


Premiere: Donnerstag, 30. März 20:30 – 21:30

Weitere Spieltermine: 31. März. und 2. April 2017 um 20:30

FITZ Zentrum für Figurentheater
Eberhardstr. 61, 70173 Stuttgart

Tickets

Antideutsch

Ich mag Deutschland. Verglichen mit dem Rest der Welt ist es hier ziemlich schön: Friede, Freiheit, Offenheit, Umweltschutz, Wohlstand, Gerechtig-, Sicher- und Sauberkeit und ein Sack voll weiterer Tugenden. Kennt man ja. Eine besonders rare Tugend erlernte Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg: Demut. Schluss mit Deutschland, Deutschland über alles. Mir fällt kein ander Land ein, das sich ernsthafter um die Aufarbeitung des Dreckes am Stecken der eigenen Geschichte bemüht. Und das ist auch gut so. Nie wieder sollte blinder Nationalstolz zu so viel Grausamkeit und Zerstörung führen. Wir können nichts ungeschehen machen, aber wir können etwas anderes: wir können den Anfängen wehren! Uns darum kümmern, dass dies nie wieder geschieht. Verfolgte aller Welt genießen bei uns Asylrecht, und wir nehmen einiges auf uns, um dem auch gerecht zu werden. Wir setzen uns für ein geeintes Europa ein, das viele unsere Vorfahren mit dem Panzer unter sich einen wollten. Kurzum: Wir haben gelernt. Oder besser gesagt, die meisten von uns.

Demut ist ein zartes Pflänzchen, das nicht in einer Suppe aus Angst, Wut, Hass und Egoismus gedeiht. Sie bedarf innerer Größe, die nicht alle von uns haben. Von der neuen Rechten aufgehetzte „besorgte Bürger“ werfen ohne Zögern ihren Anstand über Bord. Sie verneinen all das, was unser Land so großartig macht. Von dem Deutschland, auf das sie stolz sein wollen, hatten wir genug in unserer Geschichte – sie soll sich bitte nicht wiederholen. Aus meiner Sicht ist die neue Rechte zutiefst antideutsch. Das liegt daran, dass mein Bild von Deutschland sich grundsätzlich von dem der neuen Rechten unterscheidet. Während ich mich eines freien und offenen Landes erfreue, malen sie ihren Teufel an die Wand.

Welches Bild soll Leitbild unserer Gesellschaft sein? In welchem Deutschland wollen wir leben? Die neue Rechte kämpft mit allen Mitteln um die Deutungshoheit, doch wir dürfen sie ihnen nicht überlassen. Doch wie können wir die Angst und den Hass überwinden? Das ist die große Frage, die nicht nur mich gerade umtreibt. Wenn ich was finde, melde ich mich sofort. Eines ist mir jetzt schon klar: Das einzige Mittel gegen Hass ist schlicht und ergreifend Liebe.

 


PS: Wem das zu patriotisch klingt, darf es gerne auch matriotisch nennen. Ein Mutterland ist ein schöner Gedanke. Wir brauchen mehr matriotische Europäer gegen die Aufhetzung des Abendlandes.

PPS: Nur weil man sein eigenes Land mag, muss man die anderen Länder nicht gleich doof finden.

PPPS: Mich kotzt es schon so leicht von schräg hinten an, dass die rechten Hetzbacken das Deutschlandgutfinden für sich gepachtet haben und ich  mich als humanistische Pluralistin irgendwie genötigt fühle, mich für meinen Matriotismus auch noch rechtfertigen zu müssen.

PPPPS: Natürlich weiß ich, dass in Deutschland nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch hier gibt es Korruption, soziale Ungerechtigkeit und einen Haufen anderer Probleme. Aber nur, weil es um den Rest der Welt meist schlimmer bestellt ist, heißt das noch lange nicht, dass wir uns auf unseren Lorbeeren ausruhen können (Die pieksen eh am Hintern). Es gibt viel zu tun. Und auch das ist durchaus matriotisch!