Küssende Saurier


Verreisen macht Spaß, kostet aber Geld, Zeit und bei Fernreisen Kerosin. Drum verreise ich gerne virtuell, per Google Earth. Um’s spannender zu machen lass ich den Zufall mitreisen. Dazu zoome ich in Google Earth weit raus, sodass ich den ganzen Erdball sehe. erde Jetzt schucke ich die Erde richtig schnell an. Dabei ist es wichtig, dass man das Programm* so einstellt, dass sich die Erde ohne Unterlass weiter dreht und nicht abbremst. google-earth-einstellungen Dreht sich die Erde nun wie wild, platziere ich den Mauszeiger auf der Mitte und mache die Augen zu. Wenn mir danach ist, klicke ich und zoome mit dem Mausrad so nah wie möglich ran.  Augen auf und Überraschung! Zu 71% ist die Überraschung doof: Man ist mitten im Meer gelandet. Also: Noch mal von vorne.

01-Gobi

Meine erste Reise geht auch ins Wasser, beim zweiten Versuch geht’s in die Innere Mongolei, in die Wüste Gobi. Zum großen Glück lande ich auf einer Piste nördlich der Stadt Erenhot. Bekannt ist dieser Ort dafür, dass auf der Transmongolischen Eisenbahn dort die Fahrgestelle der Züge getauscht werden, da die Chinesen eine andere Spurweite haben.

Da in Erenhot einige Dinosaurierknochen gefunden wurden, gibt’s dort Haufenweise Sauriermodelle. Das Highlight: eine Brücke aus zwei sich küssenden Saurier über eine Straße. (Foto: Phil MacDonald) Mein Tipp: Selbst per Google Earth verreisen, Bildschirmfoto machen und als Postkarte ins Facebook stellen. Dazu gerne noch was über den Ort oder die Region schreiben.  Das ist zwar nicht ganz so glamourös wie selbst vor Ort sein, aber eine umwelt-, geld- und zeitfreundliche Alternative.

PS: Mit dem Auto müsste ich immerhin 100 Stunden fahren, um nach Erenhot zu kommen. Mit dem Zug kommt man aber recht einfach dort hin. Einfach nach Moskau fahren, in die Transsibirische Eisenbahn umstiegen, in Ulan Ude in die Transmongolische Eisenbahn Richtung Peking umsteigen und dann in Erenhot aussteigen. Aber virtuell geht’s halt noch einfacher.

*Programm:  So hat man früher Apps genannt.

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Twittern mit dem Smartstone


Um dem Geheimnis der Cro-Magnon-Menschen des Heusteigviertels auf den Grund zu gehen, habe ich beschlossen, mit die Situation vor Zeit anzuschauen. Ungeduldig – leider zu ungeduldig – programmiere ich meine Zeitlochmaschine und lande im Neolithikum, das Jahrtausende nach der letzten Kaltzeit war, in der Cro-Magnon-Menschen hier heimisch waren. Wenigstens ist es nicht so kalt, denke ich mir und schau mir die Zeit trotzdem mal an. Auf der Suche nach W-Lan begegne ich ein paar Steinzeitlingen, die mich an einen bizarren Ort bringen. Riesige, konzentrische Steinekreise stehen einfach so auf der Wiese rum. Smartstones, wie ich rausfinde.

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Bei genauerem Blick entdecke ich, dass die Neolithiker damit twittern. Zu blöd, dass meine Kenntnisse steinzeitlicher Sprachen etwas dünn sind. Ich gehe aber mal davon aus, dass auch hier viel Blödsinn verbreitet wird. Ich mach mich mal wieder auf den Rückweg in die Zukunft, bevor mir einer einen Hashtag an den Kopf wirft.

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3a92169531a9c8a80133f944cb8d34ee_image_document_xxl-2Ich habe mal nachgezählt: Dies ist der fünfhundertste Artikel, den ich in diesen Blog hier rein schreib. Ich trage hier mal mit meinen Lieblingsartikeln, die mindestens ein Jahr alt sind, zur Informationsflut bei. Wer im Lotto eine Vorratspackung Zeit gewonnen hat und nicht weiß, wie er Todschlag an ihr begehen soll, darf sich gerne durchklicken.  Allen anderen empfehle ich einfach so mal einen Link zu klicken und dann doch alle zu lesen.

Dorische Tipps für die Suche nach Glück:
Über die Unart halbe Schokoladentafeln zu essen

Hier hüpfe ich auf verschiedene Metaebenen und erfinde das Konzept des Abstraktionsbalast:
Der Boden des Konkreten

Ich rechtfertige mich dafür, keine Rechtfertigung zu haben:
Rechtfertigungspaste

Hanebüchene Theorie zum Thema Katze:
Die Verkatzung des Netzes

Über den Segen des grundlosen Glücks:
Grundlos glücklich

Selbstgemachte, total wahre Verschwörungstheorie zum Erdbahnhof:
Geheimnisvoller Fernsehturm

Hier habe ich die Idee zur Initiative Loch 21 veröffentlicht und bin erstmalig auf politische Themen eingegangen:
Inverser Turmbau zu Babel

Nette Fußballanalogie zur Schlichtung bei Stuttgart 21:
Schlichtungsspiel

Meine erste Begegnung mit „the Hoff“:
I’ve been looking for David

Gefährliches Interview mit Chuck Norris:
Die 71 wird Chuck Norris

Dorische Ideen zur Steigerung der Flugsicherheit:
Gefühlte Sicherheit

Über meine Existenz als widersprüchliche Geschichte:
Roter Fadenknäuel

Und zu guter Letzt: Der erste Artikel, mit dem am 4. Mai 2007 alles angefangen hat:
Hallo Welt!

Nette Reiseberichte:
Reise nach Sardorien
Tokyo, mon armour

Warum ein Stadtteil von Stuttgart so heißt wie ich:
Namenspate dan Weltrevolution

Warum Justizvollzuganstalten anders benannt werden sollten:
JVA Asemwald

Ein Plädoyer für die Lebenslüge:
Besser leben mit Positiver Lebenslüge 

Noch mehr Lebenslügen:
Besser in die Tasche lügen mit Dora

Und noch eine Lüge obendrauf:
Mal ehrlich gelogen …

Über den Sinn des Scheiterns:
Scheiterhaufen

Ernsthafter Artikel über das Internet und was da so geschieht und geschehen wird:
Virtuelle Identität

Ein Besuch auf dem Slayer-Konzert und über den Sinn von Todesmetall:
Tod und Teufel

Warum man über’s Wetter reden muss:
Dora redet vom Wetter

Lebt gefährlich!
Don’t be a maybe

Erster Artikel für einen Protestkochblog:
Der Kessel kocht: Flambiertes Pfefferspraysteak

Und dann noch eine Verteufelung von Kochblogs per se hinterher:
Pixel machen auch nicht satt

Hier elaboriere ich so vor mich hin:
Machwerk überteuerter Fremdwörter

Wie virtuell ist das materielle Leben?
Avatar – Profil 1:1

Die Geschichte meiner Frisur:
Das Mirielle Mathieu Trauma

Ich war jung und schiss auf das Geld: 
Mein erstes Auto

Geschichte von einem gescheiterten Jahreswechsel:
Verheult im Pippi-Kostüm

Totaler Blödsinn:
Was den Kürbis pflegt, mundet der Dora

Dorischer Klugschiss zu Grundsätzlichen Fragen des Seins: 
Glauben, Wahrheit und der reinkarnierte Wurstgott

Noch mehr Klugschiss zu Tätowierungen und so: 
Gestochene Identität

Klassische Medienschelte: 
Dora diskutiert über Deutschland

Kapitalismusschelte:
Abwrackprämie für’s Büro

 

Internet bekleben verboten


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Kennt man ja: An allen Ecken und Enden der Straßen stehen so geheimnisvolle graue Kästen, auf denen meistens „Bekleben verboten“ steht. Und vielleicht noch ein paar Zahlen. Ab und an schauen Fachleute in die Eingeweide dieser Kästen, in denen tausende von Kabeln spaghettiesque verwirrwarrt sind und schrauben darin herum. Ich habe eine Vermutung: In den Kästen steckt das Internet. Sie sind die Ausläufer des Spinnennetzes des World Wide Web. So wie Pilze, die die Fruchtkörper ihres Mycels sind, dass den Boden des Waldes durchwächst und vernetzt. Hier wird die Datenwelt greifbar!

Einer der Techniker hat wohl sein Kontrollgerät auf dem Kasten neben meiner Galerie stehen lassen. In einem unbeobachteten Moment gebe ich meiner Neugier nach und drücke ahnungslosigkeitsbedingter Wahllosigkeit dessen Tasten.  Es passiert: Nichts. Zumindest nichts, was ich hier bemerken würde. Hoffentlich habe ich jetzt nicht das Internet verwirrt oder gar kaputt gemacht.

PS: Liebe Marianne, ich hoffe, dass dein Internet jetzt nicht schon wieder kaputt ist. Das täte mir leid. Kannst gerne meins benutzen, das tut noch.

Surfen mit Wodka Martini


james-bond001Da hat die olle Petze Snowden ganz schön was angerichtet! Was  einfach so gemacht wird und wovon jeder weiß, dass es einfach so gemacht wird, aber keiner darüber reden soll, dass es einfach so gemacht wird ist jetzt genau da, wo es nicht hin soll: in den Medien. So lange das Bild geheimdienstlicher Arbeit von Doppelnullagenten geprägt war, die im Alleingang jene zu Fall brachten, die die Welt unterjochen wollten, war alles noch in Ordnung.  Der James Bond von heute trinkt seinen Wodka Martini hinter einem Bildschirm und durchforstet die Welt der globalen Kommunikation. Das Liquidieren von Schurken überlässt er seinen Drohnen, die er lässig mit dem Joystick durch Krisengebiete navigiert. Aber Obacht: Er überwacht dabei nicht nur das Treiben seiner Antagonisten der Terrorbande SPECTRE, sondern jeden von uns. Auch dich!

Für den Wahlkampf unserer Regierenden kommt das Thema etwas ungelegen. So richtig empören, wie es die Wähler erwarten, kann man sich ja nicht, wenn man selbst Dreck am Stecken hat. Das darf nur die Opposition. Vorausgesetzt keiner fragt nach, was sie davon wussten, als sie noch selbst an der Regierung waren. Da hilft nur Muttis Trick: Ruhe bewahren,  abwarten, Fresse halten.

Der Trick funktioniert meistens. Nachdem sich das Volk einem kurzen Empörungszyklus hingegeben hat, kommt todsicher der nächste Skandal. Es kapiert eh kaum einer, was an der Sache denn so schrecklich sein soll. Spionage verhindert immerhin Terrorismus und der unbescholtene Bürger hat ja nichts zu verbergen, oder? Und sowieso: Bei Facebook gibt doch eh jeder alles von sich preis. Freiwillig! Die Datensammelwut der Geheimdienste schränkt das Bürgerglück nicht merklich ein. Also wieso dieses ganze Bohei?

Die Gefahren einer umfassenden Überwachung sind nicht sonderlich plakativ. Keine Riesenlaser versuchen die Hauptstädte der Welt in Schutt und Asche zu legen. Welch gefährliches Machtinstrument Überwachung sein kann, sollte eigentlich einer wissen: Bundespräsident Gauck hat sich einen Namen dadurch gemacht, dass er einst mit seiner Behörde 175 Regalkilometer Akten der Stasi-Überwachung  aufgearbeitet hat. Seine Empörung galt der Tatsache, das Snowden gepetzt hat. Gegenüber der Total-Überwachung zeigte er sich schon viel verständnisvoller. Merkel wog bei ihrer #Neuland-Rede Sicherheit mit unbeschwerter Nutzung der neuen technischen Möglichkeiten ab. Das Wort Freiheit ist ihr erst bei späteren Äußerungen zum Thema über die Lippen gekommen.*

Freiheit ist ein weitaus komplexeres Konzept als Sicherheit. Sie hört da auf wo die des anderen anfängt und ohne Sicherheit kommt sie schon gar nicht aus. Die Dialektik zwischen Freiheit und Sicherheit ist philosophisch hartes Brot und überfordert wohl den einen oder anderen. Wenn man erkennen will, welche möglichen Folgen aus der Totalüberwachung entstehen können, muss man sich schon mal ein bisschen mit der Materie auseinandersetzen. Unzählige Journalisten machen genau das, empören sich (zu recht!), rücken den Regierenden auf den Pelz. Und prallen ab.

Mit ein bisschen Geduld und Beschwichtigungen wird sich auch dieses Thema im Themenendlager zum Rinderwahn und den Pussy Riot-Mädels gesellen. Keine Sorge: Die nächste Krise kommt gewiss. Und dann interessiert es kaum einen mehr, was James Bonds Kollegen so interessiert. Hauptsache der große Bruder wacht über uns, während Terroristen unsere Unbeschwertheit bedrohen.

Ich hoffe, dass ich mich da täusche.

*Es ist erschreckend, dass sich die Netzgemeinde so über den leider ziemlich gut zutreffenden Ausdruck „Neuland“ echauffierte, und kaum einer bemerkte, dass sie die Gefahren der Überwachung auf verlorene Unbeschwertheit verniedlicht. Das hat Netzgockel Lobo schon gut kommentiert, weshalb ich mich dazu jetzt nicht mehr auslasse: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/kolumne-von-sascha-lobo-zu-prism-tempora-und-merkel-a-907477.html

Eugeln im Euronet


Dora Bildschrim

Lange bekannt, jetzt offiziell: Amerikanische Geheimdienste bedienen sich freizügig an unseren Daten bei Google, Facebook und dergleichen. Wie alle Skandale löst auch dieser den Forder-Reflex bei Politikern aus. „Eigene Kommunikationstechnik aufbauen“ will Hans-Peter Uhl von der CSU, Dieter Wiefelspütz von der SPD meint:  „Wir brauchen europäische Angebote“. Warum die Amis schnüffeln lassen, wenn man’s auch selbst kann? Und wenn bis dahin das Merkel noch kanzlert, ist es ihr garantiert eine Ehre, Obama beim lauschen auf CC zu setzen. 

Ich stell mir jetzt mal ein staatlich oder gar eu-lich initiiertes Google (Eugel?) oder Facebook  vor. EU-Richtlinien für Profilbilder, EU-Norm-Tweets und ein Filter, der Bilder krummer, also mal gar nicht EU-tauglicher Gurken aus den Suchergebnissen streicht. Mal schauen, wann es das Euro-Net gibt, mit eingebautem Rettungsschirm. 

Ich forder jetzt auch mal was: Bitte liebe Politiker: Wenn der Forder-Reflex juckt, bitte erst mal die Tassen im Schrank zählen. 

Tipp: Einfach bei allen Mails Obama auf CC setzen, und das Merkel gleich mit dazu. Dann müssen sie nicht mehr so umständlich rumspionieren. 

president@whitehouse.gov

angela.merkel@bundestag.de

Soziales Mädchen in digitaler Gesellschaft


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Ich bloggiere jetzt schon seit geraumer Zeit aus meiner Heimat Stuttgart, und hab hier die einen oder anderen Bloggisten aus dem Kessel schon kennengelernt. Um mal zu schauen, was die Kollegen außerhalb so treiben, fahre ich morgen zur re:publica, der „Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft“ in Berlin. Für ein soziales Mädchen, dass bloggt und sich hauptsächlich in digitaler Gesellschaft aufhält, scheint das wohl ein Eldorado zu sein. Ich werde berichten …